Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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sind Juden in starker Anzahl vertreten. — Zum .ersten Kantor der israelitischen Brüdergemeinde Hierselbst wurde Herr Lilienthal aus Charlottenburg .gewählt. Derselbe hat vertretungsweise an den diesmaligen hohen Festtagen füngiert und übernimmt fein neues Amt schon in den nächsten Wochen. — Im Verwaltungsjahre 1911/12 .waren von den geschlossenen Ehen rein evangelisch 294, rein katholisch 679, rein mosaisch 37. Die Zahl der Mischehen, zumeist' Zwischen Protestanten und Katholiken, ist gegen das Vorjahr von 62 auf 89 ■ gestiegen. Heber die Konfessionsverhältnisse der 4592 ehelichen Lebendgeburten ist zu bemerken, daß 1024 evangelischen, 3339 katholischen und *74; int Vorjahr 80, mosaischen Ehen entstammten, während ein Kind dissidentische Eltern hätte. Der Rest entfiel aus gemischte Ehen. — Der Konfession nach waren die Kinder von ledigen Müttern 150 evangelisch, 578 katholisch und 5 mosaisch. — Die Gesamtzahl der. Schulkinder in den hiesigen Volksschulen - betrug nach dem Verwaltungsbericht 1911/12 17 269. Davon waren der Konfession nach 2300 evangelisch, 13 992 katholisch und 77 mosaisch. — Den Bemühungen des Magistrats und der Synagogengemeinde ist es gelungen, bei der Eisenbahnbehörde zu erwirken, die dauernden nächtlichen Störungen in der Nähe des jüdischen Krankenhauses zu beseitigen. Das Zugpersonal hat die Anweisung erhalten, die Dampspseise nahe der Heilanstalt nach Möglichkeit einzufchränkeu, um den empfindlichen Patienten in ihrer Ruhe keine Störung zu veranlassen. — Schildberg. Als Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde wurden gewählt die Herren L. Kempinski, Jonas Nathan, Rechtsanwalt Mnrkowitz und Max Schwartz; zu Stellvertretern die Herren M. Lichtenstein, Schulz und Seidel. — Exin. Aus eine sünsundzwanzige Amtsdauer als Stadtverordnetenvorsteher konnte in diesen Tagen Herr Justizrat Loewy zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurde ihm durch eine Abordnung des Magistrats und der Stadtverordnten ein wertvolles Ehrengeschenk überreicht. — Hohensalza. Der Oberpräsident der Provinz Posen stattete der hiesigen Stadt einen Besuch ab. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Levy begrüßte den hohen Gast im Namen der städtischen Bürgerschaft, schilderte deren Wohl und Wehe, bat um tunlichste Unterstützung ihrer- Wünsche und toastete auf den Oberpräsidenten wie auch aus den mitanwesenden Regierungspräsidenten. m. Hamburg, 19. Dezember. Der Direktor der Talmud-Thora- Realschule, Herr Dr. Joseph G o l d s ch m i d t, beging kürzlich seinen siebzigsten Geburtstag. Der Jubilar, der früher an der Realschule in Frankfurt a. Ai. tätig war, wurde un Jahre 1889 nach dem Tode des Oberrabbiners A. Stern s. A. zum Direktor gewählt. Unter seiner Leitung hat sich die Schule während der beiden letzten Jahrzehnte ganz bedeutend entwickelt. An seinem Ehrentage wetteiferten weite Kreise der Gemeinde, dem beliebten Pädagogen wohlverdiente Ehrungen zu bereiten. Der Gemeindevorständ hatte ein Glückwunschschreiben übersandt, in dem er die besonderen Verdienste des Herrn Dr. Goldschmidt um das Schulwesen der Gemeinde hervor- ' hob. Der Präses der Schule, Herr Gemeindevorsteher A. Lewand o Ui s k y , erschien mit den übrigen Vorstandsmitgliedern in der Wohnung des Jubilars, um persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Herr Oberrabbiner Dr. S.' Spitzer hob in seiner Ansprache die große Bedeutung des Herrn Dr. Goldschmidt für die Talmud-Thora-Schule hervor, die sich unter seiner Leitung zu ungeahnter Blüte entwickelt habe. Der Herr Oberrabbiner sprach den Wunsch, ans, daß es dem Jubilar vergönnt sein möge, noch recht viele Jahre als Leiter der Schule zu wirken zum Wohle der Hamburger Gemeinde. In kurzen Worten sprach Herr Dr. Goldschmidt seinen tiefgefühlten Dank, auch er sei. nur von dem Wunsche beseelt, noch recht lange in ungetrübter Kraft an der ihm ans Herz gewachsenen Anstalt zu arbeiten. Außer dein Ehrengeschenk der Schule, bestehend in einer Reihe wertvoller Werke, waren von den meisten Gemeindeinstitutionen, dem Lehrerkollegium,- dem Verein ehemaliger Schüler der Talmud-Thora-Realschule sowie von Freunden und Verehrern viele Ehrengeschenke und kostbare Blumenspenden eingelaufen. Die von nah und fern, namentlich auch aus dem früheren Wirkungskreis Frankfurt a. M. eingetrosfenen Glückwunschschreiben und Telegramme legten ein beredtes Zeugnis von der Achtung und Wertschätzung ab, deren sich der Jubilar weit über die Hamburger Gemeinde hinaus erfreut. 2/D Hannover, 19. Dezember.- Die " diesjährige Sitzung des Kuratoriums der" E r zi eh u n g s a n st al t zu Ahle m hat mm 8. d. M. unter dem Vorsitz des Justizrats Dr. Bereud in den Räumen der Zion-Loge zu Hannover stattgefunden.' Die satzungs- . gemäß ausscheidenden Vorstands- und Kuratoriumsmitglieder wurden sämtlich wiedergewählt. Neu gewählt wurde Fabrikdirektor Joseph Berliner, Hannover. Der vom Vorstand-erstattete Bericht gibt unter anderem eine umfassende Statistik über die in den 19 Jahren des Bestehens der Anstalt erzielten Erfolge. Insbesondereweist er nach, daß von den 174 ausgebildeten, und überhaupt berufstätigen Gärtnern 134, d. i. 77 Prozent, in dem erlernten Berufe tätig.sind. Berücksichtigt man, daß diese jungen Leute fast ausnahmslos aus Familien stammen, die gewohnt sind, ihre Söhne dem Händlerbernfe zuzuführen, so dürfe man dieses Ergebnis als ein ganz vorzügliches bezeichnen. Die Zahl der Zöglinge beträgt zurzeit im Knabenhaus 60 Lehrlinge und 40 Schüler, im Mädchenhause 31 Haushaltungslehrlinge und 26 Schülerinnen, zusammen also 166. Besichtigungen durch Negierungsbeamte, die im Laufe dieses Jahres stattgefunden haben, ergaben die Notwendigkeit verschiedener baulichen Aenderungen; aber auch der Vorstand selbst weist auf die Notwendigkeit hin, das alte Knabenhaus durch einen Neubau zu ersetzen. Dieses Gebäude ist ein altes Fachwerkhaus, das in der Stadt Hannover niedergerissen und vom Konsul Simon, da Gelder für einen-guten Neubau nicht zur Verfügung standen, in Ahlem wieder aufgerich'tet worden ist. Einen vollständigen Neubau jetzt zu errichten, hält der Vorstand für ganz ausgeschlossen,.aber auch ein Teilbau würde an 160 000 Mark kosten, zu deren Deckung vorläufig nicht das geringste Kapital "vorhanden ist. Der Voranschlag der letzten beiden Jahre ergibt bei äußerster Sparsamkeit ein Defizit von je 7000 Mark, so daß nicht einmal eine neue Zinsbelastung für anzuleihende Gelder möglich erscheint. Der Vorstand wurde beauftragt, die Beschaffung der nötigen 150 000 Mark zu versuchen. Sollte dies nicht gelingen, so werde wohl kaum etwas anderes übrig bleiben, als eine Beschränkung der Anstalt auf die Erziehung von Knaben; das vor zehn Jahren neuerbaute Mädchenhaus müßte dann als Ersatz des Neubaues dienen. Eine solche Notwendigkeit wäre natürlich aufs höchste zu bedaueru; es soll nun der Versuch gemacht werden, großherzige Freunde zu finden, die der Anstalt mit den erforderlichen Geldmitteln beispringen. Zum Schluß gab Direktor Silberberg unter dem Beifall der.Anwesenden bekannt, daß der Verein ehemaliger Zöglinge anläßlich der Silberhochzeit des Vorstandsvorsitzenden, Herrn Sartorius Rheinhold, einen Betrag von 2300 Mark gesammelt habe, der durch eine Zuwendung des Rheinholdschen Ehepaares um weitere 2000 Mark erhöht worden ist. Die Zinsen dieser „Sartorius- und Bertha-Rheinhold-Stiftung" sollen in Notfällen als Beihilfen an ehemalige Zöglinge der Anstalt verwendet werden. 22 Nürnberg, 19. Dezember 1912. Bei dem heute stattgefundenen Trauergottesdienst war unser Gotteshaus, welches mit Emblemen der Trauer geschmückt war, bis aus den letzten Platz gefüllt; galt es doch dem Andenken unseres allverehrten, im Alter von 92 Jahren verstorbenen Prinzregenten Luitpold eine würdige Trauerseier zu veranstalten. Anwesend waren außer den jüdischen Soldaten der hiesigen drei Regimenter zahlreiche Reserve- und Landwehroffiziere, die sämtlichen jüdischen Justiz- und sonstige Staatsbeamten sowie die Konsuln in ihrer Amtstracht, Abordnungen vom Magistrat, Gemeindekollegium und der Handelskammer. Nach einem Orgelprüludium sang der Chor den stimmungsvollen Psalm 103: „Der Mensch — wie Gras sind seine Tage", der Kantor die Trauerweise: „Herr, was ist der Mensch" in hebräischer Sprache. Den Mittelpunkt der Feier bildete die formvollendete, von vaterländischer Empfindung durchglühte Gedenkrede des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal. Anknüpfend an das dem König David gewidmete Bibelwort: „Er starb in einem glücklichen Greisenalter, satt an Tagen, an Besitztümern und an Ehren" schilderte er, wie der Regent diese Ehren und insbesondere die treue Liebe und Verehrung seines Volkes sich durch seine seltenen Gaben als Mensch wie als Herrscher im reichsten Maße erworben hat. Sein Wirken in 26 jähriger Regierungstätigkeit, war das Ideal treuester Pflichterfüllung, trotz des hohen Alters, in welchem er die Bürde der Regentschaft übernahm. Selbstlos und anspruchslos für seine Person, war er desto inehr besorgt um das Wohl des Volkes und seiner Untertanen. Alle sozialen und wissenschaftlichen Bestrebungen hat er mit milder Hand und wohlwollendem Verständnis gefördert, der Kunst und den Künstlern war er, den Traditionen seines Hauses folgend, ein gütiger Mäzen. Unter der Regentschaft Luitpolds konnten Bayerns Handel, Industrie und Gewerbe sich zu hoher Blüte entfalten, dank der gerechten und weitblickenden Fürsorge des Regenten. Auch wir Israeliten durften uns