Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- Seite 604 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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in einem lyrischen Erguß zur Mitarbeit aufgefordert, und der König von Griechenland, nach einer Meldung des „Univers isra&ite." einer Deputation gegenüber erklärt: „Ich bin ein großer Freund der Juden, habe viele Freunde unter den Juden und-wohnte in Larissa bei meinem Freunde Heimatschi Cohen." Er gab der Deputation die Versicherung, daß die Juden immer auf seine tätige Sympathie rechnen könnten. ", Y # - Ob aber die Tatsachen solchen Versicherungen entsprechen? Die „N. I. K." äußert sich darüber etwas'skeptisch: Die Juden in Griechenland feiern, sicherlich auf Veranlassung der griechischen Behörden, in ihren Zeitungen den Gerechtigkeitssinn der griechischen Regierung und bekunden nicht den geringsten Zweifel, daß auch die Juden in Saloniki das Wohlwollen der griechischen Regierung finden werden. Aus Larissa ist eine jüdische Abordnung eingetrossen, um die Verständigung mit den Juden von Saloniki zu fördern. Alle diese Sympathiekundgebungen haben natürlich den Zweck, die öffentliche Meinung des Judentums zu gewinnen. Es - ist fraglich, ob dieser Zweck erreicht werden wird, denn die Schikanierung der Juden dauert noch immer fort, und solange die griechischen Behörden sich nicht entschließen, die Uebeltäter zu bestrafen, muß man daran zweifeln, daß es ihnen' mit ihren freundlichen Versicherungen ernst sei. Vorläufig treibt der Haß und der Konkurrenzneid die griechischen Elemente Salonikis noch immer, zu feindseliger Haltung gegen die Juden. * Auch sonst beschweren sich die Juden in Mazedonien. Die „Reichspost" meldet: C' r; Nachdem eine Deputation der Israeliten unter Führung des Großrabbiners schon früher von König Georg empfangen worden war,'hat sie nun auch den bulgarischen Prinzen Boris und Cyrill einen Besuch abgestattet, um-bei dieser Gelegenheit zugunsten der in Kawalla verhafteten israelitischen Notabeln zu intervenieren und die Einleitung einer.- geregelten Untersuchung zu verlangen. Die Deputation ersuchte ferner die Prinzen, sie mögen dafür sorgen, daß die aüs Jschtip geflohenen Israeliten, die sich zurzeit in Saloniki befinden, dahin zurückkehren können, und wieder in den Besitz ihres Eigentums gelangen. Der Deputation wurde bedeutet, daß die Rückkehr dahin erst nach Wiederkehr normaler Zustände in Jschtip möglich sei. Die verhafteten Israeliten Kawallas werden inzwischen gegen hohe Kaution auf freien Fuß gesetzt. Ueber die E i n i g u n g s b e st r e b u n g e n d e s I u d e n - tu ms in Ungarn berichtet die „N. I. K.": , Seit längerer Zeit bemühen sich bekannte Persönlichkeiten des ungarischen Judentums um die Schaffung einer einheitlichen Gemeindeorganisation, damit die Juden Ungarns eine-Gesamtvertretung haben, die nach außen hin die Interessen der jüdischen Gemeinden -wahrzunehmen vermag.. Diese Bemühungen scheiterten bisher hauptsächlich an dem Widerstande der orthodoxen Kreise, die nicht die geringste Konzession machen wollten und das Nebeneinanderbestehen getrennter 'Gemeindeorganisationen einem Kompromiß vorziehen. Vor einiger Zeit wurde ein aus 100 Personen bestehendes Komitee eingesetzt, um Vorschläge für die Zusammenfassung der Gemeinden in einer Organisation nuszuarbeiten. Das Hundertkomitee wählte zwei Subkommifsionen, die ihrerseits eine'Spezialkommission mit der Ausarbeitung eines Entwurfes betrauten. Auch wurde ein ständiger Referent zu dieser Frage bestellt. Bisher verhält sich jedoch die brthodoxe Richtung, die .in der „orthodoxen Landeskanzlei" organisiert ist, nach wie vor ablehnend. . * Wie sehr die u n ga r i sch en I ud en die Kultur ihres Landes zu fördern bestrebt sind, wird aus folgender Reminiszenz klar, die das „Nene Pester Journal" veröffentlicht: . In der vom Generalsekretär der Pester israelitischen Kultusgemeinde Dr. Julius Weißburg redigierten vortrefflichen Zeitschrift „Hitközsegi Szemle“ veröffentlicht Dr. Julius Gabor einen in- Der Aaisev besichtigt öie neue Synagoge in -er Fasanenstrafze in Lharlottenburg?)) .MDMche Kaiserin Tilra”5l Verlag .P.aüi Kieblnder;O-.mJüBerlin TKZF teressauten Artikel darüber, daß die Pester Judenschaft sich bei der Gründung des Nationalmuseums und beim Bau des Palais der Akademie in hervorragendem Maße beteiligt hat. Als die Idee 'der Gründung des Nationalmuseums greifbare Formen angenommen hatte, betraute der Palatin den Herrn „Jakob Ferdinand Miller, Edlen von Brasso, Gerichtsbeisitzer in mehreren löblichen Komitaten des Königreichs Ungarn und National-Bibliothekar", sich schriftlich an all jene zu wenden, von denen ein-Beitrag für den patriotischen Zweck zu erwarten sei. Besagter Herr richtete auch an die Peste.r israelitische Gemeinde eine Zuschrift, in welcher es unter anderem heißt: „Ihr eigenes Gewissen muß Sie über das *) Das obenstehende Bild ist mit Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung Paul Klebinder G. m. b. H., Berlin W., dem hübschen Werke: „Der Deutsche Kaiser.im Film" entnommen. Ich empfehle das Werk, das außer vielen wvhlgelnngenen Ausnahmen des Kaisers auch eine Anzahl anderer Bilder und manche dichterische und musikalische Originalbeitrage, die ersteren in den Faksimiles der Autoren enthält, dringend, meinen Lesern. Von jüdischen Autoren sind unter den Beitragenden Julius Stettenheim, Isidor Lyndau, Siegmund Lautenbur.g und Siegmar Mehring vertreten. Unser.Bild steht Seite 51 und stellt den Kaiser im Gespräch mit dem ersten Vorsteher der Gemeinde, Herrn Julius JacobY, und dem Syndikus, Herrn Jrcstizrat Lilienthal, dar. Ich freue mich, dadurch einen Anlaß zu haben, auch diese beiden, um die Berliner Gemeinde hochverdienten Männer?meinen Lesern im Bilde verführen zu können. - L.G.