Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 605 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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ermahnen,-was Sie einem Lande schuldig sind, in dem Sie das Glück habenohne alle Bedrückung ruhig zu handeln und zu -wandeln. Nicht .der Arme, sondern der Vermögende wird hiermit ausgefordert, und mehrere Beispiele, die Ihr Volk schon gegeben hat, lassen mich hoffen, daß Sie sich auch beim Nationalinstitut auszeichnen werden." Die Aufforderung blieb nicht ohne Erfolg. ' Die Pester israelitische Religionsgemeinde hat 4005 Gulden gesammelt und dem Fonds des /Nationalmuseums zugeführt, und sich gleichzeitig verpflichtet, das Institut alljährlich mit 200 Gulden zu unterstützen. Der Palatin drückte der Gemeinde hierfür im Woge dcs Stadtmagistrats seine besondere Anerkennung aus. -„Jakob Ferdinand Miller, Edler von Brassv", war jedoch besonders bezüglich der 200 Gulden anderer Ansicht, und er richtete an die.Gemeinde eine geharnischte „Nota", in welcher es von verletzenden Ausdrücken wimmelt. „Ich habe bei Sr. k. k. Hoheit dem Erzherzog Palatin", heißt es daselbst, „die Anfrage gemacht, ob ich befugt sei, von einer Gemeinde, die feinen beständigen Wohnsitz hat, keine Grundstücke besitzt, keine Sicherheit ihres Versprechens leisten kann und keine Rücksicht nimmt aus ihren Produktenhandel, den sie sich .in: Ungarn ganz zugeeignet hat und dennoch, sich erkühnet, mit einem sehr schmutzigen Betrag nustreten zu wollen, die jährlich angebotenen 200 Gulden, „.und diese zwar auf die Zeit, als ihre Gemeinde in Pest bestehen wird, anuehmen dürfe? Seine k. k. Hoheit haben hierüber ernstlich entschieden und mir gnädigst zu befehlen geruht? daß ich von Menschen, die nicht anders, als die Vorteile des Wuchers kennen, keinen Kreuzer annehmen soll. Welches zur Nachricht und Richtschnur hiermit erteile." Die Gemeinde ist wegen dieser Nota beim Palatin vorstellig geworden, und Herr „Jakob Ferdinand Miller, Edler von Brassö", .bekam eine tüchtige Nase. Es wurde ihm angedeutet, fortab keine Aufforderungen an Korporationen, sondern höchstens nur an Private zu richten und sich derartiger scharfer Ausdrücke zu enthalten. Als dann im Jahre 1846 das fünfzigjährige Jubiläum des Palatins gefeiert wurde, beschloß die Gemeinde, die Lutzenbachersche numismatische Sammlung anzukaufen, diese mit dem Brustbild seiner Hoheit schmücken zu lassen und diese Sammlung am Jubiläumstage der Akademie als Geschenk zu überreichen. Der Palatin war hierüber hocherfreut lind forderte den Magistrat auf, die Gemeinde seines besonderen. Wohlgefallens wegen der ihm gegenüber bekundeten Aufmerksamkeit zu verständigen. Die Sammlung befindet sich gegenwärtig im Nationalmuseum als „Spende der Akademie". Die Pester israelitische Kultusgemeinde hat aber auch zum Bau des Akademiepalais ein Stück beigetragen, indem sie für diesen Zweck 1628 Gulden — in jener Zeit eine ansehnliche Summe — gesammelt hat. Aus Anlaß der Einweihung des Palais, am 11. Dezember 1865, hat der Religionslehrer Moriz Ziltz eine Hymne in hebräischer Sprache gedichtet, dieselbe auf eigene Kosten drucken und unter den Festgästen verteilen lassen, die davon natürlich kaum etwas verstanden haben dürften. Die Akademie drückte allen,.die zur Hebung des Glanzes der Feier leigetragen haben, ihren Dank aus. An die Hymne hat man jedoch vergessen. Der damalige Generalsekretär der Akademie Johann Arany inachte jedoch den Fehler in einem an die Gemeinde gerichteten Schreiben gut. Der Brief wird im Archiv der Gemeinde als kostbare Reliquie bewahrt. Julius lkstz. Redakteur gest. in Karlsruhe (Aus der Karlsruher Zeitung.) | m 6. Dezember starb hier an den Folgen einer Lungen- 4V entzündung der frühere Chefredakteur Julius Katz. Seit drei Jahren schon war er von einem schweren Leiden heimgesucht, dem öffentlichen Leben -entrückt, in welchem sein Name als der eines unserer fähigsten Journalisten wohlbekannt war. Vom Elternhaus her brachte er seine journalistischen Anlagen mit. Denn sein Vater war einst in Prag, wo Katz am 2. Juli 1856 geboren wurde, Herausgeber des „Handelsblatts". Trotzdem wurde Julius. Katz zuerst zum Kaufmann bestimmt, während ihn in jungen Jahren sein ganzes Herz zur Musik trieb und er auf dem Prager Konservatorium zu den begabtesten Schülern zählte. Als er es dann erreicht hatte, von seinem Vater journalistisch vorge- - bildet zu werden, treffen wir ihn bald darauf als Redakteur in München und kurz darauf am „Frankfurter Journal" in Frankfurt a. M. Hier wandte sich ihm die Ailfmerksamkeit des damaligen Oberbürgermeisters Miguel zu, der die Fähigkeiten des Journalisten bald erkannte und politisch zu leerten wußte. Als Sekretär Miguels kam er nach Darmstadt, um als Herausgeber' einer Parteikorrespondenz einen journalistischen Mittelpunkt für die hessischen Nationalliberalen zu schaffen. Von dort aus ging er zunächst nach Karlsruhe, um hier die dazum-al noch in ihren Anfängen stehende „Badische Presse" zu redigieren, bis er nach Mannheim übersiedelte, wo er die Leitung des „Mannheimer Generalanzeigers" übernahm. Dann kehrte er abermals nach Karlsruhe zurück und grün- # bete hier die „Badische Korrespondenz", welche zu einem unentbehrlichen politischen Redaktionsorgan wurde. In jener' Zeit, in welcher Katz u. a. auch durch seine Schrift über „Die politische Lage in Baden" hervortrat, in welcher er — 1893 — auch die Frage des Wahlrechts eingehend beleuchtete, stand ihm das besondere Vertrauen des Ministers des Innern Dr. Eisenlohr zur Seite, nicht minder aber, auch das des Großherzogs, so daß er 1895 vom Ministerium -als Chefredakteur an die amtliche „Karlsruher Zeitung" berufen wurde, in welche seine „Badische Korrespondenz" zugleich mit aufging. Es waren besonders angesehene Jahre der „Karlsruher Zeitung", in denen das große journalistische Wissen von Katz, seine politische Erfahrung und seine spielend Leichte Art des Schreibens sich betätigen konnten. Hierzu kam, daß er infolge. seiner vielseitigen per'sönl-ichen Verbindungen und des Vertrauens, dessen-er sich auch bei den Spitzen der Reichsregierung erfreute, imstande war, durch Gründung der „Süddeutschen Reichskorrespondenz" -ein neues Politisches Korrespondenzorgan . hervorzurufen, in welchem ein Ausgleich der nord- und süddeutschen Interessen zum Besten des Reichsgedankens angestrebt wurde, und die sich unter der Persönlichen Leitung von Julius Julius Aatz am 6. Dezember 1912