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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-24 · Heft 4 (24.1.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 24 Januar 1913 7’. Jabrga., IltlßßD t ß. Detlage zur „Allgemeinen Leitung deA Judentums". Lorrelponden?rn und Nachrichten. Deutschland. 1^2 Berlin, 21. Januar. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin schreibt die Stelle eines höheren Verwaltungsbenmteu äns. Nach dem vor kurzem beschlossenen Statutennachtrag kann der Borstand durch Gemeindebeschluß ermächtigt werden, höhere Beamte, die in dem Beschlüsse mit Namen zu bezeichnen sind, an Stelle von Mitgliedern des Vorstandes oder Vorsteherstellrertretern in die Verivaltungskvmmissionen, Ausschüsse und Deputationen zu wählen. Diese höheren Beamten stehen in gewissem Sinne den Mitgliedern des Vorstandes gleich und nehmen an dessen Sitzungen mit beratender Stimme teil. Die nunmehr ausgeschriebene Stelle ist mit einem Gehalt von 9000 bis 15 000 Mark 'ausgestattet. Von den Bewerbern, die jüdischen Glaubens sein sollen, wird namentlich Befähigung für das Gebiet sozialer Fürsorge verlangt. g/i> Berlin, 21. Januar. Der I ü d i s ch e F r a u e n - hNl n d, der die Erteilung von Arbeit und die Gewährung von Arbeitsmöglichkeiten als eine der wichtigsten Ausgaben der Wohlfahrtspflege ansieht, hat der Einrichtung von Stellenvermittlungen und Arbeitsnachweisen von Anfang seines Bestehens au sein besonderes Augenmerk zugewendet. Um eine ausgebreitete . Organisation und Zentralisation der gesamten weiblichen Stellenvermittlung zu schaffen, hat der Bund eine Kommission für Stellenvermittlung eingesetzt, die sich aus das intensivste mit der Bearbeitung dieser Frage beschäftigt. Am 2. Dezember 1912 fand die zlveite Sitzung der Kommissionsmitglieder in Berlin statt. Der Bericht über die Tätigkeit im verflossenen Jahre zeigt, mit -welchem erfreulichen Verständnis man den k Arbeiten der Kommission von allen Seiten entgegenkvmmt, wieviel in dieser kurzen Zeit geleistet wurde, und lvas aus diesem Gebiete noch zu erreichen möglich ist. Die Zahl der weiblichen jüdischen Stellennachweise hat sich im vergangenen Jahre ans das Doppelte vermehrt, es sind in Deutschland jetzt über 50 weibliche Stellennachweise vorhanden, von denen die Mehrzahl aus Anregung des I. F. B. gegründet wurde. Eine große Anzahl der Vermittlungsstellen arbeitet bereits jetzt schon andauernd mit einander, für die Zukunst aber soll, soweit die einzelne Nachweisstelle einen Ausgleich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht selbst herbeiführen kann, ein möglichst allgemeiner Austausch zwischen den Nachweisstellen organisiert werden. Für diese Zwecke sind zwei sehr wesentliche Faktoren von der Kommission geschaffen worden. Im Lause dieses Monats wird die Kommission ciue aufs sorgfältigste bearbeitete Tabelle herausgeben, welche das genaueste Adressenverzeichnis aller bestehenden jüdisch-weiblichen Stellenvermittlungen sowie die Adressen ihrer Leiterinnen und Vorsitzenden enthält. Die Stellenvermittlungen sind je nach ihrer Zugehörigkeit zur Loge, zum F. B. und zur Vereinigung der Sabbatfreunde geordnet, und wird die Tabelle nach der Drucklegung allen Genreinden, Frauenvereinen, Schulleitungen usw. unentgeltlich zugesandt werden. Zweck dieser Tabelle ist, es jedermann zu ermöglichen, sich im Bedarfsfall an die n ä ch st g e l e g e n e Stellenvermittlung zu wenden und dadurch den Zustrom der Arbeitsuchenden nach den großen Plätzen zu unterbinden. Dort sind oft Stellensuchende nicht unterzubriugen, verkommen körperlich und moralisch, während an kleiueren Orten gute Arbeitsgelegenheit ihrer wartet. Die zweite, für eine gedeihliche Entwicklung der sozialen Stellenvermittlungssrage nicht minder wichtige Arbeit ist die Herstellung einer geprüften Berte a u e n s pe r s o n e n l i st e des In- und Auslandes, die es den Vermittlungsstellen ermöglicht, überall sorgfältige Recherchen über Arbeitgeber und Arbeitnehmer einzuziehen, um so zur beiderseitigen Zufriedenheit der Kontrahenten arbeiten zu können. Die Vertrauenspersonenliste — die mehrere hundert Namen umfaßt — soll aber noch einen zweiten, sehr wichtigen Zweck erfüllen. Es sind besonders an kleinen Plätzen und auf dem Lande eisrigst Adressen von Vertrauenspersönlichkeiten gesammelt worden; wo sich nun der kleinen Verhältnisse wegen die Einrichtung' eines Stellennachweises nicht lohnt, übernimmt vorkommendenfalls die Vertrauenspersönlichkeit die Funktionen einer sozialen Vermittlungsstelle und' ermöglicht für später ein maschenreiches Netz, welches letzten Endes zur Gesamtzentralisation führen muß. Die Vertrauenspersonenliste, die einer nochmaligen Durcharbeitung bedarf, wird der im März tagenden Delegiertenversammlung des Bundes druckfertig vorgelegt werden. Es wäre wünschenswert, wenn diese Zeilen dazu beitragen würden, daß noch recht zahlreiche Meldungen für die Liste eingingen; die Adressen sind an die Vorsitzende der Kommission Frau Helene Meyer, Stargard i. Pomm., Jobststraße 91 I, einzusenden. Für die Neueinrichtung sozialer Arbeits- und Stellenvermittlungen sind Leitsätze allsgearbeitet worden, nach denen in den Vermittlungsstellen gearbeitet werden soll. 11m ein förderndes Zusammenarbeiten in der Stellenvermittlungssrage Zwischen Logen und Frauenbund zu ermöglichen, hat der Bund, einem Anträge des Vorstandes des Verbandes der Arbeitsnachweise der Großloge folgend, ein Mitglied der Stellenvermittlungskommission in den Vorstand des Verbandes der Arbeitsnachweise der Großloge delegiert und der Verband der Arbeitsnachweise der Großloge eine Dame in die Kommission des Bundes gewählt. Ferner ist die Gründung eines Verbandes der weiblichen jüdischen Stellenvermittlungen geplant und zwar in der Form, daß die Leiterilinell der Nachweisstellen den erweiterten Beirat der Kommission für Stellenvermittlung des I. F. B. bilden, der an bcn Sitzungen der Kommission mit beratender Stimme teilnimmt. Berlin, 21. Januar. Am 16. d. M. fand im Tiergarteuhvs eine Versammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde z u B e r l i n statt, in der Herr Prediger Dr. Lehmann einen hochinteressanten Vortrag über „Die Stellung der Frau in der jüdischen Religion und die Forderungen der Gegenwart" hielt. Der Redner behandelte zunächst die Stellung der Frau bei den Kulturreligionen und stellte fest, daß in keiner der in Betracht kommenden Religionen die Frau eine so hohe und geachtete Stellung einnahm. wie in der jüdischen Religion. Er bewies dies aus zahlreichen Beispielen der religiösen Literatur und besonders durch' Zitate aus dem prophetischen und uachbiblischen Schrifttum. Infolge der hohen und geachteten Stellung, die die Frau im religiösen Leben der Juden einnahm, galt sie auch bei der äußerlichen Betätigung der Religion und im Gottesdienst den Männern als gleichberechtigt. Erst später, und zwar im Mittelalter trat eine strenge Scheidung der Geschlechter auch bei den Juden ein, und die Frau wurde aus dem öffentlichen religiösen Leben zurückgedrängt. Das Haus galt ihr nun als Hauptstelle ihrer Betätigung. Die Gegenwart muß bestrebt sein, der Frau wiederum, loie in alter Zeit, gleiche Rechte mit den Männern zu verschaffen und in jeder Beziehung ihr die ihr gebührende Achtung entgegenzubringen. Wie in alter Zeit die Bedeutung der Frau für das ganze religiöse Leben und die Entwicklung der Religion gewürdigt wurde, so muß in der Gegenwart die Frau wiederum als Erhalterin der Religion die ihr zukommende Stellung im Judentum erlangen. — Der überaus geistvolle imb anregende Vortrag fand bei der gut besuchten Versammlung ein lebhaftes Echo und ungeteilten Beifall. L/D Berlin, 17. Januar. Der Verein für Arbeitsnachweis (begründet von den Berliner Logen 11. O. B. B., Monbijouplatz 10) schreibt uns: Die Bilanz des hauptstädtischen Arbeitsmarktes kann in dem letzten Monat des abgelaufenen Jahres, nach dem Verhältnis von Angebot und Nachfrage an Arbeitskräften beurteilt, im wesentlichen als günstig bezeichnet werden. Die Aussichten für das neue Jahr sind um so befriedigender, als der Vormonat ein Ueberangebot an offenen Stellen auswies. Es konnten durch die Vermittlungsstelle unseres Vereins von 254 vakanten Stellungen, davon 27 mit Sabbatheiligung, mit den dazu geeigneten Arbeitskräften (68 männliche, 88 weibliche Handlungsgehilfen und 83 gewerbliche Arbeiter) besetzt werden. Die Zahl der neu ausgenommenen Bewerber betrug 244. Die für alle Teile völlig kostenlose Stellenvermittlung unseres Vereins wird auch im neuen Jahr bemüht sein, allen Anforderungen der Arbeitgeber gerecht zu werden; sie wird um so tatkräftiger und segensreicher wirken können, je umfangreicher und nachhaltiger das Vertrauen ist, das dem Verein-von seiten der Chefs entgegengebracht wird. Der unentgeltliche Arbeits-

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