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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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konnten ein Jahresüberschuß von 1500 Mark und. Kapitalzuwendungen in Höhe-von 13150 Mark hinzugeschrieben werden. Dem Grundvermögen sind ferner der Grundstückswcrt mit 230 556.96 Mark und der Jnventarwert mit 35 319.52 Mark, sowie der Reparatur- und Erneuerungsfonds in Höhe von 18 750 Mark zuzuschreiben. Die Bilanz des Grundkapitales ausschließlich Grundstücks- und Jnventarwert schließt demnach mit 228 200 Mark ab. Die Bilanz der Jahreseinnahme und Ausgaben schließt mit 56 798.71 M. ab. Leider ist auch im vergangenen Jahre die Anstalt nicht vor schmerzlichen Verlusten bewahrt geblieben. Das Ehrenmitglied des Kuratoriums Herr Max Meyer und der Mitbegründer der Anstalt Herr Hermann Landsberger sind in die Ewigkeit abberufen worden. Neu in das Kuratorium wurden die Herren Kommerzienrat Dr. Paul A r o n, die Herren Georg L a ch m a n n, beide Berlin, ferner Herr Emil H. Lehma n n, Frankfurt, und Dr. med. Landsberg, Stettin, gewählt, als Ehrenmitglieder in das Kuratorium sind Frau Lina Meyer und Herr Robert Seeler eingetreten. — Trotz des günstigen Jahresabschlusses weist der Bericht mit Recht darauf hin, daß die Anstalt zu Beginn eines jeden Jahres doch stets mit neuen Sorgen in die Zukunst blickt, und die Gewinnung neuer Freunde und Gönner für eine segensreiche Fortarbeit der Anstalt notwendig ist. •' Chemnitz, 17. Januar. Unsere „Chebrah Kedoschah" blickt nun, nach Ablauf des Jahres 1912, aus das 36. Vereinsjahr zurück. Die Gründung erfolgte im Jahre 1876 mit 41 Mitgliedern, während, die Zahl derselben heute 313 beträgt. Im Lause des letzten Jahres wurden, wie aus dem soeben erschienenen Bericht erhellt, 26 neue Mitglieder gewonnen, dagegen schieden 19 infolge Ablebens und Fortzugs von hier ans. Die verschiedenen Anforderungen, die im verflossenen Vereinsjahre an den Verein herantraten, wurden in fünf Vorstandssitzungen zur Erledigung gebracht. Der Vorstand war außerdem bei der Mitgliederversammlung der Landeskasse Sachsen für jüdische Wanderarmensürsorge am 25. Februar 1912 in Dresden vertreten. Das älteste Mitglied des Gesamtvorstandes, Beigeordneter Herr Samuel Rosenthal, ist leider kurz nach seiner in der vorjährigen Generalversammlung erfolgten Wiederwahl am 13. Januar v. I. verstorben. Gemäß § 8 unserer Satzungen ist an seiner Stelle nach erfolgter Auslosung — weil, beide Ersatzmänner mit gleicher Stimmenzahl gewählt worden waren — Herr Martin Bereuh aut einberufen worden. Wie «immer hat der Verein seine Aufgabe als Krankenpflegeverein vornehmlich in der Gewährung von Kurkosten, Arzthonorar und Versorgung Erkrankter mit Medikamenten sowie durch Beiträge zur Unterhaltung einer jüdischen Krankenschwester, an die Grauen Schwestern, die Gemeindediakonissen und den Verein zur Bekämpfung der Schwindsucht, erfüllt. .In dankenswerter Weise hat der Ausschuß für jüdische Krankenpflege Hierselbst die gleichartigen Bestrebungen des Vereins dadurch gefördert, daß er die jüdische Schwester ohne Berechnung von Wegegeld abgibt und es zahlungsfähigen Patienten überläßt, sich in geeigneter Weise abzusinden. Die dnrch Herrn S, Gnttmann versehene Abfertigungsstelle fürjüdische Wanderarme hat unter Leitung der Deutschen Zentralstelle und im Zusammenschluß mit den sächsischen Kassen fortgesetzt günstige Erfolge anszuweisen. Am 13.Mai v. I. überwies Herr Georg G.ö tz, hier, der Chebrah Kedoschah den Betrag von 500 Mark zwecks Errichtung einer „Heinz-Götz-Stistung", deren Zinsen alljährlich für arme, kranke jüdische Kinder, welche zur Ferienkolonie bestimmt werden oder hier im Krankenhause Heilung suchen, verwendet werden sollen. Es haben im abgelaufenen Jahre 21 Beerdigungen auf unserem Friedhofe unter Mitwirkung des Vereins stattgesunden; außerdem hat die Chebrah Kedoschah bei zwei Verstorbenen hier, und in Merane (Sa.) die Tahara verrichtet. Die Bestattung der letztgenannten beiden Hingeschiedenen erfolgte in Berlin. Von den 21 hierorts Beerdigten waren 15 Erwachsene (8 Männer, 7 Frauen) und 6 Kinder; unter den Erwachsenen sind 9 Vereinsmitglieder gewesen. 2Q Dortmund, 17. Januar. Am 21. d. M. vollendet der Nestor der jüdischen Lehrerschaft Westfalens, Herr Jacob Ostwald, sein 75. Lebensjahr. Der Jubilar amtierte fast ein halbes Jahrhundert in Witten a. d. R. Sein Name ist eng verknüpft mit den Annalen der Gemeinde und der Stadt Witten. Er war der Schöpfer und Leiterzahlreicher gemeinnütziger Institutionen, so des Vereins für j ü d i s ch e Ge s chi ch t e und Literatur, des I ü d i f che n F r a u e n v erei n.s sowie des in der Stadt noch segensreich wirkenden A l l g e m e i n e n B i l d u n g s v e r e i n s.. Sein strebsamer Geist wirkte anregend weit über das Weichbild Wittens hinaus. Der Name Jacob Ostwald ist mit leuchtenden Lettern für alle Zeit in die Geschichte der westfälischen Judenheit eingegraben. Es sei nur daran erinnert, daß er Mitbegründer des W e st f ä l i s ch e n Gemeinde b u n d c s ist, daß auf seine Anregung das jüdische A l - tersheim Unna entstand, daß er im Vorstände, des über ganz Westfalen verbreiteten Vereins für jüdische Krankenpflege saß,' und anderes mehr. In allen diesen Vereinen und Korporationen hat er überaus segensreich gewirkt. Wenn er in den Sitzungen das Wort nahm, wurde es ruhig im Versammlungslokal. Mochten die Wogen der Erregung auch einmal hoch gegangen sein, er wußte sie zu glätten. Geistreich waren seine Worte und von köstlichem Humor gewürzt, und doch entbehrten, st'e des Ernstes nicht, den die jeweilige Situation erheischte.- Man hatte den kleinen Mann mit dem lebhaften Geiste in allen Kreisen ungemein lieb. Vor drei Jahren verlegte Herr Ostwald seinen Wohnsitz nach Berlin-Schöneberg, dort schlug er mit seiner Frau und seiner Tochter sein trauliches Heim in der Martin-Luther- Straße 31 aus. Da wohnt er in der Nähe seines ältesten Sohnes, der sich in angesehener Lebensstellung befindet, benutzt seine freie Zeit, um wissenschaftliche Studien zu pflegen oder übt in gar zarter und vornehmer Weise Gemilluth chessed von seinem Stübchen aus. Wenn man sich mit ihm unterhält, so spricht aus dem klugen Kopf mit den weißen Haaren ein feuriger Jüngling zu uns. Möge ihm ein recht langer und froher Lebensabend beschieden sein. g/a Essen (Ruhr), 17. Januar. Von einem freien Komitee liberaler Gemeindemitglieder wurde auf Sonntag den 12. Januar eine öffentliche Versammlung einberusen, die von Herrn Rechtsanwalt Dr. Herzs eld geleitet wurde und einen glänzenden Verlauf nahm. Das Referat hielt Rabbiner Dr. Samuel über die wahre Bedeutung der Richtlinien. An der Debatte b eteiligten sich die Herren . Rabbiner Dr. N e u m a r k, Duisburg, Rabbiner Dr. C o h n, Essen, Dr. H e r z f e l d, Lehrer Abraham, S. Gellner, H. Auerbach und von gegnerischer Seite Herr Zahnarzt Ehr m a n n. Werden. Zum Schlüsse wurden folgende Resolutionen angenommen: 1. Die Versammlung dankt dem Vorstand und den Repräsentanten der Gemeinde für den einstimmig gefaßten Beschluß, sich der Erklärung des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde Berlin anzuschließen in der Ueberzeugung, daß dadurch den für den einheitlichen Bestand der Gemeinden so gefährlichen .Versuchen einer Richtung, sich durch Berufung aus Dogma und Tradition als allein b e r e ch t i g t im, Judentum hinzustellen, ein wirksamer Riegeln vorgeschoben worden ist. 2. Die Versammlung hat aus dem . Referate des Rabbiners Dr. Samuel die Ueberzeugung gewonnen, daß die Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum in Uebereinstimmung mit den ewigen Grundlagen des Judentums sind, und weist die in der Presse dagegen erhobenen Angriffe als irreführend zurück. Sie erblickt in der Aufstellung der Richtlinien einen ernsten Schritt, um dem allen Par- .teien gleich teuren Väterglauben den gebührenden Platz im Leben dec Gegenwart zu erringen und zahlreiche, dem Judentum entfremdete Kreise für eine erhöhte Anteilnahme am religiösen Leben wiederzugewinnen. " — München, 18. Januar. Am 16. d. M. ist in München ein in weiten Kreisen bekannter Justizboamter, Dr. Alfred C o h -e n, Rat am Obersten; Landesgericht, im 60. Lebensjahr gestorben. Dr. Cohen studierte Rechtslvifsenschaften und erwarb den juristischen Doktorgrad 1878. Er wurde 1881. dritter landgerichtlicher Staatsanwalt in Landshut, 1883 Amtsrichter in Kempten, dann am Amtsgericht München I, 1893 Landgerichtsrat am Landgericht München I und 1901 zum Oberlandesgerichtsrat . befördert. Dr. Cohen beschäftigte sich auch schriftstellerisch vorzüglich mit sozialpolitischen Fragen. So beteiligte er sich 1904 an dem allgemeinen Wohnungskongresse in Frankfurt und schrieb u. a. über die Verhältnisse des wirtschaftlichen Personals in München.— Der rechtskundige Bürgermeister von Bad Reichenhall, Fritz Sölluer, überreichte in. einer Audienz bei Seiner königlichen Hoheit Prinzregent Ludwig die Summe von 50 000 Mark als Zuschuß zu dem Fonds für Erbauung eines Militärerholungsheims in Bad Neichenhall, den Hosrat Alfred Nathan gestiftet hat. Die bis jetzt zur Verfügung stehende Summe beziffert sich einschließlich der Spende weiland Prinzregent Luitpolds und anderer Gönner auf 300 000 Mark. Die Vorarbeiten zum Baubeginn sind bereits eingeleitet. . Msterreich-Ängsrn. § Meran, 17. Januar. Am 7. d. M. fand im hiesigen Kurhause eine von den Herren Dr. Wassermann und Dr. Gold stein einberufene, sehr zahlreich besuchte. Versammlung jüdischer Steuerträger Merans statt, in welcher zunächst Herr Dr. Wassermann

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