Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1912)
- Date
- 1912-12-27
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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±2li des Wohlwollens und der strengen -Unparteilichkeit des hohen Herrn jederzeit erfreuen, und wir" hoffen zuversichtlich, daß im gleichen Geiste " und'in gleicher Gesinnung auch sein Sohn und Nachfolger Prinz Lud- - wig die Regentschaft des Bayernlandes weiter führen wird. GefterrrLch-Vlngarli. X. Wien, 20. Dezember. ' In vollster geistiger und körperlicher Frische beging vor einigen Tagen der langjährige und verdienstvolle Präsident der hiesigen Chewra-Kadischa, Herr S alo Cö hn, seinen siebzigsten Geburtstag, Der verehrte Jubilar gilt unzweifelhaft als die populärste Persönlichkeit der Wiener Kultusgeminde, deren Repräsentanz er seit einer Reihe von Jahren angehört und deren eifrigster Gönner und Förderer er ist. Bekannt ist die reichhaltige Bibliothek, die Salo C o h n der Wiener Gemeinde spendete und deren Anschaffung ein Vermögen repräsentiert. Salo Cohn gilt auch als Philanthrop im wahrsten und weitesten Sinne des Wortes, und es dürfte kaum einen wahrhaft Bedürftigen gegeben haben, der vergebens an das goldene Herz Salo Cohns appellierte. Was das besagen will, können nur die ermessen, die die österreichischen Verhältnisse und die täglich zunehmende Armut unter der Wiener Judenschaft kennen. Und so steht der Jubilar als leuchtendes Muster und Vorbild da für alle, die mit irdischen Glücksgütern gesegnet sind, sie an die Pflichten des Besitzes mahnend. Wie leicht begreiflich, bildete der Jubilar den Gegenstand vieler Ehren seitens aller Kreise der Wiener Knltusgemeinve, die alle sich in dem Wunsch vereinen: ad multos annos. v. ^V. Krakau, 20. Dezember. Wie allgemein bekannt, hat das Krakauer Kloster der Felizianerinnen den für die galizischen Juden traurigen Ruf, daß dort selbst jüdische unmündige Kinder gegen den Willen der Eltern, ja, oft ohne Wissen derselben, der katholischen Kirche zugeführt werden. Alle möglichen Interventionen gegen diese Zwan'gstaufen blieben erfolglos, und selbst wenn es gelang, ein gerichtliches Urteil zur Herausgabe der im Kloster gefangen gehaltenen Kinder zu erwirken, ließ die Klosterleitung ein solches Urteil völlig unbeachtet, ohne jemals hiersür verantwortlich gemacht zu werden. In jüngster Zeit ereignete sich nun wieder ein solcher Fall von Zwangstaufe, in welchem es dem Vertreter der Eltern des getauf- -ten Kindes, Vizepräsidenten der Krakauer Kultusgemeinde Dr./Rafael Landau, gelungen ist, ein Urteil zu erwirken, durch welches das Kloster verpflichtet wird, das Kind herauszugeben. Und da die Oberin des Klosters diesem Urteil nicht entsprechen wollte, begab sich Dr. Landau, der sich schon seit vielen Jahren in dankenswerter Weise dieser Angelegenheit annimmt, zum Erzbischof Sapieha in Audienz, um ihm die ganze Sachlage zu unterbreiten und um feine Intervention zu bitten. Der Erzbischof sprach über das Gehörte seine Entrüstung aus und erklärte ganz kategorisch, daß gerichtliche Urteile auch von einem Kloster unbedingt respektiert werden müssen, und daß demzufolge das betreffende Kind auf Grund des Urteiles den Eltern überantwortet werden müsse. Die Stellungnahme des Erzbischofs ist von großer Bedeutung, da sie sehr geeignet ist, dazu beizutragen, daß der Raub jüdischer Mädchen zum Zwecke der Taufe im Kloster der Felizianerinnen allmählich ein definitives Ende finden wird. Dian ist in der öffentlichen Meinung Galiziens der Ansicht, daß die Felizianerinnen, welche den Landes- und Reichsgesetzen bisher den Respekt versagten, sich den Anordnungen ihres Kirchenfürsten viel-' leicht doch nicht widersetzen werden. Von MH und Fern. . — Das Zentralkomitee des Hilfsvereins der Deutschen Juden hat einstimmig Herrn Oscair Tietz, Berlin, in den geschästssührenden Ausschuß und Herrn D. W i s s o tz k y, Moskau, in das Zentralkomitee gewühlt. Beide Männer haben sich bereits seit langem um das ausgebreitete Werk des Hilfsvereins in hohem Maße verdient gemacht. -- Der hiesige Verein jüdischer Studierender hat bei den kürzlich stattgehabten Vorstandswahlen zur Akademischen Lesehalle einen Sitz errungen. Außerdem haben die „Nationale Partei" vier, die katholischen Verbindungen einen Sitz erhalten. — Den Rechtsanwälten Tucholski, Neu selb, Severin Behrendt, Abraham I s a a c soh n, Dr. Alfred Neu m ann, Daniel Fei lch enfeld, Martin Selig so hu, sämtlich in Berlin, Dr. Hugo Fischer in ^harlottenburg ist der Charakter als Justizrat .verliehen worden. — Bei der Landtagserfatzwahl in Königsberg an Stelle des verstorbenen Justizrats Gyßling wurde am 20. d. M. Justizrat Dr. Licht enstein mit Hilfe der.Nationalliüeralen als Kandidat der Fortschrittspartei^^ mit allen Stimmen gewählt. Sozialdemokraten 'und- Konservative)/^ enthielten sich der-Abstimmung. — In'der kürzlich stattgehabten ge-^^,- meinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten-" Versammlung zu Hohensalza wurde Fabrikbesitzer Dr. Leph:.zum//M Kreistagsabgeordneten gewählt.- — Für das Leipziger Museum der-biHM.M denden Künste ist soeben-ein im vorigen Jahre entstandenes Selbstbild- /// nis Max L i e b e r man n s erworben worden. — Kommerzienrat Hermann Heinemann, Mitinhaber der Kunsthandlung -Heinemann in-A München, hat eine Summe von 60 000 Mark gestiftet zwecks Unterstützung talentvoller, jedoch unbemittelter Schüler der Kgl. Kunst-, . akademie in München. Der/Stiftung wurde die staatliche Genehmi- - : gung erteilt und bei diesem Anlasse dem hochherzigen Stifter der Verdienstorden vom hl. Michael 2. Klasse mit der Krone verliehen. — /. Bei der kürzlich stattgesundenen Wahl der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder, die Herren Jos. A uff e s s e r, Jonas B a m b e r g e r. Albert -//'/ F e ch h e i m e r, Dr. med. Ferd. G o l d s ch m i d t,. kgl. Hosrat Stefan H i r s ch m a n n, Bankdirektor, nahezu einstimmig wiedergewählt. — Der Ingenieur Gustav Gabri e l in Osfenbach wurde zum Vorsitzen- /D den des Ortsausschusses für die gesetzliche Gesellenprüfung bestimmt. — Aus Gelsenkirchen wird geschrieben: Die Gemeindedelegierten des Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen wählten zum Nachfolger des in den. bayerischen Staatsdienst be- //■;/ rusenen Herrn Dr. Brader Herrn Dr. Michalskh, Schüler des Rabbinerseminars in Berlin, züm Verbandsrabbiner und bestimmten^ D' wieder Recklinghausen als Sitz des Rabbinats. — Das israelitische Konsistorium in Kolmar hat in seiner letzten Sitzung den Bankier Lucien; . /:/ Manheimer einstimmig zum Präsidenten gewählt. — In Wien ist am 20. d. M. David Heinrich Müller, Professor für semitische Sprachen an der. Wiener Universität, einer der hervorragendsten Orientalisten, im 67. Lebensjahre gestorben. — Aus Budapest wird uns geschrieben: Der Gemeinderat der Stadt Budapest hat beschlossen, anläßlich des hundertsten Geburtstages des einstigen, im Jahre 1875 verstorbenen Staatssekretärs im Ackerbau-, Gewerbe- und Handelsministerium und hervorragenden Publizisten Eduard ... Horn eine Straße im sechsten Bezirke Eduard Hornstraße zu benennen. Aus dem gleichen Anlasse findet' in der . Geburtsstadt des Verstorbenen in Waag-Neustadtl eine große Gedenkfeier statt., — In Krakau ist der Großindustrielle Maximilian E h r e n p r e i s, Handelskammerat, Präsident der fortschrittlichen Shnagogengemeinde, Mitglied und gewesener Vizepräsident des Kultusvorstandes, im Alter von 69 Jahren gestorben. — Wie aus Saloniki berichtet wird, zeigt sich unter den dortigen Juden trotz der inzwischen eingetretenen / verhältnismäßigen Ruhe eine überaus große Auswanderungslust. In den letzten zwei Wochen haben mehrere hundert jüdische Familien Saloniki verlassen. Der größte Teil von ihnen ist nach New Zork ausgewandert. — Der durch seine Hetzreden gegen die Juden berüchtigte Mönch Jliodor, der vor mehreren Monaten aus. ■ " Veranlassung des sonderbaren Heiligen - Rasputin aus Zarizyn entfernt und strafversetzt worden war, wurde vom Heiligen Synod seiner Mönchswürde entkleidet, obgleich er zu-, der entscheidenden Sitzung einen langen Widerruf eingesandt hatte, den'er mit seinem Blut unterzeichnet hatte, um darzutun, daß der Widerruf ernst gemeint sei. — Die „Jca" soll beabsichtigen, in der Türkei Vorschußbanken für jüdische Handwerker und kleine Kaufleute '• zu begründen. Das Hauptgeschäft soll in Konstantinopel sein und . allmählich auf Filialen in der Provinz ausgedehnt werden. Das' * Gründungskapital soll 230 000 Frank betragen und bis auf 1 150 000 Frank erhöht werden. — In Johannesburg starb vor kurzem der Generaldirektor einer der größten Diamanthäuser Benzion Aaron. Der Verstorbene war ein intimer Freund des Präsidenten Krüger, und seinem Einflüsse war es auch zu danken, daß die Johannesburger' . : jüdische Gemeinde einen freien Platz zur Errichtung einer Synagoge und einer jüdischen Schule erhielt. Im südafrikanischen Kriege hat ' / Benzion Aaron, der aus Rußland stammt und im Alter von 14 Jahxen nach Südafrika auswanderte, aktiv teilgenommen, und es ist interefsnnt, daß er damals auch eine jüdische Sanitätsbrigade organisierte und von.den Behörden in: Prätoria die Erlaubnis erhielt, als Abzeichen ,'jiß für diese Kolonne an Slelle Des Roten Kreuzes ein rotes DavidSschild/ (Magen David) zu wählen/ '? Verantwortlicher Redakteur: Alb ert Katz in Berlin-Pankow, Floraüratze 58r> MMN Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Fahrnländer, Neuköllns - . D "Ä Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin.