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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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dieses Motiv eingegeben, scheint' den Künstler bei der Ausführung etwas im Stich gelassen zu haben. Schulze n d o r s, dem ° wir hübsche Bilder vom Berliner Landwehrkanal verdanken, reiht wieder ein neues gutes Werk in der „Bendlerbrücke" dieser interessanten Serie an.. Auch mit dem „Bootshafen am Wannsee" folgt er seinem Kollegen Tepper nicht schlecht im Motiv. Von TePPer.s „blumigen Idyllen" möchte ich die beiden „Fingerhüte" und das „Pfarrhaus" hervorheben. Gertrud Warnecke verklärt malerisch den „Platz in Wallenstadt" und öffnet uns ein „Fenster" nach einem gutgepflegten Garten. Benno Wulfssohn hat seinen Blick und seine Pinselführung in der Behandlung maritimer Stücke, sehr günstig erweitert. Und aus dem Selbstporträt schaut der Mann und Maler glaubhaft selbstbewußt heraus. Und wie dieses eine Mitglied des Berliner Künstlerbundes, können alle sorglos in die Zukunft schauen, solange sie ihrer Arbeit, der Kunst, ehrlich und mit ganzer Kraft, treu bleiben, und daran wird keiner zweifeln, der jahraus jahrein die Ausstellungen gerade dieser Berliner Künstlerkorporation besucht. Erinnerungen. Von David Simon fen, Kopenhagen. man hat mich in früheren Jahren recht oft gefragt, wie lange ich wohl in Kopenhagen lebe; ich pflegte zur Antwort zu geben: „etwa 200 Jahre". Die Fragenden gingen von der Voraussetzung aus, daß ein Rabbiner in Kopenhagen doch kein bodenständiges Gewächs sein könne, meine Antwort besagte, wie weit ich meine Vorfahren zurück' hierorts Nachweisen konnte. Und wenn die Veranlassung dazu, daß ich heute dein Gebote des Herrn Redakteurs durch die Vorlegung einiger Erinnerungen folgen muß, diejenige ist, daß die A. Z. d. I. . einen Artikel über einen unter meinem Vorsitz neu ausblühenden Verein gebracht hatJ, so muß ich eben vor allem an denjenigen meiner Vorfahren denken, der mir in jener Zeit besonders vor Augen stand. Als -Vorsitzender des Vereins MekizeNir d a m i m habe ich in den letzten Jahren vielfach an Korrekturen und Revisionen teilnehmen müssen; so war es mir vielleicht voraus bestimmt als Nachkomme des M o f e s D a - v i d (Tebele) b e n Chajim Köthen, der anfangs der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts verschiedene Werke, darunter das später oft gedruckte büK feines verstorbenen Lehrers, des Kopenhagener Oberrabbiners Israel Jssachar in Wandsbeck korrigiert hat. Jener Großvater meiner Vatermutter wohnte damals zeitweise in Altona, war aber schon früher in Kopenhagen als Kantor und Beglaubigter angestellt, wie aus einer 1726 von ihm unterfertigtem Kethubba hervorgeht. Von seinem Vater Chajim, der wohl aus Köthen eingewandert ist, weiß ich nur,- daß er ein Gelehrter war; Marie Ha im : „Alpenveilchen. Hermann Bott, Berlin, phot. h Der liebenswürdige Artikel von Dr. Elbogen erschien inzwischen in Nr. 50, 1912. — In der Unterschrift unter meinem'Bilde ist D. aus meinem Namen unrechtmäßig zu vr. geworden. seine Mutter, Sarah, Tochter von Rüben Goldzieher, ist zwischen 1710—1720 hier, gestorben. Wann mein Ururgroßvater David hierher zurückgekehrt ist, weiß ich nicht; ungefähr 1752 wurde ihm ein Sohn Chajim (Heyman) geboren, dessen Tochter Pessche (Beate),,also die Mutter meines Vaters J a k o b s. A. war. Jener Chajim, der über 97 Jahre alt wurde, war einerseits ein sehr frommer Mann, anderseits nach der Tradition etwas griesgrämig und satirisch und soll deshalb den Spitznamen „Grill" bekommen haben. Dieser Spitzname hastete noch so stark an seinem Sohn, meinem Großonkel Salomon David, daß meine Frau einmal in aller Unschuld meine Großtante als „Frau Grill" präsentierte. Jener Großonkel (durch Heirat zugleich mein Onkel) ist eigentlich derjenige, durch den ich eine Vorstellung von der ungetrübten Frömmigkeit und der urwüchsigen Naturkraft jener alten Zeit bekommen habe. Von Natur ein starker Esser, fastete er ohne weiteres so viel Tage es nur sein sollte, entweder mit den anderen Frommen der Gemeinde zusammen an den vorgeschriebenen Bußtagen oder, an seinen eigenen PrivatenGedenktagen. Nichts durfte versäumt werden von den Vorschriften und Gebräuchen, er reiste als vielbeschäftigter Mohel in der eisenbahnlosen Zeit unbekümmert um Wind und Wetter, er litt in seinen hohen Jahren an schweren, schmerzlichen Krankheiten, Und dabei war er der launigste Geselle, der nicht nur Altes wieder erzählte, sondern selbst Witze ersten Ranges produzierte. — Die andere Linie meines Vaters war nicht so lange in Kopenhagen. Mein Urgroßvater DavidLevy soll aus Groningen hierher gekommen sein, deshalb wurde er wie sein Sohn, mein Großvater S i m ch -a, Holländer genannt. Jener Simcha war „mit Kindern — mein Vater Jakob war der jüngste von zehn — reichlicher gesegnet als mit Geld. Er war Handelsmann, und da das Brot, das durch den Kleinhandel erworben wurde, nicht hinreichte, um die Familie zu erder eine schöne Stimme hatte, kleinen Synagogen, die vor blühten, als gern erwähnt, daß mein nähren, fungierte er, in den verschiedenen 100 Jahren in meiner Vaterstadt gehörter Vorbeter. Ich habe oben Ururgroßvater David Köthen nach Altona zog, nachdem er schon hier als Gemeindekantor fungiert hatte; die Ursache war vielleicht der große Brand in Kopenhagen 1728, der auch den Oberrabbiner Israel nach Fredericia vertrieb. Eine große Synagoge wurde erst 1766 erbaut; 1795 brannte, zugleich mit einem großen Teil der Stadt, diese wieder nieder, und da man, zuletzt wegen der schon angefangenen Streitigkeiten zwischen den alten und den „neumodischen", sich nicht über den Wiederaufbau der Synagoge einigen konnte, florierten in ca. 40Jahren die kleinen Synagogen, die ja vielen . Herren Gelegenheit gaben als Vorsteher zu fungieren. Von meinem Großvater Simcha habe ich gehört, daß er einmal an einem Versöhnungstage die vier Gebete des Tages in vier verschiedenen Synagogen vorbeten mußte, indem er, sowie er die eine Abteilung geschlossen hatte, den Mantel über Tallis und. Kittel warf und zu der nächsten Synagoge eilte. Seine Söhne bekamen den Namen Simo ns en. Dies geschah so. In jener Zeit solltendie

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