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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-12-06 · Heft 49 (6.12.1912) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 49 (6.12.1912)
Date
1912-12-06
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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. liberalen Bewegung, besonders zu den Rabbinern zu .stehen, welche in ' den Richtlinien, zum erstenmal dem jüdischen Liberalismus, ein festes Programm gegeben haben. Alsdann ergriff Rabbiner Dr. F r e u d e nt h a'l zum.Berichte über die Richtlinien das Wort, um deren Entstehung, Inhalt und. erste. Wirkung zu kennzeichnen. Er führte aus, das; die Zusanunenfafsung Programmatischer Richtlinien für die.ckiberale Bewegung mit Notwendigkeit aus der Feit selber herausgewachsen sei) und daß die gegnerische Behauptung) man habe damit die liberale '.Willkür theologisch autorisieren wollen, ein so krasses Mißverstehen bedeute, daß man es oft kaumnoch für ehrlich halten könne; geradeumgekehrt hätten die liberalen. Rahbiner freudig den Ruf nach einem ' Programm benutzt, um auf einmal die starken p o s i. t i v e n-Forderungen des religiösen Liberalismus festzulegen. Der Redner legte alsdann in prägnanten. Strichen den Inhalt der Richtlinien dar und wandte sich zuletzt der eigentümlichen Wirkung zu, welche die Richtlinien bei den Gegnern sowohl in persönlichen Denunziationen als - auch inden Interdikten der orthodoxen Rabbiner hervorgerusen. haben. -. Mit wuchtigen Worten lehnte.er die Ausrichtung eines Kirchentribunals .von seiten, der letzteren zur Untersuchung der Rechtgläubigkeit im Judentum ab. -Rienmndem im Judentum stehe das Recht zu, irgendeinen ordnungsgemäß ordinierten, von einer Gemeinde berufenen und von'der Staatsbehörde bestätigten Rabbiner als nicht b.efugt zu religiösen Entscheidungen zu.erklären; niemandem, stehe das Recht zu, eine Gemeinde, welche religiöse Institutionen, besonders Gottesdienst imb Religionsunterricht, erhalte, als außerhalb des Judentums stehend zu bezeichnen, weil ihre Mitglieder nicht orthodox seien; niemandem endlich stehe das Recht" zu, einem Juden, der durch Geburt Jude sei und durch Bekenntnis es sein wolle, erst nach Prüfung, seiner Abstammung und seiner Parteirichtung das Judentum zu- oder abzu- ' sprechen. Gegen solche unerhörte Inquisition im Judentum müsse nicht bloß jeder, liberale, sondern überhaupt jeder gutgesinnte Jude , mit aller Kraft sich zur Wehr setzen. Ganz besonders verurteilte der Redner noch die Denunziation, die in der Behauptung liege, der nicht orthodoxe Religionsunterricht sei eine Gefahr für die jüdische Jugend; der Geist der Unduldsamkeit, der ' aus den genannten Erklärungen spreche,, sei eine viel größere,Gefahr für die jüdische Jugend als die Forderungen, welche die Richtlinien für den Religionsunterricht ausfteUen, und die in der - Vereinigung von Liebe zum- Glauben, zum Vaterland und zu den Menschen gipfeln. Die von häufigen Zustimmungsworten unterbrochenen eindrucksvollen Worte klangen in die Mahnung aus, sich mannhaft gegen jede Verketzerung zu wehren und'.' - sich ebenso opferwillig für .jene, drei' Zieledes liberalen Judentums einzusetzen.. Stürmischer/ immer wiedereinsetzender Beifall- 'gab vom der einmütigen Zustimmung der Versammlung kund, die unter Derzieht aus jede Diskussion unter dem nachhaltigen Eindruck derbeiden - Referate von dem Vorsitzenden mit Dankesworten geschlossen wurde) . Gesterreich-Mnsarir. K. Wien, 29. November. Die 'Wählen der hiesigen > i s r a e 111 i scheu K u l t u s g e m e i n d e sind - bereits zu Ende. Nach einem Kompromiß mit der zionistischen Partei, deren Fordev rungen teilweise entsprochen wurde, vollzogen sich die Wahlen 'ziemlich still und. geräuschlos, ohne Kamps und Agitation. Wie es heißt/ sollen die Zionisten von einem Wahlkamps deshalb Abstand genommen /haben, -weil im kommenden Jahre in Wien der Zionistenkongreß, -stattfinden sollte. -Mit Rücksicht darauf wollte die Opposition keine Brandfackel in die Gemeindestube werfen. Jedenfalls ist dieser Beschluß nur freudig'zu begrüßen. — Im Alter von 80 Jahren ist amletzten Sonntag'der Vizepräsident des Vereins für Krankenpflege und; Unterstützung Handlungsangehöriger Israeliten und Vorstandsmitglied der Armenanstalt der.israelitischen Kultusgemeinde, Herr Joses I e l l i n e k, nach langen Leiden gestorben. Der Verblichene hat sich durch seine vielseitige humanitäre Tätigkeit in allen Kreisen einenhochgeachteteu Namen erworben. An seinem Leichenbegängnisse nahmen Delegierte sämtlicher hiesiger Wohltätigkeitsvereine, der Knltusvorstand und das Rabbinat teil. — In jüdischen Kreisen wird folgender Vorfall, bei der vor kurzem stattgehäbten Beeidigung der Soldaten lebhaft besprochen und belacht. In Oesterreich werden die Rekruten vor ihrer Eidesleistung in die Kirche bzw. in die Synagoge geführt, wo sie von dem betreffenden Geistlichen über die Heiligkeit des Eides belehrt )verden. Die Soldaten 'werden zu diesem Zwecke nach "Gruppen geteilt, um dann unter Führung eines Offiziers ihres Glaubens zum Gottesdienste zu marschieren. Dies geschah auch vor einigen Tagen in einer österreichischen Kaserne. Die Gruppierung nach Konfessionen war bereits vollzogen, es blieben noch zwei Einjährige zurück, die sich , keiner Gruppe angeschlossen hatten. Aus die Frage des diensttuenden Hauptmannes, welcher Konfession sie angehören, gaben die Einjährigen zur Antwort, sie seien konfessionslos. Einrichtung .einer Herrscnaitskuenc Gebrüder Hammer Hoflieferanten Seiner Majestät des" Kaisers und Königs BERLIN W 8 Mohrenstrasse 56 Telephon: Amt Zentrum, .685 5457 Moderne Küchen für Schlösser, Villen,Landsitze, Hotels, Restaurants, Cafds, Krankenhäuser und Kantinen. Wäscherei-, Warmwasseru. Kühlanlagen, Kamine, Heizkörper-Verkleidungen in gediegenster Ausführung. Öfen aller Systeme. Waschanstalt Reform Görlitzer Ufer 24. Großwäscherei für Hauswäsche, Gardinen, Feinwäsche^; allen Hausfrauen, die ihre Wäsche schonen wollen, bestens empfohlen. Fernspr.-Amt l V. 6649. . Billige Preise. Schwerhörige. Erfolgsichere Abfehkurse. Höhere Lehranstalt für schwerhörige. Kinder. Auf Wunsch Pension im Hanse. Sprechstunde von 4 bis 8 Uhr.' Berlin W 35, Potsdamer Str. 42.. I!! 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