Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1913-01-03 · Heft 1 (3.1.1913) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
77 (1913)
Issue
Heft 1 (3.1.1913)
Date
1913-01-03
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/3224737-3229069-3229071--69092-3281375
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Tjerk Battema lernt man ein neues reiches Talent kennen. Meta Cohn zeigt ihre rühmlichen Hochgebirgsbilder, dre nicht nur empfindungsvolle Erinnerungen von der „Sommetreise" sein sollen. Und nun gar erst die ganz ausgezeichneten Radierungen, die reinsten Heineschen Gedichte. V Oscar F e h ringer geht in zwei Richtungen neue Wege. In den beiden „Ernte" und „Kühe mit Mädchen", folgt, er dem vielgenannten und nachgeahmten Impressionisten 'Manet oder erweitert seine Auffassung noch in dem Zusammenschließen von Landschaft und Menschen, und bei dem „Porträt" und „jungen Mädchen" huldigt er den Zukünstlern, ohne die bramabasierenden Fehlstreiche der dadurch abgelehnten „Futuristen" mitzumachen. — Ein träumerisch stilles Stück Erde gibt Gertrud Flatow im „Wallensee", und lehrt die achtunggebietende Größe und Naturgewalt der Alpenlandschaft im kraftvollen Gebirgs-. motiv. Die Poesie des „quälenden" Kreuzweg verherrlicht Fliegerbauer. Interessant sind unter vielen anderen Freilichtstudien Frisch s „Grüne Tische". Neu im Motiv und in der Ausführung ist diesmal Martin Frost. Während er früher die märzliche Vorfrühlingsstimmung zu farbenprächtigen , fein empfundenen Landschaftskompositionen verdichtete, versucht Frost sich jetzt mit viel Glück an der Wiedergabe eines geröllbedeckten „Meeresgestade", das er entschieden malerisch veredelt. Und ’ erst die „Märkische Heide". Wie eine Szene aus Willibald Alexis' brandenburg-historischem Roman. Der schwarze, unheimliche Wald, der' vielverrufene violettrot schimmernde Streusand auf dem hügeligen Weg und über der ganzen düsteren, herzbrechendtrostlosen Oede, die grimmig am Himmel dahinstürmenden grauen Wolken. Ein Bild von wunderwirkendem Zauber. — Jsma el Gentz bringt verschiedene achtungswerte, färben- und motivfreundliche Stücke aus der einstigen Lustresidenz Friedrichs des Großen in den herben Tönen, wie sie die Maler des biedermeierischen Berlin liebten, und ganz, köstliche kleine Handzeichnungen aus dem Orient, die mit saftigem Sarkasmus das Leben und Treiben links und rechts vom Suezkanal widerspiegeln (Bettlerengpaß). In Erich Golde begrüßt man gern ein neues starkes Talent, dessen „Bahndamm" ein reiches landschaftliches Ausnahmeverständnis beweist.. Von L. Hartwig eine ganze Reihe lobenswerter Stilleben und Fruchtstücke, jedes in anderer guter Art und ein Porträt von nicht weniger Qualität. Hermann Hirsch läßt fleißige Studien weiblicher Akte und kleinere Seestücke von seinem sonst mehr „erzählenden" Können sprechen. F. v. Klocke, die mir schon früher als bedeutende Malerin ausfiel, ist wieder gewaltig in ihrer künstlerischen Aussassung gewachsen. .Werke, wie der faszinierende „Redner", oder mehrere, anspruchslos „farbige Zeichnung" benannte, sehr, lebendige Szenen und gar der eindrucksvolle „Tanz" verdienen die höchste Wertschätzung und lassen von der immensen Genialität dieser Künstlerin noch Großes erwarten. -Dadurch, Manselö Prager: „Der Oel auf Stein gemalt. daß sich Frl. Klocke so schwierige motivische Probleme — besonders gut versteht sie die Behandlung großer figürlicher Massen — aussucht und so bewundernswert prägnant löst, genießt man mit reiner Freude ihre Schöpfungen idealer Schönheit und Sinneskultur. Heinz Levysohn bewegt sich in seinen seinstilisierten Radierungen aus Alt-Berlin nicht weniger erfreulich gewandt als in dem sauberen „Biedermeierzimmer", in dem es nur so „funkelt" von Poesie und Farbenlyrik. So unverhüllt Minna L e w i die Reize ihrer Radierungen sreigibt, so verschleiert sie etwas ihre Arbeiten •in Oel. Besonders gilt dies von den -beiden Interieurs, die durch ihren sanften, schimmernden Dunst ein Suchen nach dem „Gegenständlichen" im Besucher wecken. Ernst Lübbert prangt mit zwei glänzenden Essektstücken, „Redoute" und „Weihnachtsarbeit". Eine Dame am großen Tisch im Wohnzimmer sitzend, im trauten Lichtschein der Gaslampe, mit einer Seidenstickerei beschäftigt. Das ist das ganze Bild, aber die große Kunst, die Lübbert in dieses Werk gelegt, leuchtet au allen Punkten heraus. Um nur eins herauszügreifen, wie meisterhaft schimmern die einzelnen verschiedenen Farben der Seidensträhnen auf dem Tisch, wie sein ist das Dunkel des Interieurs behandelt, von der Reinheit des Porträts ganz abgesehen. Und die „Redoute". ^-Wie ein Gebild aus ..." Umsonst hätte es nicht so schnell einen „glücklichen" Besitzer gesunden. Die bäuerische Buntheit eines Sammlerheims mit trautem Kamin inspirierte M a t h i e s s en zu einer respektablen Arbeit. I o - hannaMetzner bringt uns die verkannten Hamburger Alsterschönheiten in etwas idealisierten schmelzenden Farben näher, und wir glauben der Meisterin und ihrem anerkannt gesunden Farbensinn gern diese zuerst schier undenkbaren koloristischen Kombinationen. Um so natürlicher empfindet man die Blumenstücke, die fast, einen frischen Duft ausströmen. Kühne Schneelandschasten von überzeugender Naturalistik schafft PH. v. Othegraven. Preiß saßt weite, sonnige Landschaftsperspektiven, so von der Havel, mit klarem, vielsehendem Blick. Reiche-Weddh fixierte geschickt den Durchblick in der Leipziger Straße bei Wertheim, mit allen leuchtenden Finessen, besonders die schwach-rötlichen Reflexsarben des Himmels sind gut wiedergegeben. . Julius Rosen bäum, dem fast kein Gebiet der malenden, zeichnenden oder sonstwie wiedergebenden Kunst, verschlossen ist, zeigt aus seiner reichen Werkstatt: Doppelporträts,'Schisssbilder mit Stettiner Kolorit, Radierungen, und alles trägt den Stempel guter Fertigkeit. Hugo Schlomer kommt mir sehr problematisch vor. Bei seiner „Dame im Eisenbahncoup«" habe ich längere Zeit verweilt, ohne mit rechtem Eindruck und Gewinn sortzugehen. Mit der Licht- und Schattenidee, die hier gepinselt ist, wissen viele nichts anzusangen, und die kurze Impression, die Schlomer Schmierenkomödiant". I-Iermann Bott, Berlin, phot.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.