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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-02-07 · Heft 6 (7.2.1913) · p. Seite 67

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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Sprechen gelangen lassen. Aber sprechen wird das Tier nur unter der Voraussetzung',' daß es sich'zum denkenden Wesen erheben könnte./ Dann-wäre es aber nicht mehr Tier, sondern Mensch.- Die Sprache ist unser Rubikon, und kein Tier wird ihn überschreiten." — S. 17 (Die einheitliche Moral): „Sie alle, ganz besonders Kants: „Handele so, daß die Maxime deines Handelns zum allgemein gültigen Gesetz werden kann", sind bloß eine Umschreibung des Biblischen: „Du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst", mit der Erklärung desselben durch den großen H'illel: 'Was du nicht willst, das man dir tue, das tue auch einem anderen nicht." "Hier sei auch die im Abschnitt: „Die staatliche und soziale Moral", auf den ich besonders Hinweise, angeführte Auslassung des jüdischen Religionsphilosophen Bachja wiedergegeben: „Die Menschengeschlechter, die über die Erde wallen, gleichen einer Karawane, die durch die Wüste hinzieht. Der einzelne, 'der allein durch die Wüste zöge, müßte verkommen; indem sie sich aber freundschaftlich zusammenschließen und einander beistehen, kommen sie alle glücklich ans Ziel. So sollen sich Pie-Menschen gegenseitig als Genossen und Brüder betrachten, .die Gott zueinander gesellt, daß sie Leid und Freud miteinander teilen und so gemeinsam durch das Leben schreiten. Gehet hin" — sagt er zum Schluß — „und bedenket das große und weise Wort der Schrift: Du sollst lieben .deinen. Nächsten wie dich/selbst." (S. . 34.) Interessant sind die von Lu d w i g P i ck ausgestellten . Vergleiche Mischen der Moral des Optimismus und des Pessimismus, indem er sehr richtig bemerkt, daß- Mährend das der optimistischen Weltanschauung huldigende Judentum die entschiedenste Lebensbejahung ausspricht, proklamiert, der Pessimismus Schopenhauers nichts anderes, als das Recht auf die Auflösung des Menschen in 'das Nichts des buddhistischen Nirwana, das gleichbedeutend sei mit dem Recht auf den Tod. Er zitiert dabei Nietzsche, der in seine nveiferen Jahren den Pessimismus für eine „Krankheit", für ein/-,Gift im Geblüte" hielt und zu der Ueberzeugung gelangte/ „daß. der musikalische Mystizismus Richard Wagners und die pessimistische Mitleidsmoral Schopenhauers eine Gefahr sind für die Kultur, daß sie nur Schwächliche und Lebensmüde erzeugen',/ mit einer Abkehr vom Leben, mit einer Weltflucht und Sehnsucht nach dem Tode." - . /. ~ ■ Besonders bemerkens- und anerkennenswert ist die seine Art, wieder Verfasser gegen die Widersacher des Judentums polemisiert. Er schlägt sie zuweilen mit ihren eigenen, häufig mit den Waffen hervorragender christlicher Denker, und trifft sie darum um so sicherer — in die Seele. So lesen wir im Kapitel:' „Missionstätigkeit und Staatsbürgertum" (S. 50), daß Pros. Krug, der unmittelbare Nachfolger Kants, den zurzeit gegen die Emanzipation erhobenen Einwand, daß den Juden, wenn fle emanzipiert wären, jeder Anreiz, um sich zu bekehren, fehlen würde, mit folgenden Worten zurückwies: „So? Auf diese Art wollt ihr die Juden bekehren?" Irdischer Vorteil soll sie zu Christen machen? O, da möchten sie doch immer Juden bleiben! Denn ein Christ um des irdischen Vorteils willen ist ein so nichtswürdiges Ding, daß mir ein altgläubiger Jude tausendmal lieber ist— das Argument ist um so nichtiger, weil es sich selbst vernichtet. Ihr wollt die Juden bekehren, das heißt, zu Christen machen. Gut. Wie habt ihr aber das bisher gemacht? Ihr habt sie bald gröber, bald feiner bedrückt und verfolgt. Und was ist der Erfolg gewesen? Die Juden sind geblieben, was sie waren, und das ist ganz natürlich. Ich hätte es auch so gemacht, wenn ich ein geborener. Jude gewesen wäre." Aehnliche Aussprüche gegen das Bestreben, die Juden zum Christentum zu bekehren, wie überhaupt gegen das beliebte Verfahren christlicher Theologen, das Christentum aus Kosten des .Judentums zu glorifizieren, enthält jedes einzelne: der 15 Kapitel in reicher Fülle und verdienen besonders in jenen Kreisen gebührende Beachtung, die' geeignetes Material für eine A p o l o g e t i k des Judentums sammelnd Zum Schluß möchte ich ganz besonders auf die Abhandlung: „Der Modernismus/Spinoza, Religion und Philosophie" Hinweisen, die sich sowohl durch Gedankenreichtum wie durch außerordentliche Belesenheit des Verfassers auszeichnet und dem ganzen Buche den Charakter wissenschaftlicher Forschung verleiht. Die große Belesenheit des Verfassers zeigt sich auch in dein letzten Kapitel „Der religions- und sozialgeschichtliche Geist", in dem er einen Exkurs in die spezifisch jüdische Geschichte und Literatur unternimmt und in schöner Diktion aus dem gesamten jüdischen Schrifttum die Belegstellen für seine oder richtiger — die Weltanschauung des Judentums aufführt: „Das einheitliche Menschengeschlecht, die einheitliche Moral, die einheitliche Religion." - Albert Katz. Erinnerungen an Oberrat Leopold Ettlinger sei AngeL. ttL s war vor Jahren, baß ich nach Karlsruhe i. B. kam; es war mir der Ruf geworden, den eben Üaselbst eingeführten israelitischen Religionsunterricht an den höheren Schulen zu übernehmen. Einer der ersten, der den Neuangekommenen mit Herzgewinnender Freundlichkeit empfing, ihm / „das Sicheinleben" in die anfangs nicht leichte Aufgabe erleichterte, war der Synagogen- und spätere Oberrat Leopold Ettlinger. Man erinnert-sich, mit welchen Schwierigkeiten in der ersten. Zeit der öffentliche Religionsunterricht an den höheren Schulen allerwärts zu kämpfen gehabt, zum Teil noch zu kämpfen hat; wie man da vorüber einen, von liberaler Seite, sich ein angebliches Recht der Eltern betreffs Teilnahme oder Nichtteilnahmeseiner Kinder am Religionsunterricht nicht nehmen lassen wollte, von anderer, der orthodoxen Seite, das geringe Zeitmaß für den Unterricht, den religiösen Standpunkt des Unterrichtenden als vielleicht der Mehrheitspartei angehörend, bemängelte. Da war es wieder Leopold Ettlinger, der mit .'dem ganzen Gewicht seiner Stellung, mehr noch seiner auch bei Orthodoxen vertrauenswert gefundenen Persönlichkeit, die Schwierigkeiten glücklich lösen half, der auch weiterhin das treibende, fördernde Element in der Sache des Religionsunterrichts blieb. — Die lange Zeit, da ich dort an Schulen arbeitete, war wohl kein Schulakt, an dem Leopold Ettlinger .fehlte; und er ließ keine Gelegenheit vorübergehen, sein lebhaftes Interesse an der Sache des öffentlichen Religionsunterrichtes, mit der Karlsruhe der Schwesterstadt Mannheim Nachfolgen sollte, zu bekunden, und heute ist es wohl konsolidierte Schuleinrichtung, auch dort mit einem Ansehen, einer Geltung, die die Sache.des israelitischen Religionsunterrichtes bisher nur in Baden und etwa noch in Bayern genießt. Die Religionsnote, es ist dies nicht überflüssig hier zu bemerken, zählt sogar beim Klassenplatz des Schülers mit. : Sonst sind es nach der Stellung, die ich daselbst gehabt, nur noch Erinnerungen an den Menschen und an den Juden, die ich hier von Leopold Ettlinger wiederzugeben habe; nach persönlichen Beziehungen, die ich zu ihm, seinem Hause fortgesetzt unterhalten durfte, darf ich wohl als nicht unberufen hierfür erscheinen. Alles mit einem zu sagen, ich habe bei chm die seltene Mischung aller der Eigenschaften, wie sie -den Mann zum liebenswürdigen Menschen, zur kraftvollen, insich gesammelten Persönlichkeit zugleich: ob im öffentlichen, ob im Privatleben, ob in seinen Beziehungen zum gottesdienstlichen oder sozialen Leben, die Jahre hindurch aufs wohltuendste ZU beobachten Gelegenheit gehabt. Derselbe Mann, so äntsiü

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