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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-20 · Heft 51 (20.12.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Versammlung mit 'Worten der Begrüßung ■ imb erteilte dem Redner - des' Tages/' Herrn Syndikus Rechtsanwalt Dr. H o l l ä n d e r - Berlin, - ^däs Wort zu feinem Vorträge über: „Der deutschen Juden' Pflichten". In klarer, sessAnder Weise sprach der Redner über die Notwendigkeit >einW energischen Abwehr des Antisemitismus, der die Juden in'religiöser Beziehung beleidigt und beschimpft, 'politisch und wirtschaftlich aber zu schädigen Und zu entrechten versucht. Redner betonte die außerordentlich fruchtbare Tätigkeit, 'die der Zentralverein zum Schutze der deutschen Juden entfaltet, appellierte aufs eindringlichste an das Selbstbewußtsein und Ehrgefühl der Zuhörer und wies auch nachdrücklich auf die gefährliche Agitation des Deutsch-nationalen HärMungsgehilfenverbandes hin. Zinn Schluß forderte der Redner ht begeisterten Worten zum Beitritt zum Zentralverein auf. . Der 'Vortrag fand lebhaften Beifall. - Auch der folgende Redner, Herr Rechtsanwalt Dr. B r o d n i tz - Danzig, der die Zurücksetzung der Juden im bürgerlichen Leben besonders hervorhob und den Vorwurf, daß die Juden ausschließlich Geldlnenschen feien, wirkungsvoll widerlegte, wurde sehr beifällig anfgenommen. Dann richtete Rechtsanwalt Fleischer einen begeisterten Appell an die Anwesenden, der feine Wirkung nicht verfehlte. Es wurde 'eine Ortsgruppe Könitz des Zentralvereins gebildet, der sich alle Nachbargemeinden anschließen. Der Vorstand der Ortsgruppe besteht ■ lins den Herren: Rechtsanwalt Fleischer, erster Vorsitzender, Rabbiner Dr. T i r s ch t i g e l, stellvertretender Vorsitzender, M. N e u - mann, Kassenwart und Littmaun, Schriftführer. Die Vorstände der Synagogengemeinden sollen in den erweiterten Vorstand der Ortsgruppe einbezogen werden. Nach kurzer Debatte schloß der Vorsitzende die Versammlung. Ein großer Teil der Anwesenden vereinigte sich dann noch " zwangloieu - ... . JUv vi'^egung der Konfession in der Bevölkerung der Provinz Posen in den letzten , 40 Jahren ist: 1871: Evangelische 32,2753 Prozent, Katholische 63,7433 Prozent, Inden 3,9134 Prozent. 1885: Evangelische 30,993 Prozent, Katholische 65,974 Prozent, Juden 2,954 Prozent. 1910: Evangelische 30,785 Prozent,- Katholische 67,735 Prozent, Juden 1,263 Prozent. Nur für die Städte der Provinz berechnet, ergeben. sich folgende Zahlen: 1871: Evangelische 38,1194 Prozent, Katholische 48,2010 Prozent, Juden 13,5030 Prozent, 1885: Evangelische 37,901 Prozent, Katholische 52,198 Prozent, Juden 9,738 Prozent. 1910: Evangelische 27,5576 Prozent, Katholische 59,218 Prozent, Juden 3,502 Prozent. Für das flache Land der Provinz Posen berechnet, stellt sich das Bild folgendermaßen: 1871: Evangelische 30,0769 Prozent, Katholische 69,5135 Prozent, Juden ' 0,3521 Proz. 1885: Evangelische 28,2395 Proz., Katholische 71,4650 Proz., -Juden 0,2648 Prozent. 1910: Evangelische 27,5576 Prozent, Katholische 72,2204 Prozent, Juden 0,0884- Prozent. Danach ist zu ersehen, daß der jüdische Bevölkerungsteil in der Provinz Posen stark im Rückgänge begriffen ist. — Posen. Der jüdische Mänergesangverein gab unter Leitung seines bewährten Dirigenten Herrn Julius Berggruen sein diesjähriges Konzert. Der Chorgesang sang zuerst den Psalm 92 — zum Sabbateingang. Darauf folgten: „Aus den Klageliedern Jeremias" und „der Herr hat Unser gedacht." Herr Hauptkantor Felix Asch aus Berlin trug wundervoll: „Al taschlichenu" vor. Frau Hedwig Berggruen-Kristeller sang die große Sopranarie aus Mendelssohns „Elias". Den Ausklang des Kostzert gab das Chanukalied. — Wongrowitz. Die Moses Spa zatschen Eheleute feierten unter allgemeiner Teilnahme das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Beide, Mann und Frau sind geistig und körperlich frisch. 22 Breslau, 13. Dezember. Aus Anlaß der Eröffnung des aus Mitteln der Arnold und Hermann Schott län-d er sch en Stift un g neu erbauten israelitischen Siechenhauses fand hier am Sonntag den'1. d. M. im Sitzungssaale des israelitischen Krankenhauses eine Einweihungsseier statt, die durch Harmoniumspiel und Chorgesang eingeleitet wurde. Nach Schluß des Gesanges ergriff der Vorsitzende des Kräntenhausvorstandes, Herr Eduard Sachs, das Wort, um nach Begrüßung der anwesenden Damen und Herren auf. die Bedeutung der Feier hinzuweisen.' „Seit Jahrzehnten habe sich das dringende Bedürfnis fühlbar: gemacht, in unserer Stadt eine Zufluchtsstätte für jüdische. Sieche zu schaffen, und.es mußte die beteiligten Kreise .überaus schmerzlich berühren, daß es gerade für solche Personen, die von chronischen, unheilbaren Krankheiten heimgesucht waren, bisher an einer geeigneten Unterkunft fehlte. Durch eine letztwillige Verfügung der verewigten Frau Geheimrat Clara A l t m a n n geb. Werner wurde der israelitischen Krankenverpslegungsanstalt zum Bau eines jüdischen Siechenhauses ein Kapital von 170 000 Mark überwiesen. Hiermit war zunächst der Bau des Hauses gesichert. Es handelte sich jedoch darum, nunmehr auch die zum Betrieb und Erhaltung des Siechenhauses erforderlichen großen Beträge zu schaffen. Daß'dies unverzüglich geschehen konnte, ist der von wahrer Menschenliebe und echter Herzenssrömmigkeit erfüllten Gesinnung des Herrn Hermann Schöttländer zu danken. Das unermüdliche Streben dieses Mannes, „Gutes an der rechten Stelle zu tun", habe von neuem durch die hochherzige Stiftung für das israelitische Siechenhaus einen herzerhebenden Ausdruck gefunden. Dein Wunsche feines Heimgegangenen Bruders Arnold Schöttländer nachkommend, habe Hermann Schottländer dem von jenem für Wohltätigkeitszwecke hinterlassenen Kapital von 300 000 Mark ans eigenen Mitteln noch 200 000 Mark hinzugefügt und die Hälfte des Zinsertrages dieser Gesamtsumme von einer halben Million zur Ausgestaltung und zum Betriebe des israelitischen Siechenhauses bestimmt. Dadurch war die Möglichkeit gegeben, das segensreiche Werk zur Vollendung zu bringen und das neu errichtete Haus seiner segenspendenden Bestimmung zu übergeben. Hierfür gebühre den Stiftern der innigste Dank des Vorstandes der Krankenanstalt und der Dank der'ganzen Gemeinde." Rabbiner Dr. R o s e n t h a l .erbat sodann in einem Weihegebet den Segen Gottes für die neu erbaute WvhltätigLeitsanstalt, durch deren Errichtung einem langgesühlten Bedürfnis Rechnung getragen worden sei, und gab der Zuversicht Ausdruck, daß dieser neue Zweig der Wvhllätigkeit und Menschenliebe unter der Leitung des Vorstandes der Krankenanstalt, getragen von dem Wohlwollen edler Menschenfreunde, sich heil- und segenspendend weiter entwickeln werde. Rabbiner Professor Dr.G u t tmann würdigte -sodann gleichfalls in einer zu Herzen gehenden Ansprache die edlen Zwecke der neuen Anstalt. Er hob die Verdienste der Stifter in beredten Worten hervor und wies daraus hin, daß wahrer Glaube und wahre Frönnnigkeit nur -in der Liebe zu unseren Mitmenschen zum Ausdruck gelangen könne. An die Feier schloß sich eine Besichtigung des neuen Hauses, wobei man nur Worte des Lobes und der Anerkennung für die großartige Bauausführung und für die ebenso Zweckmäßige wie schöne .Einrichtung der Anstalt hören konnte. Köln, 13. Dezember. Unsere Gemeinde hat einen äußerst schmerzlichen Verlust zu beklagen. Am 6. d. M. ist die Gattin des hochverehrten Sanitätscats Dr. 2lpfel, Frau Rahel Apfel, verschieden. Mit der Verblichenen, um deren Heimgang nächst ihrem Gatten der weite Familienkreis und zahllose Freunde trauern, ist eine der interessantesten und hervorragendsten jüdischen Frauen Kölns von dannen geschieden. ' „Einem alten, echt jüdischen Milien entstammend," -heißt es in einem ihr -gewidmeten Nachruf, „hing sie mit Treue, Innigkeit und Hingebung am Judentum, wie sie es erfaßte, und liebte es mit allen Fasern und Fibern ihres innig tiefen Gemütes. Ihr, die hochangesehen, sich in vielen nichtjüdischen Kreisen bewegte, galt es stets als Ehrenpflicht, sich stolz und frei zum Judentmn zu bekennen, stolz für dieses Judentum zu zeugen und alle Angriffe mutig zurückzuweisen." Das Leichenbegängnis, an dem fast die ganze Gemeinde teilnahm, fand am 9. d. M. statt und gestaltete sich zu einer Trauerfeier für alle, die das Leben und Wirken dieser edlen Frau zu würdigen wußten. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. R o s e n t h a l, der mit beredten tiefempfundenen Worten das Lebensbild der Verklärten zeichnete. Aus dem Nachruf, der aus die zahlreiche Trauerversammlung eine tiefergreifende Wirkung ausübte, sei hier nur folgende Stelle mitgeteilt: „Brauche ich hervorzuheben, daß ihr reger klarer Sinn auch außerhalb des Judentums an allem Großen und Bedeutenden Anteil nahm? Ihr Persönlicher und schriftlicher Verkehr mit Männern und Frauen des Geistes und der Feder, ich nenne nur Gustav Karpeles und Humperdinck, war für beide Teile in der gleichen Weise anregend und fruchtbringend; ihr Haus in der Elisenstraße., war der von gemütvoller Behaglichkeit in gleicher Weise, wie von Wissen und Bildung durchwehte. Sammelpunkt der jungen strebsamen Geister unserer Gemeinde. Aus dem Vielen, das sie selbst besaß, sah sie auch imanderen viel, ermunterte, feuerte an undbahnte Suchenden den Weg; aus dem Innenleben, das sie selber führte, beurteilte sie den anderen, immer zum guten, und

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