Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- Seite 591 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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591 Kreisvorsteher zweimal nacheinander, als neue Gemeindeälteste zu nominieren waren, einen Herrn vor, der den Wünschen der Gemeindemehrheit entsprach; beide Male aber lehnte das Provinzialvorsteheramt den Kandidaten aus rein persönlichen Gründen ab, entgegen dem Wunsch der Gemeinde. Daraus wurde von einer Anzahl von Gemeindemitgliedern eine Petition an den landesherrlichen Kommissar gerichtet, der nun vorschlug, die Gemeindemitglieder sollten in geheimer Wahl über einen Kandidaten abstimmen. Um die Sache zu erschweren, bestimmte das Provinzialvorsteheramt, daß die Gemeindemitglieder drei Wahlvorschläge machen sollten. Obgleich .nun trotz dieser Erschwerung der vom Kreisvorsteher vorgeschlagene Kandidat über zwei Drittel der abgegebenen Stimmen erhielt, wurde er doch nicht nominiert. Dagegen mußte der Kreisvorsteher von seinem Posten Zurücktreten. . Hier ist also in direktem Gegensatz zu dem Willen der Gemeindemehrheit entschieden worden. Solche und ähnliche Fälle erklären es, daß immer dringender eine Neuordnung der jetzigen Bestimmungen gesvrdert wird, die auch den jüdischen Gemeinden das wirkliche Recht . der Selbstbestimmung gibt. lieber jüdische A ck e r b a u k o l o n i e n i n A n g o l a lesen wir in der „Voss. Ztg." (aus London): Eine jüdische Siedlung in der portugiesischen Kolonie Angola ist, wie der bekannte politische Schriftsteller Lucien Wolsf als Vorsitzender der Gruppe „Zentral-London" der Jüdischen Landgesellschaft ausführt, in Aussicht genommen. Die portugiesische Regierung hat bereits ihre Zustimmung zu dem Plane ausgesprochen, und eine eigens von London entsandte. Expedition hat ein sehr günstiges Gutachten über die Lebensbedingungen in Angola abgegeben. Die „N. I. K." enthält folgenden Artikel: Kürzlich erschien ein Erlaß des neuen Gouverneurs von Jeru-^- salem, Mahaddi Bei, der die Frage des Bodenerwerbs durch ausländische Juden zum Gegenstand hat und die Lokalbehörden aus die einschlägigen früheren Verordnungen hinweist. Dieser Erlaß hat in verschiedenen Blättern zu alarmierenden Nachrichten und unzutreffenden Kommentaren Anlaß gegeben, indem die Sache so dargestellt wurde, als habe die Konstantinopeler Zentralregierung dem Gouverneur Anweisungen erteilt, den Juden in Palästina den Grunderwerb zu verbieten oder zu erschweren. Demgegenüber können wir aus Grund authentischer Informationen versichern, daß der fragliche Erlaß des Jerusalemer Gouverneurs keineswegs durch irgendwelche Verfügung der Zentralregierung hervorgerufen worden ist. . Er enthält lediglich eine Wiederholung alter, bisher in Geltung befindlicher Verordnungen, und es entspricht einer von den neuernannten Gouverneuren vielfach geübten Gepflogenheit, den lokalen Verwaltungsbehörden derartige ältere Bestimmungen in Erinnerung zu rufen. Da im übrigen die in Rede stehenden Beschränkungen, die aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stammen, dem Geiste der ottomanischen Verfassung und den Grundsätzen der neueren Gesetzgebung widersprechen, dürste ihre Aushebung" wohl nur eine Frage der Zeit sein. Jedenfalls sind sie auch jetzt schon für die Entwicklung des jüdischen Kolonisationswerks in Palästina von geringer Bedeutung und rechtfertigen in keiner Weise die Beunruhigung, die infolge des neuen Jerusalemer Erlasses in einem Teil der jüdischen Presse Platz gegriffen hat. * Den „Mitteilungen" des Abwehrvereins entnehmen wir folgende auffällige Notiz über ein Vorkommnis i n A m st e rdam, über das eine weitere Aufklärung erwünscht wäre: „Vor zirka drei Wochen wurde hier der neue Monumentalbau der Damenkonfektionsfirma Hirsch & Co., deren Inhaber Juden sind, seiner Bestimmung übergeben und ein Teil dieses Gebäudes abvermietet an die Weinhändler Ferwerda & Tieman, die in diesem Lokal ein Caf6-Restaurant großen Stils errichteten (Miete 28000 Fl. pro Jahr). Um ihr Unternehmen, nur dem erstklassigen Publikum zu sichern und dem kleinen resp. mittleren Bürger den Eintritt zu wehren resp. das Wiederkommen zu verleiden, verfielen sie auf die sublime Idee, diese Leute das Doppelte der tarifmäßigen Preise bezahlen zu lassen. Diese Maßnahme richtete sich besonders gegen eine gewisse Klasse von Juden. Ein Christ bezahlte z. B. für ein Glas Bier 25 Cents, während von einem Juden 50 Cents verlangt wurden. Diese Einschätzung lag ganz in den Händen der Kellner, und wenn diese ihrer Sache nicht ganz sicher waren, holten sie sich Rat beim Chef. Diese. Behandlung wurde auch Juden aus den besten Kreisen zuteil.' ' Die merkwürdige Unterscheidung erregte' unter den freien Holländern einen Sturm der Entrüstung, und zwar sowohl bei Juden wie bei den Christen, die das mit Recht als eine grobe Beleidigung ihrer jüdischen Mitbürger enipfanden. Bei den Redaktionen der Tagesblätter regnete es „Eingesandtes", auch wurden Pro.testversammlungen einberufen, sodaß sich die Firma Ferwerda & Tieman schließlich zu folgender Erklärung in . den Zeitungen veranlaßt sah: Die Firma Ferwerda & Tieman spricht ihr aufrichtiges Leidwesen über die Tatsache aus, daß sie durch eine'unüberlegte Order, der noch durch ihre Untergebenen die meist unerwünschte Ausdehnung gegeben wurde, neben anderen besonders ihre jüdischen Gäste gekränkt hat.' Sie erklärt ausdrücklich, daß. ihr jede antisemitische Gesinnung vollkommen fremd ist, daß sie das Geschehene als einen ernsten,durch sie gemachten Fehler aufs tiefste bedauert und.ihrem. Personal die größtmöglichste strenge Order gegeben hat, .durch die in Zukunft jedem Besucher ohne Unterschied eine korrekte Behandlung. widerfahren soll:. ... ... Die Firma Ferwerda L Co. bietet jedem, der in ihrem Lokal eine kränkende Behandlung: empfunden hat, ihre aufrichtige Entschuldigung an." Ferner schreibt die'Redaktion: „Die Firma Ferwerda & Tieman teilt uns mit, daß sie, um die zuviel gezahlten Gelder zu restituieren, 100 Gulden zur Disposition des Niederländischen Israelitischen Armenvereins stellt." . ' /'] Leider kann kaum eine Nummer unseres Blattes erscheinen, ohne daß darin von schmählicher Rechtsbeugung oder .gewalttätigen Greueln seitens Rußlan d s berichtet wird. .- .So muß auch diesmal nach dem „Berl. Tagebl." von grausamen Verfolgungen in Südrußland die Rede.fein.-. Die betr: Notiz ..lautet: . ' Aus Odessa wird der „Morning Post" gemeldet, daß das Dekret, das alle Juden aus -den Dörfern der südlichen und. südwestlichen Gouvernements austreibt, jetzt auss strengste durchgesührt wird. Die drei jüdischen Deputierten in der Duma werden in Massen von Bittgesuchen armer' jüdischer Dorfbewohner -in' den Gouvernements Jekaterinoslaw, Podolien und Wolhynien um ihre Intervention gebeten, damit die Austreibungen wenigstens bis zum Frühjahr verschoben werden. Seit dem 1. September sind über , sechstausend Juden aus Nikolajew vertrieben worden- und zwar auf Grund eines anderen Edikts. Diese Juden wohnen in dem neuen Hafen erst seit 1901. . Wenn das ganze Marineprogramm für das Schwarze Meer ausgeführt sein wird, sollen auch die noch in Nikolajew bleibenden Juden, etwa 25 000 bis -30 000 Personen, vertrieben werden. Der Verein Meki-e Mrdamim. s sind etwa 50 Jahre verflossen, seitdem der Verein Mekize Nirdamim begründet wurde; wenn .er auch nicht die ganze Zeit hindurch ununterbrochen bestanden und seine Aufgabe erfüllt, hat, so ist doch. 1912. für . ihn ein Jubiläumsjahr, denn vor gerade.50 Jahren sind seine ersten Schriften dem Druck übergeben und. veröffentlicht worden. Der Verein hat es sich zur Ausgabe gesetzt, Werke der hebräischen-) Literatur aus Handschriften zu verösfentlichen und seinen Mitgliedern, für einen mäßigen Jahresbeitrag zugänglich zu machen. . ... Bücher haben bekanntlich ihre Schicksale.. Die . Werke der jüdischen Literatur, -hahhM neben dem allgemeinen .ihr besonderes Geschick, sie teilten die unglückliche Lage, ihrer Herren. Die Unsicherheit in der Existenz der Juden War eine Wte Gefahr auch für ihre Bücher.,. Wenn die Besitzer niedergemetzelt oder Vertrieben wurden,. iy.Wurdey' auch ihre: Bücher/zernichtet oder fie flogen in die-WstAMeM'.'Hjei-JrchengaffM'-' -in I Nur ausnahmsweise sind auch,..arabische Texte publiziert.worden, wie der Mischna-Kommentar des Maiwonibes. zu Täharot.