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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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liche Professoren der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität, das gesamte Näbbinat, die Repräsentanz der Kultusgemeinde und Abordnungen vieler Bethäuser, ferner dem Rektor des Rabbinerseminars Dr. Schwarz mit dem Lehrkörper und den Mitgliedern des Kuratoriums, endlich Reichsrats- und Landtagsabgeordnete, hohe richterliche und politische Beamte, Advokaten, Künstler, Vertreter der Hochfinanz, der Lehr- und Bildungsanstalten usw. Nach einer kurzen Ansprache des Oberrabbiners Dr. Gudemann widnrete Hofrat Prof. Dr. Reireh im Namen des Dekanats der philosophischen Fakultät dem Verblichenen Worte ehrender Anerkennung. Er pries ihn als glänzenden Vertreter der Wissenschaft, als einen Forscher mit inniger Liebe für die Wissenschaft, der immer neuen Ansporn für weitere Leistungen empfing und stets mit seiner ganzen Persönlichkeit sich für sie eingesetzt hat. Selbst.selbstlos, hat er doch immer mit liebevoller Fürsorge seiner Schüler gedacht. Müllers Arbeiten werden weiter wirken, sein Name wird in den Annalen der Alma mater, der Akademie der Wissenschaften, im Gedächtnisse seiner Kollegen und Schüler ewig sortleben. Dann sprach namens der israelitisch-theologischen Lehranstalt Pros. Dr. Schwarz. Nun wurde der Sarg gehoben und zu dein von der Knltnsgemeinde angewiesenen E h r e n - grab getragen. Hier ergriff das Wort Dr. Grandz, um. im Namen der zahlreichen Schüler dem geliebten Lehrer den letzten Gruß zu entbieten. Um 12 Uhr mittags war die Trauerfeier zu Ende. — Den Hinterbliebenen kamen aus diesem traurigen Anlaß zahlreiche Kondolenzen aus allen Kreisen der Metropole zu. Als erster kondolierte der Unterrichtsminister Dr. Ritter von Hussarek, der mit Rücksicht auf seinen eigenen leidenden Zustand einen Sohn des Verblichenen in das Sanatorium Löw beschied. Der Unterrichtsminister machte ihm die Mitteilung, das; der Kaiser einen Tag zuvor (am 20. Dez.) das Diplom unterzeichnet habe, mit welchem dem Hosrat David Heinrich Müller anläßlich seiner Uebernahme in den Ruhestand der erbliche Adels st and verliehen wurde. Von dieser Allerhöchsten Auszeichnung hat der Gelehrte leider nichts mehr erfahren; sie kam einige Stunde;; zu spät. England. z. London, 27. Dezember. Seit geraumer Zeit ist man in hiesigen jüdischen Kreisen eifrig bemüht, die durch das Ableben des Londoner Chesrabbis Dr. Hermann Adler vakant gewordene Stelle zu besetzen. Da es sich aber um eine höchst verantwortungsvolle Stellung handelt, kann inan die große Sorgfalt wohl verstehen, die bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, für den so populären Dr. Adler an den Tag gelegt wird. Von den drei Kandidaten hat wohl Dr. Drachmann aus New Aork die besten Aussichten, der Nachfolger Dr. Adlers zu werden. Nichts deutet aber darauf hin, daß in absehbarer Zeit eine Einigung zustande kommen wird, um so inehr, als jeder von den drei Kandidaten über zahlreiche und zähe Anhänger verfügt. Vielfach macht sich die Ansicht geltend, daß das hohe Anit für einen einzelnen Mann eine zu große Bürde bedeutet, und daß es daher Zweckmäßig tväre, zu gewissen Reformen in dieser Hinsicht zu schreiten. Allerdings ist das Amt eines Chefrabbis mit wichtigen Pflichten verbunden. Sein Einfluß erstreckt sich, vori England abgesehen, aus Südafrika und Australien, Kanada und Indien. Er ist eine Art König von Israel, ein moderner Salomo, der in allen Fragen der jüdischen Theologie wvhlbeschlagen fein muß. Den; Chefrabbi fällt die Pflicht zu, das Heiratsdokument jeder religiösen jüdischen-Ehe zu unterzeichnen. Der Chefrabbi ist ailch eine Art oberster Richter des. religiösen Gerichtshofes „Beth Din" in Whitechapel. Bemerkenswert ist die Tatsache, daß dieser rituelle Gerichsthof trotz der weltlichen Gerichtshöfe in England existieren kann und seine Funktionen mit ungehinderter Wirksamkeit ausübt. Seine Existenz trägt nicht unwesentlich dazu bei, daß die Anzahl von Prozessen, wo beide Parteien orthodoxe sind, vor englischen Gerichten nicht unwesentlich verringert wird. Von Kah und Fern. — Der I ü d i s ch - l i b e r a l e I u g e n d v e r e i n veranstaltet am Aron tag, den 0. Januar 1913, aberDs 8X Uhr im Restaurant „Zum Heidelberger", Friedrichstraße 143 einen Vortragsabend, an dem Professor Dr. Benno Mend els o hn aus Posen über ,L)ie biblische Schöpfungsgeschichte in; Lichte der modernen Wissenschaft" sprechen ivird. — Der bekannte Berliner Nervenarzt Professor Dr. H. Oppenheim ist von der Societa Jtaliana di Neurologia in Nom zum Ehrenmitgliede ernannt worden. — Dem Direktor der Preußischen Psandbriesbank, Geheimer Kommerzienrat I a k o b Dann e n b a u m zu Berlin wurde der Rote Adlerorden 3. Klasse mit der Schleife verliehen. — Stadtrat Dr. Leder m ann hat um seine Pensionierung zum 1. April 1913 nachgesucht wegen seines andauernd leidenden Zustandes. Ledermanu, ein tüchtiger Jurist, hat einen vortrefflichen Kommentar zur Städtevrdnuug geschrieben und mit den Magistratsräten Brühl und Gordan einen Kommentar zum Zweckverbandsgesetz herausgegeben. — Aus Neuenburg, Westpr. wird uns geschrieben: Die goldene Hochzeit feierte am 16. Dezember Herr Rentier Isaak Schoepf und seine Gattin Johanna, geb. Fabian. Die Bewohner der Stadt nahmen regen Anteil an der Feier. Die Ortspolizeiverwältung überreichte dem Jubelpaare die Ehejubiläumsmedaille. — In Gollup, Westpr. ist nach schwerem Leiden Frau Ernestine Munter, geb. Wollenberg, gestorben. Die Dahingeschiedene, eine Eschet Chajil im vollsten Sinne des Wortes, war Mitbegründerin und langjährige Vorsitzende des dortigen segensreich wirkenden Israelitischen Frauenvereins. — Kommerzienrat Nazary Kantorowicz in Posen ist zum Geheimelt Kommerzienrat ' ernannt ivorden. — In Wongrowitz feierte die Witwe Käte Scheu del in voller Rüstigkeit ihren 90. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurden der Jubilarin große Ehrungen zuteil. Unter anderen Gratulanten erschienen auch die Vorstandsdamen des Israelitischen Frauenvereins, welche ein Geldgeschenk überreichten. — Aus Breslau wird uns geschrieben: Der frühere Oberprüsident von Schlesien, Graf Zedlitz-Trützschler hat anläßlich seiner goldenen Hochzeit dem hiesigen „Israelitischen Erziehungsheim" am Rhedigerplatze 500 Mark.überwiesen. — Aus Bleicherode wird uns geschrieben: Herr Stadtrat Samuel Rothenberg, Seniorchef der Mechanischen Weberei Schönheims Wwe., der schon bisher das Amt eines Kreistagsabgeordneten bekleidete, ist in gleicher Eigenschaft auf sechs Jahre neu wiedergewählt ivorden. Als früherer langjähriger Stadtverordnetenvorsteher hat er sich sehr viele Verdienste um das Wohl der Stadt erworben mrd wurde seinerzeit zu ihrem Ehrenbürger ernannt, wobei ihm gleichzeitig der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen wurde.' — Bei.der soeben stattgehabten Repräsentantenwahl in Köln wurden für die dritte Klasse folgende Herren geivählt: Moritz L e v y jr., Sally Isaae, Simon Sachs und Julius H i r s ch, die letzten zwei als Stellvertreter. An der Wahl beteiligten sich zirka 20 Prozent der Wahlberechtigten. — In dem ostgalizischen Dorfe Rodowska kam es zu großen Bauernunrilhen. Die ruthenischen Bauern, unter Führung des Gemeindevorstehers, plünderten die jüdischen Kaufläden und zündeten einen Laden an. Die Gendarmerie schritt ein und verhaftete den Gemeindevorsteher. Die Ruhe ist wiederhergestellt. —, In London verschied im 76. Lebensjahre der Rabbiner an der Machsike Hadathsynagoge, Rabbi Abraham Werner. Der Entschlafene, der aus Rußland eiugewandert war, gehörte der orthodoxen Richtung an und erfreute sich wegen seiner, mit seltener Toleranz verbundenen großen talmudischen Gelehrsamkeit allgemeiner Wertschätzung und Beliebtheit. — -Im Parlament ereignete sich bei der Homernle(Autonomie-Jrlands)-Debatte ein interessanter Zwischenfall. Nach der glänzendeii Rede eines bisher unbekannten Konservativen erhob sich der Irländer Mackwey und sagte, die Rede sei das Werk eines jimgen Journalisten S. Rosenbaum, der noch anderen Konservativen die Reden gegen Homerule liefere. Rosenbaum ist der Sohn eines jüdischen Emigranten aus Rußland und vollendete mehrere Fakultäten. — Der Stadtrak zu Rom hat den bisherigen Bürgerilieister Nathan einstimmig wieder zum Bürgermeister gewählt. — Herr Ch. Janowski in Lodz spendete ein Grundstück sowie 25 000 Rubel zum Bau eines Gebäudes für das jüdische Gymnasium mit der Bedingung, daß die Schule einen Milsiksaal erhält, in welchem die Schüler Musikunterricht erhalten. — Wie uns mitgeteilt wird, hat der Zar auf ein an ihn gerichtetes Gesuch den jüdischen Soldaten in Odessa die Erlaubnis zur Errichtung einer eigenen Synagoge erteilt. — In Elifabethville fand dieser Tage die erste Generalversammlung der Mitglieder der Judengemeinde von Kataganga (Belgisch-Kongo) statt. Zuin Präsidenten ivurde Herr Moritz Ruda geivählt. Die Gemeinde, ivelche gegenwärtig 75 Mitglieder zählt, hat zwei Plätze erworben, uns welchen demnächst eine Synagoge bzw. ein eigener jüdischer Friedhof errichtet werden soll. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastratze 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max.Fahrulander, Neukölln. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin.

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