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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-10 · Heft 2 (10.1.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. 2 Berlin, 10. Januar 1913 Der Gememdeboce. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums. Lorrelpöndm?m und Machnchtrn. Deutschland. y. Berlin, 7. Januar. Wie wir erfahren, hat der geschüftssührende Ausschuß des Verbandes der deutschen Juden beschlossen, die nächste Generalversammlung des Verbandes, die in diesem Jahre (1913) statutenmäßig stattfinden muß, diesnial nach H a m b u r g einzuberusen und Zwar gleich nach den Herbstfesttagen, auf den 9. November. Desgleichen können' wir mitteilen, daß die Herren Dr. Bärwald und Prof. Dr. Kalischer in den Ausschuß neu berufen wurden, zum Vorsitzenden der politischen Abteilung Herr Justizrat Lev ins on und zum stellvertretenden Schriftführer Herr Geh. Justiz rat Dr. Fuchs gewählt worden sind. — Von der Einführung eines immer wie gearteten Wahlrechts zu den Verbandstagungen ist leider immer noch keine Diebe; aber man hat sich doch, wie wir erfahren, neuerdings wenigstens mit sogenannten „Satzungsinterpretationen" befaßt und solche vorgenommen. Ob sich diese Interpretationen aber über die inateriellen Bestimmungen und die Zusammensetzung der Generalversammlung erstreckten, entzieht sich unserer Kenntnis. — In einer Ausschußsitzung, die am Sonntag den 29. v. M. stattfand,--wur-. den die Fragen der Lehreranstellung, der Sonntagsruhe und die Frage der Ausländer einer sehr eingehenden Erörterung unterzogen und bestimmte Beschlüsse gefaßt. g/T> Berlin, 7. Januar. Am.28 v. M. verschied hier im jugendlichen Alter von 33 Jahren der. Kantor und Lehrer Louis S p a n d ä u. Au der Bahre sprach zuerst der Dirigent der 7. Religionsschule Rabbiner Dr. Esche l b a ch e r, welcher, sichtlich bewegt, die Pflichttreue, die Bescheidenheit und das hervorragende Lehrtalent des Verstorbenen rühmend hervorhob. Alsdann ergriff der greise Rabbiner Dr. Lipp schütz das Wort und schilderte in herzergreifender Weise das musterhafte innige. Verhältnis des Verstorbenen zu seinen alten, ehrwürdigen Eltern und zu seinen Geschwistern, denen sein ganzes Streben galt. . Der Verstorbene, welcher mehrere Jahre Kantor an der Synagoge Kaiserstraße und Neligionslehrer an der 7. Religionsschule war, war ein jüngerer Bruder des Oberkantors Jacob Spandau in Myslowitz, Oberschlesien. 22 Berlin, 7. Januar. Unter dem Namen Mendelssohn-Chor besteht seit einer Reihe von Jahren in Berlin ein jüdischer gemischter Chor, der sich als vornehmste Aufgabe die Pflege besserer Gesangsliteratur gestellt hat. Die künstlerische Leitung liegt in den Händen des sehr bewährten und befähigten Komponisten und Dirigenten James N othstei n. Die Uebungsabende des Vereins finden jeden Mittwoch von 8Vi bis 10 Uhr in der Gesangsaula der Luisenschule, Ziegelstraße 12, statt. Damen und Herren, die dem Chorgesang Interesse entgegenbringen und ihre- Stimmen gesanglich fortbilden wollen, ist der Anschluß an diesen Verein warm zu empfehlen. Das diesjährige Winterkonzert findet am 1. März 1913 in den Arminhallen, Kommandantenstraße, statt. Zur Aufführung gelangen Lieder von Mendelssohn-Bartholdy und aus den Jahreszeiten von Haydn „Der Frühling". Nach dem Konzert findet eine größere Ballfestlichkeit statt. 22 Breslau, 5. Januar. . Am Montag den 30. Dezember fand hier im Sitzungssaale der Repräsentantenversammlung die Wintersitz u n g des Ausschusses der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums statt. Vor Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende Professor Dr. M. Philip pson den Heimgegangenen, um die Wissenschaft des Judentums hochverdienten Professoren D av i d H ei n r i ch M ül l e r, Wien, und M k o l a u s Müll e r, Berlin, warm enrpfundene Worte des Nachrufes, welche, die Mitglieder des Ausschusses stehend anhörten. Sodann begrüßte Rabbiner Professor Dr. G u t t m a n n namens der Breslauer Mitglieder den Ausschuß zu seiner ersten Tagung in Breslau, indem er auf die vielfachen, zu historischer Bedeutung gelangten Beziehungen Breslaus zur Wissenschaft des Judentums hinwies. Professor Philippson erwiderte dankend, indem er der Hoffnung Ausdruck gab, daß das freundschaftliche Zusammenarbeiten und die vertraulichen Beziehungen der Ausschußmitglieder zu einander auch fernerhin der Gesellschaft zum . Segen gereichen und sie befähigen möchten, das Vertrauen der jüdischen Oefsentlichkeit in dem gleichen Maße wie bisher zu rechtfertigen. — Der Vorsitzende legte sodann nach Erstattung des-Jahresberichtes die von der Gesellschaft mit reichen Mitteln subventionierte, von Dozent Dr. A. P a h u d a, Berlin, besorgte Ausgabe des arabischen Originals der „Herzenspflichten" von Bachja sowie den ersten Teil der E l b og e n fchen Arbeit über den. jüdischen Gottesdienst vor. Professor Guttmann berichtete, daß die Gesellschaft im Lause des Jahres 1913 mit Bestimmtheit den ersten Seder der von Rabbiner Dr. Krengel, B.-Leipa, besorgten Ausgabe der Tosefta, sowie den zweiten Band des Maimonideswerkes werde dem Druck übergeben können. Professor Dr. W. Bacher, Budapest, legte den Plan zu feinem neuesten Werke „Tradition und Tradenten" vor, dessen Ausnahme in die Schriften der Gesellschaft vom Ausschuß beschlossen wurde. Der Ausschuß bewilligte ferner eine Reihe von Subventionen und beschloß, aus den Mitteln der Ludwig-Philippson-Gedächtnis-Stistung jüdischen Lehrern Beihilfen zum Ankauf der „Neuestm Geschichte des jüdischen Volkes" von M. Philippson zu gewähren. Nach der Sitzung folgte der Ausschuß einer Einladung des Vorstandes der Synagogengemeinde zu einem Frühstück, bei welchem er von den Herren S a ch s,. Professor Dr. L. Cohn und Dr. Löwenthal begrüßt wurde. An die Sitzung des Ausschusses schloß sich abends im Festsaale. der Lessing-Loge die Mitgliederversammlung an, an welcher als. Vertreter des Gemeindevorstandes die Herren Handelsrichter Mugd a n und Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottlander, als Vertreter der Repräfentantenverfammlung die Herren Professor Dr. Wohlan e r und Georg Sachs teilnahmen. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles, in welchem der Jahresbericht erstattet und der bisherige Ausschuß wiedergewählt wurde, hielt vor einem überfüllten Saale Professor Dr. Blau, Budapest, einen Vortrag über „Aegyptifche Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung". Der Redner gab einleitend einen Ueberblick über den augenblicklichen Stand der Papyrusforschung, die dank dem reichhaltigen Material, das sich täglich rroch vermehre, einen ungeahnten Einblick in das Alltagsleben der alten Völker gestatte und dadurch sich völlig abhebe von den Literaturdenkmälern des Altertums. Zwischen beiden — Papyri und Literatur stehe der Talmud, dessen vielfältige Diskussionen ja auch das Alltagsleben in seiner mannigfachen Gestalt erfassen wollten. Schon daraus ergebe sich, daß zwischen den Papyri und dem Talmud Beziehungen bestehen müßten, die auszufinden Ausgabe der Wissenschaft sei und die für das Verständnis der Papyri und des Talmuds vielfach beitragen könnten. Der Redner erläuterte dies an verschiedenen Beispielen buchgeschichtlicher, sprachgeschichtlicher und rechtsgeschichtlicher Art. So stimme die Art, wie die Schreiber der Papyri Zeilenabstände und Zwischenräume, statt der modernen Interpunktion gebrauchten, oder ihre Art, in den Schriftstücken Korrekturen zu kennzeichnen, völlig mit der Art, in der heute noch die Thorarollen geschrieben werden, überein. Eine ganze Reihe von griechischen Lehnworten im Talmud fand ihre Erklärung durch gleichlautende Worte in den Papyri; ja, manche befremdende Wortsorm, die man bisher als verderbt habe bezeichnen wollen, werde durch den Gebrauch in den Papyri als Sprachgut des Volkes und des Alltags erwiesen. Ferner seien die Bezeichnungen für eine größere Anzahl von Rechtsurkunden in den Papyri die gleichen wie im Talmud, und was noch viel bedeutsamer sei, die Urkundenformulare seien in beiden Gattungen von Urkunden gleich. Der fesselnde Vortrag bot auch sonst eine Reihe von interessanten Einzelheiten, so „besonders", als der Redner sich über die vermeintlichen Gh.etti und den angeblichen Antisemitismus des Altertums verbreitete und diese mit triftigen Argumenten in das Reich der Fabel verwies. Der. Redner schloß mit dem Hinweis, daß die Paphrussorschung vermöge ihrer Eigenart hinleite in alle Gebiete menschlicher Tätigkeit und menschlicher Wissenschaft, also insbesondere auch der Wissenschaft des Judentums/ deren Pflege Zweck und Ziel der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sei; sie empfahl er dem verständnisvollen Interesse der Versammlung. Reicher Beifall lohnte den Redner, dem

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