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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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stände als Material überwiesen. Den Schluß der Versammlung bildete ein mit großem Beifall. ausgenommenes Referat des Dozenten Dr. W o h l g e m u t über „Aufgabe und Methode der Apologetik im Religionsunterrichte". P Berlin, 30. Dezember. Am 26. Dezember 1912 ist hier unter großer Beteiligung der interessierten Kreise, sowie der Vertreter des D. I. G. B., des-Verbandes der deutschen Juden usw. der Kassen-; verband der jüdischen Beamtenpensionskassen als Grundlage der eingerichteten Ersatzkassen für die Beamten der jüdischen Gemeinden in Deutschland und zur allgemeinen Förderung der Versorgungsinteressen unserer jüdischen Beamten gegründet worden. Die dem Kassenverband angeschlossenen Ersatzkassen eröffnen am 1. Januar 1913 den Ersatzkassenbetrieb für ihre Mitgliedsgemeinden. Die Versicherung bei unseren Ersatzkassen befreit von der Beitragspflicht zur staatlichen Angestelltenkasse, den Mitgliedern der Ersatzkassen werden bei gleichen Beiträgen, wie sie zur Staatskasse zu zahlen wären, wesentliche Vor- ' teile in der Versicherung geboten. Der Beitritt zu de-w Ersatzkassen kann noch nachträglich erfolgen. Die besonderen Bedingungen dafür sind vom Bureau des D. I. G. B. zu erfahren. W. Ans der Provinz Posen, im Dezember. Posen. Die orthodoxen Rabbiner der Provinz Posen hielten Hierselbst unter Leitung des Herrn Rabbiner Dr. Wreschner in Samter ihre Quartalsversammlung ab. Sehr eingehend wurden die in der Versammlung der Vereinigung für das liberale Judentum Hierselbst aufgestellten Richtlinien besprochen. Rabbiner Dr. L e w i n - Wreschen referierte über das Thema: „Wie beseitigen wir die Mißstände bei der Thoravorlesung?" Ausgehend von den sinnig Zusammengestellten Hinweisen auf die Bedeutung der Thoravorlesung legte der Referent die fast allerorts vorhandenen Störungen und Mißstände bei der Vorlesung der Thora dar, die zu beseitigen eine heilige Aufgabe aller thoratreuen Rabbiner sein müßte. Als Mittel hierfür bezeichnete Referent die Beseitigung der ungewöhnlichen Verlängerung des „Leinens", und zwar durch Abschaffung der Hosafoth, durch Zusammenstellung und Kürzung der Mischeberach u. a. Hauptsache aber sei die Förderung der Thorakenntnisse bei der Jugend und Schärfung des Gewissens .durch die Predigt. Rabbiner Dr. Cohn- Rawitsch machte Mitteilung über den gegenwärtigen Stand der Angelegenheit der Bezirksrabbinate und wird ermächtigt, auf dem nächsten Synagogen-Verbandstag dafür einzutreten, daß den leistungsschwachen Gemeinden der Beitrag erlassen werden soll. Auch über die Angestelltenversicherung wurde ausführlich referiert. -— Hierselbst fanden die Beerdigungen des Schlossereibesitzers Louis Ehrlich und der Frau Laura Mottek - geb. Kempner unter überaus zahlreicher Beteiligung statt. — Ritschenwalde. Am 10. d. M. feierte das Glasermeister Hirschsche Ehepaar die diamantene Hochzeit. Der Ehemann ist 86 Jahre alt und geht noch mit dem Glaskasten über Land, die Frau ist 96 Jahre alt, ebenfalls noch geistig und körperlich frisch. Dem Jubelpaare wurden viele Ehrungen zuteil. — Ostrowo. Die Wahl des Kaufmanns Joseph zum Stadtrate wurde vom Regierungspräsidenten bestätigt. — Pieschen. Hierselbst starb an den Folgen eines Schlaganfalles der Brauereibesitzer Isidor Strelitz 'im 73. Lebensjahre. Er war bis zuletzt aus den verschiedenen Gebieten Im Interesse seiner Mitbürger unermüdlich tätig. So gehörte er'dem Provinziallandtage und dem Kreistage an. Nachdem er lange Jahre als Mitglied und Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung angehört hatte, wurde er zuletzt als Beigeordneter in den Magistrat gewählt. Segensreich hat er auch als Mitglied des Schulvorstandes der deutschen Bürgerschule gewirkt. Der-Kreiskriegerverband wie auch der Landwehrverein verlieren in ihm ihren umsichtigen Kassensührer. Aus Anlaß seines 70. Geburtstages hatte ihn der Landwehrverein zu seinem Ehrenmitgliede ernannt. Er war Inhaber des Roten Adlerordens vierter Klasse. Bei der Einweihung des Kaiserschlosses Hierselbst wurde er mit zur königlichen Tafel geladen. In der jüdischen Gemeinde betätigte er sich ebenfalls aus jeglichem Gebiete der Wohltätigkeit. Die Trauerrede hielt der vor einigen Monaten von hier nach Berlin übersiedelte Rabbiner Dr. Königsberger. — Buk. Bei der Per-. sonenstandsausnahme für 1913 wurden hier 145 Juden gezählt. — Schwersenz. Nach den neuesten amtlichen Erhebungen betrug die jüdische Einwohnerzahl Hierselbst im Jahre 1910 161, 1911 159 und 1912' 151 Juden. — Hohensalza. Frau Johanna Dobrzynski geb. .Israel ist hier, 84 Jahre alt, gestorben. Die Dahingeschiedene betätigte sich als eine fromme Jüdin in jeglicher Weise und war eine große Wohltäterin sür die Armen. . - 2XD (SieiUni}, 29. Dezember. Der- V er ein isr.aeli tischer Leh rer S chl esi ens'hielt am. 24. d. Mts. seine 27. Generalversammlung imder Humanitasloge in Gleiwitz ab. Es hatten sich dazu 25 Mitglieder eingefunden; der Vorstand des Oberschlesischerl Gemeindebundes war durch Herrn Justizrat Schü ller-Gleiwitz vertreten. Ueber „'Die Gründung und Erhaltung jüdischer Volksschulen" hielt Herr L e v y - Leobschütz einen sehr gedankenreichen und fesselnden Vortrag. Seine pessimistischen Ausführungen im Schlußwort lauteten, daß die Verwirklichung dieses besonders in jüdischen Leserkreisen angestrebten Ziels in sehr weiter Ferne liege, weil in den Großgemeinden die einflußreichsten Mitglieder fast ausschließlich als Anhänger der politisch liberalen Partei die konfessionelle Volksschule verwerfen, die Mitgliederzahl kleinerer und mittlerer Gemeinden durch Abwanderung nach Großstädten, ganz besonders aber durch den ausfälligen Geburtenrückgang ständig abnehme und lange Jahre bestehende Volksschulen von drei und vier Klassen in Zwergschulen verwandle. Das Referat über „Die rechtliche Stellung des jüdischen Religionsunterrichts und des Religionslehrers" hielt dann Herr Salin g e r - Nikolai, auch dieses wurde recht beifällig ausgenommen. Die 'hierauf vorgenommene Vorstandswahl erfolgte per Akklamation; Präses des Vorstandes ist wieder Hauptlehrer P etz e l - Zabrze. M. Hamburg, 27. Dezember. . Der Verein selbständiger^ jüdischer Ha n.dw erker und Gewerbetreibender hielt seine Mitgliederversammlung im Logenheim, Hartungstraße, unter Vorsitz des Herrn Bhd. Heinemann ab. Nach der Ausnahme von sechs neuen Mitgliedern erstattete der Vorsitzende Bericht über seine Teilnahme an der letzten Sitzung des Verbandsvorstandes. Es wurde mitgeteilt, daß in der letzten Zeit mehrere Korporationen, wie der Verein zur Förderung des Handwerks unter den Israeliten im Großherzogtum Baden, das Israelitische Lehrlingsheim in Köln sowie die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem, dem Zentralverband jüdischer Handwerker mit namhaften Jahresbeiträgen als Mitglieder beigetreten sind, so daß der vor zwei Jahren in Hamburg gegründete Zweckverband immer mehr an Ausdehnung gewinne. Auf Antrag des Hamburger Vereins hat der Verbandsvorstand beschlossen, den nächsten Verbandstag im Sommer 1913 nach Köln zu berufen. Der Vorsitzende ging dann näher aus die Tagesordnung ein. Am Schluß hielt Herr Ingenieur Löwenhaupt einen Vortrag über „Die Elektrotechnik und ihre Anwendung im Handwerk". e/a Chemnitz, 29. Dezember. Bei den diesjährigen Ersatzwahl e n für das Vorstands- und Gemeindeverordnetenkollegium unserer Religionsgemeinde wurde seitens der hiesigen zionistischen Ortsgruppe eine überaus eifrige Agitation entfaltet, um einige Vertreter des Zionismus in die Gemeindeverwaltung zu bringen. Dabei erklärten sich die Zionisten gleichzeitig als die Vertreter der starrsten Orthodoxie und suchten in Gemeinschaft mit dieser, die meist aus nichtdeutschen Glaubensgenossen besteht, ihre Kandidatenliste zur Annahme zu bringen. Da aber das deutsche Element in der Chemnitzer Religionsgemeinde stark genug vertreten ist und seiner Wahlpflicht etwas eifriger als sonst genügte, so scheiterte dieses Vorhaben der Zionistischen Ortsgruppe. Allen denen, die sich als. deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens fühlen, wird dieser Ausgang als heilsam sür das Wohl der betreffenden Religionsgemeinde erscheinen. Insbesondere aber liegt den deutschen Juden in den sächsischen Religionsgemeinden daran, den Behörden und andersgläubigen Mitbürgern gegenüber als Religio ns gemeinden vertreten zu werden^und nicht als politische Vereinigungen, denn nur als Religionsgemeinden wollen sie von der sächsischen Gesetzgebung anerkannt sein, und als solche sind sie auch seit 1964 anerkannt worden. Deshalb müssen sie es verhüten, daß in den Gemeindeverwaltungen Persönlichkeiten Einfluß gewinnen, die uns nicht als Religions-, sondern als Volksgemeinschaft vertreten wollen und politische Endziele vor Augen haben. — München, 27. Dezember. Am 15. d. M. fanden die Neuwahlen für die israelitische Kultusgemeinde statt. Von den ausscheidenden sechs Mitgliedern, von denen zwei Herren eine Wiederwahl ablehnten, wurden einstimmig wieder gewählt die Herren Justizrat O f n er, Landrat N u ß b a u m, A. Landauer und Kommerzienrat T h a n n h a u s e r. Neügewählt sind die Herren Rechtsanwälte Feuchtwanger und Oestreich. . Infolge eines Kompromisses zwischen Liberalen und Orthodoxen verlies die Wahl sehr ruhig. , - Nürnberg, 27. Dezember. Die Adolf S ch w a r z s ch e n Eheleutechier haben eine Stiftung vom33600 Mark für ein israeli-

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