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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-27 · Heft 52 (27.12.1912) · p. Seite 621

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 52 (27.12.1912)
Date
1912-12-27
Page
Seite 621 (sequence 9)
Language
German
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' gewiß schon genug, — ich möchte nur an das Verzeichnis einige -Bemerkungen knüpfen, die sich mit den Zwecken berühren, denen unser Blatt dient. Da ist nun hervorzuheben, daß während gar manche von .'christlichen Spendern herrührende Stiftungen ausschließlich für Christen oder Protestanten bestimmt sind, nur ein einziges sogenanntes jüdisches Stipendium, und zwar das der Frau Sara Lewy, der bekannten Philantropin, gestorben 1854, vorkommt, wobei es heißt, daß der Stipendiat Bekenner jüdischen Glaubens sein muß, und zwar jüdische Theologie zu studieren hat (freilich ist das Stipendium sehr klein, es beträgt nur 91 Mark). Sonst ist bei denen, die von Juden oder solchen, die dem Judentum entstammten, gemacht sind: Kaspar Arnstein, Agathon Benary und anderen, entweder bemerkt: „Ohne Unterschied des Bekenntnisses, oder ohne Unterschied ob christlichen oder jüdischen Glaubens"; ferner bei dem Otto Marckwaldschen „Ein Christ, ein Jude"; ebenso bei dem Reichenheim-Boeckhschen „je ein christlicher und ein jüdischer Student." Nun liegt es mir völlig fern, den Juden Unduldsamkeit zu empfehlen, aber es regt doch eigentümliche Gedanken an, wenn die große Moses-Mendelssohn-Stiftung, die acht unteilbare Stipendien zu 760 Mark vergibt, ausdrücklich besagt „ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses". Es wäre jüdischen Stiftern oder denen, die ihrer Spende den Namen eines so hervorragenden jüdischen Philosophen an die Spitze setzen, zu empfehlen, mindestens einen ganz bestimmten Teil ausschließlich Juden zuzuwenden. Bei der Vorurteilslosigkeit und Gewissenhaftigkeit, mit der unsere philosophische Fakultät oder die den einzelnen Einrichtungen Vorgesetzten Kuratorien die Gesuche der Petenten prüfen, ist gewiß anzunehmen, daß Juden nicht absichtlich hintangesetzt werden, aber der Charakter einer solchen Stiftung sollte unseres Erachtens schon durch die Urkunde ettvas mehr gewahrt werden. Freilich ist zu bedenken, daß diese Mendelssohn-Stiftung nicht in erster Linie die Bedürftigkeit, sondern die Würdigkeit und Tüchtigkeit zu berücksichtigen hat. In solchem Falle wird gewiß jeder Verständige sagen müssen, daß der Glaube keinen Unterschied machen darf, deswegen ist es sehr anzuerkennen, wenn die Karl-Twesten-Stistung, die „einem ausgezeichneten deutschen Studierenden" bestimmt ist, ausdrücklich sagt „ohne Beschränkung der Konfession", oder wenn die von R. M. Meyer ins Leben gerufene Wilhelm Scherer-Stiftung mit deutlichen Worten erklärt, „eine Unterscheidung des religiösen Bekenntnisses darf schlechterdings nicht stattfinden". Denn in solchen Sätzen liegt jedenfalls der Gedanke, daß Juden in demselben Maße berücksichtigt werden können wie andere Studenten. Zu den höchst merkwürdigen Einrichtungen, die an der Berliner Universität bestehen, gehört das Mosersche Stipendium, „gegründet von Mitgliedern der Gesellschaft der Freunde zum Andenken an ihren ehemaligen Vorsteher, den Bankier Moses Moser, gestorben am 15. August 1838". Hier werden bedürftige und würdige Inländer öder Ausländer abwechselnd, Jüden und Christen, ohne Unterschied der Fakultät, besonders legitimierte Blutsverwandte des Bankiers Moser bei nachgewiesener Bedürftigkeit berücksichtigt, und es heißt, um die vollkommene Gleichheit der Konfession zum Ausdruck zu bringen: „Die Gelder werden auf ein Jahr bewilligt, doch kann das Stipendium auch auf ein zweites und drittes Jahr verliehen werden. Bei mehrfacher Verleihung an denselben Stipendiaten kommen dann entsprechend lange Zeit Bewerber der anderen Religion an die Reihe." Man erinnert sich gern daran, daß der, dessen Name bei dieser Spende festgehalten wird, ein Hauptmitglied der Zunzschen Gesellschaft zur Beförderung der Wissenschaft des Judentums, ein intimer Freund Heines war. Die Briefe Heines an Atoser gehören zu den schönsten unter den vielen schönen, die der Dichter geschrieben, und bilden für den schlichten Berliner Kaufmann ein unvergängliches Ruhmeszeugnis. Es entspricht durchaus seiner Gesinnung, daß die, die seinen Namen ehren wollten, keineswegs ausschließlich Juden berücksichtigten, aber doch ganz bestimmte Sorge dafür trugen, daß Bekenner des Judentums in demselben Maße herangezogen wurden wie die Bekenner anderer Religionen. Noch aus ein anderes sehr merkwürdiges Stipendium sei hingewiesen. Es gibt nämlich fünf jüdische Stipendien, die meist durch den Vorstand der jüdischen Gemeinde verliehen werden. Zwei darunter sind für Studierende der jüdischen Theologie, andere sind momentane Beihilfen und Unterstützungen. Höchst seltsam ist aber, daß auch unter diesen sich eine befindet „für einen jüdischen und einen christlichen Studierenden". Ich wiederhole, es liegt mir fern, zu strenger Konfessionalität zu mahnen; namentlich wenn bloß die Leistungen in Betracht kommen, nicht die Bedürftigkeit, so soll die. Konfession keine Rolle spielen. Jedenfalls dürfte aber jüdischen Stiftern zu empfehlen sein, gewisse Kautelen anzubringen und mindestens dafür zu sorgen, daß das von Juden stammende Geld nicht ausschließlich Andersgläubigen, sondern mindestens statutenmäßig zu gleichen Teilen jüdischen wie christlichen Bewerbern zuteil wird. Das ist keine Bevorzugung, sondern nur gerecht. UlrMndrrs Schmaus. Von T a d e u s z K o ö c z y ö s k i. : (Schluß.) y V achdem man den zum Festessen eingeladenen Gästen W Füße und Köpfe gewaschen und gesalbt hatte, überreichte die Dienerschaft allen für sie vorbereitete weiße, feierliche Gewänder, woraus der Zug der Tafelrunde den Speisesaal betrat. Die ganze Saaldecke war von Rosengirlanden und Oleanderzweigen bedeckt, die in kunstvollen Zöpfen niederwallten und eine Wolke voll grüner, zarter Farbenschattierungen und berauschender Düfte über einem Meisterstück der Juwelierkunst, das die Mitte der Tafel einnahm, bildeten. Es war dies eine aus Silber ausgesührte Skulptur, die in täuschender Ähnlichkeit das Bild Jerusalems so darstellte, wie die königliche Residenz dem erstaunten Auge detz Wanderers, der aus die heilige Stadt vom Taubenfelsen schaute, sich darbot. Der Künstler hatte nicht vergessen, das Tempeldach mit goldenen Pfeilen, die Spitzen nach oben gerichtet, zu bedecken. Die Pfeile glänzten von unten in der Sonne wie ein Wald feuriger Flammen. * Der König Alexander wich dem Blicke der Gemahlin aus. Von der glänzenden Schar der Zechgenossen, unter welchen Hohepriester und Abgesandte benachbarter Völker das große Wort führten, umgeben, gab er darauf acht, sich nicht für einen Moment allein mit seiner Gattin zu befinden. Nach den auserlesenen Gerichten, die sich schon allgemein von den Römern eingebürgert hatten, begann man Wein in Kristallgefäßen herumzureichen und auf die Tafel frisch gepflückte Blumen zu streuen. Auf den Türecken der Skulptur, die Jerusalem darstellte, wurden Lichter angezündet, denn die Abenddämmerung begann in den Saal zu dringen. Dann erschollen die durchdringenden Töne von Symphonien, aus denen ein Mädchenchor ein Präludium zu einem Lybgesange spielte.

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