Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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76. Jahrgang Nr. SO ÜlÖCljlDtt^ Beri,n’l3- V-rembor 1912 Beklage zur „MUsemrtnen Leitung deK Judentums". Korrespondenten und Kachrichten. Deutschlmd. 22 Berlin, 10. Dezember. In Sachen der Ersatzkassen für die Beamten der jüdischen Gemeinden in Deutschland hat am 24. Nofvember d. I. eine Besprechung mit einem hohen Beamten in der Neichsversicherungsanstalt stattgefunden.' Die Unterredung erstreckte sich auf alle Fragendes geplanten Kassenunternehmens. Es wurde geraten, unverzüglich die Eingabe der Lehrerkassen um Zulassung als Ersatzkasse zu veranlassen. Für den Fall, daß der Bundesrat das Gesuch ,in der zunächst gedachten Art nicht genehmigen sollte, wurden mehrere andere Wege besprochen, die das .Zustandekommen einer Verbandskasse in dieser oder jener Form als gesichert erscheinen lassen. — Die Verbandskasse, und die bezirklichen Ersatzkassen werden in jedem Falle am 1. Januar 1913 ihren Betrieb beginnen, und die- Versicherung der Beamten der angeschlossenen Gemeinden 'mit Ge-> nehmigung der Behörde selbständig übernehmen. Die einzelnen Mitgliedsgemeinden haben in Sachen ihrer Versicherung nur mit der sür sie zuständigen bezirklichen Ersatzkasse zu tun. Die Trägerin des gesamten Versichernngsunternähmens und die Sicherheit, für die ■ Erfüllung der von den bezirklichen Ersatzkassen übernommenen Verpflichtungen bildet die unter staatlicher Aufsicht stehende Verbandskasse. Jedem Versicherten, unserer bezirklichen Ersatzkassen kommen die Mehrleistungen und allgemeinen Vorteile der Verbandskasse zugute. Die Beiträge für die Ersatzversicherung sind die gleichen wie zur allgemeinen staatlichen. Angestelltenkasse. Der rechtzeitig erfolgte Beitritt zur Ersatzkasse befreit ohne weiteres von der Beitragspflicht zur Staatskasse. Gemeinden, welche noch nachträglich unserer Ersatzkassenversicherung beitreten wollen, erhalten genaue Anweisung zur Erlangung der Befreiung von der staatlichen Kasse vom Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes. — Die dem Kassenverbande angeschlossenen Ersatzknssen für die einzelnen Bezirke sind folgende f ü r Ost P r e u ß e n : die Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen .(Sitz Königsberg); f ü r W e st - Preußen. und Po mm e rn-: die Hilfskasse sür israelitische Beamte der Synagvgengemeinden Pommerns, Ost- und Westpreußens (Sitz Danzig); für Pose n u n d S ch le s i e n : die Unterstützungskasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen (Sitz Breslau); für Hannover: die Unterstützungskasse für jüdische Lehrer, deren Witwen und Waisen in der Provinz Hannover (Sitz Hannover); für Westfnlen und ,Rcheinl and: die Pensionskasse des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinprovinz und Westfalens (Sitz Essen); für Bayern: die Unterstützungsstiftung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern (Sitz Würzburg); für Elsaß-Lothringen: die Pensionstasse für die Kantoren in Elsaß-Lothringen (Sitz Straßburg). Für alle übrigen deutschen Landes teile: die Pensions-, Witwen- und Waifenkasse des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche (Sitz Berlin). Für die Mitglieder des Bundes gesetzestreuer jüdischer Lehrer Deutschlands: die Pensionskasse des „Bundes" (Sitz Frankfurt). Die vorgenannten Kassen haben sich zum Zwecke der Ersatzversicherung zu allgemeinen Kassen für sämtliche versicherungspflichtige Angestellte der jüdischen Gemeinden ihres Bezirks ausgestaltet. Ihr Betrieb als Hilfskasse für die bisherigen besonderen Beamtenkreise bleibt daneben bestehen. Die Konstituierung der „Verbandskasse der jüdischen Beamtenpensions-, Hilss- und Unterstützungskassen in Deutschland" wird am 26. Dezember d. I. erfolgen. 22 Berlin, 10. Dezember. Am Sonntag den 8. d. M. wurde 'in Beelitz die Chanukaseier der Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder begangen, zu der sich Vertreter des Kuratoriums aus Berlin und Potsdam sowie Freunde der Anstalt aus Beelitz, darunter der Stellvertreter des Bürgermeisters und des Leiters der Dalldorfer Jdiotenanstalt. eingefunden hatten. Die Anstalt ist mit 32 Knaben und 14 Mädchen, zusammen-46 Zöglingen, bis aus den letzten Platz besetzt. Das gute Aussehen zeugt von der liebevollen körperlichen Pflege, die das Jnspektorpaar den unglücklichen | Kindern angedeihen läßt und die ihnen durch die rührende Anhänglichkeit cher Kinder an Onkel und. Tante . Bein vergolten wird. Daß d'ie geistige Fortbildung durch den Inspektor und die beiden Lehrer in gleichem Maße Förderung erfährt, wird durch das Urteil dev Sachverständigen, aus Grund Persönlicher Beobachtung der Zöglinge, sowie durch Einsichtnahme in die ausgestellten' Arbeitshefte und die Produkte des Handsertigkeitsunterrichts bestätigt. Aber man brauchte - nicht pädagogischer Fachmann zu sein, um aus dem Verlauf der Feier selbst zu erkennen, daß hier in der Anstalt erfolgreich gearbeitet wird. Die gesanglichen Vortrüge eines Psalmes und der Ehanukahymne, sowie die Deklamationen einiger besser begabter Insassen bewiesen, daß die neu eingetretenen Hilfslehrer sich mit der notwendigen Hingebung und mit pädagogischem Verständnis ihrer schwierigen Ausgabe widmen. Die Ansprache des Anstaltsleiters lenkte die Aufmerksamkeit aus die Notwendigkeit der Schaffung von neuen Räumlichkeiten, wo die älteren Zöglinge ausreichende Gelegenheit zu. Handwerks-, mäßiger Ausbildung finden, da es kaum möglich ist, Meister zu finden, die sich der hingebungsvollen Aufgabe, schwachsinnige Zöglinge als Lehrlinge ansznbilden, mit. Verständnis unterziehen. Namens des Kuratoriums dankte Herr Rabbiner Dr. Schreiber aus-Potsdam den Güsten sür ihr Erscheinen; namentlich aber dem Inspektor und dem . Personal für ihre erfolgreiche Arbeit. Er gab damit der. allgemeinen Befriedigung über das hier Gesehene Ausdruck. Heller Jubel herrschte bei der nun in der Anstaltsturnhalle folgenden Einbescherung, zu der zahlreiche Gönner der Anstalt in dankenswerter Weise Leigesteuert hatten. Die Freude^der Kinder ergriff auch die Gäste, die vor ihrer Heimfahrt im gemütlichen Beisammensein die erfreulichen Eindrücke, die sie empfangen hatten, austauschten. — Eine erhebende Chanukaseier fand ebenfalls am -letzten Sonntag in der Israelitischen Mädchenfürsorgeerziehuugsanstalt in Plötzensee statt. Die religiöse Ansprache hielt Rabbiner Dr. B l u m e n t h äl. L. 8. Berlin, 10. Dezember. Herren und Damen des Vorstandes des Vereins „Iüdisches Genesunghei m" fanden sich am Mittwoch den 4. Dezember zur Chanukafeie r in Lehnitz ein. Vom Stettiner Vorortbahnhos gelangten wir gegen 4 Uhr aus dem Bahnhof in Lehnitz an, von wo uns ein bereitgehaltener bequemer Wagen in zehn Minuten dem Heim zuführte, dessen hellerleuchtete Fenster uns schon von weitem durch die Bäume des Waldes entgegenleuchteten. Von der bewährten Oberin Emilie Neu m a n n und der tüchtigen Schwester Anna, dem Liebling der Pfleglinge, empfangen, begäben wir uns in den feierlich ausgeschmückten Saal, in welchem für die zurzeit noch im Heim befindlichen, etwa 30 Pfleglinge und dem gesamten Hauspersonal große Schüsseln mit Aepfeln und Nüssen, Pfefferkuchen und Marzipan bereitstanden. Die anwesenden Damen legten' noch den Schüsseln kleinere und größere nützliche Geschenke sür diePsleglinge bei. Nachdem ein Mitglied des Vorstandes das Licht angezündet, und das Gebet gesprochen hatte, erklangen aus dem Munde der jungen Pfleglinge zwei Verse des Chanukaliedes, welchem eine Ansprache folgte. Der Redner wies auf die Bedeutung des Festes hin, des Lichtsestes, welches Glück und Freude hineinleuchten soll auch in die Herzen der Unbemittelten und Leidenden; er wies auf die Bedeutung des Gebotes der Nächstenliebe hin, welche auch dieses, im herrlichen Wald und am kühlenden See gelegene Heim geschaffen hat, in welchem jährlich über 500, durch Arbeit und Krankheit, in ihrer Arbeitskraft geschwächte Mädchen und Frauen, in der schönen Gottes- . natur, der idyllischen Ruhe und bei sorgsamer Pflege der Schwestern Erholung und Aufrichtung finden. Ernste und heitere Vorträge der Pfleglinge schlossen die erhebende Feier, und kaum ein Auge blieb tränenleer, als nach dem Abschied der Wagen uns durch den inzwischen dunkel gewordenen Wald und aus der schwach erleuchteten. Chaussee, denk Bahnhof Lehnitz wieder zuführte. Es war eine herrliche Stunde, die uns Teilnehmern an.'der Chanukkafeier in dem schönen, behaglichen Heim am LehniWe unvergeßlich bleiben wird. A. F. Berlin, 10. Dezember. Der Verein „J ü d i s ch e B l i n - denan st a l t für D e u t schlau d" veranstaltete am letzten Sonntag in feiner Anstalt in Steglitz eine „Chanukaseier". Die Vorsteher. des Vereins, d-ie Herren Professor R o s i n,' William N e u m a n n,