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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 bezeichnender, als das selbst der Heros der Antisemiten, ein Heinrich v. Treitschke über das Verhalten der Juden in senen Tagen schreiben mußte: „Die Söhne jener gebildeten (jüdischen) Häuser, die sich schon ganz als Deutsche fühlten, taten ehrenhaft ihre Soldatenpflicht." (Treitschke: „Deutsche Geschichte", 4. Auflage, Leipzig 1893, Band 11, Seite 417.) Aber es liegen noch weitere Dokumente für die opferwillige Hingabe der Juden jener Tage im Dienste des Vaterlandes vor. Selbstverständlich zeigt sich das vor allem in der Teilnahme und in der Hingabe im militärischen Dienste des Vaterlandes. Als es sich im Jahre 1847 im vereinigten Preußischen Landtage um das bekannte Judengesetz handelte, war es die preußische Regierung selbst, die in einer auf Grund der Ermittelungen des Kriegsministeriums abgefaßten amtlichen Denkschrift zu. einem Urteil gelangte, das in folgendem Schlußpassus das Resultat znsammenfaßte. Es heißt dort: „Faßt man den Inhalt dieser Ermittlungen zusammen, so darf man als erfahrungsmäßiges Resultat annehmen, daß die Juden des preußischen Heeres von den Soldaten der christlichen Bevölkerung im allgemeinen nicht erkennbar unterschieden sind, daß sie im Kriege gleich den übrigen Preußen sich bewährt, im Frieden den übrigen Truppen nicht nachgestanden haben, insbesondere die jüdischen Religionsverhaltnisse nirgends als ein Hindernis beim Kriegsdienste hervorgetreten sind." Und Theodor! v. Hippel, bekanntlich der Verfasser des „Ausruf an mein Volk", der die große nationale Bewegung von 1813 einleitete, hebt 1842 hervor, daß die westprenßischen Inden 1813 „in Haufen zum Heer eilten", daß mehrere sich durch Tapferkeit gleich den märkischen und schlesischen Juden anszcichneten, Offiziere wurden, selbst bei der Kavallerie, und Kreuze und Orden erhielten. Einzelnen Gemeinden wurden von den Regierungsbehörden ihre wackeren Patriotischen Taten direkt attestiert, sie wurden öffentlich belobt; so werden die Synagvgenaltesten der Gemeinde^Jnowrazlaw von der Negierungskommission des Bromberger Departements, gezeichnet Stein imb Zumpsert, öffentlich für die wiederholten Beweise von treuer Liebe und Anhänglichkeit an König und Vaterland, „welche die Bekenner des mosaischen Glaubens in der Stadt Jnowrazlaw seit der Wiedervereinigung mit Preußens wackeren Bürgern schon zutage gelegt, besonders für die gesandten sieben Kriegsfreiwilligen, für deren Equipierung die Gemeinde sorgte, gelobt und ihre patriotische Tat allgemein bekanntgemacht". Und was spräche für die Opserwilligkeit, die in jenen schicksalsschweren Tagen unsere Glaubensgenossen dem Vaterland gegenüber betätigten, deutlicher, als die Tatsache, daß die erste Gabe für die freiwilligen Gegner bei Beginn des Befreiungskrieges von einem Juden gezeichnet wurde. Ein amtlicher Bericht in dem Militärwochenblatt von 1845 (Historisches. Beiheft) Publiziert folgende Bekanntmachung: Vaterlandsliebe. Erste Gabe. Der Aelteste der hiesigen Jndenschast und Rentier Herr Kumperz hat der Unterzeichneten Kommission die Offerte von dreihundert Talern Courant zur Equipierung unvermögender, Freiwilliger gemacht. Die Kommission macht diesen tätigen Beweis patriotischer Gesinnung hiermit öffentlich bekannt, und wird dieser Beitrag zu .dem. bestimmten Zwecke verwendet werden.. Berlin, 10. Februar 1813. Königliche Oberregierungskommission. Es erhellt also ans den hier angeführten Dokumenten mit unwiderleglicher Klarheit und Bestimmtheitdaß auch die Seelen der Preußischen Staatsbürger jüdischen Glaubens in jenen denkwürdigen Tagen in echter und wahrer Vaterlandsliebe erglühten, und wir als Nachfahren jener Männer in ihrem Sinne handeln und dazu berechtigt sind, an den freudigen Erinnernngsfeiern jener Tage lebhaften und innigen Anteil zu nehmen. Modestus;-., Die Mache. Berlin, 28. Januar 1913. m 27. Januar ist der Geburtstag des dentschenKa is e r s gefeiert worden. Für ihn, Preußen und Deutschland hebt ein bedeutungsvolles Jahr am Der Kaiser feiert in ihm sein 25 jähriges Regiernngsjnbiläum, der König begeht mit seinem Vglke die Jahrhundertfeier der großen Erhebung gegen Frankreich, der Befreiung Preußens und Deutschlands.- Wir feiern diese Feste mit in nationalem Sinn. Wir schauen auf unseren Kaiser als auf den Hort des Friedens. Wir legen an den Stufen des Thrones unsere Glückwünsche nieder und unsere Bitten. Unsere Wünsche gelten einer langen gesegneten Regierung, unsere Bitten der Gewährung von Gerechtigkeit. Möge der Kaiser, der die Religion zu ehren weiß, auch uns, den treuen deutschen - Bürgern jüdischen Glaubens, die Freiheit unseres Bekenntnisses gewähren; möge der Herrscher, der die Rechte seines Landes mit starker Hand schützt, uns die volle Gleichberechtigung darreichen, die uns durch die Verfassung gewährleistet ist. Als freie deutsche Männer bieten wir unserem Kaiser innigen Glückwunsch. # Die Weltlage hat sich in derletzten Woche stark verdüstert. Während man bis zum-23. d. M. auf Frieden yoff-en durfte — das türkische Ministerium hatte beschlossen, dem Drängen der Mächte nachzugeben und Adrianopel abzntreten — ist in der Türkei an jenem Tage ein Umschwung eingetreten. Durch eine Revolution ist ein jungtürkisches Ministerium ans Ruder gekommen, das nur einen ehrenvollerl Frieden schließen Null und Adrianopel preiszugeben nicht geneigt ist. Wie die Antwort dieses Ministeriums ausfallen wird, steht dahin. Noch sind die Folgen nicht abznsehen. Vielleicht beginnt der Krieg aufs neue, dessen Ausgang nicht berechnet werden kann. Jedenfalls hat sich Europas eine neue tiefe Unruhe bemächtigt. * Wir erhalten folgende Zuschrift: An- Stelle Falliöres ist am Freitag den 17. d. M. Poincare.zum Präsidenten der französischen Republik gewählt worden. Werdegang und Ergebnis dieser Wahl bieten auch dem jüdischen Interesse einige Berührungspunkte. Auf die innere Politik pflegen die Präsidenten in Frankreich keinen sonderlich großen Einfluß auszuüben. Bei dem gefestigten konstitutionellen und parlamentarischen Regime bleibt der Wille des Volkes, repräsentiert durch die Depntiertenkammer, das oberste Gesetz, dem sich auch das Staatsoberhaupt zu fügen hat. Einflußreicher kann sich das Wirken des Präsidenten auf die äußere Politik gestalten. Von dem neuen Herrn erwartet man indessen doch einen stärkeren Einfluß auf die gesamte Gestaltung der Dinge in Frankreich auch ans dem Gebiete der inneren Politik. Die staatsbürgerliche Stellung unserer Glaubensgenossen in Frankreich aber ist eine derart gut verankerte, daß es kaum möglich erscheint, es könnten die Tage der Dreyfusassäre je wieder herauskommen. Bezeichnenderweise aber hat gerade die Wahl Poincares die Erinnerung an jene Tage geweckt, als bekannt wurde, daß der Kriegsminister Millerand, der Inzwischen demissionierte, einen der antisemitischen Haupthelden jener Tage, Path du Clam, wieder in die Armee laufgenommen hat. Und ein zweites Moment hat das jüdische Interesse geweckt. Von einigen Seiten wird aus der Tatsache,, daß Poincare seine Wahl zum Präsidenten zu einem Teile der Rechten verdankt, die Vermutung ausgestellt, daß mit Poincaro

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