Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Gottesmann einst verkündet hat, ist, noch nicht. eingetreten noch spielen nicht Säuglinge der Freiheit in den. Löchern thronender Schlangen (Zunz a. a. O.). Der Genius der Menschheit hüllt.sich .in Trauer, wenn er auf die. Hekatomben hinweist, die dem; Moloch „Krieg" geopfert werden." Zum Schluß wendet sich der greise Gelehrte gegön diejenigen, die mit ihren Richtlinien „falsche Gesichte" gezeigt; allein hier trennen sich unsere Wege, obgleich wir nach wie vor in unserer Verehrung für - den Nestor der Wissenschaft des Judentums verharren. A. K. - Sylechfaal. B er l.i n, im November 1912.; Sehr geehrte Redaktion! A n t i s e m i t i s m u s i n 'Tirol! Durch die Presse ging vor-einiger Zeit die Nachricht, daß das , Pustertal neuerdings zu einem Hauptherd des Antisemitismus sich .enrwickelt hätte. Schürer der Hetze ist der Tiroler Landesverband für Fremdenverkehr; in seinen Zirkularen finden sich am Schluß die bezeichnenden Worte: „Bei der' großen Zahl der zu vermietenden Wohnungen und Hotels ist es oft nicht zu vermeiden, daß auch jüdische Parteien als Mieter auftreten. Man ist jedoch bemüht . . ." Die Unverfrorenheit des Tiroler Landesverbandes für Fremdenverkehr erscheint in bengalischer Beleuchtung, wenn man sich vergegenwärtigt, daß dieser Landesverband' nicht etwa eine reine Tiroler Körperschaft ist; er erhält eine große Subvention von der Regierung natürlich aus Steuergeldern, zu denen selbstverständlich auch die Juden beitragen. So kommt es denn zu guter Letzt, daß die Juden auf dem. Umweg über die Steuerämter die Mittel herbeitragen, mit denen ihnen dann die schwersten moralischen Beleidigungen zugesügt werden. Wir unserseits möchten nicht unterlassen, bei dieser Gelegenheit den heutigen Nachkommen der Tiroler Freiheitskämpfer von 1806 einen kleinen historischen Vorgang ins Gedächtnis zurückzurusen: In seiner Geschichte Andreas Hofers, Sandwirths ans Pasfeyr ufw. (Leipzig 1845 bei Vrockhaus, zweite Auflage) schreibt Hormayr, Hofers bekannter Zeitgenosse und Biograph, daß derselbe von zwei Tiroler Landsleuten, dem Priester Donah und dem verkonunenen Raffel, dein ' Feinde verraten, gefesselt nach Mantua gebracht und dort kriegsgerichtlich zum Tode verurteilt wurde. Die Interessante und mutige Ausgabe, seiner Verteidigung hatte B a s e v a, ein junger, talentvoller Advokat, ein Jude übernommen. Die Stimmen des Kriegsgerichts im Palazzo d'arco waren sehr geteilt: zwei hatten sogar" den Mut, sich für gänzliche Freisprechung zu erklären. Mehrere waren für Festungshaft, Detention, überhaupt gar keine Majorität für den Tod. Aber , aus Mailand wurde der Tod binnen vierundzwanzig Stunden ausgesprochen, damit Oesterreichs Jnterzession -- die Hochzeit Napoleons mit der Tochter Franz II., Marie Luise, stand unmittelbar bevor — ja gewiß zu spät kommen müsse. Uns ist leider nicht bekannt, ob dieser Tat eines Juden bei den zahlreichen hohen Feiern im Zentenarjahr 1909 gedacht worden ist. Vielleicht können die Herren Pustertaler Auskunft geben? . . . - Berlin, 11. Dezember. . Der Erklärung der. Berliner jüdischen Gemeinde vom 1: Dezember, in der sie zu den Erklärungen der Rabbinerverbände Stellung . nimmt, haben sich außer-dem Vorstande der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M.. noch der Vorstand der Synagogengemeinde in Köln, und der, Vorstand der Synagogengemeinde in München angeschlossen. — Der Vorstand der Synagogengemeinde in Königsberg (Preußen) hat Abschnitt 1 bis 3 der Erklärung unterzeichnet mit dem Bemerken, daß der Abschnitts, der von der Wahl mehrerer Gemeinderabbiner verschiedener;' religiöser Richtung spricht, nicht auf die Königsberger Gerneinde zutreffe, da diese nur einen Gemeinderabbiner habe. ... * Freie jüdische Bereinigung. E r kl är'u n g. Angesichts der in Nr. 9 der Monatsschrift. „Liberales Judentuln", L). 210 ff., veröffentlichten „Richtlinien zu einem.Programm für das - liberale Judentum" legt die Sorge um die Erhaltung des überlieferten Judentums, uns die Pflicht auf,, warnend unsere Stimme zu . erheben. Denn durch diese Richtlinien werden .biblische Satzungen, die ein teures Erbe unserer Gesamtheit sind, außer Kraft gesetzt. Insbesondere bedrohen schwere- Eingriffe in die -biblischen Ehegesetze die -Heiligkeit der jüdischen Familie. Die Antastung der Dabbatheiligung und.die völlige Uebergehung anderer wichtiger Religionsgesetze bedeuten einen verhängnisvollen Bruch mit den Grundanschauungen unserer Religion. ■■.■-■■■ - . Wir stehen auf dem Böden des. positiven; Judentums und erachten dessen Erhaltung und Kräftigung für unsere wichtigste Ausgabe. Wohl erkennen wir für alle Lebenserscheinungen das Gesetz einer organischen und kontinuierlichen Entwicklung an. Gerade deshalb müssen wir aber alle diesem Gesetz und dem Ernst der Wissenschaft des Judentums widerstrebenden planlosen Veränderungen und willkürlichen Neubildungen mit Entschiedenheit zurückweisen. Wir lehnen alle Vorschläge ab, die geeignet sind, einen Zwiespalt im Judentum hervorzurüfen. Wir wollen den religiösen Sinn und die Einigkeit in den Gemeinden fördern und in innigem Zusammenhänge mit unserer Vergangenheit bleiben. Dr. Beermann, Kreisrabbiner in Insterburg. Dr. Berger, Rabbiner in Berlin-Wilmersdorf. Dr. Biram, Rabbiner in Hirschberg i. Schl. F. Blum, Rabbiner in Mülhausen i. Elf. Dr. Brann, Dozent am jüdischen theologischen Seminar in Breslau. Dr. Deutsch, Rabbiner in Breslau. Dr. Doctor, Landrabbiner in Kassel. M. Ellguther, Rabbiner in Neiße. Dr. I. Eschelbacher, Rabbiner in Berlin. Dr. I. Finkelscherer, Rabbiner in München. Dr. Flaschner, Rabbiner in Nürnberg. Leo Fränkel, Herzog!. Landesrabbiner in Meiningen. Dr. Frank, Rabbiner in Cöln a. Rh. Dr. S. Freund, Rabbiner in Hannover. Dr. Friedmann, Rabbiner in Lublinitz. Dr. Goldschmidt, Rabbiner in Kolberg. Dr. Grabowsky, Rabbiner in Barmen. Dr. Gronemann, Landrabbiner in Hannover. Dr. Grünthal, Rabbiner in Berlin-Charlottenburg. Dr. M. Guttmann, Rabbiner in Culm i. W. Dr. Holzer, Großherzogl. Rabbiner in Worms. Dr. Horovitz, Dozent am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau. Dr. Knoller/ Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer in Hannover. Dr. Kopfstein, Rabbiner in Beuchen O.-S. Dr. M. Krakauer, Stiftsrabbiner in Breslau. Dr. H. Kroner, Bezirksrabbiner in Oberdorf. Dr. Th. Kroner, Kirchenrat und Stadtrabbiner in Stuttgart. Dr. Kuschnitzky, Rabbiner in Breslau? Dr. Lazarus, Direktor des Lehrerseminars in Cassel. M. Levy, Rabbiner in Hagenau i. Elf. Dr. Loevy, Rabbiner in Grandenz. Dr. Lewinsky, Landrabbiner in Hildesheim. * Dr. V. Marx, Rabbiner in Straßbnrg i. Elf. Dr. B. Meyer, Rabbiner in Thann i. Elf. Dr. N. Netter, Oberrabbiner von Lothringen in Metz. Dr. Peritz, Rabbiner in Liegnitz. Dr. Perlitz, Rabbiner in Nakel. Dr. Pick, Rabbiner in Straßburg, Wstpr. Dr. Pick, Rabbiner in Berlin. Dr. F. Rosenthal, Rabbiner in Breslau. Dr. Salzberger, Rabbiner in Erfurt. .'Dr. Scheftelowitz, Rabbiner in Cöln a. Rh. Dr. Stier, Rabbiner in Berlin. Dr. Treitel, Bezirksrabbiner in Laupheim.; Dr. Walther, Herzogs. Anhaltischer - Landesrabbiner in Dessau. -Dr. Weiße, Rabbiner in Berlin. Dr, Werner, Rabbiner in A'cünchen. Dr. M. S. Zuckermandel, Rabbiner des Mora Leip'zigerschen Beth-Hamidrasch in Breslau. (Weitere Unterschriften folgern) Kasse l, 18. November. 1912. Sehr geehrter Herr Redakteur! In der Besprechung der Mosenthalschen „Bilder aus dem Jüdischen Familienleben" (Nr. 43) -behauptet der-Referent, die Erzählungen „spielten vielfach in M a i n z". Das ist ein Irrtum. .Die Erzählungen haben sämtlich Vorgänge in K a s s e l zur Unterlage. Sie schmücken sie allerdings romantisch aus und sind von historischer Treue weit entfernt. Mosenthal war ein Kasseler Kind. Und alte Mitglieder unserer Gemeinde erinnern sich der Vorgänge, die Mosenthal-dichterisch gestaltet, und vieler Personen, die seinen Figuren Modell gesessen. . Hochachtungsvoll H. Blumenthal. . * Er klär un g. . Wie wir mit Bedauern hören, haben sich Mitglieder der israelitische^ Kultusgemeinde Fürth durch die Novelle „Rebekka Elkan", die. wir vor einiger Zeit veröffentlichten, beleidigt gefühlt. Wir bemerken daher ach Wunsch'des Herrn Justizrats Dr. Witt-elshöfer daselbst, Mitglied des Vorstands der dortigen Kultusgemeinde, daß die Verfasserin in einein uns zur Einsicht vorgelegten Privatbriefe an einen auswärtigen Verwandten und Namensvetter desselben erklärt hat, sie kenne keiü Mit-, glied der israelitischen. Kultusgemeinde Fürth persönlich, sie siebe..aber den jüdischen Kult und habe-einmal über diese alten, tiefen,-schönen Formen schreiben wollen. Die .Redaktion.