Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1913)
- Date
- 1913-01-24
- Page
- Seite 42 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Fig. A und B. sind zwei Türgewänder in Basaltstein -mit nachfolgender Inschrift in Hochrelief: p"Q^7 rW* ausdrückend, daß der Bau im Jahre 1712 errichtet wurde; und darunter die Abbreviatur: die punktierten Anfangsbuchstaben des: se haschaar l’adonai zadikim jovaun vau, das ist: das Tor Gottes, -die Gerechten gehen darin ein. Fig. C u ti b D zeigen zwei Ringe gotischen Charakters in rotem Main fand stein, welche 'die Deckengewölberippen im Hauptschiff der Shnagoge abfingen und gleichzeitig Träger der Beleuchtungskörpep waren. Ring 6 trägt auf feinen Seitenflächen in Hochreliefschrift die Aufschrift links: godaul hu habaijis haacharaun jausser min harischaun, d. h. „Viel größer ist das letzterbaute Haus als das erste," mit der Interpunktion D"! gleich 1650. Die Zahl 1650 soll Wohl andeuten, daß die 1711 abgebrannte Synagoge im Jahre 1650 erbaut worden war. Die rechtsseitige Aufschrift in weniger klassischem Hebräisch lautet: d668ras zur! asclier schemau el haacharaun weharischaun, d. h. mit Hilfe meines Hortes, dessen Name ist: der Gott, der er früher gewesen — jetzt noch ist." - Ring v trägt die Inschrift auf seiner Untersichtseite in vertieften Buchstaben und nimmt inhaltlich gleichfalls Bezug aw die Zerstörung der vorherigen Synagoge; die lautet: viKT? inötrvD.m mn imiro nWiTr w nrn im« ..Zur Zeit der Zerstörung dieses flössen Tränen aus aller Augen, aber da sie mich neu erstehen sehen, da freuen sie sich." Von nicht geringerem Interesse ist der gleichfalls schön erhaltene Stein (Fig. E) in Bockenheimer Basalt. Er war allenthalben als der Chupohstein,bekannt und befand sich im Hofe, in welchem die Trauungen stattfanden. An ihm hat man das -Unaß gelegt, indem man an ihm ein Glas zerbrach. Seine abgekürzte Inschrift ri'pl n"p tP'p'l *P*p lautet in Uebertragung: „Kaul sosaun ^vckaul simchoh kaul choson we kaul kalloh: die Stimmen der Wonne und die Stimmen der Frende, die Stimme des Bräutigams und die Stimme der Braut". Fig. F gibt einen roten Sandstein wieder, der in vertieften Initialen lediglich die Inschrift hruscholasim trägt/Die Form ließ im ersten Augenblick auf eine Sammelbüchse mit dor Bestimmung des Ertrags für Jerusalem schließen. Nach eingehender Forschung jedoch dürfte es sich hier um den Stein Händeln, den spv pölK auf Seite 3"Pp beschreibt. Er befand sich im Hofe zwischen Altschul und Neuschul, und in Erinnerung an das zerstörte Heiligtum in Jerusalem setzten sich die Trauernden nach Beendigung des Frühgottesdienstes am Sabbat einen Augenblick auf ihm nieder. Das Alter dieses Sterns muß ein viel höheres fein als das der vorher erwähnten. Von der heutigen Stellung der ilraelitilchen Lehrer Württembergs. n unserem „Ueberblick über die heutige Lage der jüdischen \ Lehrer Süddeutschlands" in Nr. 23 der „A. Z. d. I." vom 7. Juni, Seite 268, dem dann in Nr. 26 vom 28. Juni, Seite 304, ergänzende Auslassungen über „die Lage der israelitschen Religionslehrer in Baden" zur Seite traten, war die soziale rrnd berufliche Situation der württembergischen nicht näher beleuchtet worden; teils weil sie im allgemeinen für ziemlich günstig galt, teils auch, weil bei der für die „A. Z. d. I." geplanten übersichtlichen Besprechung des neuen württembergischen Judengesetzes hon. 1912 darauf zurückzukommen war. Nun bietet sich aber augenblicklich Anlaß, einen doppelten Blick in die Verhältnisse der jüdischen Lehrer — man sagt dort ( übrigens amtlich und gesellschaftlich wie irr ganz Süddeutschland „israelitisch", nicht „jüdisch" —- des vierten und in jeder Hinsicht schwächsten der vier Königreiche des Deutschen Reiches zu tun. Einmal einen gleichsam offiziellen. Am 30. Dezember beging nämlich der „ V e r e i n i s r a e l i - ti scher Lehrer und Vorsänger Württemberg s" im Oberen Museum zu Stuttgart die Feier seines 5 0jährigen B e st e h e n s. Anläßlich dieses goldenen Jubiläums fand ein würdiger Festakt großen Stils statt. Unter den Festgästen fanden sich dazu ein Vertreter /der Oberkirchen- und Oberschulbehörden, Vertreter israelitischer Vereine aus Württemberg und anderen deutschen Bundesstaaten, auch Vertreter evangelischer/Lehrervereine. Nachdem der Shnagogenchor gesungen hatte, hielt der Vereinsvorstand Josef Preßburger die Begrüßungsrede. Dann entledigte Ministerialdirektvr Dr.- v. Bälz sich eines dreifachen Glückwunsches. Sowohl der bisherige Kultusminister Dr. v. Fleischhauer wie auch der. neue Kultusminister Dr. v. Habermaas, der bisher auch Präsident der israelitischen. Oberkirchenbehörde gewesen, hatten ihn beauftragt, dem Verein die aufrichtigsten Glückwünsche zu überbringen, sodann habe er aber auch denjenigen der israelitischen Oberkirchenbehörde zu übermitteln. Wie vielen Kummer habe der Verein als Unterstützungsverein im halben Jahrhundert seines Bestehens gestillt und wie viele Tränen der Witwen und Waisen getrocknet! Aber auch in der Vertretung der Standesinteressen habe der Verein seine Ausgabe erfüllt. Die Frage der Ständigmachung der unständigen Lehrer und Vorsänger könne für den Verein keine größere Sorge sein als für die Oberkirchenbehörde. Die Landflucht der israelitischen Gemeindeglieder habe zur Folge gehabt, daß eine Gemeinde um die andere eingehe, ebenso auch manche israelitischen Schulen, und das mache die Lage schwieriger. Alle berechtigten Wünsche des Vereins würden auch künftig ein offenes Ohr und ein warmes Herz bei der Oberkirchenbehörde finden. Regierungsrat Schüz überbrachte Glückwünsche im Auftrag des Regierungsdirektors Dr. v. Hieber von der evangelischen Oberschulbehörde, Bezirksrabbiner Dr. Stössel namens des Deutschen israelitischen Gemeindebundes, des Israelitischen Kirchenvorsteheramtes und des Rabbinerverbandes in Württemberg, Realschuldirektor Feiner-Hamburg im Namen des Verbandes jüdischer Lehrer im Reich, Landtagsabgevrdneter Löchner (Fortschrittliche Volkspartei) im Aufträge des Württembergischen Volsschüllehrervereins, v. Schwabacher namens des Israelitischen Landesasyl- und Unterstützungsvereins, Rektor Mayer- Stuttgart im Auftrag des Württembergischen evangelischen Lehrerunterstützungsvereins. Landgerichtsrat Stern beglückwünschte den Verein im Namen des Ausschusses der Israelitischen Waisenanstalt Wilhe-lmspsiege in Eßlingen, H. Löwenthal im Auftrag der Stuttgart-Loge und des Israelitischen Vereins zur Förderung des Handwerks und Gartenbaus, Lehrer Steinhardt-Magdeburg namens des Vereins israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands, Lehrer Mandelbaum-Würzburg im Auftrag der Verwaltung des Vereins israelitischer Lehrer Bayerns, Hauptlehrer Sommer-Pforzheim im Namen des Badischen, Lehrer Kappell-Wiesbaden namens des Nassauischen israelitischen Lehrervereins, Lehrer Nösenwald-Steinbach (Pfalz) im Auftrag der Freien Vereinigung israelitischer Lehrer der Pfalz und WolstStnttgart im Namen des Israelitischen Männervereins für Krankenpflege und Feuerbestattung. Der Vereinsvorstand dankte für alle zum Ausdruck gebrachten Wünsche. Hieraus hielt der Vorsitzende die Festrede, in der er insbesondere die Veränderungen, die seit Bestehen des Vereins in den israelitischen Gemeinden des Landes vor sich gingen, hervorhob. Die Israeliten ziehen immer mehr nach den größeren Städten, zur Gründung israelitischer Volksschulen, komme es hier aber selten, da die Kinder zum großen Test die höheren Schulen besuchen. Im weiteren Verlaus seiner .Ausführungen ver-