Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 77 (1913)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1913)
- Date
- 1913-01-10
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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SS SSI 20 Bild, das Opfer einen neuen Ritus, weil Name oder Bild als mächtig, der Ritus als wirksam erscheint. Tuch dann, wenn für das Hören des Namens, das Sehen des Bildes, und das Vollziehen des Ritus nur eine einzige Auffassung einfach ist, und deshalb unmittelbar gegeben zu sein scheint, können doch diese Formen auf dem neuen Gebiet eine wesentlich andere Bedeutung annehmen je nach der Anwendung, die von ihnen gemacht wird, un dder Umgebung, in die sie hineingestellt werden. Deshalb kommt es zuletzt nur daraus an, zu verstehen, was durch die Aufnahme in die andere Religion daraus geworden ist." Dann aber entwickelt er, wie vieles das Christentum aus dem. Judentum entnahm, während es anderes fallen ließ und bemerkt: Ueberdies ist im Alten Testament das, was unabhängig von allen Formen und allen Lehrsätzen sich als die-Religion gibt, soweit es sich in Worte fassen läßt, mit einer Deutlichkeit ausgesprochen worden, wie kaum in einer anderen vorchristlichen Religion. Dies begründet er dann in folgender beherzigenswerter Weise: „Aus der Zeit der dem Abschluß entgegengehenden alttestamentlichen Religionsgeschichte steht im Psalter ein Wort, das ich nach Luthers den Sinn unübertrefflich wiedergebender Uebersetzung zitiere: „Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allzeit meines Herzens Trost und mein Teil." Dies Wort bringt zum Ausdruck das Bewußtsein unzerstörbaren Friedens durch den alles andere Gut aufwiegenden Besitz der Gottesgemeinschaft. Es stellt eben damit eine Höhe der religiösen Auffassung dar, die alle anderen Höhenlagen in sich faßt und sich nicht mehr überschreiten läßt. Dies Psalmwort zeigt das religiöse Gefühl auf seinem Gipfelpunkte. Daneben hat das Alte Testament in dem Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst" die Bruderliebe als den sich betätigenden Gottesdienst dargestellt. Es hat damit für das Verhalten der Mitwelt gegenüber einen ethischen Grundsatz ausgesprochen, der, in seinem vollen Sinne verstanden/eine Steigerung nicht erfahren kann." Ich wiederhole, daß diese Worte von einem christlichen Theologen stammen, daß sie daher einiges enthalten, was uns nicht ganz zutreffend erscheint, und daß sie, was ihnen eine besondere Bedeutung gewährt, von dem derzeitigen Rektor der Berliner Universität gesprochen wurden. Gegenüber so vielen unzutreffenden Darstellungen des Judentums, welche nicht müde werden, den Judengott als den Gott der Rache, jüdische Religion als die des Hasses, das Christentum dagegen als die der Liebe zu bezeichnen, klingen diese Worte als ein herrliches Bekenntnis der Gerechtigkeit und der Wahrheit. D' Lin alter Lrabktrm. Von Rosenbaum. ie Nummer 45 der „Allg. Ztg. des Judentums" vom 8. November 1912 enthielt einen interessanten Artikel von Herrn Dr. Karl W e r t h e i m in Nürnberg über „Drei Denkmäler jüdischer Geschichte". In Ergänzung dieses Artikels erlaube ich mir auf einen Grabstein hinzuweisen, den ich in diesem Jahre gelegentlich meines Aufenthalts in Rothenburg o. Tauber an der Vorderfront eines Hauses eingemauert fand und photographiert habe. Dieser Stein ist ebenfalls ein jüdischer Grabstein, wie die Inschrift zeigt, und stammt aus dem Jahre 1378. Die Grabschrist ist für zwei in der Blüte ihrer Jahre verstorbene jüdische Jünglinge bestimmt und lautet in deutscher Uebertragung: (Rechts) Hier ist 'begraben der Knabe Moses, Sohn des Rabbi Juda Halevy, der . in die Ewigkeit einging am Sonntag den 16. Ellul 139 nach der kleinen Weltzeitrechnung (d. h. mit Weglassung der Tausende 5139. Da wir jetzt das Jahr 5673 schreiben, so beträgt die Differenz 5673 — 5139 534 Jahre. Die Grabschrift datiert also vom Jahve 1912 — 534 1378). Seine Seele möge aufbewahrt bleiben im Paradiese. Selah. (Links) und sein Bruder der Knabe Rechlin (?), ' der in die Ewigkeit öinging am Sonntag den 22. Ellul 139 nach der kleinen Weltzeitrechnung. Seine Seele usw. Selah. Seilrkrinnrrungrn an Spanien. Don Caspar Lazarus. I. (familiäre Beziehungen veranlY laßten mich und meine Frau, Mitte Mai v. I. nach Spanien bzw. Madrid zu reisen. Die Fahrzeit zwischen Berlin- Madrid beträgt ohne Unterbrechung 46 Stunden mit Schnellzügen. Ich schlief, soweit man eben im Zuge schlafen kann, unv lugte an jeder größeren Station bei spärlichem Morgenlicht aus dem Fenster des Abteils. In Bayonne sah ich dicht am Bahndamm die Synagoge stehen, die angesichts der spanischen Nachbarschaft Empfindungen wehmütiger Natur in mir weckte. Nachdem Biarritz passiert war, erreichten wir gegen 8 Uhr morgens Jrun, spani- > schen Boden. Die Landschaft des malerisch in einer Niederung gelegenen Jrun ist schön, auf der einen Seite die See, auf der anderen frisches Grün, Laubholz. Nach einer halben Stunde erreichten wir San Sebastian, ein modernes, in letzter Zeit viel besuchtes Seebad, Passierten Burgos, die Hauptstadt Altkastiliens, Valladolid, Medina del Campo und Segovia, das mit seinem zwei Jahrtausende alten, von den Römern angelegten, Aquädukt, der noch heute die Wasserzusührung besorgt, eine große Sehenswürdigkeit Grabstein in der Vorderfront eines Dauses zu Rothenburg o. T.