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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Land bcjti^n. Lehr zu bedauern ist der Boykott, der i n Pole n infolge der Wahlen gegen die Inden geübt wird und sich sogar ans jüdische Vertreter ausländischer Firmen erstreckt. Er wird so scharf gehandhabt, daß schon viele Inden brotlos sind; ihr wirtschaftlicher Zusammenbruch dürfte aber den der Christen nach sich ziehen. Der -Jtobucr gab dann noch einen Ueberblick über das H i l s s io erk, das gegenwärtig in den B a l k a n l ä n d e r n im Gange ist, und dessen Zentralisation der H i l s s v e rein in die Hand genommen hat, und erstattete einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins, insbesondere über dessen wichtiges Lchulwerk, das um so bedeutungsvoller ist, als es bezweckt, mit den Kindern zugleich die Eltern zu heben. — Lebhafter Beifall lohnte den Vortragenden, dessen hohe Verdienste um das Li-ebesiverk des Hilfsvereins Dr. Paul Schottländer, der Vorsitzende des hiesigen Zweigvereius, mit warmen Worten und unter erneutem, rauschendem Beifall hervorhob. m. Hamburg, 24. Januar. Das R e p r ä s e n t n n t e n k 0 l l c - gium der deutsch-israelitischen Gemeinde hielt eine Ätzung im Gemeindeburean unter Vorsitz des Herrn I a k o b A l e x a n - der ab. Nach' Erledigung einiger interner Angelegenheiten ivurde zunächst zur Bureanwahl für das Jahr 1913 geschritten. In geheiiner 'Abstimmung wurden Herr Jakob Alexander einstimnüg zum ersten Vorsitzenden und Herr Jos. Li PP mann zum zweiten Vorsitzenden mieder-gewählt. Zn Schriftführern wurden die Herren Ad. K i in m e l st i e l und L u d w i g Ata t h i a s o n bestimmt. Dann wurde in die weitere Beratung der Tagesordnung eingetreten. Ans den wiederholten und dringenden Antrag des 9!epräsentantenkolleginms, an zuständiger Stelle auf die Uebernahine der Seelsorge -für die jüdischen Gefangenen durch den Staat hinznwirken, hat der Gemeindevorstand geantwortet, daß er dem Anträge keine Folge geben könne. Das Nepräsentnntenkollegiuin beschloß jedoch, aus seinem früheren Anträge zu bestehen. Die von einer gemischten Kommission ausgearbeiteten neuen Satzungen des Siechenheims und der Pflegestätte der Deutsch-israelitischen Gemeinde wurden genehmigt. Nach den grundlegenden Bestimmungen bezweckt die Anstalt, deren Grundstock die He r in a n n n n d F r i ed e - r i ck e L a ch m a n n - Stiftung (60 000 Mark), das Vermächtnis des Herrn Jos e p h S ch l e s i n g e r (10 000 Atark) und eine Schenkung des Herrn H e r in a n n P i n c it 8 s. A. in Höhe von 40 000 Atark bilden, bedürftigen, durch ihren körperlichen Zustand dauernd erwerbsunfähigen Angehörigen der hiesigen Gemeinde freien Unterhalt und freie Wohnung zu gewähren. — Ter Antrag des Gemeiudevorstandes auf Bewilligung weiterer 3t00 Mark für die Israelitische Mädchenschule für das Jahr 1913 wurde nach kurzer Debatte genehmigt. Die mit einem Fehlbeträge von 13 169 Mark abschließende Abrechnung -für das Jahr 1911 wurde einer dreigliederigen Koinmission, bestehend ans den Herren A. Lisser, E. Helft, und L. Atathiason zur Prüfung überwiesen. Der Antrag des Gemeindevorstandes: „Das Repräseiitantenkvlleginm wolle seine Zustimmung dazu erteilen, daß dein Reservefonds der. Depositenkasse milder Stiftungen der Gemeinde zur Deckung des Defizits für das Jahr 1911'und einiger früherer Jahre der Betrag von .20 000 Mark sür die Gemeindekasse entnommen werde", ivurde nach kurzer Debatte genehmigt, ebenso der Antrag des Gemeindevorstandes auf Erhöhung der Alitglieder der Kommission zur Gewinnung neuer Mitglieder. Bremen, 24. Januar. Anfang dieses Monats schiffte sich der 75. jüdische Auswandererzug, bestehend aus 151 Mann, ein, um nach Galveston abzudampfen. Bekanntlich entsendet der jüdische Emigrationsverein in Kiew allmonatlich eine größere Answanderergesellschast. Im Jahre 1912 wanderten mit Hilfe dieses Vereines insgesamt 1502 Personen nach Galveston aus, also um 306 Personen mehr als im Avrjahre. Demnächstgeht der 76. Auswandererzug ab. — Frankfurt a.M., 24. Januar. Während der Knusmannsgerichtswahlen im Februar 1911 Hatte die Ortsgruppe des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zivei Flugblätter an die jüdischen kaufmännischen Angestellten und Prinzipale geschickt mit der Aufforderung, gegen die vom deutschnationalen Haudlnngsgehilfenverband ausgestellte antisemitische Beisitzerliste zu stimmen. Die Vorstandsmitglieder dieses Verbandes Bechlh und Dr. Roth fühlten sich durch den Inhalt der Flugblätter beleidigt und erhoben Privatklage gegen den Vorsitzenden der Ortsgruppe des Zentralpereins Dr. M a i nz e r , der die Flugblätter unterzeichnet hatte. Das Schöffengericht kam am 20. August 1912 nach mehrstündiger Verhandlung, wie seinerzeit gemeldet ivurde, zur Verurteilung von Dr. Mainzer wegen öffentlicher Beleidigung zu 30 . Mark Geldstrafe. Der WahrheikZbelveis dafür, daß der Verband radäuantisemitische Verhetzung treibe, ivurde als mißlungen angesehen. In der am 6. d. M. stattgefuudenen Berufungsverhandlung vor der Strafkammer kam es zu einem v o r l ä n f i g e n B e r g l e i ch. Der Beklagte erklärt, daß er in der Form zu weit gegangen sei; die Absicht einer persönlichen Beleidigung habe ihm ferngelegen; Von dem Inhalt der Flugblätter vermag er in sachlicher Beziehung nichts Zurückzunehmen. Er übernimmt die Kosten des Verfahrens. Tie Kläger erklären, daß die sie betreffenden Ausführungen der Flugblätter sachlich unzutresfeud sind. Beide Parteien sind einverstanden, daß das Urteil vom 20. August durch den Vergleich als hinfällig erachtet .und von keiner Seite verwertet werden darf. Der Vergleich ist rechtskräftig, wenn er nicht binnen 14 Tagen widerrufen ist. In letzterem Falle steht am 3. Mürz Termin an. - G est erreich-Mi, garli. K. Prag, 24. Januar. Eine fehler unabsehbare Schar von Leidtragenden und Trauergästen beivegte sich am 21. d. M. vom großen Sitzungssäle des neuen jüdischen Nathanses nach dem jüdischen Friedhöfe. Es galt, dem langjährigen, verdienstvollen Vizepräsidenten der hiesigen israelitischen Knltnsgemeinde, dein Direktor des israelitischen Nächstenliebevereins, dem Vorsteher des Vereins für geregelten Gottesdienst der Israeliten (des neuen Tempels) und dem Vertreter des böhmischen Jndcntnms im Landesschulrat, Herrn Tr. Ludwig Bendiener, der am 13. d. Al. einer langjährigen Krankheit erlag, die letzte Ehre zu erweisen. Groß, ja unersetzlich ist der Verlust, den zunächst die hiesige Kultnsgemeinde und ihre humanitären und religiösen Institutionen durch den Heimgang dieses ivahrhaft edlen und selbstlosen Mannes erlitten, groß ist auch der Verlust, der das Deutschtum in Prag und Böhmen durch den Tod Dr. Beudicuers traf. Denn der Verblichene war ein guter Jude und ein guter Deutscher. Groß sind die Verdienste, die er sich um sein Jndentnm und sein Deutschtum erwarb, groß und zahlreich sind die Opfer an Zeit und Mühe, an Gut und Geld, die er beiden während seines Lebens brachte. Seit mehr als vier Jahrzehnten war Dr. Bendiener Alitglied der hiesigen israelitischen Kultnsgemeinderepräsentanz, seit nahezu einem Bierteljahrhnndert bekleidete er die Stelle eines Vizepräsidenten, und in reger Weise förderte er seit vielen Dezennien auch die Organisierung des jüdischen Gemeindcweseus in Böhmen sowie die manuigsachen ans die Regelung des Armenwesens abzielendeu Aktionen. Mehr als vierzig Jahre wirkte er als Direktor des israelitischen Nächstenliebe- Vereins, eines der größten Humanitären Vereine in Prag und ganz Böhmen, und ü'ährend dieser Zeit hat der Verein einen ungeahnten Aufschwung genommen und unter seiner Leitung überaus segensreich gewirkt. Dr. Bendiener war auch an der Gründung einer Reihe wohltätiger- Vereine hervorragend beteiligt, -wie er überall zu finden war, wo es galt, Gutes zu tun, Not und Elend zu mildern. Der Verblichene nahm auch am öffentlichen Leben regelt Anteil. Er war der letzte deutsche Vertreter im Prager Stadtverordnetenkvlleginm und Stadtrnt, welchen Körperschaften er- bis znnst'Jahre 1833 angehörte. Als die deutsche Minorität sich veranlaßt sah., anszntreten, schied auch Dr. Bendielier ans der Stadtvertretnng. Dr. Bendiener nahm seit jeher an allen deutschen Bestrebungen werktätigen Anteil. Er war Obmnnnstellvertreter des Deutschen Vereins, Mitglied des deutschen Bezirksschulrats in Prag und seit zwölf Jahren ailch Alitglied des Landesschulrats, wo er namentlich die Interessen des böhmischen Judentums vertrat. In Anerkennung seines verdienstvollen. Wirkens wurde Dr. Bendiener vom Kaiser wiederholt ausgezeichnet: er ivar Inhaber des Ritterkreuzes des FranZ-Jvsef-Ördens, der Eisernen Krone dritter Klasse und des goldenen Verdienstkreiizes. Dr. Bendiener, einer der glänzendsten Anwälte in Oesterreich, erfreute sich in allen Prager Gesellschaftskreisen der größten Sympathien. Der größten Achtung und Wertschätzung erfreute er sich indes seitens der Prager und der böhmischen Jndenschaft, deren treuer Führer und Berater er allezeit war. Eine ungeheure Schar von Leidtragenden gab ihm das letzte Geleit; sein Andenken wird aber elvig sortleben im Herzen aller, die ihn kannten, aller, denen er Gutes erwiesen, namentlich aber im Herzen seiner Glaubensbrüder. Von Mgh ünd Fern. — In seiner Sitzung vom 22. Januar hat das Zentralkomitee der Alliance Jsraelite Universelle folgende Beihilfen bewilligt: a) Zur Unterstützung der nach Konstantinopel geflüchteten israelitischen Familien 10 000 Frank, b) Für die jüdische Bevölkerung in Mvuastir und Uesküb 4000 Frank. —- Aus Anlaß des Geburtstages des Kaisers

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