Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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WZWW^^WW Nachweis entwickelt sich immer mehr zu einem wichtigen Glied in der .Nette der Bestrebungen, deren Zweck und Ziel die Milderung der sozialen Grundsätze sind'. L2 Danzig, 17. Januar. Dem soeben erschienenen VIII. Jahresbericht des Kuratoriums für jüdischeKrankenpfleger i n n e n ziv Danzig (1912) entnehmen wir, daß die Krankenpslegerinncneinrichtung auch im achten Jahre ihres Bestehens sich hier gut bewährt hat. Von Personalien wird zunächst bemerkt, daß die älteste der Schwestern, Schwester Rahel, auf ihren Wunsch Ende März 1912 Danzig verließ, um in das Mutterhaus nach Berlin zu leichterer Tätigkeit zurückzukehren. An ihre' Stelle trat Schwester Veronika aus Mannheim, eine tüchtige und liebenswürdige Kraft, die sich bereits in weiteren Kreisen Anerkennung und Freundschaft erworben hat. Schwester Cilla mußte sich im November v. I. einer Operation unterziehen, konnte aber glücklicherweise bereits Ende Dezember wieder völlig hergestellt ihren Berus aufnehmen. Trotz dieser Störung sind die Leistungen der Station außerordentlich groß zu nennen. Es wurden geleistet: Pflegen, für die Entgelt gewährt würde: 13 Vollpflegen mit 283 Tagpflegen und 283 Nachtpslegen, ferner 14 Tagpslegen und 26 Nachtpslegen; Pflegen, für die ein Entgelt nicht gewährt wurde: 4Vollpslegen mit 37 Tagpflegen und 37 Nachtpflegen, ferner 11 Tagpslegen und 22 Nachtpslegen, insgesamt 345 Tagpslegen und 368 Nacht- Pflegen. Desgleichen wurden unentgeltlich 20 Ambulanzbesuche abgestattet. Außerdem war Schwester Cilla noch im Sommer — soweit es ihre sonstigen Pflichten erlaubten — in dem neugegründeten jüdischen Kindererholungsheim in Zoppot tätig. Von Nächtigen Veränderungen wird sodann noch erwähnt, daß sich das Kuratorium am 1. Tlpril v. I. durch Kooptation von Frau Henriette S i m s o n, Vorsitzende des hiesigen Frauenpflegevereins, erweitert hat. Die Kassenverhältnisse lassen auch diesmal keinen günstigen Stand erkennen. Die Betriebskosten können trotz aller Umsicht und Sparsamkeit nicht herabgemindert werden. Im Gegenteil steigt statutengemäß das Gehalt der Schwestern entsprechend der Dauer ihrer Tätigkeit; auch macht sich natürlich bei uns die Verteuerung aller Gebrauchsgegenstände und Lebensbedingungen ebenfalls fühlbar. Auf der anderen Seite wiesen die Einnahmen einen Rückgang der Beitrüge auf in Höhe von 123 Mark infolge von Tod und Wegzug beitragzahlender Mitglieder. Somit schloß die Kasse mit einem Fehlbetrag von 704.65 Mark ab. Unter diesen Umstünden war es für das Kuratorium eine freudige Genugtuung, als Herr Emil Scholle auch in diesem — wie bereits im vorigen — Jahre eine Stiftung in Höhe von 1000 Mark zum Geschenk machte, deren Kapital einem besonderen FoMs überwiesen wurde. Indem das Kuratorium in seinem Bericht dem edlen Spender herzlichen'Dank ausspricht, richtet es zugleich an alle seine Freunde und an alle edeldenkenden Glaubensgenossen in Danzig und West- Preußen den d r i n g e n d e n Appell, dieses Werk der Nächstenliebe durch Beiträge und Spenden auch fernerhin und in verstärktem Maße nach allen Kräften zu unterstützen. W* Hohensalza, 17. Januar. Herr Hendelsohn beging sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Stadtverordneter.' Der Jubilar wurde in der ersten Sitzung im neuen Jahre vom Oberbürgermeister Treinics -beglückwünscht. Redner erwähnte unter anderem: Nicht nur durch regelmäßigen Besuch der Versammlungen habe der Jubilar sein großes Interesse für alle städtischen Angelegenheiten bekundet, durch seine ruhige und sachliche Art habe er sich die Sympathien des Magistrats erworben. Der Vorsitzende, Herr Fabrikdirektor Dr. Levy, gratulierte im Namen der Stadtverordnetenversämmlung dem Alterspräsidenten und hob hervor, Herr Hendelsohn gehört nunmehr dem Kollegium 25 Jahre an. Er hat es sich immer angelegen sein lassen, seine volle Kraft dem Wohle der Stadt zu weihen. Wir alle freuen uns, daß er in jugendlicher Frische unter uns weilt, und wir danken ihm für seine segensreiche Tätigkeit. — Auf dem Platze des Jubilars prangte ein Blumenarrangement. W. Aus der Provinz Posen, im Januar. Posen. Am ll.d. M. ist nach schwerem Leiden Herr Rentier Samuel Saling er im 68. Lebensjahr gestorben. Durch den Heimgang dieses braven, frommen Mannes hat ‘ der Shnagogcnverein der wohltätigen Freunde einen herben Verlust erlitten. Der Dahingeschiedene stammte aus einer Gelehrtenfamilie und ist von Neustadt a. W., woselbst er wegen seiner Befähigung viele Ehrenämter in der Kommune und in der israelitischen Gemeinde bekleidete, vor einigen Jahren nach hier übergesisdelt. An den heiligen Festtagen hat er, soweit seine Kräfte es ihm erlaubten, in der Synagoge vorgebetet, und seine wohllautende Stimme und die altüberlieferten Synagogalgesänge stimmten die Gemeinde zur tiefsten Andacht. Neben seiner beruflichen. Tätigkeit fand er noch immer Zeit, in den Religionswissenschaften sich zu vervollkommnen. In seinem Lebenswandel betätigte er sich als ein wahrhaft frommer Jehudi, und selbst vor seinem Lebensende ermahnte er die Seinen, nicht zu klagen, sondernauf den Lenker der Geschicke zu vertrauen. Am Leichenbegängnisse beteiligte sich eine große Menge Leidtragender bis aus weitester Ferne. Herr Rabbiner Blum hielt die Leichenrede und entwarf in ergreifenden Worben ein Lebensbild des Verblichenen. — Die Gattin des emeritierten Lehrers Stern, Frau Pauline geb. Glaß ist im 69. Lebensjahre gestorben. ' Die- Dahingeschiedene zeichnete sich durch Wohltätigkeits- und religiösen Sinn aus. — Voj-anowo. Der praktische Arzt Herr Dr. Louis Frost ist in der Ausübung seines Berufes im besten Lebensalter plötzlich gestorben. Seit der Errichtung des Arbeits- und Landarmenhauses Bojanowo im Frühjahr .1898 ist der Verstorbene an ihm als Anstaltsarzt tätig gewesen. Durch seine hingebende Pflichttreue hat er sich ein bleibendes ehrenvolles Andenken gesichert.' Auch die Altersversorgungsanstalt (Moritz Rohrsche Stiftung) hat durch den Tod dieses Mannes einen herben Verlust erlitten. Der Heimgegangene hat seit Beginn der Wirksamkeit dieser Anstalt dem Kuratorium angehört, in dieser Stellung mit Hingebung und Treue gewirkt und die Interessen der Anstalt nach Kräften gefördert. Im Hause des Stadtverordnetenvorstehers Miodowski, Schwiegervater ~ des Verstorbenen, hatte die Trauerfeier stattgefuuden. Rabbiner Dr. Theodor hielt die Leichenrede. Ein sehr zahlreiches Trauergesolge von nah und fern gab'dein so jäh -Dahingeschiedenen das letzte Geleite. — Bromberg. Die Handelskammer hat in ihrer Plenarsitzung Herrn Geheimen Kommerzienrat A r o n s o h n als Präsidenten einstimmig wiedergewählt. — Miloslaw. Am 9. d. M. verschied nach langem Leiden das Vorstandsmitglied Seelig Radziminski, 73 Jahre alt. Die Chewra Kadifcha verliert in dem Entschlafenen einen tatkräftigen Förderer ihrer Bestrebungen. — Crone .n. Br. Herr Lehrer F r a n ken st ei n, welcher ca. vierzig Jahre an der hiesigen paritätischen Schule unterrichtet, ist von der Königlichen Regierung zum Hauptlehrer ernannt worden. y. Kolberg, 17. Januar. Der soeben erschienene 38. Jahresbericht des Jüdischen Kur h o sp i t a l s in Kolberg läßt aufs neue erkennen, wie außerordentlich segensreich dieses jüdische Institut auch im verflossenen Jahre gewirkt hat. Die Anstalt war vom 24. Mai bis 14. Oktober im Betrieb. Wie stark der Andrang wiederum gewesen ist, erhellt daraus, daß nicht weniger als 1208 Personen die Ausnahme erbaten. Selbstverständlich ist die Anstalt außerstande, einer solchen Fülle von Personen die Segnungen des Kuraufenthaltes gewahren zukönnen. ' Aber 583, also 50 Prozent der Meldungen, konnte die Ausnahme gewährt werden. Die Anstaltsleitung spricht ihr Bedauern darüber aus, daß eine ganze Anzahl von Personen, denen' Plätze reserviert waren, vielfach ohne Angabe von Gründen einfach wegblieb. 72 Personen, denen die Aufnahme gewährt war, blieben fern, sodaß die wirkliche Anzahl der Kurgäste nur 511 betrug, und zwar 199 männliche und 312 weibliche, darunter 267 Kinder unter 15 Jahren. In Freistellen wurden 349 Personen und gegen Zahlung eines größeren oder kleineren Teiles der Selbstkosten 162 verpflegt. Die Mehrzahl der Ausgenommenen, nämlich 328, stammte ans Berlin; die übrigen rekrutierten sich aus verschiedenen Provinzen und Landesteilen des Reiches. Die Anzahl der Verpflegungstage einschließlich derjenigen des Hauspersonals betrug 17 608. Die geringere Anzahl der Verpslegungstage gegen das Vorjahr erklärt sich daraus, daß eine größere Anzahl von Personen ohne jede Absage an dem bestimmten Tage ausblieb und ihre Plätze nicht mehr anderweitig besetzt werden konnten. Die Kurzeit der Pfleglinge bewegte sich zwischen 15 und 85 Tagen. Durchschnittlich währte die Kurzeit im einzelnen zirka 31- Tage. Für den Pflegedienst des Hauses hatte der Vorstand des Berliner Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zwei seiner Schwestern freundlichst zur Verfügung gestellt. Mit der Führung und Beaufsichtigung der Kinderpfleglinge war die Kindergärtnerin Fränlein Liesbeth I o s e p h betraut, als Hausmutter bewährte sich wie in früheren Jahren Frau Henriette Lau deck. Ein sehr erfreuliches Bild gewährt die Uebersicht der Heilerfolge. Der ärztliche Bericht bemerkt dazu, daß wie in dem Vorjahre auch die Heilerfolge in dieser Saison als günstig zu' bezeichnen seien, da von den 511 Patienten 282 als völlig geheilt und 229 als gebessert entlassen werden konnten. Auch das finanzielle Ergebnis darf als ein verhältnismäßig befriedigendes bezeichnet werden. Dem Grundkapital, das in Höhe von 209 450 Mark mit einem Mehr -von 14 660 Mark abschließt,