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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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tisch e s F er i enhei,m errichtet und sich verpflichtet, außerdem einen jährlichen Zuschuß von 1000 Mark hierzu zu,leisten. Die Stiftung führt den Namen „Israelitisches Ferienheim in Nürnberg". Das Kuratorium fetzt sich zusammen aus den Stiftern, dem Rabbiner der Kultusgemeinde Nürnberg, je einem Vertreter der Kültusgenreinde Nürnberg, des Israelitischen Wohltätigkeits- und des Israelitischen Frauenvereins sowie aus zwei Vertretern der Maimonidesloge in Nürnberg. - Düsseldorf, 27. Dezember. Hier hat sich ein israelitisches Damenkomi t e e für W ö ch n e r i n n e n gebildet. Um es zu ermöglichen, daß gerade die weniger bemittelten Mitschwestern, die nach außen hin nicht zeigen wollen, wie arm sie sind, Hilfe erhalten, ohne daß andere darum wissen, als die Vertrauensperson des Komitees, hat das Komitee die Unterstützung in der folgenden Weise angeordnet: Einer jeden Wöchnerin, ganz gleich, ob reich, ob arm, wird nach ihrer Entbindung durch ein dazu bestimmtes Mitglied des Komitees eine' verschlossene Büchse nebst Schlüssel überbracht und nach einigen Tagen wieder äbgeholt. Diese Büchse enthält einen Geldbetrag, den die betreffende Wöchnerin im Falle der Not für sich verwenden kann, den sie aber, wenn sie dessen nicht bedarf, durch'ein kleines Geschenk vergrößern kann, zum Besten ihrer armen Mitschwestern. (ys> Frankfurt a. M., 27. Dezember. Um den Bestrebungen zur Zerstörung unserer jüdischen Einheitsgemeinde entgegenzutreten und um ihren orthodoxen Mitgliedern aus Anlaß des Richtlinienstreites jede Besorgnis um ihre künftige religiöse Betätigung in der Einheitsgemeinde zu nehmen, ließ der Gemeindevorstand durch den orthodoxen Rabbiner Herrn Dr. Nobel in der Synagoge folgende Erklärung verlesen: „Die Verwaltung der Israelitischen Gemeinde erklärt, daß sie es als Erfindung betrachtet, wenn der mit den Konservativen geschlossene Vertrag als Konzession auf Widerruf bezeichnet wird. Abgesehen von den Bestrebungen, die konservativen Institutionen im Statut der Gemeinde sestzulegen, fühlt sich die Verwaltung durch den geschlossenen Vertrag sittlich und rechtlich gebunden, den Konservativen ihre verbriefte religiöse-Freiheit zu gewährleisten. Insbesondere wird es das Recht der Ritualkommission sein/ eintretendenfalls dem Vorstand eine Liste von drei konservativen Rabbinern zu präsentieren, von denen einer vom Vorstand gewählt werden 'muß. Durch das gleiche Wahlversahren wird die Ergänzung der Ritualkommission bewirkt. Es ist Recht und Pflicht der Ritualkommission, den konservativen Gemeinderabbiner in der Bewachung und Ausgestaltung der rituellen Gemeindeinstitutionen zu unterstützen." Stuttgart, 29. Dezember. Der 16. Dezember bildete einen Markstein in der Geschichte der Israeliten Württembergs. Nach dem neuen Israelitengesetz vom 8. Juli 1912 und der neuen Kirchenverfassung vom 6.'September 1912, durch welche die Rechtsverhältnisse der Israelitischen Religionsgemeinschast Württembergs neugeordnet wurden, kommt die Oberleitung der kirchlichen Angelegenheiten der israelitischen Kirchenbehörde zu, die aus einem engeren und einem weiteren Rat besteht. Während beim engeren Rat die besoldeten Mitglieder vom König auf Lebenszeit und die ehrenamtlichen Mitglieder vom Ministerium des Kirchen- und Schulwesens aus der Zahl der vom weiteren Rat Vorgeschlagenen aus sechs Jahre ernannt werden, räumt die neue Kirchenversassung den Israeliten des Landes das.Recht ein, sieben Mitglieder zu wählen, welche dann mit den Mitgliedern des engeren Rats und einem von den Rabbinern des Landes gewählten inländischen Rabbiner den weiteren Rat der Oberkirchenbehörde bilden. Diese neugewählten Vertreter, welche zunächst mit den bisherigen, vom König ernannten Mitgliedern der Ober-' kirchenbehörde den weiteren Rat bilden, haben heute ihre erste amtliche Sitzung gehalten. Es ging eine private Vorbesprechung am Sonntag den 15. d. M. abends 8 Uhr in einem Saale des Hotels Westheimer voraus. In ungezwungener Form traten sich hierbei die Abgeordneten der Gemeinden näher, wurden von dem Leiter der Abendversammlung, Herrn Kirchenrat Dr. Krön er, in einer längeren Ansprache begrüßt und verständigten sich über die Personen, die sie in der ersten Sitzung bei der stattfindenden geheimen Wahl -für dem engeren Rat der Oberkirchenbehörde dem Minister vorzuschlagen hatten. Schon diese erste Besprechung, der sämtliche Abgeordnete beiwohnten, trug trotz der verschiedenen Richtungen, die vertreten waren, den Charakter friedlicher Ausgleichung und Betonung derjenigen Interessen, deren Wahrung allen eine ernste und heilige Ausgabe geworden ist. Die am folgenden Tage vormittags 9 Uhr beginnende . amtliche Sitzung wurde von dem Präsidenten, Herrn Ministerialdirektor v. Balz, geleitet. Der um das Zustandekommen der neuen Kirchenversassung in hohem Maße verdiente Vorsitzende nahm zunächst die feierlicheVerpflichtung der Neugewählten vor. Alsdann hielt er eine aus dem Herzen kommende warme Ansprache an die Erschienenen und gedachte zunächst unter Ehrung ihres Andenkens der Verstorbenen, und zwar des Verfassers des Entwurfs Ober-' regierungsrat Dr. Schmal und des langjährigen Mitgliedes Geh. Kommerzienrats v. Pflaum, ferner derjenigen früheren und jetzigen Mitglieder der Oberkirchenbehörde, die an dem Zustandekommen des neuen Jsraelitengesetzes und der neuen Kirchenversassung mit voller Hingebung mitgearbeitet hatten. In erster Linie würdigte er die Tätigkeit des früheren Präsidenten, Herrn Dr. v. Habermaas, der,nach dem Ausscheiden aus der Oberkirchenbehörde Präsident des evangelischen Konsistoriums geworden war und nunmehr zum Minister des Kirchen- und. Schulwesens ernannt worden ist. sticht minder erkannte er das warme, hingebende Interesse an, welches Herr Privatier M. H. Goldschmidt.säst anderthalb Jahrzehnte lang als Mitglied der Oberkirchenbehörde allen ihren Aufgaben, insbesondere dem Zustandekommen der neuen Kirchenversassung gewidmet hatte. Dann dankte er auch den Mitgliedern der Oberkirchenbehörde, welche während der Vorarbeit -für die Verfassung neu in diese Behörde eingetreten waren und erklärte, daß hiermit die Tätigkeit der bisherigen Oberkirchenvorsteher auf Grund desselben Rechts nach der Wahl und Bestätigung der neuen Oberkirchenvorsteher ihr Ende erreichen werde. Nach diesem Rückblick aus die Vergangenheit warf er einen Blick in die Zukunft, kennzeichnete in großen Zügen die Ausgaben, welche der weitere Rat nunmehr zu erfüllen hat und ließ seine Worte in die Mahnung ausklingen, welche er im Vorjahre bei der Jubiläumsfeier der Synagoge Stuttgart der Gemeinde zugerüsen hatte: Seid einig, einig, einig! Aus diese warme, zu Herzen gehende tiesergreisende Ansprache richtete Herr Rabbiner Straßburger aus Ulm im Namen sämtlicher Neugewählten Worte des Dankes an den Vorsitzenden und gab in deren Namen die feierliche Versicherung, daß sie alle bestrebt sein werden, nach besten Kräften und bestem Gewissen im Interesse der friedlichen Einheit aller Israeliten Württembergs ihren neuen Pflichten zu entsprechen. Darauf schritt man zum ersten Gegenstand der Verhandlung: die Ausstellung einer Vorschlagsliste für den engeren Rat. Das Ergebnis war, daß sechs Herren mit der höchsten Stimmenzahl und einige andere mit geringerer in Vorschlag gebracht waren. Das Wahlergebnis ist dem Minister vorzulegen, damit er aus der Zahl der zwölf mit den höchsten Zahlen Borgeschlagenen die vier neuen ehrenamtlichen Mitglieder für den engeren Rat (Oberkirchenvorsteher) auf sechs Jahre ernenne. Den nächsten Gegenstand der Beratung bildete die Frage, wie die infolge des neuen Steuersystems an manchen Stellen entstandene Befürchtung, daß vielleicht die erforderliche Amtsverschwiegenheit nicht genügend gewahrt sein dürfte, beseitigt werden könnte und wie der Steuereinzug am zweckmäßigsten zu bewerkstelligen sein dürfte. Man einigte sich dahin,, daß der engere Rat der Oberkirchenbehörde einen die grundlosen Befürchtungen zerstreuenden Erlaß hinausgehen lassen solle. Nach diesen Beratungen fand man sich mittags um 1 Uhr im Hotel Westheimer zu einem gemeinschaftlichen Mittagessen zusammen. Bei demselben richteten der Vorsitzende Herr Ministerialdirektor v. Bälz und Herr Kirchenrat Dr. Kroner ernste und launige Worte an die Versammelten, die in befriedigtster Stimmung, nachdem Herr Rabbiner Kahn, Heilbronn, aus den Wunsch des Herrn Präsidenten das Tischgebet verrichtet hatte, bis in die vierte Nachmittagsstunde zusammenbtieben und mit dem Wunsch von einander schieden, daß dieses Einheitsgefühl, welches heute alle Mitglieder erfüllte, ein gutes Wahrzeichen für die künftige Tätigkeit des weiteren Rats sein möge. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 24. Dezember. Heute wurde auf dem hiesigen israelitischen Friedhof der am 21. v. M. im 66. Lebensjahre verstorbene berühmte Orientalist und Dozent an der hiesigen israelitisch-theologischen Lehranstalt, Hosrat Professor Dr. David Heinrich v. Müller, unter überaus zahlreicher Beteiligung der Gelehrten- und Künstlerkreise zu Grabe getragen. Unter den Leidtragenden, die gekommen waren, dem verblichenen Gelehrten die letzte Ehre zu erweisen, bemerkte man u. a.: den Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, Minister a. D. Dr. Ritter Böhm v. Bawerk mit fast sämtlichen hier anwesenden Mitgliedern der Akademie, Vertreter des Ministeriums für Kultus und Unterricht, den Dekan und sämt-

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