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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-17 · Heft 3 (17.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 3 (17.1.1913)
Date
1913-01-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Kreisen unserer Gemeinde innige Teilnahme und aufrichtige Trauer geweckt. Mit -chm ist ein Mann dahingegangen, der nicht nur wissenschaftlich hervorragend, sondern auch ein Jude vom alten Schlage, eine Persönlichkeit.im vollsten Sinne des Wortes war:, treu -seiner Ueberzeugung und treu seiner Umgebung, die volles Vertrauen in ihn setzte. Immanuel Deutsch wurde 1847 in Sohrau O.-S. geboren als Sohn des Rabbiners David Deutsch, der als ausgezeichneter Talmudist weit bekannt war. Von frühester Kindheit an wurde der begabte Knabe von. seinem gelehrten Vater in die Kenntnis der jüdischen Wissenschaften eingeführt; auf dieser sicheren Grundlage konnte er später mit Eifer und Erfolg weiterbauen. Wohl vorbereitet trat er im Jahre 1868 in da'» „Jüdisch-theologische Seminar" zu Breslau ein, dem er bis zum Jahre 1875 angehörte; doch bereits kurz vor Abschluß seiner Studien ries ihn die Pietät gegen den früh dahingegangenen Vater in seine Heimatgemeinde Sorau zurück, die in ihm ihren religiösen Führer säst ein Vierteljahrhundert verehrte und ihm Treue und Anhänglichkeit über 'das Grab hinaus bewahrte. 1897 wurde er als Stiftsrabbiner nach Lissa i. P. berufen, und im Jahre 1900 folgte er einem Ruse der Breslauer Shnagogengemeinde, die ihn zu ihrem stellvertretenden Rabbiner und zum stellvertretenden Dirigenten ihrer Religionsunterrichtsanstalt I erwählte, lieber all hat er in gleicher Treue gewirkt, von Pslichtibewußtsein und Liebe für seinen Beruf erfüllt. Daneben fand der Verewigte noch reichlich Muße zu wissenschaftlicher Arbeit'. Die hohe Verehrung, deren sich der Heimgegangene in allen Kreisen zu erfreuen hatte, kam unmittelbar nach seinem Tode, in besonders hohem Maße aber bei seiner Beisetzung zu ergreifendem Ausdruck. Hunderte geleiteten seine Bahre von der Wohnung zur letzten Ruhestätte, die . er aus dem alten Friedhose an der Lohestraße - fand'. Durch den Mund des Rabbiners Dr. R o s e n t h a l ließ chm die Gemeinde Worte tieseurpsundener Herzlichkeit Nachrufen, in denen sich noch einmal die. Wertschätzung des, seltenen Menschen und bedeutenden Gelehrten offenbarte. Im Aufträge des deutschen Rabbinerverbandes verkündete Professor Rabbiner Dr. Guttmann, welchen Liebe und Hochachtung sich der Verblichene im Kreise seiner Aintsgenvssen zu erfreuen hatte. Ehre seinem Andenken. L2 Hannover, 10. Januar. Von dem Lehrgute Steinhorst geht jetzt der erste Jahrgang landwirtschaftlich ausgebildeter junger Glau-. bensgenossen ab. Die jungen Leute kommen respektive kamen alle gut unter' auf bäuerlichen Betrieben und großen Gütern, und sie bewähren sich in ihren Stellungen. Wie hier schon öfters, hervorgehoben wurde, ist es bei geeigneten Verbindungen keineswegs schwer, auch für jüdische Landwirte Stellungen zu finden, die entsprechenden Positionen in Gewerbe und Handel auch an Einkommen durchaus gleichwertig sind. Gegenwärtig steht die Simonsche Stiftung zu Hannover, die in der Hauptsache das Lehrgut Steinhorst unterhält, in Verhandlungen wegen Ankaufs einer größeren Landsläche in einer der besten. Gegenden der Provinz Hannover; dort sollen in Steinhorst und Ahlem Ausgebildete, nachdem sie noch einige Jahre in privaten Stellungen tätig gewesen sind, sich selbständig machen können. Also auch für die Zukunft unserer jungen Landwirte wird Sorge getragen. Da nun zum Frühjahr der älteste Jahrgang unserer Steinhorster Lehrlinge ausgelernt haben wird, wird 1913 aus dem Lehr gut S t e i n.h o r st wieder eine Anzahl Plätze frei. Junge Leute, die Neigung und Begabung für den landwirtschaftlichen Berus besitzen, finden in Steinhorst eine musterhaft ausgestattete Lehrwirtschaft, aber auch eine gute, gesunde allgemeine Erziehung und Fortbildung. Die Lehrzeit dauert drei Jahre. Wegen der Bedingungen im einzelnen erteilt Auskunft die Alexander-und-Fanny-Simonsche Stiftung, Hansahaus, Hannover. t Sfi Frankfurt a. M., 10. Januar. Die Frankfurt-Loge beging dieser Tage das Fest ihres 25 jährigen Bestehens. Vormittags fand ein akademischer Festakt statt, zu dem der Präsident der Großloge für Deutschland, Geheimer Justizrat T i m e n d o r s e r (Berlin) und Rechtanwalt Dr. Jesselsohn (Mannheim), als zweiter Delegierter der Großloge für Deutschland, erschienen waren. Nach einem einleitenden Chorgesang hielt der Präsident dev Frankfurt-Loge Dr. Felix K a u f s m a n n ' die Festrede, in der er ein aus den Protokollen und den Akten der Loge ausgebautes Bild'der Gründung und Entwicklung sowie insbesondere der Leistungen der Loge aus sozialem Gebiet in den 25 Jahren-ihres Bestehens gab. Die Loge, die im Jahre 1888 von 61 Herren gegründet wurde, zählt heute 479 Mitglieder. Nachdem verschiedene Korporationen, ihre Glückwünsche abgestattet hatten, beschloß ein Chorgesang die stimmungsvolle Feier. Am Festbankett am Abend nahmen 400 Personen teil. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 10. Januar. In der Audienz, die der neugewählte Bürgermeister Dr. Weiskirchner am 6. d. M. beim Kaiser hatte, kam unter anderm auch die Rede aus die bekannte Spitalsnot, die in Wien herrscht. Dr. Weiskirchner teilte daraus dem Monarchen mit, daß die israel iti sche Ku l tus g em e i nd e daran gehe, ein Kinderspital zu errichten, und daß ihr bloß der hierzu geeignete Bauplatz fehle. In Betracht komme die sogenannte Wasserwiese, die an den Augarten grenzt und das Eigentum des k. k. Hofärars bildet. Der Kaiser gab daraus seine Einwilligung zur Errichtung des von der, israelitischen Kultusgemeinde geplanten Baues eines Kinderspitals aus der dem Hosärar gehörigen Bausläche, — ein kaiserlicher Gnadenakt, der von der gesamten Bevölkerung mit großer Freude und Genugtuung begrüßt wird. Die Erbauung des neuen Kinderspitals, die durch den Gnadenakt unseres geliebten Monarchen nunmehr gesichert erscheint, hat eine Vorgeschichte. Der bekannte Philanthrop David Richter v. G u t m a n n chatte noch zu seinen Lebzeiten einen Betrag von drei Millionen Kronen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien zum Zwecke der Erbauung eines Kinderspitals zur Verfügung gestellt; mit derselben Bestimmung hatte der Wiener Privatier Spitzb e r g e r testamentarisch einen Betrag gewidmet, der sich ungefähr aus anderthalb Millionen beläuft. Auch der Industrielle B. Haas hatte für diesen Zweck etwa eine halbe Million Kronen gestiftet; mit Hinzusügung einiger kleinerer Spenden steht derzeit der Wiener Kultusgemeinde eine Summe von rund fünf- Millionen Kronen für das Kinderspital zur Verfügung. Das neue Kinderspitäl wird unter Oberaufsicht der Kultusgemeinde stehen. Nach den Stiftsbriesen lverden aber auch Kinder anderer Konfessionen in dem, Spital behandelt respektive ausgenommen werden. Die Bezirksvorsteher des zweiten Bezirkes traten vor längerer Zeit an die israelitische Kultusgemeinde heran mit der Bitte, das Kinderspitäl im zweiten Bezirke zu errichten. Der Präsident Dr. Stern sagte die Gewährung dieser .Bitte zu, wenn ein geeigneter Bauplatz für dieses Spital im zweiten Bezirk ausfindig gemacht, werden könnte. Durch die Bewilligung des Monarchen, das Kinderspitäl auf -den -sogenannten Wasserwreseu zu errichten, ist der Wunsch eines großen Teiles der Wiener Bevölkerung in Erfüllung gegangen; aber auch der israelitischen Kultusgcmeinde gereicht der kaiserliche Gnadenakt zur besonderen Ehre. Von Kah und sfern. — Am 3. d. M. beging Herr Geh.'Sanitätsrat Dr. Maretzki seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde von Mitgliedern der Berliner Logen U. O. O.' B. dem Jubilar ein Betrag von 25 000 Mark zwecks Gründung einer humanitären Stiftung zur freien Verfügung gestellt. — Beim diesjährigen Krönungs- und Ordensfest wurde dein Geheimen Kommerzienrat Dr. Eduard Simon in Berlin ■ die Schleife zum Roten Adlerorden dritter Klasse verliehen. — Das diesjährige Konzert , des V e r e i n s z u r P f l e g e hebräischer Musik (Dirigent: Kapellmeister A. Kellermann) findet am 3. 'Februar d. I. im Blüthnersaal unter Mitwirkung namhafter Solisten statt. — Dem Sanitätsrat Dr. I a c ob Wo l ff in Berlin ist der Titel Professor verliehen worden. — . Dem Warenhausbesitzer Os c ar Tietz in Berlin wurde von S. Kgl. Hoheit dem Prinzregenten Ludwig von Bayern anläßlich des Neujahrsfestes der Orden vom hl. Michael 4..Klasse mit der Krone verliehen. — Der Journalist Martin Sochaczewski, Inhaber des Berliner Korrespondenzbureaus, Belle-Alliance-Platz 3, beging am 9. d. M. mit seiner Gattin Helene das Fest der silbernen Hochzeit. — Am 8. d. M. ist Herr Professor W i l l i a m W o l s aus seinem arbeitsreichen Leben plötzlich geschieden. Der Entschlafene stand über 30 Jahre im Dienste der Berliner jüdischen Gemeinde und nahm an allen Bestrebungen zur Förderung des Judentums den regsten Anteil. Besonderes Jnteressä bekundete er für die Bestrebungen des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, an dessen Veranstaltungen von Gedenktagen und musikalischen Vorträgen er zu wiederholten Malen in selbstlosester Weise mit- . wirkte. Die Beisetzung hat unter großer Beteiligung am 12. d. M. auf dem Friedhof in Weißensee stattgefunden. — In Moschin ist der - älteste Bürger der Stadt, Rentier S i m o n im 84. Lebensjahre gestorben. Beim Leichenbegängnis zeigte die große Beteiligung, in welcher Achtung und Liebe der Dahingeschiedene bei Juden und bei Nichtjüden gestanden. Die Leichenrede-hielt ein -Verwandter des. .Verstorbenen,

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