Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 36 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Ahlem) lebhaft zu verteidigen. Für bedenklich halte ich nur zwei. Meinungen gerade in einen: für die Jugend bestimmten Buch. Die eine ist das allzugroße Wertlegen aus Zeremonien, wodurch die Jugend leicht verführt werden könnte, in den Formen den eigentlichen Inhalt der Religion zu sehen, die zweite ist, daß das Unwahrscheinliche, oder sagen wir geradezu das direkt Unmögliche, eine allzugroße Rolle spielt. Sv wie der Verfasser es schildert, daß Tugend und Wohltun sofort ihre Belohnung finden, daß die Hilfe Gottes so sicher und prompt eintrrfst, geht es leider in der Welt nicht zu. Die Lehren des Verfassers entsprechen daher der Wirklichkeit nicht nur nicht, sondern widersprechen ihr geradezu. Sieht man indessen von diesem Grundfehler ab, so ist das Buch als ein wirkliches weltliches Erbauungsbuch für die Jugend recht wohl zu empfehlen. L. G. — Außer der Stelle im Sohar, Wajera, die sich mit der Zeitangabe der endlichen Erlösung befaßt, und wonach in den 60 Jahren im sechsten Jahrtausend ein Antrieb hierzu sich zeigt, findet sich noch eine andere Quelle im Buche Daniel VII. 25. Sie lautet: HTD JlDnm. p£7- JlSäl pP NP «und sie werden gegeben in eine Hand bis auf eine Zeit, Zeiten und die Hälfte einer Zeit." Die alten Erklärer haben in ihrer Weise diese dunklen Angaben zu erforschen gesucht. Von den jüngeren ist es der bedeutende Exeget Malbiin, der kabbalistischen Deutungen sonst abhold ist und an dieser Stelle doch nicht achtlos vorübergeht. Er nimmt an, diese ungenauen Zeitbestimmungen setzen festgelegte Zeiten voraus. Es wäre pP 410 Jahre — Dauer des l. Tempels P^P 820 „ (dem doppelten py) 1230 Jahre . PP jbö 615 „ (der Hälfte der Zeiten) 1845 Jahre So kommt er mit den Angaben über die Erlösung an: Ende des Buches Daniel zu den: Schluß, daß im Jahre 5673 der Beginn der Erlösung eintritt. Sie zieht sich 14 Jahre hin, begreift in sich die zwei Epochen, 7 Jahre des Ben David und 7 Jahre des Gog. Sie bedeuten den Kampf um die verkündete Erstehung des Tempels. Er geht noch weiter, indem er sogar den Zeitpunkt für die Auferstehung der Toten in dem Zahlenwert der Worte 'pfcVJ JT pb> der 335 beträgt und auf das Jahr 5963 fällt, angedeutet sieht. Am Schlich seines Kornmentars macht er allerdings ein Fragezeichen, das durch die Worte ■DP DK ausgedrückt ist. Immerhin sind Malbim die Jahre 5673 und 5688 jene Zeiten, in denen es sich entscheiden soll: nfpm pKH bz b$ 'PI mm PDISdP! 'p6* Uns bleibt nur eine abwartende Stellung. M. S ch w e i tz e r. * — Die G r a n d i d i e r s. Ein Berliner Roman aus der französischen Kolonie von Julius Rodenberg. Vierte Auslage. Stuttgart und Berlin. Deutsche Verlagsanstalt. 1912. Vor fast vierzig Jahren erschien der Roman „Die Grandidiers". Das ausgezeichnete Buch ist zu neuem Leben erweckt worden und liegt in vierter Auflage vor uns. Fraglos wird dieses von der neuen Generation mit nicht minder warmer Anteilnahme begleitet werden, wie einstens von den Zeitgenossen jener Vergangenheit Alt-Berlins, in der der deutsch-französische Krieg, die Wiederaufrichtung des deutschen Kaisertums einen so gewaltigen Aufschwung hervorries. Mit weit vorausschauendem Blick hatte der Große Kurfürst den durch das Edikt von Nantes aus Frankreich vertriebenen Hugenottensamilien eine gastliche Heimstätte in seiner Residenz gewährt und hiermit dieser tatkräftige gute Bürger gewonnen. Nachkom:nen einer dieser Hugenottensamilien sind die Helden dieses Romans. Die Schicksale der Grandidiers fesseln uns von Anfang bis zu Ende und auch ein trefflicher jüdischer Typus, Samuel Fränkel, mutet uns freundlich an. Es ist ein eigenartiges Gefühl, das diejenigen beherrschen wird, die vor fast vier Jahrzehnten den Roman gelesen haben und ihn jetzt wieder zur Hand nehmen, ein Buch, das seinen dauernden Wert behalten hat und behalten wird. .Regina Reißer. ' — Jüdische Volkslieder. Musikalisch bearbeitet von I. Engel. Heft II für eine Si::gstimme mit Klavierbegleitung. Heft III: Lieder ohne Worte für Klavier. Zu beziehen in Moskau-: Verlag Jurgensohn, und Petersburg: Gesellschaft für jüdische Volks- NNlstk. m WWMW Zu den vielen Mischen Komponisten, die ihr musikalisches Können in den Dienst der Bearbeitung jüdischer Volkslieder gestellt haben, gehört auch I. Engel aus Moskau. Die von ihm mit Klavierbegleitung versehenen jüdischen Volkslieder tragen den Stempel eines feinfühligen Musikers. Das zweite Heft seiner Sammlung enthält zehn Lieder für eine Singstimme mit Klavierbegleitung. Engel hat es verstanden, den Melodien, die aus der tiefempfundenen jüdischen Volksseele entstanden sind, eine charakteristische Begleitung zu. unterlegen, so daß jedes Lied ein in sich abgeschlossenes und auch gefälliges Musikstück bildet. Daß Herr Engel den Klaviersatz, voll und ganz beherrscht, ersehen wir aus seinem dritten Heft, welches aus O. „zehn Liedern ohne Worte" besteht. Wie bei den Mendels- .' sohnschen „Lieder ohne Worte", wo die Musik den Inhalt der Ueberschrist über dem Liede wiedergibt, so auch in diesen jüdischen Liedern ohne Worte. Es sei hier nur auf einzelne Nummern hingewiesen' wie j „Das Lied der alten Rebe", „Bleibt gesund" und „Er hat n:ir fest gelobt". In allen diesen Liedern sind jüdische Volksweisen für das Klavier überaus wirkungsvoll bearbeitet. So empfehle ich die Liedersammlung, Heft II und III von I. Engel, den jüdischen Familien, woselbst u: o d e r n e Musik gepflegt wird, aufs beste. Königl. Musikdirektor A. F r i e d m a n n. % SyreHssal. Herr E. aus Tilsit, der in Nr. 52 vorigen Jahrganges die Aenderung ■tfSDDl IDPmT in UöPtPl Up-|? in den: vor Jahren vom Gr. bad. Oberrat der Israeliten herausgegebenen Gebetbuch glaubt beanstanden zu müsse::, sei auf 1. Kön. 5,9: niDDn D7T naiP bv ntPK PiHD Ztb nnpl . . . . PUD^IP^ ferner auf Jesaj. 48, 18 DV7 pDp'ISCI . . . . Vn und auf Pf. 147,5 "1ÖDÖ VK JrranP verwiesen. Der Hebräer denkt eben in seiner lebendigen anschaulichen Art offenbar auch bei adstraetis an die einzelnen konkreten Erfcheinungsurornente, aus denen die Begriffe abgezogen wurden, oder in denen sich die abstrakter: Eigenschaften äußern. Uebrigens fehlt °^£DD1 nicht nur in den sephardischen Gebetbüchern, sondern auch im Machsor Vitry. Dennoch war die Lesart des N. Elia Wilna, nach dessen Vorgang die genannte Aenderung vom Oberrat vorgGwmmeu worden, entschieden'vorZUZiehen, weil in der bloßen Nachkomrnenvcr- . mehrung für sich allein noch kein Vorzug erblickt werden kann. Es n:uß ein höherer göttlicher Segen hinzukommen, wie auch die oben ungezogene Stelle in: Jesaja (48, 18, 19), aber auch schon die vom Anonymus Zitierte aus 1. B. M. 22, 17 und noch viele a. ä. Steller: zeigen. Dieser höhere göttliche Segen wird nun 'in jenem ersten Verse des ^IDDPI von Elia Wilna aufs glücklichste mit wiedergegeben, da ja bekanntlich im sowohl nach der Bibel (Pf. 29, 11), als nach den: Talmud (Ukziu 3, 12) das höchste Segensinstrument besteht. Dr. M. S t e ck e l m a ch e r. * Der Verfasser der Leitartikel von Nr. 50 und 51 des voriger: Jahrganges ist Herr Rechtsanwalt Dr. Karl Nosenthal in Würzburg. D. Red. Letzte Nachrichten. Der.Hilfsverein der deutschen Juden schreibt uns: Die Herren Dr. Paul Nathan, Berlin, Elkan Adler, London, und Dr. Bernhard Kahn, Berlin als Vertreter der humanitären jüdischen Organisationen sind auf der Reise nach den Notstandsgebieten des Orients in Belgrad eingetroffen. Soweit die Delegation bisher feststellen konnte, behandeln die serbische Negierung und die Militärbehörden die Juden in den eroberten Gebieten human. Durch Vermittlung des Herrn Rabbiners Alkalay in Belgrad ist es erreicht, daß die türkischen Gefangenen jüdischen Glaubens wahrscheinlich freigelassen und in die Heimat zurückbefördert werden. Die Delegation begibt sich von Belgrad nach Sofia. ' ÜiiSeSm