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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 3 Der. Gemeindevote. Berlin, 17. Januar 1913 Beikage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Sorrelpondrn?kn und Nachrichten. Deutschland. a/*> Berlin, 14. Januar. Das Zentralkomit e.e der Alliance I s r a 6 l i t e Universellem Paris hat am 8. d. M. eine Sitzung abgehalten und in derselben, wie wir erfahren, dem Beschlüsse der Berliner Versammlung der deutschen Lokalkomitees, die am 24. November 1912 hier stattfand, seine Zustimmung erteilt. Die von dieser Versammlung unter Leitung des Herrn Juftizrats Hör W itz beschlossene Bezirksorganisation der deut-scheu Alliance-Mitglieder hat somit das Placet der Pariser Zentralinstanz erhalterr, und nun: darf nun von einem definitiv. hergestellten Friedensschl.uß auch in formeller Hinsicht sprechen. Von allgemeinem Interesse dürste es sein, zu erfahren, daß das Zentralkomitee in der gleichen Sitzung eine Reihe von Be-' willigungen ausgesprochen hat, darunter eine solche in Höhe von 500 Frank für den Hilfsvevein für kranke russische Jsraliten in Königsberg, 10 0OO Frank für das Hilfskomitee in Sofia zur Linderung der Not der vom Kriege geschädigten bulgarischen Juden, 5000 Frank für die infolge des Krieges nach Saloniki geflüchteten Juden, 2000 Frank für die holländischen Grcnzkomitees zur Unterstützung ri:ssischer Aus- und Rückwanderer, den gleichen Betrag für die von der Cholera betroffenen Juden in Liberias und 1000 Frank für die gleichfalls von der Cholera betroffenen Juden in Sased. Wie wir zu wissen glauben, wird sich das Pariser Zentralkomitee auch -in Zukunft geneigt zeigen, für Zwecke des russischen Hilfswerkes Unterstützungen zu gewähren; jedenfalls ein. erfreuliches Verhalten, das man anerkennen muß. . Berlin, 14. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete an: 9. d. M. einen populär-wissenschaftlichen Unterhaltungsabend, an dem das Drama „Bar Kochba" von Dr. M. Lev in durch das Mitglied des Deutschen Theaters Fritz Richard zum Vortrag gelangte. Um die zahlreich erschienene Zuhörerschaft mit den Personen, Handluugei: und Ideen der Dichtung vertraut zu machen, entwarf der , Autor in anschaulicher Weise zunächst ein treffliches Bild jener Zeit — 132 bis 135 n. Chr. — in der Israel, in seiner Hoffnung auf die Wiedererbauung des Tempels getäuscht, in Parteien zerklüftet, von inneren und äußeren Feinden bedrängt, trotz aller Warnung des weisen Josua ben Chananja seine letzte Zuflucht in einer abermaligen Erhebung gegen Rom erblickte. Es fehlte nur noch der geeignete Führer in dem bevorstehenden Kanrpse; aber auch dieser war bald gesunden: Bar Kochba, in dem der hervorragendste Gesetzeslehrer jener Zeit, Akiba ben Joseph, den so sehnsüchtigst erwarteten Messias vermutet hatte. Unter der Führung dieses letzten jüdischen Kriegsheldeu, des würdigen Nachfolgers Juda Makkabis, wähnten die-Juden, endlich das eiserne Joch Roms äbgeschüttelt zu haben. Allein nur kurze Zeit, kaum drei Jahre, hatte diese bittere Selbsttäuschung gedauert. Betar, die Residenz des inzwischen zum König erhobenen Bar Kochba, ging in Flammen auf, die zahlreichen Bewohner ließen ihr Leben aus dem Felde der Ehre und Bar Kochba selbst siel als ein Opfer des Verrats und der Kurzsichtigkeit — seiner früheren Anhänger. Akiba aber, ohne den, wie Dr. Levin u:it Recht bemerkte, es keinen Bar Kochba gegeben hätte, erlittden Märthrertod und nahm als Trost in das kalte Grab die Hoffnung wit, daß Israel von nun an nur noch in der Liebe und Treue zu den: einig einzigen Gott die eigentliche Schutzwehr gegen seine zahlreichen Feinde erblicken und Rom überdauern werde. Mit bekannter Meisterschaft trug hierauf Fritz Richard das Drama vor, dessen fesselnde Handlung das zahlreiche Auditorium mit größter Spannung verfolgte und nach jedem Akte dem Autor wie nicht minder dem vorzüglichen Rezitator rauschenden, wohlverdienten Beifall spendete.—Aus den auswärtigen Vereinen: In Bayreuth sprach Rabbiner Dr. Kaelter-Danzig über die Poesie der Bibel; in Frankfurt a. M. Schauspieler Alfred Auerbach: Rezitationen; in Annaberg i. E. Frau Regina Ne i ß e r - Breslau über: Bedeutende jüdische Frauen des 19. Jahrhunderts in Literatur, Kunst und Humanität; in Detmold Prof. Dr. G o l d st e i n - Darmstadt über: Deutschtum und Judentum; Prediger R o s e n t h a l - Detmold über: Die Emanzipation der Juden in Deutschland; Dr. I. E. P o r i tz ky - Berlin über: Die Berliner Boheme; Lehrer A. R o s en t h a l - Vlotho a. Weser über': Konstantinopel und die Juden (mit Lichtbildern); in Neustadt b. P. Rabbiner Dr. N e u h a u s-Ostrowo über: Judentum und Weltanschauung im Wandel der Zeiten; Kaufmann Siegfried Philippsthal über: Hillel, sein Leben und Wirken; in Bernstadt i. Schl. Prediger Wolsgang über die Verherrlichung des Weibes im Judentum. ^2 Berlin, 14. Januar. Wie seit Jahrzehnten veranstaltet auch in diesem Jahre die L e h r a n st a l t für die Wissenschaft des Judentums eine Reihe von Vorlesungen,zum Besten ihres Stipendiensonds. Auch in diesem Jahre weist die Liste der Vortragenden hervorragende Namen aus. Am 27. Januar spricht Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w. Szegedin, über „Agadische Miszellen", am 3. Februar Rabbiner Dr. Jacob, Dortmund, über „Das Gesetz Moses", am 10. Februar Dr. Alphons Sußnitzki über „Die Dömnes (die Nachkommen Sabbatai Zewis) in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Stellung in der gegenwärtigen Türkei", am 17. Februar Direktor Frau berge r, Düsseldorf, über „Jüdisches Kunstgewerbe", am 3. März Stadtverordneter Redakteur Dr. jur. I. Levy über „Aus alter Zeit", am 10. März Chefredakteur I. Landau über „Chamberlain, Goethe und die Juden". Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Nt o n t a g abends 8 Uhr statt. Einlaßkarten zu 5 Mark für den ganzen Zyklus, 1 Mark für eine Vorlesung, sind zu haben beiin Hofjuwelier Herrn Eugen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und am Eingang in den Saal. y. Berlin, 14. Januar. Die „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" hatte zum 9. d. M. nach dein Festsaale des Logenhauses in der Joachimstaler Straße eine Versammlung einberufen, die sich zu einer höchst eindrucksvollen Kundgebung zugunsten der bekannten „ Richtlinien " gestaltete. Die Versammlung wuvde von dem Vorsitzenden der „Vereinigung" Herrn Justizrat Breslauer geleitet und war von zirka 800 bis 1000 Personen besucht; viele Hunderte konnten Leinen Einlaß mehr finden und mußten unverrichteter Dinge wieder nnckehren. Unter den Anwesenden sah man mehrere Mitglieder des Gemeindevorstandes, der Repräsentantenversamullung und viele Prominente Persönlichkeiten aus der Geineinde. Als Redner traten in der Versanimlung folgende drei Gemeinderabbiner aus. Rabbiner Dr. B lumen th a l sprach über „Die geschichtlichen Grundlagen und der religiöse Charakter der Richtlinien"; Rabbiner Dr? Hoch selb über „Die E h e g e s e tz e u n d d i e H e i l i g k e i t d e r Familie" und Rabbiner Dr. Bergmann über „Die Wrssenschast und die Einh e i t d e s I u d e n t u m s ". Wie wir erfahren, werden die drei Vorträge demnächst in: Druck erscheinen. Hier sei nur bemerkt, daß die Ausführungen der drei Herren Referenten den lebhaftesten, teilweise einen demonstrativ-enthusiastischen Beifall der riesigen Versammlung fanden. Irgendeine Resolution wurde nicht gefaßt, wie denn auch keinerlei Debatte sich an die Vorträge knüpfte. Gegner der „Richtlinien", die in winziger Anzahl zweifellos zugegen waren, gelangten nicht zu Wort, das aber auch gar nicht verlangt wurde. S£2 Berlin, 14. Januar. Die von der Bezirksgruppe Schönhauser Vorstadt des Neuen Jüdischen H i l s s v e r e i n s eingerichteten Vorträge, die in der von der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Aula, Rykestraße 53, stattfinden und von den Herren Rabbinern Dr. Eschelbacher, Dr. Petuchowski, Dr. B e r g m a n n und Dr. K ö n i g s b e rg e r gehalten werden, wurden vor einigen Tagen durch einen äußerst anregenden Vortrag des Herrn Dr. Eschelbacher über den Talmud eingeleitet. Im Namen des Zentralvorstandes des Neuen Jüdischen Gemeindevereins begrüßte Rechtsanwalt Dr. Klee die Erschienenen und dankte den Vortragenden, die sich sreundlichst dem Verein zur Verfügung gestellt haben. Herr Ludwig B e h r sprach im Namen der Bezirksgruppe. Herr Dr. K ö n i g s b e r g e r wird am 29. Januar, 12., 19. und 26. Februar

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