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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-10 · Heft 2 (10.1.1913) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
Seite 24 (sequence 12)
Language
German
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widerspruchsvollen Natur Heines mit einer bloßen Kompilation seiner Aeußerungen über religiöse Dinge am wenigsten zu Resultaten kommen. Und eben das Eindringen in den Geist Heines, in die nicht wegzuleugn-enden^ Grundlinien seiner Persönlichkeit und deven Entwicklung wird der Forscher hier peinlich vermissen. Wo Puetzseld Ansichten äußert, sind sie schief. Der Tragödie „Almansor" spricht er ihre Richtung gegen das Christentum rundweg ab, mit einem so schwachen Beweismaterial gegen Heines damals glühenden, jüdischen Nationalenthusiasmus ausgerüstet, daß es geradezu verstimmt. Die religiöse Umwandlung Heines acht Jahre vor seinem Tode ist ihm bloß „ein Zufall"; es bleibt dem Versasier die organische Entwicklung des lebenslang religiös Sehnsüchtigen bis zu diesem Heimfinden gänzlich verschlossen. Nachdem Puetzseld 95 Seiten lang kompiliert und geurteilt hat, erkennt er selber — gesperrt gedruckt — sein Fiasko. Im zweiten Teil ist der Abschnitt über das Judentum von besonderer Oberflächlichkeit. Es handelt sich im ganzen wesentlich um eine an sich dankbar zu begrüßende Materialsamlung, die einen geistigeren Bearbeiter erwartet. Ge <rrg «l. P1 o t k e. * — Berline r, Dr. Ludwig. D i e st a a t s k irchenrechtl i ch' -e Stellung der israelitischen R e l i g i o n s g e m e i nd e n und sonstigen israelitischen Rel i gi o n-s v e r - bände S ü d d eu tsch land s. I. Kaufsmann, Frankfurt a. M. 1912. 71 Seiten. Seitdem die Resormbedürftigkeit der die jüdischen Gemeinden Preußens betreffenden Gesetzgebung erkannt und zum Gegenstand eifriger Erörterung in der jüdischen und nichtjüdischen Presse gemacht worden ist, ist das Interesse für die wissenschaftliche Behandlung und Darstellung der in anderen, zumal süddeutschen Staaten zu Recht bestehenden Judengesetzgebungen im Wachsen begriffen. Dieser Gruppe von Arbeiten, zumeist junger Juristen, schließt sich' die vorliegende an, die als Dissertation von der Gießener Universität angenommen worden ist. Während aber die bisher erschienenen nur ein enges Gebiet umfassen und sich mit der Gesetzgebung je eines, Staates beschäftigen, hat die Arbeit,Berliners — für den Laien wenigstens — den Vorzug, daß sie die Rechtsverhältnisse der Juden aller Staaten Süddeutschlands in den Kreis ihrer Betrachtung zieht und zur Darstellung bringt. Sie gewährt somit eine raschere und bequemere Orientierung über das ganze Rechtsgebiet, wie sie denn überhaupt dank der übersichtlichen Verteilung und straffen Gliederung des Stoffes, der scharfen- und präzisen Forniulierung der grundlegenden Begriffe, der klaren und deutlichen Ausdrucksweise, der Hervorhebung alles Wichtigen und Weglassung des Unwichtigen und Nebensächlichen sowohl mit den Prinzipien des Staatskirch'enrechts Süddeutschlands im allgemeinen als auch mit den die Judengesetzgebung betreffenden Teilen desselben im besonderen aufs beste vertraut macht. Die Arbeit darf daher allen, die sich für diese Rechtsmaterie interessieren, warm empfohlen werden. Dr. H. * — Kalender der Sabbatsreunde. 5673. Schriften des Verbandes, der Sabbatfreunde 10. . Der Wiederabdruck der bekannten Geschichte Master von dem dänischen Schriftsteller M. A. Goldschmidt wäre willkommen, wenn die Uebersetzung nicht so sehr schlecht wäre; ich habe für unsere Zeitung eine andere Uebersetzung erworben, aus der die Leser hoffentlich' ersehen werden, wie man solche fremdsprachliche Erzählungen im Deutschen wiederzugeben hat. Die übrigen nicht sehr zahlreichen literarischen Beiträge entsprechen der Tendenz des' Vereins; besonders nützlich und brauchbar ist die Zusammenstellung der Verfügungen über Schutzgesetzgebung in allen deutschen Staaten. L. G. * — M itteilungen zur Jüdischen Volkskunde. Herausgegeben von Dr. M. Grunwald. 15. Jahrgang. 3. Heft. Wien 1912. (Der ganzen Reihe 44. Heft. 1912.) Die Hefte dieser Zeitschrift zeige ich immer gern an, weil sie von der Umsicht des Herausgebers und der geschickten Behandlung eines gewaltigen Stoffes ein gutes Zeugnis ablegen. Die Zeitschrift hat jetzteine erhöhte Bedeutung erlangt, dadurch, daß ihr eine Beigabe unter dem Titel „Archiv für jüdische Familienforschung" hinzugefügt worden ist. In dem ersten Hefte dieser Beilage wird über die Familien. Teixeira und die Familie Jstak Wertheimer gehandelt. Außerdem in einer einleitenden Darlegung „Sinn und Zweck der jüdischen Familienforschung" die Tendenz des neuen Unternehmens klargelegt. Die eigentliche Zeitschrift fährt fort, die jüdische Volkskunde in ihren mannigfachen'Ausstrahlungen zu behandeln. Von dem Herausgeber ist die Fortsetzung der Studie „Altjüdisches Ge-> meindeleben" hervorzuheben. Sonst finden sich Abhandlungen, Mitteilungen von jüdischen Sprichwörtern und Redensarten aus Rußland und Ostgalizien, jüdische Volkslieder aus Rußland, „Ein Spaziergang um das Jahr des Juden im ungarischen Oberlande" und eine Abhandlung „Zur Geschichte des Totenaberglaubens". L. G. — Zur Jahrhundertfeier des Judenedikts vom 11. März 1812. Ein Rückblick auf den Kampf der preußischen Inden um die Gleichberechtigung. Von Prediger Dr. Paul R i e - g e r. Berlin 1912. Eine kurze, vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und anderen Körperschaften veranlaßte historische Darstellung. Sie handelt über die Vorarbeiten zum Edikt, gibt eine Darlegung des Ediktes selbst und eine Darstellung seiner Wirkungen. Die Schrift ist populär geschrieben, von echt jüdischem und deutschem Sinn diktiert und für das große Publikum im höchsten Maße geeignet. Sehr gefreut hat mich nicht nur, weil es meinen persönlichen Ansichten, sondern der geschichtlichen Wahrheit entspricht, die hübsche Würdigung David Friedländers, die sich in der Einleitung findet. Die Schrift verdient die weiteste Verbreitung. L. G. * — D i e Rothschilds von I g n az B a l l a. I. Ladhschnikow, Verlag G. m. b. H., Berlin. Preis broschiert 6 Mark, gebunden 8 Mark. ' Ein Buch über die Rothschilds müßte entweder von einem Finanzmann oder einem Kulturhistoriker ersten Ranges geschrieben werden, jener.hätte aus der Geschichteter großen Anleihen und der Finanzgeschäfte das Material zu sammeln, dieser das Phänomen zu erklären, wie eine jüdische Familie es verstand, das Vertrauen der Fürsten und Mächte zu gewinnen und dabei die Fähigkeit besaß, einerseits dem Judentum treu zu bleiben, anderseits in ihren verschiedenen Zweigen sich dem Wesen der Länder anzuschließen, in denen sie wohnten. Der Verfasser unseres Buches ist weder das eine noch , das andere. Er hat vielmehr aus ein paar Büchern, die er am Schlüsse seines eigenen Werkes Zusammenstellt, ziemlich wahllos Anekdoten, Finanzgeschichten u. a. gesammelt und gibt bei den einzelnen Trägern des Rothschildschen Hauses ein paar Charakterzüge oder Lebensereignisse an. Zu einer wirklich gründlichen, psychologisch vertieften Charakteristik kommt es nirgends. Der Abschnitt „Die Pariser Rothschilds" besteht zum großen Teil aus Auszügen, die Heines Werken und Börnes Briefen aus Paris entnommen sind. Es wäre z. B. sehr wichtig gewesen, über die Rothschildschen Kunst- und Altertumssannnlangen, über die Begünstigung der Literatur, durch manche Mitglieder des Hauses etwas zu hören — man denke daran, daß einer der Pariser Rothschilds ein großer Gelehrter und ein anderer ein nicht erfolgloser Dichter ist — von allem diesem ist in unserem Buche mit keinem Worte die Rede. So ist das Buchleider nur eine Anekdotensammlung und eine höchst oberflächliche Darstellung einiger Finanzgeschäfte, aus der man ersieht, daß der Verfasser in die großen Finanzgeschäfte keineswegs eingeweiht ist und von der inneren Entwicklung dieses Welthauses und seinen Beziehungen zu anderen Mächten gar keine rechte Vorstellung hat. . Die Ausstattung des Buches ist nicht schlecht, wenigstens was den Druck betrifft, die Bilder dagegen sind ganz in der alten konventionellen Holzschnittmanier, ohne jeden Reiz, ohne jedes wirkliche Leben. Sollte das Buch einem wirklichen Bedürfnis genügen, so hätte es ganz anders gemacht werden müssen. — Der jüdische Charakter in der Welt geschichte. Von Dr. M. Lew in. Rede zur Feier des hundertsten Jahrestages der Emanzipation der Preußischen Juden, gehalten im Gotteshause der jüdischen Reformgemeinde.in Berlin. Separatabdruck .aus Nr. 23, Jahrgang 1912 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". Ein Abdruck, aus Nr. 23 des vorigen Jahrganges, der unseren Lesern willkommenstem wird, weil er ihnen die formvollendeten und gedankenreichen Ausführungen des Verfassers wieder ins Gedächtnis zu rufen geeignet ist. . .... k 0.

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