Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 5 (31.1.1913)
- Date
- 1913-01-31
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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,i:,^«,s Dxx OemeindeLüte. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". ksrrklpandrnrm und Mschnchtrn. Deutschlsod. X. Berlin, 26. Januar. In der heutigen ersten Repräsentantensitzung des neuen Jahres begrüßte der Vorsitzende Herr Louis Sachs vor Eintritt in die Tagesordnung die Versammlung mit den besten Wünschen auf ein freundliches Zusammenarbeiten auch im neuen Kalenderjahr. Dann folgte zunächst die Verlesung und Genehmigung des Protokolls der vorigen Sitzung. Die-hieraus vorgenommeue Neuwahl des Vorstandes hatte das folgende Resultat: zum ersten Vorsitzenden wurde Herr Louis Sachs mit 17 von 18 abgegebenen Stimmzetteln (einer war unbeschrieben), also einstimmig wiedergewühlt; desgleichen wurde Herr Direktor Dr. Minden mit 16 und 2 Unbeschriebenen Stimmzetteln zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. ' Bei der Wahl des zweiten stellvertretenden Vorsitzenden erhielt Herr Professor Dr. B laschte von 17 abgegebenen Stimmen 11, Herr Geheimrat Dr. B'lumenthal 5, eine Stimme war ungültig. Gewählt ist sonach Herr Professor Dr. Blaschke. Zu /Schriftführern wurden gewählt: Herr Jüstizrat Dr. Ignaz Lohn einstimmig zunr ersten und Herr W i l l i b a l d L ö w e n t h a l mit 13 Stimmen (4 waren ungültig) zunr zweiten Schriftführer. — Herr Louis Sachs machte der Versammlung sodann Mitteilung von dem gestern erfolgten Ableben des Herrn Architekten Jdhann H o e n i g>e r und widmete dem Verblichenen einen in außerordentlich warmen Tönen gehaltenen Nachruf. Er rühmte die hervorragende Tüchtigkeit, Gewissenhaftigkeit, Arbeitssreudigkeit und Arbeitskraft und den guten Charakter des Dahingeschiednenen. Alle großen Bauten der Gemeinde im letzten Jahrzehnt sind unter seiner Mitwirkung entstanden. Man werde ihm immerdar ein treues Andenken bewahren.—-In den Vorstand der Joseph-und-Simon-Löwenthal-Stistung, dessen Berufung den: Vorsitzenden obliegt, werden von Herrn Louis Sachs, der ihm angehört, .ferner die Herren Moritz M a n h e i m e r und Kommerzienrat G e r s o n S i m o n, als Stellvertreter die Herren E m i l C o h n, Dr. G i n s b e r g und Emil P i n c u s berufen. — Der Vorstand der Gemeinde teilt mit: Auf eine entsprechende Eingabe einiger festangestellten juristischen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung vom 5. November v. I. führen diese Herren fortan den offiziellen Titel: „j u r i ft r s ch e r B e i r a t". Dem Beschluß der vorigen Sitzung, betreffend das weitere Provisorium der Beibehaltung der getrennten Kültuskommissionen Abteilung A und B, ist der Vorstand .beigetreten, desgleichen den von der Versammlung beschlossenen Bedingungen für die Anstellung eines höheren Beamten, dessen Stelle bereits ausgeschrieben sei. — Herr Direktor M i n den teilt mit, daß ihm als stellvertretenden Vorsitzenden ein eingeschriebener Brief von Herrn Harry L ö w e n st e i n, einem ehemaligen Beamten der Gemeinde,, der in einem Prozeß mit dem Gemeindevorstand stehe, zugegangen sei. Er hat seinerzeit sich bereits an die Versammlung gewandt, auf eine Reihe von angeblichen Mißständen in der Gemeindeverwaltung hingewiesen und Beschwerde geführt. Man habe ihm daraufhin mitgeteilt, daß die Versammlung während des schwebenden Prozesses nicht eingreisen, sondern erst das gerichtliche Verfahren abwarten wolle. In dem neuerlichen Schreiben wird die Versammlung ersucht, in eine Prüfung seiner Beschwerde einzutreten, da diese mit seinem Prozesse nichts zu tun habe. Es wird beschlossen, den Gegenstand in geheimer Sitzung zur Besprechung zu bringen. — Herr Jacob Mandelbnum hat für die Synagoge Fasanenstraße zwei Kandelaber für die erste Estrade gespendet, deren Entwurf von dem Architekten Hessel, stammt. Die Versammlung beschließt dankend die Annahme der Zuwendung; desgleichen wird das Vermächtnis des Geheimen Kommerzienrats Emil Jacob in Höhe von 6000 Mark zur Errichtung einer Emil-und-Nebecca-Jacob-Stistung angenommen. Frau Berl-Mende hat der Stistungskommission 400 Mark als Grundstock zu einem Fonds' zur Ausbildung von Künstlern zugewendet, deren Annahme die Versammlung beschließt. Ebenso wird das Vermächtnis der Eheleute Leopold, und Johanna Aron geb. Jsaac an die Altersversorgungsanstalt in Höhe von 12 000 Mark und ein Vermächtnis derselben Erblasser zu Grabeserhaltungszwecken in Höhe von 2041 M., ferner die Zuwendung desFrl. Jda R ath en.a u von 2000 Mark zu Grabpflegezwecken sowie die Vermächtnisse der Witwe Luise Moser geb. Meyer von 5OO Mark zu dem gleichen Zwecke angenommen. Desgleichen stimmt die Versammlung der Annahme eines aus Grund eines Erbvertrages mit Frau Dorothea Preuß und ihrem Adoptivsohn Herrn Lehrer Salomon Si.lberb e r g vereinbarten Vermächtnisses in Höhe von 10 0OO Mark zu. — Eine sehr lange Debatte ries der folgernde, von den Herren Professor Dr. Kali scher und Emil Pin cus gestellte Antrag hervor: „Die Repräsentantenversammlung wolle beschließen: Die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten soll gehalten sein, Beschlüsse nur gemeinsam mit der Verwaltungskommission zu fassen." Der Antragsteller, Herr Emil Pincus, begründet den Antrag mit der allgemeinen Unzufriedenheit, die darüber herrscht, daß seitens der Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten oft Persönlichkeiten in die Kommissionen gesandt werden, die wohl zweifellos Ehrenmänner seien, sich aber keineswegs für die Arbeit in den Kommissionen eignen. Auch seien einige andere Verstöße vorgekommen, die die Unzufriedenheit vermehrt hätten. Es sei notwendig, daß den Kommissionen nicht Mitglieder ausoktroyiert würden, sondern man sich vorher mit ihnen in Verbindung setze. Vom Vorstandstische erwidert Herr Kommerzienrat Netter, er hoffe, die Antragsteller würden den Antrag Zurückziehen. Die Kommission zur Auswahl von Ehrenbeamten habe, wie er schon früher mitgeteilt hat, beschlossen, den Dezernenten der Kommission alle vier Wochen eine Liste derjenigen Personen zuzusenden, die bei Vakanzen für die Wahl in die Kommissionen in Frage kämen. Die Gründe des Vorredners seien nicht stichhaltig. Es mögen wohl, wie das bei einer so neuen Institution erklärlich ist, anfangs einige Versehen vorgekommen sein, aber jetzt weniger. Man sollte die Grundsätze, die zur Schaffung einer Ehrenbeamtenkommissivn geführt haben, nicht aufgeben. Im übrigen müsse er mitteilen, daß der Vorstand den Antrag nicht annehmen werde. Herr Louis Sachs hält es für richtig, diesen ewigen Beschwerden, die immer von der Armenkommission ausgingen, ein Ende zu machen. Der Antrag verkenne, was man mit der Einrichtung der Ehrenbeamtenkommission gewollt habe; sie sei doch nicht eingerichtet worden, um ungeeignete Leute in die Kommission zu entsenden, sondern damit neues Blut in die Kommissionen hineinkommt, und das fei geschehen. Es seien- 100 -neue Personen hineingekommen, d>as sei ein Fortschritt. Die Hauptsache aber sei, daß der Antrag nicht dem Statut entspricht. Auch praktisch sei die Durchführung des Antrages nicht möglich. Vor allem aber solle man doch die großen -ethischen Rücksichten-, die durch die Zuführung frischen Blutes bestimmend seinmüssen, nicht zurückstellen gegenüber kleinlichen persönlichen Rücksichten. Herr Pincus erwidert, daß die Auslösung der Ehr-enbeamtenkonnnission nicht verlangt würde und die Ausführungen des Vorsitzenden ihn nicht überzeugt hätten. Den Vorwurf, daß für die Antragsteller kleine persönliche Interessen das Motiv seien, weise er entschieden zurück. Er spreche für mindestens 90. Prozent der Arm-onkommissiön, und müsse die Urteilsfähigkeit auch für die 105 Herren der Armenkommission in Anspruch nehmen. Die großen ethischen Gesichtspunkte hätten auch die Antr-agstell-er, -auch sie wollten neues Blut dem Genieindedienst-e zu führen; inan wünsche nur, daß man gefragt w-erde. Für den Antrag -spricht s-od-ann Herr Moritz Manche im e r, der bestätigt, daß viel Unzufriedenheit in allen Kommissionen herrsche. ' Herr Direktor Minden stellt -einige Fälle, die zur Beschwerde Veranlassung gegeben haben, richtig.. Würde der Antrag angenommen werden, so käme man in die peinliche La-ge, diskrete Fragen vor ein -großes Gremium zu bringen. Herr Justizrat Dr. Cohn verweist daraus, daß -bei Annahme des Antrages -eine . Statutenänderung erforderlich sein würde, und daß. Herr Pincus ja auch gar nicht das wolle, ibas in dem Anträge ausgesprochen sei. Herr Pincus wolle nur, daß die Kommission befragt werden soll. Das aber habd der Herr Vorstarrdskommissar bereits zugesagt. Der Am trag bedeute einfach in seiner Konsequenz die Auslösung der Ehrenbeamtmkommisston; er bittet, den . Antrag zurückzuziehen. Nachdem