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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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77. Jahrgang Nr. Der Ormetndeüütr. 1 Bettasr zur „Allgemeinen Leitung drß Judentums". Sorrrlpondrnrm und Nachrichten. Deutschland. e/7> Berlin, 30. Dezember. In letzter Zeit sind über die Alliance Jsraölite Universelle in der Tagespreise Ansichten verbreitet worden, die ein durchaus irriges Bild über ihr Wirken geben. Die Alliance, die -seit über 50 Jahren besteht, ist ein Kulturwerk ersten Ranges. Sie sieht, wie unsere Leser und alle, die die Jahresberichte dieser ältesten jüdischen Organisation verfolgen, genau wissen, neben der Förderung anderer Wohlfahrtsbestrebungen ihre Aufgabe in der Errichtung und Erhaltung von Schulen für arme Juden namentlich i m O r i e n t. Solcher Schulen unterhält die Alliance zurzeit etwa 160 mit über 40 000 Zöglingen. Die- Alliance dient keiner Nationalität, sie dient allein den Wohlfahrts- und Bildungszwecken für die notleidenden Juden. Wohl haben in den letzten Jahren Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Zentralkomitee und einem Teil der deutschen Mitglieder bestanden, doch ist jetzt eine Verständigung geschaffen, die den deutschen Mitgliedern den gebührenden Einfluß auf die Zentralleitung sichert. Die deutschen Mitglieder der Alliance Jsraelite Universelle weisen jode Verdächtigung ihrer treu deutschen Gesinnung mit aller Entschiedenheit zurück. A. F. Berlin, 30. Dezember. Am vorigen Freitagabend fand in der Synagoge Oranienburger Straße die feierliche Einführung der Rabbiner Dr. Baeck und Dr. Lewkowitz statt. Die Synagoge war schon vor Beginn der Feier bis aus den letzten Platz gefüllt. Gegen vier Uhr betraten die neuen Rabbiner, von ihren Amtskollegen und dem Vorstande geleitet, unter erhebendem Chorgesange die Synagoge. DerVorstand und dasRabbinerkollegium nahmen auf demAlmemor Platz, worauf der Vorsteher, Herr LeopvldBadt, in einer längeren Ansprache die Neugewählten begrüßte. „Nicht um neue Lücken auszufüllen, haben wir Sie hierher berufen, sondern um das gesteigerte religiöse Bedürfnis, das sich -in letzter Zeit in unserer Gemeinde fühlbar inacht, zu befriedigen. Denn die Zeiten, da man der Religion und insbesondere der jüdischen Religion den Tod prophezeite, sind vorüber." Herr Badt konstatierte mit Bedauern, daß bisher in der Berliner Gemeinde infolge ihrer großen Ausdehnung Rabbiner und Gemeindemitglieder keine persönliche Beziehungen verknüpften, er hoffe aber, daß der Rabbiner künftighin die Weihe des religiösen Lebens in Haus und Familie hinointragen werde. „Gegenwärtig," so führte er weiter aus,. „tobt ein heftiger Kampf in der deutschen Judeuheit. Wir sahen uns veranlaßt, in diesen Kampf einzugreifen, um die Einheit des Judentums zu wahren. Hoffen wir, daß die Streiter mit versöhnlichen Waffen kämpfen werden. Wir wissen/ bemerkte er am Schlüsse, „daß Ihre Gemeinden Ihr Scheiden bedauern. Möge Ihre Tätigkeit in unserer Gemeinde uns und der gesamten Judenheit zum Segen gereichen." Herr Rabbiner Dr. Baeck erwiderte zunächst mit einer tiefsinnigen Ansprache. „Der Mensch in seiner irdischen Vergänglichkeit darf kein Versprechen abgeben. Nur der Idee, der er seine Lebenstätigkeit widmen will, dürfe er Ausdruck verleihen. Diese Idee ist die religiöse Wahrheit." Sodann sprach Herr Rabbiner Dr. Lewkowitz. „Ich finde keine Worte, welche die Empfindungen fassen würden, die mich beim Antritte dieses neuen Lehramtes bewegen. Wie Moses in der dieswöchentlichen Sidrah frage ich mich, wer bin ich, daß ich Israel befreie?" Die Antwort ist die gleiche. „Sobald du Israel hinaussühren wirst, so lasse sie auf dem Berge Gott dienen." Dieses heilige Bestreben, Israel seinem Gotte, der Religion seiner Väter zu erhalten, werde ihm auch die Kraft zur Erfüllung seiner großen 'Ausgabe verleihen." — Der übliche Freitagabend-Gottesdienst bildete den Abschluß der würdig verlaufenen Feier. A. F. Berlin, 30. Dezember. Die Vereinigung traditionell-g esetz estr euer Rabbiner Deutschlands hielt am 23. und 24. d. M. im Burghotel ihre VIII. Generalversammlung ab. Die Tagesordnung war eine reichhaltige und gab den Teilnehmern — es hatten sich etwa 60 Rabbiner eingefunden — Gelegenheit, zuden aktuellen religiösen Fragen ihre Meinung zu äußern. Der Vorsitzende, Rektor Dr. H o f f m a n n, begrüßte die Versammlung und erstattete Bericht über die Tätigkeit der Vereinigung im abgelausenen Geschäftsjahre. Die Vereinigung beklage den Verlust zweier Kollegen, der Rabbiner Dr. Lö b-Emden und Dr. dl r a n Ackermann-Brandenburg. Ersterer gehörte dem Vorstande seit der Begründung der Vereinigung an. Die Versammlung hörte den Nachruf stehend an. „Die Vereinigung hat einen Zuwachs von 19 Mitgliedern erhalten und zählt jetzt zirka 120 Mitglieder. Die halachische Kommission war mit der Frage der Feuerbestattung beschäftigt; das noch auszuarbeitende Gutachten wird den Mitgliedern zugestellt werben." Der Schriftführer begründete hierauf die Haltung der Vereinigung in der R i ch t l i n i e n a n g e l e g e n h e i t; die große Gefahr, die das Erscheinen der Richtlinien für das gesetzestreue Judentum bedeutet, habe die sofortige Veröffentlichung einer Erklärung notwendig gemacht, ohne erst auf die Generalversammlung zu Wärtern. Bezüglich der „Agudaß-Jisroel" erfährt man, daß die Vereinigung anfangs wegen der großen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichung dieser Idee in den Weg stellten, sich Passiv verhalten habe;, erst nach' der Kattowitzer Konferenz, als die Idee realere Formen angenommen hatte, sei die Vereinigung der Aufforderung des Provisorischen Komitees nachgekommen, drei Mitglieder in das Komitee der Aguda zu delegieren, nämlich die Rabbiner C o h n - Rawitsch, W e i l - Buxweiler und Rektor H osfm ann-Berlin. Gegen diese Normierung wird in der Versammlung der Einwand gemacht, man hätte bei dieser Wahl Rabbiner aus der Umgebung von Frankfurt berücksichtigen sollen. Die Versammlung heißt schließlich den ersten Beschluß gut. Hierauf erhält Rabbiner Dr. S t e i n - Steinfurt das Wort zu seinem Referate: „Praktische Maßnahmen zur Durchführung und I n n e h a l t u n g der E h e g e s e tz e." Der Referent legte dar, daß die Sanktionierung unerlaubter Ehen durch die Richtlinien eine Stellungnahme der gesetzestreuen Rabbiner zur gebieterischen Pflicht mache. Er befürwortet die Einführung sogenannter „Jichus-Briefe" und verweist aus Holland, wo jede Trauung von der Zustimmung des Heimatsrabbiners abhängt. In Deutschland war man bis jetzt immer auf die Angaben der Braut und des Bräutigams angewiesen. Bei jeder Trauung müßte womöglich eine Bescheinigung des orthodoxen Rabbiners gefordert werden. Der Redner saßt dann sein Reserat in acht Thesen zusammen, die der Versammlung zur Beratung unterbreitet werden. Der Korreferent Rabbiner Dr. K o h n - Ansbach stimmt zum grüßten Teile dem Referenten zu und hofft, daß dabei auch die P e r m a n e n z k o m m i s s i o n, die die Vereinigung aller gesetzestreuen Rabbiner erstrebt, in Aktion treten werde. An das Referat knüpft sich eine Zweistündige Diskussion, in welcher die Meinungen scharf auseinandergehen. Baßsreund -Trier verweist aus die große Tragweite und Verantwortlichkeit des Unternehmens. Auch die Frage wegen des Zusammengehens mit der Mittelpartei wird in die Diskussion hineingezogen. Auch hier werden die entgegengesetzten Meinungen laut. Dozent Dr. Epp enstein-Berlin . tritt energisch für das Zusammengehen ein. Die Versammlung überweist hieraus die Thesen sowie die zahlreichen Anträge und Anregungen als Material an den Vorstand. Es folgten dann Berichte über legislative Angelegenheiten. Rabbiner Bamberger-Hanau spricht über „Soldatenfürsorge"-. Er stellt fest, daß die Militärbehörden äußerst Zuvorkommend sind. Ein großes Hindernis bei der Durchführung der rituellen Verpflegung der Soldaten bilden hauptsächlich das einschüchternde Verhalten der subalternen Beamten und die große Unkenntnis der Verhältnisse auf seiten der Rekruten. Der Referent stellt daher den Antrag aus Abfassung eines Merkblattes für die Rekruten, das diese in bezug aus das Erreichbare im Militärdienste hinsichtlich der Ausübung ihrer religiösen Pflichten aufklären soll. Der Antrag wird Einstimmig angenommen. Rabbiner Silberberg- Schrimm spricht über die S ch ä ch t e r f r a g e. Der Redner verweist auf die große Kalamität des Mangels von Schochtim, besonders in den Landgemeinden. Er entwirft einen Plan zur Errichtung einer Schochtim-Schule, in der sie gleichzeitig als Kantoren und Religionslehrer ausgebildet werden sollten. Die schwierigste Frage sei die Beschaffung der dazu erforderlichen Mittel. In der Diskussion werden verschiedene Ratschläge zur Abhilfe der einstweiligen Not vorgebracht. Das Referat sowie die verschiedenen Anregungen werden dem Vor-

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