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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-20 · Heft 51 (20.12.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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ftp.;- A keine, trübe Erfahrung konnte ihr den .unerschütterlichen Optimismus rauten, mit-der sie Welt und Leben gegenüberstand — immer wieder drang es siegreich bei ihr durch: „Gerade so ist es gut, und wird noch besser werden." Wie ein froher Heller Schimmer ging es von ihr aus, der den Dingen ihrer Umgebung, auch den alltäglichsten, eine Arb reizvoller Verklärung verlieh, tieferen Wert und höhere Bedeutung ihnen zu'eigen gab und die Stätte ihres Wirkens gestempelt und geadelt hat." Das Andenken der Frau Rahel Apfel wird in unserer Gemeinde als ein gesegnetes sortleben. — Göppingen, 13 Dezember. Der langjährige Kirchenvorsteher unserer Gemeinde, Herr Julius R e i n g a n u m , feierte am 2. d. M. seinen 70. Geburtstag und wurde aus diesem Anlasse überreich mit Beweisen der Hochschätzung und Zuneigung bedacht. Zahlreiche Vereine sprachen unter Ueberbringung von Adressen und Blumenspenden bei ihm vor. Der Krieger- und Veteranenverein brachte dem Jubilar in den Ntorgenstunden ein Ständchen, das Kirchenvorsteheramt, dessen Glückwünsche der Vorsitzende Herr Rab- - biner Dr. Tänzer zum Ausdruck brachte, sprach korporativ vor. Die königliche Oberkirchenbehörde ließ durch Herrn Dr. Tänzer ein ehrenvolles Gratulationsschreiben überreichen. Auch der Waisenhaus- und der Landesasylverein stellten sich als Gratulanten ein. Der Verein „Merkuria" war durch seinen Vorstand, die Herren Harry Rothschild, Notar Steiner und Theod. Nosenthal, vertreten. Im gemütlichen Familienkreise würdigten dann noch die Herren Nathan Netter, Sam. F leischer und B o d e n h e i m e r die Verdienste des Jubilars, woraus Herr Dr. M. Fleischer! namens der Familie dankte. Oesterreich-Ungarn. X. Wien, 12. Dezember. An die kaiserliche Kabiuettskanzlei Wien ist vor einigen Tagen folgende Loyalitätsdepesche eingesandt? worden: „Die heute Zusammengetretene, überaus zahlreich besuchte J Generalversannn lung des zionistisch-konservativen Bürgervereins in Lemberg beschloß einstimmig unter allgemeiner Begeisterung den \ Ausdruck der alleruntertünigsten Ergebenheit in tiefster Ehrfurcht vor / die Stufen des Thrones Eurer Majestät zu bringen unter heiligster Versicherung, daß, wie immer, auch heute in diesen bewegten Tagen! und in aller Zukunft die ganze Judenschast bis zum letzten Atemzuge , treu und unentwegt zu Kaiser und Monarchie steht. Gott schütze und l segne unseren geliebten Kaiser Franz. Josef 1."' Gezeichnet war diese patriotische Kundgebung, von der hier die gesamte Tagespresse Notiz nahm, vom Präsidenten Dr. Samuel Rappaport, Großgrundbesitzer in Lemberg. — Am 3. d. M. jährte sich zum zehnten Male der Tag, an dem der Dichter Hieronymus Lorm (Dr. Heinrich Landesmann) in Brünn gestorben ist. Aus diesem Anlaß veranstaltete am letzten Sonntag die Brünner jüdische Toynbeehalle eine überaus zahlreich besuchte Festversammlung, in der Dr. Ekstein die Festrede hielt, worauf ein Mitglied des Stadttheaters aus Lorms Werken die Künstlernovelle „Das Kopftuch der Madonna" und einige Gedichte vortrug.' Die Versammlung, der die Kinder des verstorbenen Dichters und das Präsidium des Deutschen Journalisten- und Schriststellervereins für Mähren und Schlesien beiwohnten, begleitete diese Darbietnngen mit stürmischem Beifall. — Unter der Ueberschrist „Kinderhändler" macht Dr. Felix Kanter, Rabbiner zu Zwittau, in der österreichischen Presse aus das Los der jüdischen unehelichen Kinder in Galizien aufmerksam und appelliert an die Vertreter der österreichischen Großgemeinden, sich dieser Aermsten der Armen anzunehmen. Dr. Kanter beruft sich in seinem.Artikel auf das vor kurzem erschienene Buch der früheren Polizeiassistentin Henriette Arendt in Stuttgart, worin die Verfasserin über den. Handel, der mit jüdischen unehelichen Kindern in Galizien getrieben wird, geradezu haarsträubende Dinge erzählt. Es wäre zu wünschen, daß der Llppell des Zwittaner Rabbiners in den maßgebenden Kreisen gehört und — beherzigt werde. Rumänien. Z. ©uftucff, 13. Dezember. Der Balkankrieg und seine eventuellen Folgen für die Nachbarländer hat begreiflicherweise auch Rumänien aus seiner Ruhe'gerüttelt.. Es trifft alle Vorbereitungen, um für den Fall, daß es in die Krise hineingezogen werden sollte, m jeder Beziehung vorbereitet zu fein. Dazu gehört vor allem Geld und dann eine schlagfertige, begeisterte Armee. Diese Prämissen erklären . es zur Genüge, daß in der letzten Zeit die gesamte rumänische Presse Töne anschlägt, welche zu hören man feit Menschengedenken überhaupt nicht mehr gewöhnt war. Die rumänischen Juden, die in Rumänien als Fremde behandelt werden und. keine Rechte .genießen,' werden bekanntlich trotzalledem zum Militärdienste herangezogen. < Und es gilt nun, diese rumänischen Juden für einen eventuellen Krieg , Rumäniens zu begeistern. Anderseits braucht Rumänien Geld/ undsio oft dieses Land in solche Lage kommt, beginnt ihre Presse sich mit der T' v Judensrage zu beschäftigen. So ist es auch jetzt der Fall. .Sämtliche.^. Blätter — selbst diejenigen, die sich bisher in Hetzartikeln gegen die ft Juden gar nicht erschöpfen konnten, — weisen in längen Artikeln , darauf hin, daß „eine neue Aera anbreche, die nur dann für das. '-j rumänische Volk von Segen sein kann, wenn das ganze Volk, ohne / Unterschied des Glaubens einmütig sein wird." Manche Blätter gehen £ sogar weiter und sagen ganz offen heraus, daß Rumänien aus seinerT Vergangenheit heraustreten und seine Zukunft aus ganz neue,, moderne; Grundlagen stellen müsse, die vor allem die. Unterschiede, zwischen KonA; fession und Rasse ausmerzen. Denn nur dann werde sich Rumäniens feinen fortgeschrittenen Verbündeten Oesterreich-Ungarn, Deutschland und Italien gleichhalten können. Es fehlt auch nicht an Andeutungen^ daß die genannten. drei Großmächte es wohl als ihre Pflicht anfehen würden, Rumänien daran zu erinnern, daß die Zeit - der Aufhebung der barbarischen Gesetze gegen die Juden bereits gekommen sei. Auch andere Symptome sprechen dafür, daß die rumänische .Regierung Gewicht darauf legt, im Auslande die Meinung zu erwecken, daß sie bereit sei, nach Beendigung des krieges im Innern des Landes mit der Judensrage endlich auszurüumen. Aus wiederholten Anlässen hat, wie ich auf Grund authentischer Informationen berichten kann, die rumänische Negierung dem Bukarester Oberrabbiner Dr.. Beck, der jetzt in Regierungskreisen. . arosies Ans.ebeo ' ^«.gen die Reaiar^'m im Auslande ßg ZU^- ... ,..01*. .^..che Stimmung Vu der rumänischen öffentlichen Meinung von Dauer sein wird, oder ob sie bloß eines der Lockmittel ist, deren sich Rumänien in Zeiten der Not schon so oft bedient hat. England. , Z. London, 13. Dezember. Hier ist kürzlich die Behandlung englischer Juden in Rußland zum Gegenstand ernster Vorstellungen beim Minister des Auswärtigen, Sir Edward Grey, gemacht worden, der im vergangenen Jahre im Gegensatz zu Präsident Taft sich geweigert hat, bei der russischen Regierung vorstellig zu werden. Wie allgemein bekannt, stehen die russischen Juden unter einer Art Bann. Ihnen werden bestimmte Stadtteile zum Bewohnen zugewiesen, sie dürfen nicht überall Handel treiben und sind auch noch anderen strengen Einschränkungen unterworfen. Nun sind Beschwerden eingelansen, daß ähnliche und zum Teil Noch weitergehende Einschränkungen auch den in Rußland lebenden britischen Untertanen jüdischer Religion auserlegt wurden. Die Beschwerde fußt aus dem zwischen Großbritannien und Rußland im Jahre 1859 abgeschlossenen Abkommen, wonach den Untertanen eines Landes in dem Lande der anderen Nation die gleiche. Behandlung widerfahren soll, wie den eigenen Untertanen. Die russische Regierung ist nun der Ansicht, daß russische Juden, wenn sie äüswandern, oder dessen Nachkommen, wenn sie in ihrer neuen Heimat naturalisiert sind, hiermit nicht ihre russische Nationalität abwerfen. Von verschiedenen Seiten sind nun Beschwerden eingelansen, daß die Beschränkungen der russischen Regierung mit'bezug auf die englischen Juden noch viel ausgedehntere sind. Es wird ihnen sogar das Recht des Eintritts in Rußland verweigert oder nur unter sehr erschwerenden Bedingungen, denen nur wenige Nachkommen können. Die Freiheit des Aufenthalts und des "Handels soll ihnen gleichfalls beschnitten fein. Das Londoner Komitee der britischen Juden und die anglo-jüdische Vereinigung haben zusammen dem britischen Mnisterium des Aeußern eine Beschwerde überreicht, in der sie darauf Hinweisen, daß die Klauseln des Vertrages von 1859 über die „gleiche Behandlung" falsch ausgelegt seien. Es wird in der Beschwerde darum ersucht,.daß die britische Regierung A

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