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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-31 · Heft 5 (31.1.1913) · page 1

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 5 Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Berlin, 31. Januar 1913 Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor Vr. Ludwig Geiger Verlag: Rudolf Mosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums*, Berlin SW., Jerusalemer Straße $6/49, zu rich'e-i. Verlag von Rudolf Blosse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Buchhandel o'er die Post (in Berlin und' Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 IN. — Postscheckkonto 324. Tlttftftlt 1813—1913. Von Modestus. — Die Woche. — David yilljull.. Heinrich v. Müller. Von V. Aptowitzer.— Der Kampf um die „Nichtliinien" in Würzburg. — Ter Kunstu art-Aufsatz. Von Ludwig Geiger. — 3'0 000 Menschen cncherl-aU' des Gesetzes. — Judentum und Kapitalismus. Von Alphons I. Sußnitzki. — Feui letvn: Maser. Von Mel'r Golds chmidt. Deutsch von Jda Anders. — Literarische Mitteilungen. — Sprechsaal. — Berichtigung. Der Gemcindcbote lBeilage zur »Allgemeinen Zeitung des Judentumtz^). Berlin, Rogasen, Breslau, Hamburg, Bremen, Frankfurt a. M., Prag. — Von Nah und Fern. 1813-INS. ie nationale Erhebung, die nach der Zertrümmerung des preußischen Staates «durch den großen Korsenkaiser mit der eigenmächtigen Konvention von Tauroggen durch den preußischen General 2)orck vor nunmehr 100 Jahren ein setzte, wird einen warmen Nachhall an ihrem hundertsten Gedenktage finden. Ueberall in preußischen Landen und darüber hinaus rüstet man sich, die Hundertjahrfeier der Befreiung vom fremden Joche festlich zu begehen. Und die Erinnerung an jene große Zeit des Wiedererwachens aller heiligen Empfindungen gesunden nationalen Patriotismus werden wir Staatsbürger jüdischen Glaubens mitfeiern dürfen, denn auch unsere, damals eben erst aus den Banden der staatlichen Rechtlosigkeit zur Emanzipation, zum Vollbürgertum befreiten Vorfahren haben in gleicher Weise, ja vielleicht in noch innigerer, Anteil genommen an dem Befreiungswerk und sich in ihm betätigt Gegenüber den tausendfältig, durch dokumentarisch belegte Tatsachen widerlegten Verleumdungen der Antisemiten, daß die Juden als „Fremdlinge" es an patriotischer Betätigung und Opferwilligkeit für das Vaterland haben fehlen lassen — Verleumdungen, die ja bis in unsere Tage ihre Wiederholungen finden — mag es nicht unangebracht sein, in diesen, der patriotischen Erinnerung und Hochspannung gewidmeten Tagen an den Anteil der jüdischen Staatsbürger Preußens in jenen Tagen vor hundert Jahren zu erinnern. Wenn man sich vor Augen hält, daß den Juden Preußens noch bis 1812, also ein Jahr, bevor der Ruf des Königs Friedrich III. an sein Volk von Breslau aus erging, jedes Recht am Vaterlande vorenthalten war, sie für unfähig zum Wehrdienst in Preußen erachtet wurden, daß sie in staatsbürgerlicher Hinsicht wie Heloten behandelt wurden, dann wird man erst die wahre Größe und Tiefe der vaterländischen Gesinnung erfassen , die die Juden vor hundert Jahren erfüllte, als die schwerste Stunde des Vaterlandes das ganze Volk in seinen Dienst ries. Das ganze Dokument, das kurz um die Zeit nach der endgültigen Entscheidung der damalige preußische Staatskanzler Fürst v. Hardenberg in einem Schreiben vom 4. Januar 1815 noch unter dem frischen Eindruck der Ereignisse niederlegte, sollte für jeden Unbefangenen hinreichen, die volle Hingabe der damaligen Juden an das Vaterland als unwiderleglich sestgestellt zu erachten. In jenem Schreiben stellt Hardenberg amtlich fest: „Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges Wider- Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staates, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit sich hervortun. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind «die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuts und der rühmlichsten Verachtung der Kriegsgefahren auszuweisen, sowie die übrigen jüdischen Einwohner, namentlich auch die Frauen, in Aufopferung'jeder Art den Christen sich anschlossen." Die ziffernmäßige Feststellung des Anteils der Juden im aktiven Kriegsdienste hat sich trotz mancher Bemühungen bis heute nicht genau ermitteln lassen. Aber selbst die lückenhaften Feststellungen statistischer Art zeigen schon, daß unsere Glaubensgenossen in jenen Tagen «des blutigen Ringens auf den Schlachtfeldern die erste Feuerprobe ihrer Staatstreue und Vaterlandsliebe gut bestanden haben. Die Ermittlungen des preußischen Kriegsminsteriums, die etwa ein Menschenalter nach den Befreiungskriegen angestellt wurden (veröffentlicht im Militärwochenblatt vom 4. November 1843), konnten, wenn auch nicht lückenlos feststellen, daß in den Jahren 1813/1815 561 Juden als Freiwillige in das Kriegsheer eintraten, das waren etwa 534 Prozent der im wehrfähigen Alter stehenden Juden; ausgehoben wurden, soweit zu ermitteln war, weitere 180 Juden. Einer der ersten Soldaten, der das eiserne Kreuz erhielt, war ein Jude namens G ü n z b e r g. Selbst die „achtunggebietende Persönlichkeit", die preußische Kriegsminister unserer Tage bei den jüdischen Einjährigen seit 30 Jahren vermissen, sobald ihre Qualifikation zum Reserveoffizier in Frage kommt, müssen in jenen Tagen des blutigen Völkerringens unsere Vorfahren besessen haben, denn wir finden unter den Kombattanten einen Major, drei Premierleutnants, viele Sekondeleutnants jüdischen Glaubens und sogar eine Jüdin, Luise Grasemus, als Wachtmeister. Diese Fülle jüdischer Chargierter ist festgestellt unter einer Anzahl von nur 125 jüdischen Soldaten, deren Namen uns bekannt sind (siehe die Denkschrift aus dem Jahre 1897, „Die Juden als Soldaten"). Allein von den Berliner jüdischen Freiwilligen erhielten das eiserne Kreuz der Premierleutnant S. A. Benda und die fünf Sekondeleutnants H. Fließ, F. Epenstein, D. Oppert, M. Lvbel und Manche. Außerdem wurden von den Berliner Freiwilligen Nathan Mendelssohn, Joseph Henoch Anker und Isert Meno Burg zu Leutnants befördert. Und was ist

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