Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-13 · Heft 50 (13.12.1912) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3229015-3229066--69035-3281325
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

2 Justi'zrat L. Cohn, Sanitätsrat Plotke, Geheimer Konunissionsrat - Potsdamer, Conrad S ch e y er und F. W o l l a ch wohnten alle der Feier bei. Auch zahlreiche Freunde und Gäste hatten sich eingesunden. Mit einem Sologesang „Mah Tauwu", von «einem Anstallsinsassen .vorgetragen, begann in dein Betsaal die Feier. - Sodann wurden nach . altjüdischer Sitte die Chanukkalichter entzündet. Herr Rabbiner Dr. Bergmann hielt hieraus eine warme, tiefempfundene Ansprache, in welcher er den Unglücklichen heilsamen Trost, den Wohltätern der Anstalt, d,ie für diesen guten Zweck so viele Opfer bringen, innige Dankesworte spendete. Vorzügliche Klavier- und Violinvorträge von . Austaltsinsassen beschlossen die schöne Feier. In dem anliegenden Saale waren Bescherungsgegenstände reichlich aufgestllt. Auch verschiedene Handarbeiten der Insassen waren zum Verkaufe präsentiert. ' Die Feier «hat sichtlich den vom Schicksal-so schwer Heimgesuchten einige vergnügte Stunden gebracht. - Mit fast väterlicher Zärtlichkeit unterhielt sich der erste Vorsitzende/ Herr Professor R o s i n, mit ihnen. Eine Stimmung inniger Zufriedenheit scheint auch sonst in dem Hause, dessen Inspektor Herr Friedmann ist, zu herrschen/ -Der Begründer der Anstalt, Herr William N e u m a n n, war so freundlich, uns die Einrichtung des Hauses zu zeigen. Wir konnten uns davon, überzeugen, daß alles in praktischer Weise mit allem modernen Komfort eingerichtet ist. Im Erdgeschoß befinden sich der Betsaal, Klassen- und Spielzimmer und die Wohnung des Inspektors. In der oberen Etage die Schlafzimmer, teilweise mit großen Balkons. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß das Haus bis auf den letzten Platz besetzt ist und daß zahlreiche Gesuche raummangelshalber zurückgewiesen werden nrüssen. Das Bedürfnis nach einem Neubau wird immer dringender, und es scheint uns ganz überflüssig hervorzuheben, daß es sich hier um einen der edelsten Zwecke menschlicher Wohltätigkeit handelt. CA) Berlin, 10. Dezember. Am 26. und 27. November hat die Prüfung von neun -im Krankenhause der Berliner jüdischen Gemeinde ausgebildeten Schülerinnen, welche dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin angehören, stattgesunden. Sämtliche Schäle-, rinnen haben die staatliche Prüfung mit den Prädikaten „recht gut" und „gut" bestanden. Danach gehören diesem Verein heute 84 Schwestern an, welche im jüdischen Krankenhause, in der Privat- und Armenpflege in Berlin, zum Teil auch in auswärtigen Gemeinden und Anstalten wirken. Zu den noch in Ausbildung begriffenen 13 Schülerinnen sind am 1. Dezember drei neue Lehrschwestern eingetreten, so daß erfreulicherweise bestätigt werden kann, daß sich.für den schönen Beruf der Krankenpflege innerhalb unserer jüdischen Glaubensgenossen immer mehr Verständnis zeigt. — Es wird uns mitgeteilt, daß in dem innerhalb Jahresfrist zu eröffnenden neuen Krankenhause der jüdischen Gemeinde zu Berlin die Einstellung von acht jüdischen Oberschwestern und etwa 30 Schwestern erforderlich sein wird, so daß für nun eintretende geeignete Schülerinnen' immer ein Bedürftns vorhanden fein wird. Meldungen sind an den Vorstand des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin, oder an die Oberin Fräulein Rose Blau im Schwesternheim Berlin, Auguststraße 17, zu richten. Q/a Berlin, 10. Dezember. Der unter Aufsicht des Gemeinde- Vorstandes stehende Verein zur Bekleidung'bedürftiger Personen in der jüdischen Gemeinde zu B-erlin „Chebrath Malbisch Arumim" (Eingetragener Verein) hielt am 30. November abends seine diesjährige Winterverteilung ab. Die Mittel des Vereins sind nur gering; aus Mitgliederbeiträgen, Zinsen und außerordentlichen Zuwendungen betrugen die Einnahmen im laufenden Jahre rund 6000 Mark. Dank dem Interesse, «das namhafte hiesige Warengeschäfte der segensreichen Tätigkeit des Vereins entgegenbrachten, war es doch möglich, Kleider, Tücher, Hemden, Wollwäsche, Schuhe in großen Mengen sowie viele Anzüge zur Verteilung zu bringen. Beinahe 400 Personen konnten bedacht werden. Manchem alten Mütterchen, vielen Kranken und Bedrängten wurde auch diesmal Schutz vor Not und Kälte gewährt, aber leider mußten viele, Notleidende wieder leer ausgehen. Von den mehr als neunhundert Gesuchen blieb fast die Hälfte unberücksichtigt, weil es an Mitteln fehlte. 'Die Not ist groß, und da der Verein es sich auch, besonders zur Aufgabe stellt, im Lause des Jahres da helfend einzugreifen, wo ein gutes Kleid zur Erlangung von Stellen usw. eine unabweisbare Notwendigkeit ist, so ist eine Zuführung weiterer Mittel angesichts der großen Teuerung dringend erforderlich. Der Verein verteilt. nur neue Sachen. Zuwendungen nimmt der Vorsitzende, Herr Th eodor Pi n c u s, Markgrafenstraße 52, gern entgegen. S. N. Osterode, Ostpr., 6. Dezember. 'Zwei der geachtetsten und angesehensten Frauen unserer Gemeinde haben kürzlich ihr siebzigstes Lebensjahr vollende^ Frau Fanny S a m u l o n, geb. Bukoszer und Frau Rosalie Lewinsohn, gch. Korn. Die beiden Damen, die Begründerinnen des hiesigen jüdischen Frauenvereins vom Jahre 1878 und Vorsteherinnen desselben bis zum heutigen Tage sind, feierten den Tag des Eintritts ins biblische Alter in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit, umgeben von Kindern, Enkeln, Geschwistern und Verwandten. Herr Prediger Stur mann, der seit 34 Jahren an den segensreichen Arbeiten des Frauenvereins, regen Anteil nimmt, würdigte die Verdienste der beiden Begründerinnen in einer herzlichen Ansprache und überreichte ihnen namens des Vereins wertvolle Ehrengeschenke. Möge es den beiden hochherzigen Frauen, noch lange vergönnt sein, Gutes und Edles in unserer Gemeinde. zu wirken. L. Marienwerder, 6. Dezember. Der Verband westpreußischer Rabbiner hielt mn 20. November 1912 im Hotel Königlicher Hof zu Marien Werder seine Jahresversammlung ab. Der Vorsitzende, R o s e n b e r g - T h o r n, begrüßt die Erschienenen, und unter ihnen mit herzlichen Wünschen den neueingetretenen Kollegen H a l p e r s o h n - B r i e s e n. Er wirft einen Rückblick auf die Tätigkeit des Verbandes im abgelaufenen Jahre und erwähnt insbesondere die Verhandlungen mit dem Ausschuß des West- Preußischen Gemeindeverbandes, deren Ergebnis als ein durchaus befriedigendes sich herausstellte. Für die würdevolle und geschickte Führung derselben spricht die Versammlung dem Vorsitzenden ihre besondere Anerkennung aus. — Der Kassenbericht, erstattet von G u t t m a n n - K u l m, gibt Veranlassung, der Frage näherzutreten, ob es nicht im Interesse der Rabbiner wie der Gemeinden läge, daß erstere öfter, mindestens aber zw eimal im Jahre, zusammen kämen, um durch gegenseitigen Austausch ihrer Erfahrungen auf dem Gebiet der Seelsorge und des Religionsunterrichts nützliche Anregungen für diese Hauptzweige ihrer Berufstätigkeit zu geben und zu erhalten. Die Versammlung bejaht diese Frage einstimmig und berät über die. Wege, diese Vornahme auszuführen, ohne die einzelnen Mitglieder zu sehr zu belasten. — Mehrere inzwischen eingetretene Vakanzen und Neubesetzungen von Rabbinerstellen veranlassen eine Besprechung über die Einteilung der Bezirke für die J n - s p e k t i o n der Religionsschulen. Es sollen demnach die Bezirke bleiben wie bisher, nur wird der Bezirk Schwetz von Guttmann-Kulm übernommen, während die Bezirke Könitz und Zempelburg noch einer Regelung bedürfen, über welche mit den betreffenden Kollegen schriftlich verhandelt werden soll, da sie nicht zugegen sind. Die Frage der Bezirksrabbinate soll in den Ausschußsitzungen des Westpreußischen Gemeindeverbandes wieder angeregt werden.— Der vierte Punkt der Tagesordnung betraf die Einführung des Hebräischen in den Religionsunterricht der höheren Schulen. Als Referent hierüber empfahl sie Kälter-Danzig, indem er die Gründe und Richtlinien dafür angab, während der Korreferent Lo evy-Gr aud enz sie von den lokalen Verhältnissen abhängig machte. Es entspann sich nun eine längere interessante Debatte, in welcher fast alle, und schließlich auch der Referent, der Ansicht zuneigten, daß nur dort diese Einführung zu empfehlen sei, wo andernfalls ein wesentlich großer Teil der jüdischen Jugend ohne jeden hebräischen Unterricht auswachsen würde; jedoch wo die meisten Schüler die Religionsschule besuchten, könne durch jene Einrichtungen der Bestand der Religionsschule.und damit eine gründliche Durchbildung im Hebräischen leicht gefährdet werden. Als das «wünschenswerteste erschien der Zustand, iv welchem die Zahl der Religionsstunden an den höheren Schulen entsprechend vermehrt und die .Religionsschule dadurch entbehrlich gemacht werden könnte. Doch lügen die Verhältnisse gegenwärtig nicht derart, daß eine allgemeine Verwirklichung dieses Gedankens möglich erschiene. Es wurde be- . schloffen, diesen Punkt in der nächsten Tagung nochmals zur Besprechung zu stellen und inzwischen praktische Erfahrungen darüber zu sammeln. Der hieraus folgende Vortrag von Rosenbaum-Thorn: „Ueber den ReligPonsunterricht in den höheren Schulen" beleuchtete eingehend die Ziele und Wege für diesen Unterricht. und betonte insbesondere die Forderungen, welche die Strömungen der Gegenwart an ihn stellten. Auch daran knüpfte sich eine äußerst anregende Besprechung, welcher zuletzt noch einige Mitteilungen über die Reliktenkaffe des Rabbinerverbandes, über die Angestelltenversicherung und die Ersatzkafse folgten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.