Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- Seite 29 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229069-3229073--69127-3281412- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
OCR text
29 erscheint, auch Gesetzentwürfe einbringen vor allem über die Aufhebung des Ansiedlungsrayons. Mit bester Hochachtung ergebenst N. Fried mann. . 1. Cand. .jur. Nafthal Fried mann, geboren 1863, absolvierte 1883 das Gymnasium zu Schaulen, besuchte dann die Petersburger Universität, wo er für eine von der Fakultät ausgeschriebene Preisaufgabe die silberne Medaille erhielt. Nach Absolvierung der Universität ließ er sich in Petersburg als Rechtsanwaltsgehilfe nieder, siedelte nach fünf Jahren nach Poneresch (Gouvernement Kowno) über, wurde dort mehrmals als Stadtverordneter gewählt, im Jahre 1906 zum vereidigten Rechtsanwalt ernannt und 1907 zum Dumadeputiertengewählt. Dort nahm er bei mehreren Fragen Stellung, besonders bei Beratung des Budgets des Ministeriums des-Innern, der Justiz und Volksaufklärung; war auch Mitglied mehrerer Dumakommissionen. Ihm gehört auch die Initiative zum Einbringen des Gesetzentwurfs zur Versorgung der jüdischen Lehrer der Volksschulen, er wurde auch gewählt in die Ausgleichskommission, bestehend aus Mitgliedern der Duma und des Reichsrats. 2. vr. Meyer Bomasch, geboren 1861 zu Kowno, absolvierte dortselbst 1880 das Gymnasium und 1885 die medizinische Fakultät der Moskauer Universität, ließ sich im Gouvernement Grodno als Arzt nieder und zog nach etwa fünf Jahren nach Lodz um. Machte 1905 den russisch-japanischen Krieg mit, und nach Rückkehr aus dem fernen Osten ließ er sich wieder in Lodz nieder. 3. vr. Ezechiel Hurewitz, Hofrat, geboren 1861 im Gouvernement Witebsk, besuchte das Gymnasium zu Pekow, dann die medizinische Fakultät zu Dorpat, die er 1887 beendete, ließ sich dann als Arzt in Jakobstadt (Kurland) nieder, lebte dort bis Oktober vorigen Jahves, wo er als Dumadeputierter für Kurland gewählt wurde. Leilrrnnnrrungrn sn Spanien. Von Caspar Lazarus. II. un komme ich zu etwas typisch Spanischem, dem Stiergefecht. Der Stierkamps, dieses blutige, rohe, widerliche, nationale Schauspiel, gehört in Spanien geradezu zu den Notwendigkeiten des Lebens, und man begreift nicht, wie die Spanier den Winter ohne diese abscheuliche Belustigung ertragen können. Ja, man sagt, unter den vielen Ursachen, welche in Spanien eine Revolution herbeiführen könnten, wäre das Verbot des L-tierkamPfes wohl eine der ersten. Vor einiger Zeit wagte jemand in einer öffentlichen Versammlung in Sevilla gegen den Stierkampf zu eifern; dieser kühne Mann wäre beinahe totgeschlagen worden/ Die besten Stiergefechte finden in Madrid und Sevilla statt. Hat man einer Corrida de Toros (Stierkampf) beigewohnt, so hat man sie dem Wesen nach alle gesehen, nur macht die verschwenderische Pracht, mit der dieselben in Madrid gefeiert werden, einigen Unterschied für das Auge. Stierkämpfe waren früher ein ritterliches Vergnügen, an dem .sich ausschließlich der Adel beteiligte, um seine Kraft und Gewandtheit zu zeigen; seitdem der Stier vom Roß aus mit der Lanze bekämpft wird, sind sie zu einem förmlichen Gewerbe herabgesunken, bei dem gemietete Leute die Arena betreten und fürschnödes.Geld ihr Leben aufs Spiel fetzen. Die Stierkämpfer, der Hefe des Volkes angehörend, sind meist rohe Gesellen, welche, weil sehr gutbezahlt, in der Zeit von einer Vorstellung zur anderen verschwenderisch leben und sich den gröbsten sinnlichen Genüssen hingeben, da sie wohl wissen, baß sie bei jedem Auftreten ein Opfer ihres blutigen Handwerks werden können. Als Kämpfer aber genießen die Toreros in ihren malerischen Kostümen eine fast wahnsinnige Bewunderung und Vergötterung. In den ärmsten Hütten wie im Palast befinden sich ihre Porträts. Einige haben sich Millionen verdient und gelangten zu großem Ansehen und Ehren. Ein früherer Matador ist gegenwärtig Stadtrat in Madrid. Schon tagelang vor dem Kampfe kann man in Madrid die Aufregung im Volke wahrnehmen: mit Aufmerksamkeit werden die riesengroßen, grellen Plakate studiert, in denen die Namen der Stiere, ihr Stammbaum und ihre Züchter sowie das Auftreten berühmter Toreros angekündigt werden. Das letzte Hab und Gut wird ins Leihhalls getragen, um nur dem über alles geliebten Stierkampf beizu'wohnen. Der Hof, die vornehme Welt, das Volk erscheinen zu dem öffentlichen Schauspiel, alle in festlichen Kleidern und festlicher Stimmung. Man sieht schöne, modern gekleidete, mit Blumen geschmückte Damen, und die kostbaren Mantillen, die von den Spanierinnen in geschickter Weise um den Kopf und Hals gehüllt werden, kommen zur rechten Geltung. Das Wetter war herrlich, Himmel und Luft azurblau. Die Helden des Schauspiels, die Espadas, erscheinen in der Arena. Mit Jubelgeschrei werden sie empfangen, und würdevoll nehmen sie die Huldigung entgegen. Der Walde, die Stadtobersten haben ihre Logen betreten. Der Präsident erteilt durch ein gnädiges Kopfnicken die Erlaubnis zur Eröffnung des Kampffpiels. Aus der Loge des Präsidenten wird dann von schöner Hand der Schlüssel zum Stall in die Arena geworfen, vom Alguacil (Ratsdiener) geschickt im Hut aufgefangen, der ihn an den Pförtner weitergibt. Und nun erfolgt unter Pauken und Trompetengeschmetter der farbenreiche, hoch malerische und feierliche Aufzug der Quadrilla, das Schönste und Sehenswerteste der ganzen Vorstellung. Die Quadrilla umfaßt sämtliche Mitwirkende des Schauspiels, außer dem Stier. Voran die Ratsdiener, die in ihrer! schwarzen Tracht mit wallender Feder auf dem Hut wie Dr. Friedmann, jüdischer Tmiui-Abgeordneter.