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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-13 · Heft 50 (13.12.1912) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 50 (13.12.1912)
Date
1912-12-13
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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einige Gemeinden ihn fördern, und daß für einzelne Werke ihm' Subventionen aus' der Raschi-Stiftung zur Verfügung . gestellt wurden; es ist in der Tat kaum eine bessere ^Verwendung der Mittel jener Stiftung denkbar, als zum Zwecke der Veröffentlichung von Schriften aus dem Kreise von Raschis Schülern und Nachfolgern. Die wichtigste Hilfsquelle für den Verein wird aber immer die Beteiligung von Einzelmitgliedern bleiben. Er gehört zu den wenigen Vereinen, die ihren Mitgliedern neben der Genugtuung, einen guten Zweck gefördert zu haben, auch ein greifbares Aequivalent bieten.' Es wäre zu wünschen, daß die Beteiligung der Mitglieder und die Förderung durch 'opferwillige und verständnisvolle Mäzene dem Vereine in größerem Maße als bisher zuteil würde, damit er seiner Aufgabe in noch vollkommenerem Umfange als bisher genügen kann. I. Elbogen. Lu Wilhelm von Humboldt und die Juden." ährend der am Ende des vorigen Jahres erschienene *■: Vund an dieser Stelle gewürdigte Band des Briefwechsels von Wilhelm und Karoline v. Humboldt voll von Diskussionen des Ehepaares über Juden war, entbehrt der jetzt erschienene solcher Unterredungen. Trotzdem soll er hier, kurz angezeigt werden, weil einzelne interessante Stellen wenn nicht über Juden und Judentum, so doch über einige aus dem Judentum hervorgegangene, zum Teil ihm treu gebliebene Personen handeln. Eine Notiz bezieht sich auf David Friedländer, der, wie man weiß, den Brüdern Humboldt ziemlich nahe stand. Als „ Humboldt Minister geworden war, schrieb er (Berlin, den 18. August 1819): „Friedländer hat mir gestern erzählt, daß ' seit meiner Ankunft und gleich mit ihr alle Staatspapiere beträchtlich gestiegen sind. Er ist ein sehr einfacher -Mensch, . der nicht schmeichelt. Das Steigen ist gewiß. Aber, daß ich für die Ursache gehalten würde, habe ich sonst nicht gehört, darum schweige ich auch davon. Ob man solche Erwartungen wird erfüllen können? Man kann sich dessen kaum schmeicheln". Von der Berliner Gesellschaft ist häufiger die Rede. Da wird einmal erzählt (Seite 181), daß der . schwedische Geschäftsträger Gustav v. Brinkmann viel mit Juden Verkehre, besonders bei der alten Frau Fließ.. Eine der Hauptpersönlichkeiten der Berliner Gesellschaft war bekanntlich die berühmte Rahel. Sie hatte mit dem Humboldtschen Kreise - wenig Verbindung. Daß Wilhelm geradezu eine Abneigung gegen sie hatte-' wußte man aus manchen Andeutungen. Klarer wird diese aus folgender Stelle. vom 26. November 1817:.„Ein Brief von der Varnhagen an mich wird Dich nicht wenig wundern. ■ Es gibt ■ Fliegennaturen, die nicht Nachlassen. Da er mit mir in Frankfurt verunglückte, muß nun sie versuchen. Als ich sie in Brüssel.mit ihm fand, nötigte sie mich durch ein Billet, sie zu besuchen. Wir blieben glücklicherweise nur kurz allein, sie tat viele Fragen und klagt noch, über die Einsilbigkeit meiner Antworten. Jhx jetziger, vier Seiten langer Brief ist zwar ' bloß Scherz und-Schmeichelei, allein sie fragt, ob mir Briese von ihr hierher angenehm sein würden, und will also , immer sichtbar anknüpsen. Ich denke nach' meiner alten Regel die .Unhöflichkeit an den Anfang zu setzen und nicht zu antworten." . Dagegen war Wilhelm mit zwei Berliner Jüdinnen gut bekannt, mit. Dorothea Mendelssohn-Veit-Schlegel und. mit *•) Wilhelm und Caroline v. Humboldt in-ihren Briefen. Hercmsgegeben von Anna v. Sydow Sechster'Band: Im Kampf mit Hardenberg. Briefe von 1817 bis 1819. Berlin 1913. -E. S. Mittler u. Sohn, Königliche Ho Buchhandlung.' Henriette Herz. Gerade in der Epoche, über die unser Band handelt, wird die erstere häufiger als früher erwähnt, weil Dorothea, gleichzeitig mit Karolinein Rom war und weil die Söhne der ersteren, die Maler Johann und Philipp Veit von Karoline protegiert wurden. Ueber Dorothea schreibt Karoline aus Genzano 19. August 1818 das hübsche Wort: „Die Schlegel hat auf ihre Söhne und auf die ganze deutsche Gesellschaft (Künstlergesellschaft meine ich) den wohltätigsten durch ihr - liebevolles und verständiges Betragen. Alle sind , freundlicher, verträglicher geworden. Die Söhne bedurften das am meisten,, bei großem, entschiedenem Talent waren sie nicht glücklich und von vielen nicht geliebt. Die Schlegel ist wirklich eine recht liebe und recht vorzügliche Frau. Dich liebt und verehrt sie ganz ausnehmend." ' Einige Zeit später, 18. Dezember 1818, äußert sich Wilhelm über Dorothea und ihren - ersten Gatten. Simon Veit in folgender bemerkenswerten Weise: „Mt der anderen Laufbahn, die Schlegel ergreifen würde, fürchte ich, machte sich die gute Frau Illusionen. Man kann in solchen Dingen über niemand richten.' Aber wenn sie gesucht hätte, sich still und sanft vom vorigen Mann, den sie nicht liebte, zu trennen, und für sich zu leben, war es wohl besser. Es bestraft sich immer, wenn man, auf eingebildete höhere Ideen gestützt, den einfachen Weg gewöhnlicher Pflicht verläßt". Weit zahlreicher sind die Aeußerungen über Henriette Herz, die, wie man weiß, in ihrer Glanzperiode von Wilhelm sehr angeschwärmt worden war. Auch sie war damals in Rom und sehr viel mit Karoline zusammen, so daß deren Briese voll von kleinen Notizen über die Freundin sind, Notizen, die natürlich nicht alle gebücht werden sollen. Nur so viel mag bemerkt werden, daß Karoline sehr traulich mit ihr verkehrte, die verständige Art rühmte, mit der Henriette ohne Hast, ihre, beschränkten Verhältnisse bedenkend, alles gepoß und mit wirklichem Entzücken .das Große, - das ihr aus . Schritt und Tritt begegnete, aufnahm. Karoline schätzte. sie so, daß sie -sogar die Absicht hatte, ihre eigene Tochter, mit Henriette allein einen Winter in Rom zu lassen, wovon Wilhelm entschieden abriet, der überhaupt-die Begeisterung seiner Gattin für die ältere Freundin zu hämpsen suchte und manche^ Spötteleien über diese hinzufügte. Das gab dann Anlaß,, daß auch Karoline, die in der Gesellschaft vop Henriette nach Deutschland zurückreiste, ihrem Gatten eine Nicht sehr schmeichelhafte Schilderung des Aeußeren der Freundin galr Sie schreibt (25. Mai 1819): „Die Herz wirst Du auch schrecklich verändert finden, selbst der Bau der Knochen scheint sich im Kopf verändert zu haben, und leider trägt sie noch immer die Metze und 'wunderbare Turbane statt einer simplen Haube, in der sie am besten -aussieht." - ' Als Humboldt sie dann in Frankfurt sah (6. Juli 1819), bestätigt er diesen ungünstigen Eindruck und fügt folgende, soviel ich weiß, gänzlich unbekannte Nachricht hinzu: „Die Herz war bei mir diesen Morgen. Der Komet hat sie gebleicht, tut er mehr, gehen auch einige Falten weg. Sie war wirklich viel hübscher. Bekker hat nun Heiratsvorschläge getan«. Ich habe abgeraten. Ohne den "Altersunterschied, täte sie's, das glaube mir. Sie hat mir gestanden, daß es ihr doch viel Vergnügen mache, noch solchen Eindruck hervorzubringen. Das finde ich wirklich natürlich. Ich hätte es selbst gern, wenn man mich noch hübsch fände." Drei Tage später, am 9. Juli, läßt er dann noch eine Nachschrift folgen, die so lautet: „Der Herz habe ich vorgestern meinen Abschiedsbesuch gemacht. Sie grüßt Dich tausendmal. Sie hatte kurze Aermel. Dies erzähle ich nur der Seltenheit wegen. Denn seit 83 Jahren, wo ich sie kenne, habe ich sie nie so gesehen. Hätte.mich auch jetzt dessen begeben. Gin kompletter Mannesarm mit starken Adern."

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