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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Noch die HerrÄl Kvmmcrztenrat Gerson 3 t m o.u int rSi-tmc i>ct Aus»' sührnngen des Herrn Pincus, Herr Loewenthal gegen.den Antrag, Herr Aron Hi rs ch seine Sympathie für die Wünsche des Herrn Pincus nitsgesprochen und Herr Netter nochmals die Ablehnung befürwortet hatte/ tvurde der Antrag ii.ncfj ei nein Schlußwort des Herrn P i u c u s mit großer Mehrheit abgelehnt. Der Vorstand teilt mit, daß -er dein Beschluß der Versammlung, die' Pslichtstund-enzahl der» jeiiigen Lehrer an der Knaben- und Mädchenschule, die vor dem 1. April 1910 'angestellt ivaren, das Mittelschullehrerexamen aber nicht gemacht haben, bei einem Ponsivnsdienstalter von 23 Vahren aus 28 Stunden wöchentlich, von 28 Jahren auf 24 Stunden und von 31 Jahren ans 22 Stunden zu ermäßigen nach Anhörung des Talmud-Thora-Vorstandcs nicht beitreten könne. Der Ausschuß 3 null teirren Koirslikt heraufbeschrvöreu undempfiehlt, die Vorlage zur Keuututs zu nehmen. Herr Justizrat C o h n spricht sein Bedauern über den Beschluß des Vorstandes aus und hält die Begründung, daß die mateviellrX Gleichstellung -ausreichend sei, für unrichtig. Die Herabsetzung der Pflichtstuttdenzahl basiere aus Altersrücksichteit. Professor B la schule hofft, daß die Eutschei-dnng keine unabänderliche sei. Die VvrlageVdes Vorstandes wird sodann zur Kenntnis genommen. Aus dem Vorstand der Synagoge Lindenstraß-e wird in die Kommission für 'die sestgottesdienstlichen und musikalischen Augelegeirheiten Herr Jacques Apt an Stelle des Herrn Albert Stlbermanu und an Stelle des verstorbenen Herrn Louis Plonsker in die gleiche Kommission Herr Jncob Mandelba-ttnt getvählt. In die Friedhosskomm-isston werden die n-nss-cheidenden Herren Wkagistratsbaurat G r o n i a t o tv s k i,' Al-er H a h u, Si-egfried S a ch s, Eugen S e l l v und Siegfried W a ch s n e r wiedergewählt. — Der Rechnungsabschluß der Schulverwaltung pro 1911/12, der Minderausgaben von 33 947,50 Mark aufwcist, wird dechargiert und die Alehrausgabe von 101,83 Mark bei der Religivitsschule in Pankow nachbewilligt. — Der probeweisen Ausgestaltting der Knabenschule zu einer neunklassigett Miittelschtt'le gemäß dent Erlaß des Unterrichtsmitiislers vom 3. Februar 1910 über die Neuordnung des Aiittelschnl-wefens i-n Preußen stimmt die Versautmlung zu. Vom V-orst-ands-tisch? verrveist Herr Justizrat Breslauer darauf, daß die Knabenschule zwar Vorzügliches geleistet habe, aber doch feit 20 Jahren, obwohl sich die Verhältnisse sehr -geändert tmd die Ansprüche -gesteigert haben-, der Schulplan keine Aenderung -erfahren habe. Tie Ausgestaltung der Knabenschule zu -einer Alittelschnl-e bedeute einen wesentlichen. Fortschritt. -Obwohl die Knabenschule keine öffentliche sei, habe der Minister -dennoch ihr die Ber-günstigung -gewährt, daß die Knaben -gleich beim Verlassender Schule, im 15. Lebensjahr, zur Ablegung des einjährigfrei tv-illigen Examens zn-ge lassen iverd-en- (sonst -erst mit -vollendetem 17. Fahre). Herr Justizrat Cohn empfiehlt -gleichfalls die Dl-nnahnte und weist darauf hin-, daß. noch -wei-ter-e Vorteile den Schülern nach dem Ministerialerlasse zu stehen würden, die -aber leider bei der heutigen Strömungfür unsere jüdischen Kinder problematisch seien. <Es' handelt sich um die Zulassung zum ittittlereu Post- und Telegraphendiettst.) Der Vorlage des Vorstandes, den allgemeinen Reparatur-enfouds Pro 1910/12 nachträglich utn 25 000 Mark zu erhöhen, [timm-t die Versammlung zu. Zur Weiterbeschästtgung einer Hilsskraft itt der G-emeindebibliothek für die Zeit vom 1. Oktober v. I. -bis 31. März d. Z. werden.750 Ntark, für die 1912/13 sta-ttsindenden Kurse zur Vorbereitung von Jnt-erimsfunttiottär-en 2753 Mark bewilligt. Auf eilte Anfrage des-Herrn Dr. Ginsber-g teilt das Vorstandsmitglied Herr Seligsohn mit, daß.sich etwa vier jüdische Organisten zur Teilnahme gemeldet hätten. Zur Anschaffung vonztvei Hartnou-i-en für die Gebet ha llett auf dem Friedhose in Weißens-ee werden 1130 Mark zur Versüguu-g gestellt. Dabei gelaugt eine Resvlnt-ion zur A-muchme, daß die Bentttzung der Harmonien fnknltativ und der freien Entschließung der Leidtvagettdeu überlassenbleibett soll. Herr Kommerzienrat Netter erklärt, daß der Vorstand mit der Resolution einverstanden ist. Zur Aitschasfung einer P-ortvkontr-oll- und Bri-essrankiertnaschin-e tverden 325 Mark, ferner für den Religiottsvercin Osten pro 1913/14 die bisherige Subveu-tivn von 1500 Alark und für detr israelitischen Neligionsverein Charlottenburg, Bismarckstraße, für das lausende Etatsjahr vorbehaltlich weiterer Entschließungen -c-in-e Subventioir von 9000 Mark bewilligt. — Der öffentlichen Versnmmltmg folgte -eine -geheime, in der vorzugsweise P-ersonnlsragen zur Erledigung -gc-latt>gten. s/D Berlin, 28. Januar. In der ArmenkomntiMon 'der Bevliner jüdischen Gemeinde sind bekanntlich neben 85 Herrett -auch 12 Damen tätig. In tlnbedittgter Anerkennung der vollto-ertigen Leistung dieser tnit-arbeit-enden Frauen-hatte-die Arntenkomtnission bei dem. Gemeinde- Vorstand den Antrag gestellt, sie den männlichen Mitgliedern durch Verleihung des Stimmrechts gleichzustellen. Die Gemeindebehörden entsprachen diesetn Antrag. -Vorstand und Repräsentantenvcrsamtnlltng beschlossen denn a-ttch, eine entsprechende Aenderung der Satzungen, die zur Durchführungdes Beschlusses erforderlich ist, bei der königlichen Regierung zu beantragen. Wie -wir dein soeben versandten Bericht der Armenkvmmission eirtnehm-en,' hat aber die königliche., Behörde leider die beantragte Satznngsänderung abgele-hnt, so daß -es beim alten bleiben muß, und die Tanten der Armenkvtnm-issivn kein Stimmrecht haben y. Berlin, 28. Januar. Auf telegraphische Order .von Sofia -ans, sind dieser Tage -drei jüdische,Krankenschwestern des hiesigen Vereins f ü r j ü d t s ch e K r a tt k e n P s -l e g e r i n tt e tt nach der bulgarischen Hauptstadt entsandt worden. Sie -tverden in Sofia von Herrn Dr. P a u I N a t h a n in Empfang genommen werden und dann von dort ans n-acy Adrianopel gehen, um den jüdischen Kranken ttnd Vertvnndeten Hilfe angedeihett zu lassen. Wie n-tts ntitgeteilt tvird, hat sich -das bulgarische Königspaar sehr anerkennend über diese jüdische Für-sorgearbeit int Dienst der Kr-attken und Verwundeten ansgesprvch-en. Tie jüdischen Krankenschwestern tverd-en vom Konigspanre. unter den besonderen 'königlichen Schutz -gestellt. Ihre Entsendung nach Bulgarien ist vom „Hilfsveretn der deutschen Inden" veranlaßt, und der hiesige „Verein für jüdische Krankenpfleg-erintten" hat sich dankensw-ertertveise sofort bereit gefunden, deit Wünschen des Hilssvereitts ttachzukomnteit. e. Rogasen, 24. Januar. Am letzten Montag starb hier nach laugeut Leidett Frau Buchhäitdler H e n r t e 11 c A l e x a tt d e r , geborene Kurtzig, die Senivrin des Verlages vom Mvgasener Wochenblatt, im 92 Lebensjahre. Mit ihr ist ein Stück des altett Nognsens dahingegangeu. Im Jahre 1856 begründete sie den hiesigen „Israelitischen Frauenverein" zu tvohltätigen Zwecken. Der Verein hat sich zu großer Blüte entfaltet. Dern Vorstände des Vereins gehörte sie bis an ihr Lebensende als Rendantin an ttnd tvurde sie ans Anlaß ihrer 50jährigeu Wirksamkeit int Verein zu dessett Ehrenmitglied ernannt. Vor ettva VA Jahren war es ihr vergönnt, den 90. Gebttrtstag bei körperlicher und geistiger. Rüstigkeit zu begehen. Der Israelitische Frattettverein errichtete ihr zu Ehren eine „Hettriette-Alexander-Stiftting", deren Zinsen alljährlich am Geburtstage der Dahittgeschiedetten an hiesige arnte Frauen verteilt tverden. Die Beerdigung, an der sich die ganze jüdische Gemeinde sowie Freunde und Bekannte aus allen Kvnsessionen beteiligtett, legte Zeugnis von ihrer Beliebtheit ab. Am Grabe sprach Herr Rabbiner D r. F r i e d m a n tt ans Wvngrvtvitz, da dttrch ein tragisches Geschick unser Ortsrabbiner, Herr D r. Dünner, im letzten Angenblick an das Sterbebett seiner Mutter in Köln eilen mußte. 2XV Bveskau, 26. Januar. „Die L a g e d e r v st e tt r.v.p ä i - scheu Jnd-eit", so lanlete das Thema, das am Montag abend, 20. Januar, im Lokalkomitee des Hilssvereitts der deutschen Inden in Breslau von Herrn Dr. James S i m o n- Berlin, Vorsitzenden des gc- -.tanitten Vereins, in einem Vortrag behandelt wtir-de. Weitatts großer hätten die Rätnne sein müssen, tun alle die zu fassen, die gekommen tvaren, um ihn zu hören, und lange vor Beginn des Vortrags mußte iticht allein der Saal, sonderit sogar das Hans gesperrt ttnd vtelett, sehr vielen, der Eintritt vertv-ehrt tverden. Wenn einer,, so besitzt allerdings d-er Redner -eine hohe Sachkunde, ttnd er .verstand es auch, in schlichter, sachlicher Weise seinem großen Zuhöreckreis die Lage der Inden im Osten Europas zu s-childeru, wobei er feststellte, daß B tt l g a r i e n ihnen größere Gerechtigkeit widerfahre-a läßt, als R tt in ä n i e n , das ihnen noch nenerdings in den Handel, Industrie und Händiverk betressenden Gesetzen schwere Beschränkungen anserlegt hat. Darum sehen die Inden, die in den bulgarischen Landeskeilen tvohnen, deren Abtretung an Rnmänio.t bevorstehk, mit großer Sorge dieser Aendernug entgegen, und es sind bereits Schritte geschehen, um ihnett die Rechte zu erhalten, die sie besitzen. Am schlimmsten aber steht es um die r n s s i s ch e n I tt d e n, die, fünf bis sechs Millionett an der Zahl, 4 Prozent der Gesamtbevölkerung des großen Reiches nusmachen, das unter einem Absolutismus steht, dessen abschreckende Gestalt nur durch die Korruption gemildert erscheint. Die Uebersnlliing des Attsiedlungsrayons zeitigt die schlimmsten Mißstünde, den-e-.t nur durch Freizügigkeit abgeholfen tver-oen könnte. Wenn man die Inden als Wucherer bezeichnet, so zeigt sich gerade im Ansiedlnngsrahon, daß dort viel weniger Bauern von Hans und Hof getrieben tverden, als dies in anderen Gonvernemenls seitens christlicher Witcherer geschieht. Es ist dies natürlich; -d'enn die Inden dürfen kein

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