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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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" über „Das ■ Gebet" sprechen; Herr Dr. B.e r g m a n n am 12. und 26. März über „Die Erbauungsbücher der Väter"; Herr. Dr: Pell uchowski wird Vorträge aus der Mischna halten: Der Zutritt steht jedem erwachsenen Juden frei, V. Z. Berlin, 14. Januar. Dr. G u st a v H e r z b e r g, der langjährige Chefredakteur und Verlagsdirektor der „Königsberger Hartungschen Zeitung", ist am 10. d. M. mittags auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee zur Ruhe bestattet worden. Aus seiner rheinischen Heimat ime von seiner Arbeitsstätte in Königsberg waren Verwandte , und Freunde nach Berlin gekommen, um hier im Verein mit zahlreichen polittschen Freunden an der Seite der tiefgebeugten Gattin und seiner jugendlichen Kinder den Entschlafenen. auf seiner letzten Fahrt zu begleiten. Rabbiner Dr. Wer ß e entwarf ein lebenswahres Bild des Dahingegangenen. Als Vertreter der Parteileitung der Fortschrittlichen Volkspartei legte Reichstagsabg. Stadtrat Dr. Wi einer einen Kranz dankbarer Wertschätzung an der Bahre des wackeren Mitstreiters nieder. Stadtrat Oske, Königsberg, sprach für den Aussichtsrat der „Hartungschen Zeitung" und für den ostpreußischen Wahlverein der Fortschrittlichen Volkspartei; Reichstagsabgeordneter Bartschat, .neben dem als parlamentarischer Vertreter Ostpreußens Rechtsanwalt Dr. S i eh r erschienen war, im Namen der Königsberger Parteifreunde, und Redakteur Dr. Ludwig Goldstein widmete dem Kollegen und Freund von Herzen kommende und zu Herzen dringende Worte des Abschieds. L. Hohensalza, 10. Januar. Die goldene Hochzeit beging am 3. d. M. in voller körperlicher und geistiger Frische das Rentier Louis Marcussche Ehepaar unter herzlicher Anteilnahme weiter Kreise der jüdischen Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Kohn schilderte in eindrucksvoller Rede den echt jüdischen Lebenswandel des Jubelpaares und rühmte sodann ganz besonders die großen Verdienste, die sich Herr Marcus in seiner ehrenamtlichen Tätigkeit, in der Ausübung der Krankenpflege erworben, wodurch er vorbildlich in der Gemeinde gewirkt habe. Mit herzlichen Wünschen für den ferneren Lebenslauf überreichte der Rabbiner dem Jubilar die allerhöchst verliehene Ehejubiläumsmedaille. Herr S.-R. Dr. Warschauer übermittelte'in einer inhaltsreichen An- . spräche im Namen des Synagogenvorstandes die Glückwünsche der hiesigen jüdischen Gemeinde unter Ueberreichung eines schönen Geschenkes, und Herr . Dr. Bergel gratulierte im Namen des jüdischen Krankenpflege- . Vereins. W. Posen, 10. Januar. Biel heftiger als vor drei Jahren gerieten diesmal die verschiedenen Parteien bei den Repräsentantenwahlen für die Synagogengemeinde auseinander. Den Mitgliedern der liberalen Vereinigung ist hoch anzurechnen, daß sie mit den Orthodoxen zu einem Kompromiß sich Zusammengetan, nur um den Frieden in der Gemeinde zu wahren, und infolgedessen gemeinsam gegen die Zionisten in den Kampf zogen. An Schmähungen und Verdächtigungen fehlte es bei den Wahlmanövern nicht. Diese Zerklüftung ist um so mehr zu bedauern, als gerade jetzt, wo wir Juden nach außen hin uns stark zu verteidigen haben, im Innern uns noch befehden müssen, lind dies alles nur deshalb, weil die wenigen Zionisten behaupten, ebenfalls Vertreter in der Gelneindestube haben zu müssen. Mit großer Geschicklichkeit wies in einer Versammlung das ehrenwerte Mitglied des Vorstandes, Herr Israel Friedländer, daraus hin, Mit welcher Sorgfalt Vorstand und Repräsentanten aus das Wohl der Gemeinde stets bedacht gewesen sind, wie sie trotz umfangreicher Bauten, Neueinrichtungen und .Verbesserungen in den Gemeindeinstitutionen die Steuernlast zu erleichtern verstanden und den Beamten eine sorgenlose Lebensstellung verschafft haben. Diese Worte begeisterten sehr, und einmütig verpflichteten sich die Teilnehmer der Versammlung, für die Kompromißkandidaten einzutreten, und die gute Vornahme führte zum glänzenden Siege am Wahltage, am 7. Januar. Mit erdrückender Majorität wurden zu Repräsentanten gewählt die Herren: Salomon Bergel, Abraham Neumark, Hermann Wollheim I, David Peltesohn, Hugo Brodnitz, Kommerzienrat N. Hamburger und Salomo Friedenthal; zu Stellvertretern die Herren: Nathan Baumgardt, Menno Brock, Jakob Neumann, Sally Oelsner und Ludwig Bleistein. Nach glücklich überstandener Wahl kamen die Wähler zusammen, freuten sich des Sieges und gelobten, eingedenk des 7. Januar, immer bei Wahlen gemeinsame Interessen im Auge zu behalten und, was die Hauptsache ist, den Frieden in der Gemeinde zu erstreben und zu wahren. — „Im Verein „Auschet Chosfed" sprach Herr Rabbiner Dr. Grabowski aus Barmen, ein Sohn unserer Provinz, über das Thema: „Der Sinn des Lebens im Lichte des Judentums." Redner entwickelte in leicht verständlicher Weife die Gegensätze von Optimismus und- Pessimismus unter Zuhilfenahme des . Buches Kohelet.. Die Ausführungen fanden lebhaften Beifall. —. Die Israelitische Brüdergemeinde hat einen zweiten Freitag-Abendgottesdienst eingerichtet, welcher beim Beginn stark besucht war. 6. Ryvnik, (O.-S.), 10. Januar. In der hiesigen Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum sprach am Sonnabend, den 4. d. M., Herr Rabbiner Dr. Dienemann-Rätibor über die Richtlinien. Das Interesse für, die Person des Redners sowohl, wie für das Thema des Vortrags 'hatte eine zahlreiche Zuhörerschaftzusammengesührt. Nach Vegrüßungsworten des Vorsitzenden der Ortsgruppe, Herrn Brauereidirektor M a r d o w s k y, nahm der Redner - das Wort zu seinem gehaltvollen, mit starkem Beifall aufgenommenen Vorträge. Der Vortrag wurde eingeleitet mit einer Kennzeichnung der Stellung des Liberalismus im Judentum, verbreitete sich sodann in großen Zügen über die grundsätzlichen Gesichtspunkte, um schließlich zu den einzelnen Thesen selbst Stellung zu nehmen. Im wesentlichen lag den Aussi'chrungen folgender Gedankengang zugrunde: Streng genommen müsse man für einen Juden das Beiwort „liberal" ebenso wie „orthodox" (rechtgläubig) ablehnen. Wolle man jedoch damit die Anhänger zweier bestimmten Richtungen kennzeichnen, so habe man als „liberal" den zu betrachten, der sich der Freiheit seiner religiösen Persönlichkeit bewußt ist, der die religiösen Impulse mcht durch starre Normen von -außen, sondern aus - seinem Innern empfängt, der für sich das Recht in Anspruch nimmt, a u s s e i n e m Gewissen heraus zu religiösen Fragen Stellung zu nehmen. Demgemäß sind.auch die Richtlinien nicht als Gesetz anzusehen, sie dokumentieren vielmehr eine Abwehr von der starren Bindung, bringen klar und entschieden die Anerkennung der Entwicklungsfähigkeit zum Ausdruck. Zweifellos liegt jedoch irr dem einseitigen Betonen des Persönlichen — dem vorherrschenden Prinzip des religiösen Modernismus — eine starke Gefahr; es darf keineswegs alles in das Belieben des einzelnen gestellt werden, zu jeder Freiheit gehört eine Bindung — aber eine Bindung aus einer inneren Nötigung heraus; das kennzeichnet den liberalen Juden. Ein wesentliches Moment der Bindung ist oft die vorurteilslose Würdigung und Berücksichtigung der Vergangenheit, in der wir wurzeln. Wir können die religiösen Probleme der Gegenwart nicht losgelöst von der chistorischen Entwicklung betrachten, sie soll uns aber nicht eine Fessel sein, sondern eine Quelle der Kraft. Die Nichtlinien sind die authentische Interpretation des Gesamtwillens des liberalen Judentums. Gewiß hat auch das neunzehnte Jahrhundert liberale Gedanken in Fülle hervorgebracht. Diese waren jedoch mehr oder weniger Theorien einzelner — wenngleich überragender — liberaler Persönlichkeiten wie Geiger, Jacobsohn usw. Demgegenüber bedeutet die Tatsache, daß 64 deutsche Rabbiner, aus der Vereinzelung heraustretend, zu dieser imposanten Kundgebung sich vereinigt, einen Schritt von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Es ist die erste machtvolle Willensäußerung des gesamten liberalen Judentums in Deutschland. Zu. den Thesen selbst übergehend, beleuchtete der Vortragende zunächst eingehend die Notwendigkeit, religiöse Forderungen überhaupt und an die Spitze der Richtlinien zu stellen — insbesondere denen gegenüber, welche die ersten Thesen, die ebenso gut Programmpunkte des orthodoxen Judentums sein könnten, für selbstverständlich und ihre Ausstellung daher als überflüssig betrachten. Das Judentum müsse der Außenwelt gegenüber dokumentieren, daß es sich religiös . nicht für über w u nden erkläre. Diese ewigen Grundwahrheiten des Judentums müssen die Welt erobern; in der großen religiösen Auseinandersetzung unserer und der künftigen Zeit müssen diese Ideen den Sieg davontragen. — Religions q u e l l e n sind für das liberale Judentum außer den geschichtlichen Grundlagen wie Bibel, Talmud usw. das gesamte jüdische Schrifttum bis auf die Gegenwart. Das trennt den Liberalismus scharf von der Orthodoxie, welche die religiöse Entwicklung mit einem bestimmten Zeitpunkt als abgeschlossen betrachtet. Der Liberalismus vertraut/auf die religiöse Schöpferkraft des jüdischen Geistes auch in der Gegenwart. — Die Ausführungen des Redners fanden bei der ganzest Versammlung lebhaften. Beifall, sieben neue Mitglieder traten der Orts-, gruppe bei. Der Vorsitzende stellte für die nächste Zeit eine weitere Propagandaversammlung in Aussicht. ' Breslau, 10. Januar: Am 4. d. Dt. starb plötzlich Rabbiner Dr. Immanuel Deutsch im 67. Lebensjahre. Die Künde von dem Ableben dieses verdienstvollen Mannes hat in den weitesten

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