Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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warm für die Einrichtung der Nabbinerwohnung eint rat, ebenso sprach Herr Justizrat C o h n für dieselbe, desgleichen Herr Kuzn itzki und Herr Kommerzienrat G e r s o n S i m o n, während Herr Professor Kali scher, Herr M a n h e im er und Herr Willibald Löwenthal dagegen sprachen. Der von Herrn Justizcat Cohn gestellte Antrag, eine ReligionZschule -dort unterZubringen, wurde schließlich a b g e l e h n t, dagegen die Einrichtung einer Wohnung für einen respektive zwei Rabbiner angenommen und damit die ganze Vorstandsvorlage mit der einen Abänderung, daß das dritte Stockwerk doch gebaut werden soll. — Die Vorlage betreffs Reorganisation der Knabenschule wurde vertagt, die Einrichtung einer sechsten. Abteilung bei der Armenkommission genehmigt. — Der Betrag von 2300 Mark, der seinerzeit zur Einrichtung des außer Betrieb gesetzten Wasserturmes auf dem Friedhof in Weißensee für die U e b e r w i n t e ru n g . der Pflanzen bewilligt worden ist, wurde natchträglich aus 2810.05 M. erhöht; sodann wurden zur Anbringung einer neuen T r e - s o r Hi r in der Synagoge Fäsanenstr. 700 Mark, als Teue r u n g sz ulage an zwei Genieindeboten je 60 Mark, für R ep araturen am Dachboden usw. der Synagoge Rykestraße^ 3006.14 Mark und weitere 3193.86 Mark für Ausgaben bis Ende'nächsten Jahres, benülligt. — Der seinerzeit bewilligte Kostenbeitrag für die Einrichtung einer Zentralheizung in den an der. Apsis belegenen Nebenräumen der Neuen Synagoge in Höhe von 3000 Mark erfordert weitere 15OO Mark, welche die Versammlung bewilligt. — Zur Anbringung einer r i t u e I l e n W a s ch g e l e g e n h e i t auf dem Friedhof in Weißensee werden 650 >Btark, zur Anschaffung einer S ch r e i b - 'maschine für das zweite Waisenhaus ein Betrag bis zu 450 Mark, dem I ü d i sch e n V o l k s v e r e i n für das Jahr 1912/13 eine Subvention von 2100 Mark bewilligt. Ferner stimmte die Versammlung zu, den großen Saal der Bötzowbrauerei in der Prenzlauer Allee zur Veranstaltung eines Hauptgottesdienstes an. den hohen Festtagen zu mieten; desgleichen der Vorlage des Vorstandes, das Schuthaus am Marktplatz in der Breiten Straße zu Pankow für die Zwecke/ des zweiten Waisenhauses unter den bisherigen Bedingungen noch aus ein weiteres halbes Jahr zu mieten, da die Fertig ste ll u n g d e s N e u b a u e s desWai s e n h au s e s sich wohl bis zum 1. Oktober verzögern wird. Ebenso stimmte die Versammlung zu, daß die Entschädigung für den Prosektor des Krankenhauses, die bisher 1000. Mark pro Jahr betrug, bis zum Schluß .des lausenden Jahres auf monatlich 200 Mark und vom 1. April nächsten Jahres ab auf jährlich 3000 Mark erhöht wird. — Schließlich wurde noch der Schaffung einer v i e r t e n I n s p i z i e nt e n st e l l e zur Beaufsichtigung der Ko sch er f l e isch h an d lun ge n zugestimmt. — Dann folgte eine nichtöffentliche Sitzung, in der eine Reihe von Personalien und auch die wichtige Vorlage betreffend Schaffung der Stelle eines höheren Beamten und eines juristischen Hilfsarbeiters zur Beratung und Beschlußfassung vorlag. . 2^r> .Berlin, 23. Dezember. Wir erhalten nachstehende Zuschrift: Zu den vielseitigen hohen Ausgaben die sich die Bne- Brith-Logen gestellt haben, '.gehören auch die Bestrebungen für die Wohlfahrt unserer jüdischen Kinder. Ganz besonders hilfsbedürftig und aus die Fürsorge edler Menschenfreunde angewiesen sind diejenigen, denen das Geschick den Vater oder gar beide Eltern geraubt hat, vor allem aber die von jüdischen Müttern außerehelich geborenen Kinder. Um für diese beklagenswerten Geschöpfe zu sorgen, haben die vier Berliner Logen die „Zentrale für jüdische Mündelpflege in Groß-Berlin" gegründet. Wenn auch, wenigstens in manchen Städten, die Behörden dem jüdischen Kinde tunlichst einen Vormund gleicher Religion zu stellen angehalten sind, so lehrt doch die Erfahrung, daß diese Vorschrift nicht immer innegehalten werden kann, vielmehr,' daß das Kind einem Vormund anderer Konfession anvertraut wird, der naturgemäß die spezifisch jüdischen Bedürfnisse seines Mündels nicht kennen kann und so, bewußt oder unbewußt, das Kind dem Glauben der Väter entfremdet. Aus dem täglichen Leben wissen wir aber auch, wie oft ungeeignete, vielleicht mit anderen Angelegenheiten überbürdete Vormünder ihre ihnen Heilig sein sollende Pflicht verabsäumen, wie wenig sie sich leider um das körperliche und geistige Wohl der ihnen anvertrauten Kinder kümmern. Das soll und muß durch die neue Gründung anders werden! Jeder, der sich unserer Zentrale freiwillig zur Verfügung und zur Mitarbeit stellt, muß von dem Gedanken durchdrungen sein, daß er dem unglücklichen Waisenkinde den Vater nach besten Kräften ersetzen soll. Die Zentrale wird ihm bei dieser Tätigkeit mit Rat und Tat zur Seite stehen. — Aber noch eine weitere Ausgabe hat sich die Zentrale gestellt! Vielen Familien ist es versagt, eigene Kinder zu besitzen? Gern möchte ■/. nun somanches Ehepaar einem'fremden, jüdischen Kinde Aufenthalt und Pflege gewähren, ostnmls auch es'adoptieren; nur ist es ihnen ' nicht bekannt, wohin sie sich -in diskreter Weise wenden können; Auch dazu wird unsere Zentrale gern behilflich sein. In erster Linie wird, natürlich auf die Mithilfe der Logenbrüder und Schwestern gerechnet, doch werden auch andere jüdische Männer und Frauen, deren Persönlichkeit der Zentrale hinreichend Gewähr bietet, herzlich gebeten, sich - an dieser wahrhaft menschenfreundlichen Tätigkeit zu beteiligen. Voraussetzung ist nach dem Gesetz, daß die Vormünder deutsche Reichsangchörige sind. - Zu jeder näheren Auskunft ist das Bureau der Zentrale für jüdische Mündelpflege, Berlin W, Kleiststraße 10, gern bereit. <sss> Berlin, 23. Dezember. Das Mitglied des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Herr Geheimrat Professor Dr. Hermann Cohen, beabsichtigt vom 7. Januar 1913 ab Dienstag abend 8—9 Uhr in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestr. 14,. über „Der Begriff der Religion" Vorlesungen zu halten, lieber die Vorlesungen sollen dann auch volkstümliche Hebungen abgehalten werden, zu deren zeitlichen Festlegung diejenigen, die an ihnen teilzunehmen wünschen, nach der ersten Vorlesung in der Aula Zurückbleiben mögen. Meldungen wegen der Zulassung zum unentgeltlichen Zutritt sind persönlich werktäglich zw i s ch e n 10 u n d 2 U h r oder schriftlich ail das Sekretariat (Artilleriestr. 14) zu richten. y. Berlin, 23 Dezember. Im Jüdisch-Liberalen Inge n d v e re in sprach am vorigen Mittwoch abend Prof. Dr. L u d w i g Stein über das Thema „Der Monotheismus in philosophischer Beleuchtung". Im Verlauf seiner Ausführungen kam der Vortragende zur Feststellung der Tatsache, daß die Philosophen der verschiedensten Richtnngen das Dasein einer Einheit nicht leugnen können. Er ging dann näher auf die verschiedenen Wege ein, auf denen die Philosophen der neueren Richtungen zur Erkenntnis des Einwesens gelangen. Der Materialismus und der Naturalismus sind überwundene Begriffe. Professor Cohen, nach dessen Lehre sich die Dinge eines aus denl anderen ausbauen, stellt das Einwesen als die Krönung der Dinge, als das oberste sittliche Prinzip dar. Die. süddeutsche Schule, Professor Münsterberg usw. teilen die Dinge nach Wertbegriffen ein, für sie ist Gott eben der höchste Wert. Der englische Philosoph James uild seine Anhänger schätzen jeden Wertbegriss nur nach seinem N ü tz l i ch k e i t s w e r t ein. Wer aber wäre ein nützlicherer Wertbegriff als Gott? Nach O st w a l d s Lehren stellt sich das Universum als ein Austausch'von Energien dar, die Energie ist das. Weltprinzip. Er gelangt durch seine Lehren gleichfalls zum Monisinus, und zwar zum energetischen Monismus. Professor L u d w ig Stein kommt zu dem Schluß, daß die Jch-Einheit, die unzweiselhast besteht, die von niemandem angesochten werden kann, ill das Universum verlegt ist, daß die Jch-Einheit ein Abbild der Gott-Einheit ist. Gott ist der Weltgeist, der sich in Geschichte und Natur offenbart. Des Redners Monotheismus gipfelt in dem größten Gebet der Juden, im Schma-Gebet, dem Bekenntnis des einig-einzigen Gottes. Er schloß mit der Ansicht, daß die Mission der Judenheit noch nicht erfüllt sei, die Welt dem Monotheismus zuzusühren. Dem durchaus populären, auch dem Laien verständlich gehaltenen Vortrag lohnte reicher Beifall. —8'. Marienwerder, Wstpr., 20. Dezember. Am 18. d. M. beging der hiesige Kultusbeamte Herr Elias Altona seinen siebzigsten Geburtstag. Unsere Gemeinde, in der er seit 46 Jahren in gewissenhafter Pflichttreue seines Amtes waltet, ehrte den Jubilar, indem sie ihm durch ihren ersten Vorsteher, Herrn Elias Hirschberg, ihre herzlichen Gllückwünsche aussprechen und ein namhaftes Geldgeschenk überreichen ließ. Zahlreiche Gratulanten erschienen während des Tages bei ihm und erfreuten ihn durch kostbare Geschenke. Abends schärte sich eine größere Anzahl Gemeindemitglieder in seiner Wohnung um ihn, um seinen Ehrentag in festlich froher Stimmung zu .beschließen. Die ihm dargebrachten Ehrungen zeugten von dem harmonischen Verhältnis Zwischen Gemeinde und Beamten. — Möge dem würdigen Jubilar im Kreise der Seimm ein freundlicher Lebensabend beschieden sein! — Bei dieser Gelegenheit bitte ich zu berichtigen, daß an der Spitze meines Berichtes in Nr. 51 über den 80. Geburtstag unseres ersten Gemeindevorstehers Herrn Elias Hirschberg irrtümlich Maenburg anstatt Marienwerder gesetzt worden ist. W. Alts der Provinz Posen, im Dezember. Posen. Beim - Schlüsse des Jahres finden gewöhnlich die Stadtverordnetenwahlen statt. Nach den Veröffentlichungen sind bisher mehr Juden als in früheren Jahren in unserer Provinz gewählt worden. Auch in den Magistratskollegien