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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-20 · Heft 51 (20.12.1912) · p. Seite 611

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 51 (20.12.1912)
Date
1912-12-20
Page
Seite 611 (sequence 11)
Language
German
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§: W W? ^A^xüchtell Juden.' än^ während in. Rußland, und Amerika, auch' in 'Saloniki/ uüteb anderen historischen Prämissen.'die WA 'Din,ge. ganz, anders liegen. Im übrigen lag es für die deut- MH" ' schen-:Juden ury so näher, zu bleiben, wa^ sie waren, Kaufleute-und kausmännische Fabrikanten^ als. gerade sür diese Erwerbszweigedie neue Zeit - ungemein - günstige Chancen' AA.-bot.- Die kapitalistische Unternehmung stellte dem, der sie zu Y”"'’ leiten verstand, reichlichsten Gewinn-in Aussicht, und seit 1; alters war es Sitte der Juden, mit -Kapitalien zu arbeiten, ‘V: weil sie ihre Darlehns- und Handelsgeschäfte niemals haben " < anders betreiben können; auch den Kredit auszunutzen, ge- . ' hörte zu ihren Gepflogenheiten. ' ) ' Es wird schon im Mittelalter von Rabbinern ver- J sichert, 'daß sie mehr mit fremden Geldern arbeiteten als mit eigenen. , Die großen Vermögen waren nicht von Anfang an vorhanden, sondern haben sich gebildet durch zweckentsprechende Ausnutzung der Erwerbs-. Möglichkeiten. Kapitalisten im Sinne von mäßigen 'Rentenbezügen zu werden, besaßen die Juden früher nicht-die Möglichkeit, 'undsind auch neuerdings diesem Schicksal selten verfallen. Daß sich einem gelehrten Berus zuwandte, wer nicht die Eignung zum Geschäftsleben besaß — ist eigentlich auch nichts Neues. Solange der Eid aus emes der christlichen- Bekenntnisse Vorbedingung für die Immatrikulation an deutschen Hochschulen war,-mußten die Juden, wenn sie . nicht Padua aussuchen'wollten, was immerhin selten geschah, sich dem Talmudstudium widmen. Nachdem 'aber die -deutsche Wissenschaft ihren konfessionellen Charakter abgestreist hatte, gaben sie sich ihr um 'so eifriger hin, je höhere Wertschätzung sie ohnehin der Gelehrsamkeit zollten. Die Gefahr eines übermäßigen.Zudranges zum Studium. besteht, - nur insoweit, als der Ausschluß von vielen-. Staatsämtern mit gelehrter Vorbildung..eine, gleichmäßige Verteilung hindert, und daher eine- Ww-isse- Uebersüllung der freien Fächer. verursacht'. ' - Ich habe versucht, in großen Zügen auf historischer Basis das Verhältnis der Juden zum Wirtschaftsleben darzulegen und 'möchte zum Schluß nochmals auf den Ausgangspunkt' der Betrachtungen zurückweisen. Nationalistische und romantische Geschichtsforschung sind die Ursache - der vielen verworrenen Meinungen über Juden und Judentum, die heutzutage umlausen.- Der Aufgabe, , die Gegenwart aus der Vergangenheit zu erklären, kann nur der kritische Realismus gerecht werden, der die Dinge ansieht, wie sie gewesen sind UlkMndrrs Schmaus. Von T a d e il s zK 0 ü c z h ü s k i. 2^^as Dröhnen von mehreren hundert Beilen hämmerte während der ganzen Nacht. Als das erste Morgenrot über den weißen Mauern des Tempels ausging, Jerusalems Häusermeer überflutete und sich mit den aus den tiefen, an den Fuß des Tempels sich anschmiegenden Tale Tzroyojoa noch aussteigendem Nebel vermengte, erhob sich die Königin- Salome von ihrem Lager uyd sprach zum Kammermädchen: _ „Ich habeschlecht geschlafen. Irgendwelche Arbeiten werden vor dem Schlossevorgenommen. Du hörst doch? Geschieht dies mit Wissen meines Gemahls? Kypros, geh und frage was dieser Lärm zu bedeuten hat. Und rufe den Arbeitern.zu, daß die Königin nicht schlafen kann." 1), Aus einem Zyklus: „Das untergehende Jerusalem". Die jugendliche Kypros,, einem vornehmen arabischen -Ge-, blüt entstammend, die als Kriegsbeute am Hof bedienstet war, hüllte, rasch um ihren geschmeidigen Leib ein weißes Gewand und verschwand hinter der Tür,; Aber sie vermochte nicht einmal das Ende des Säulenganges, der aus die Schloßterrasse-führte, zu erreichen, denn sie. ■' kehrte bald zurück, und die Hände, über ihren kernigen Busen v haltend, wartete sie auf den Befehl, der ihr zu reden erlaubte. „Kypros, was du weißt, sage", sprach Sälome. , - „Königin" — ließ die Zofe sich vernehmen — „an der Mündung^ .des K^euzganges. steht eine Wache und gestattete mir Nicht, au^ die. Terrasse , hinauszugehen." „Habe'doch ich,:'die Königin, dich-geschickt!^ Hast du.es gesagt?" ' ^Ja, gber als ich mit Gewalt hindurchschlüpfen wollte, hielt die Wache, nicht eingedenk wer ich sei, mich gewaltsam zurück und wagte es sogar, meinen Körper lüstern zu berühren." - . : „Danäch frage id) nicht. Aber - was für einen Gru nd haben sie angegeben?" „Den .Befehldes- Königs Alexander" -— sagte Kypros verlegen^ „Vor dem Schlosse werden Vorbereitungen zu einem Abendbankett getroffen. .Aber. niemandem, weder aus der Gästeschar, noch aus dem königlichen Gefolge ist es gestattet, die Arbeiten in Augenschein zu nehmen. Der König bereitet der Stadt und uns allen eine fteberxaschung vor." Salomes Stirn umdüsterte sich. „Der König verhehlt vor mir solch große Arbeiten", sprach ' sie zu sich. „Fürwahr, er handelt schlecht. Sollte das seine neue wahnsinnige Tat sein?" ' Siewinkte dem Kammermädchen. . .., M)Pros, frag dir Leute, ob der König schon sein Lager verlassen hat." Aber dieses -faltete neuerdings die Hände über der Brust und machte eine tiefe Verbeugung, ohne den Befehl auszu- . führen. . „Warum zauderst du?" fragte Salome dreuend. „Rede!" „Denn es ist uns nicht gestattet, die Gemächer zu verlassen," antwortete die Sklavin, „weder der Königin, noch deiner Dienerin."' \ v , - „Was sagst du?" „Die Wache hat mich zur Tür eskortiert und versieht jetzt den Dienst vor.deinen Türpfosten." Die Königin winkte zornig mit der Hand. Kypros verstand ihre Geste, sprang wie eine Antilope nach dem Hintergründe der Kemnate und öffnete , die Tür. sperrangelweit. - : Im Säulengang standen zwei bewaffnete Zylizäer. . „Auf wessen Befehl geschieht diese Gewalttat?" schrie die Königin. „Wir versehen hier Dienst auf Befehl des Königs Alexander" — lautete die Antwort. . ' - „Wie lange?" „Bis zum Abend." . . „Ich wünsche zum König zu gehen", erklärte Salome. „Wir erlauben-es nicht." „Ich, die Königin, verlange, daß man mich Passieren läßt." „Wir erlauben es. nicht. Strenger Befehl des Königs." Die Königin erblaßte. Ein Schwarm böser Ahnungen überfiel sie und drang wie Skorpionen in ihr Herz. Und das Hämmern der Beile Hub in verstärktem Maße am -v Fuße des Schlosses an, als fällten Tausende von Holzhämmerneine Eichenforstung. „Es ist augenscheinlich" — stöhnte Salome — „daßder König von -einem neuen Wahnsinn heimgesucht wurde. Der verdrehte »Diopense beherrscht seine Gedanken. Er muß-eine

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