Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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nahmen und Ausgaben balancierten, nunmehr habe man aber mit einem Defizit zu wirtschaften. -Schon im Vorjahre blieben die Einnahmen um 1027.80 Mark gegen die Ausgaben zurück. Da ferner die Mitgliederbeiträge für das künftige Berichtsjahr erst im Januar 1913 eingehen, so war es notwendig, im Oktober durch den Verkauf von 2000 Mark Wertpapieren etwa 1800 Mark Barmittel fürdie Deckung der laufenden Ausgaben zu verschaffen, und weitere 1500 Mark werden noch nötig fein. Es ergeht daher ein Appell an die Förderer des Vereins zu Beiträgen. Man habe bereits den Gedanken erwogen, die Ausnahmezahl der Mädchen zeitweise herabzusetzen. Erfreulicherweise habe nun Frau Johanna Le v y 1000 Mark'dem Verein zur Verfügung gestellt, so daß man fast in der Lage ist, das Defizit zu decken. Ferner find in Rechnung Zu stellen die Zuschüsse, die für die schulpflichtigen Kinder gezahlt werden. — Frau Direktor Ai a y erstattete an Stelle ihres Gatten den Kassenbericht. Der Einnahmerückgang habe aus 300 Mark reduziert werden können. Es feien dem Verein aus der Ephraimstiftung 1000 Mark, von Frau Kommerzienrat E i s n e r und Frau Sabersky je 500 Mark zugewendet worden; außerdem auch andere kleinere Spenden. Besonderer Dank, sei Frau Mosse auszusprechen für ihre Liebenswürdigkeit, ihr Orchideenhaus zur Besichtigung sreigegeben , zu haben. Die Einnahmen aus den Eintrittskarten von 433 Mark feien dem Verein zugute gekommen. Der Rechnungsabschluß ist von den Herren Pariser und Schiss geprüft und für richtig befunden. Die Versammlung genehmigt die beantragte Decharge. Bei der Ergänzungswahl'des Vorstandes werden die ausscheidenden Mitglieder Frau Landgerichtsrat L o e w e und Frau L i p p s ch ü tz sowie . die Herren Pariser und Schiss als Revisoren aus die Dauer von vier Jahren per Akklamation wiedergewählt. Nach einigen weiteren Vorschlägen von Frau Direktor May und Herrn Schiss für den inneren Betrieb erfolgte die Konstituierung des Vorstandes und zum Schluß der Prämiierungsakt, bei dem Herr Direktor G r u n w a l d an die für treue Dienstleistungen prämiierten Mädchen eine Ansprache hielt. Damit schloß die Generalversammlung. §✓» Berlin, 3. Dezember. Rüstig wie ein Mann in den besten Jahren feierte heute Dr. Albert Cohn, Franzstraße 10, seinen achtzigsten Geburtstag. Der Jubilar, in weiten Kreisen geschätzt und geehrt, ist am 26. November 1832 in Glogau geboren, studierte in Berlin, Leipzig, uüd beschloß sein Studium in Würzburg, wo er auch seine Doktorarbeit ansertigte. Da Würzburg damals Ausland war, ging Cohn 1856 zur Doktorpromotion nach Bonn. 1857 trat er als einjähriger Arzt in das vom späteren Kaiser Friedrich kommandierte 11. Infanterieregiment in Breslau ein, dann wurde er Assistenzarzt im 44. Infanterieregiment Gras Dönhoff. Als Stabsarzt zog er 1866 ins Feld, und wiederum 1870/71. Nach dem Kriege, aus dem -et mit dem Eisernen Kreuz zurückkehrte, wurde er praktischer Arzt in Thorn, nach kurzer Zeit zoger indes nach Berlin, wo er dauernd dem Südvsten treu geblieben ist. Stets hatte er einen lebhaften Sinn für öffentliches Wirkend er ist Mitbegründer des 'Vereins der Schlesier, des ärztlichen Standesvereins der Luisenstadt, des Frauenvereins der Luisenstadt, des Bezirkskomitees Südost, des Vereins für häusliche Gesundheitspflege, des Vereins für Ferienkolonien, des Kriegervereius Deutsches Vaterland, des Luisenstädtischen Bezirksvereins. In vielen dieser Vereine war er längere Zeit Vorsitzender, die meisten.haben ihm schon lange die Würde des Ehrenmitgliedes verliehen. Von lebhaftem Geist und unverwüstlichem Humor, hat der Jubilar sich vielfältig schriftstellerisch betätigt, kurze Zeit nach der Feier seines goldenen Doktorjubiläums hat er in einem fesselnd geschriebenen Buch seine Kriegserinnerungen herausgegeben. Als bester Beweis seiner Rüstigkeit mag gelten, daß er noch Tag für Tag seiner ärztlichen Praxis nachgeht. ' A. Pli.' Berlin, 29. November. Der „Jüdisch-liberale I u g e n d v e r e i n Berlin" leitete am 19. d. M. einen GeschichkZkurfus mit einem Vortrag des Herrn Lehrer Hirschseid über „Die Juden um 17 50" ein. Die recht zahlreichen Zuhörer folgten den Ausführungen des Vortragenden, der in erschöpfen-- der und doch anregender Weise sein Thema behandelte, mit reger Aufmerksamkeit und Anteilnahme. — Am 17. Dezember abends 9 Uhr wird Herr Hirschfeld über „Die französische Revolution und die Juden" im „Tiergartenhos" sprechen, wozu Freunde und Gönner des. Vereins herzlichst willkommen sind. M. 0. Zoppot, 1. Dezember; Die von Ihrem geschätzten Blatte gebrachte kürze Meldung, daß die königliche Regierung die Bilpung einer . Zoppot e r S y nagoge n g e m e i n d e genehmigt habe, ist von den Zoppoter Juden mit großer Freude und Befriedigung ausgenommen worden. Fast zwei Jahre lang haben die Verhandlungen mit der Gemeinde Neustadt, zu welcher bislang die Zoppoter Inden gehörten, gedauert, und nur der geschickten Leitung seitens des Herrn Stadtrat Dr. Lindernann, sowie den Bemühungen des Danziger Rabbiners Herrn Dr. Kaelter und der Opserwilligkeit der jüdischen Bürger Zoppots ist es zu danken, daß durch das Angebot einer Ablösungssumme von 10 000 Mark an Neustadt die widerstreitenden Interessen auf friedlichem Wege ausgeglichen worden sind. Ein besonderer. Ansporn für diese Verhandlungen war der Umstand, daß ein Danziger Kaufmann, Herr C a s p a r Silber st ein, dessen religiöser Eifer bekannt ist, der zu bildenden Gemeinde die Summe von 50 000 Mark zum Bau einer Synagoge in Aussicht stellte. — Diesem Herrn gebührt also das moralische Hauptverdienst an dem Zustandekommen der neuen Gemeinde, welcher von allen Kennern der dortigen Verhältnisse eine gedeihliche Entwicklung vorausgesagt wird. W. Posen, 29. November. Die 24. Jahresversammlung des Vereins jüdischer L e h r e r i n d e n O st - Provinzen fand in diesen Tagen hier statt. Herr Lehrer Becker-Wollstein leitete die Versammlung, an der etwa dreißig Mitglieder teilnahmen. Im Namen des D. I. G. B. begrüßte Stadtrat Schleyer die Erschienenen unter Versicherung steten Wohlwollens des Verbandes den Vereinsbestrebungen gegenüber. Als Vertreter der Behörden der Synagogengemeinde Posen richtete Herr Israel Friedlaender einige Worte der Begrüßung an die Versammelten und wies dabei aus die Hundertjahrfeier der Emanzipation der Juden, wie auf die allmähliche Entwicklung des Volksschulwesens hin. Herr Rabbiner Professor Dr. Bloch als Ehrengast stellte Betrachtungen über das Lehrverhältnis von ehemals und jetzt und führte dabei einige selbsterlebte Beispiele aus dem Schulleben, an. Es folgte nun das Referat des Herrn Kadisch-Gollub über „Die jüdische Volksschule", welches großen Beifall fand und eine weitausgedehnte Debatte hervorries. Zu diesem Thema lag ein Antrag des Herrn Roßkamm- Fordon folgenden Wortlauts vor: „Die Vereinsmitglieder wollen dahin wirken, daß überall die jüdischen Volksschulen erhalten bleiben oder eventuell neue errichtet werden; wo. dieses nicht möglich ist, sollen jüdische Lehrer an den anderen Schulen wenigstens zur Erteilung des Religionsunterrichts angestellt werden." Eine große Mehrheit erklärte sich für diesen Antrag. Nach Kenntnisnahme des Jahresberichts erstattete Lehrer Behle-Lissa den Kassenbericht, der eine Gesamteinnahme von 255,48 Mark auswies. Die Ausgaben bezifferten sich im ganzen aus 175,48 Mark; es verblieb mithin ein Kassenbeftand von 80 Mark. Die beantragte Decharge für den Rendanten wurde erteilt. Die Abänderung des § 3 der Vereinssatzungen lautet, nun: Der Jahresbeitrag soll von 2.Mark auf 3 Mark erhöht werden. Auch dieser Antrag fand allgemeine Zustimmung. Hieran schloß sich: „Herzbergs Sefat Kvdesch, Ueberietzungsbuch für den ersten Unterricht im Uebersetzen der Gebete", besprochen von Lehrer Jaffa- Bromberg. Zur Verteilung gelangte: Korrespondenzblatt des Verbandes der deutschen Juden, herausgegeben von dessen Generalsekretär Dr. Max I. Loewenthal-Berlin, und die Broschüre über Judenemanzipation, 11. März 1812. Die Festsetzung von Ort und Zeit für die nächstjährige Tagung des Vereins, mit der auch das sünsundzwanzigjährige Bestehen gefeiert werden soll, bleibt dem Vorstande überlassen. <ya Nürnberg, 29. November. Am 26. d. Mts. fand hier die ordentliche Mitgliederversammlung des V e r e i n s für d i e I n t eres s e n d e s l i b e r a l e n I u d e n t u m s statt, die so überfüllt war, daß viele Teilnehmer keine Plätze mehr finden konnten. Nach Erstattung des Kassenberichts und Vollzug der durch Akklamation vorgcnommenen Ausschußwahlen gab der Vorsitzende, Schuldirektor G o m - b rich, den Bericht über das abgelaufene Vereinsjahr. Nach warmen Nachrufen aus die verstorbenen beiden eifrig tätigen Mitglieder, Oberarzt Dr. N e u b e r g e r und Kommerzienrat G a l l i n g e r , berichtete er über die abgehaltenen Vereinsvorträge, über die von ihm selbst in München und Kissingen gehaltenen Vorträge und über die Arbeit im Dienste der liberalen Sache. Er forderte zu weiterer eifriger Betätigung und besonders zur Heranziehung der schulentwachsenen Ju- . gend auf, um deren oft unwürdige Jnteressenlosigkeit zu beseitigen. Zum Schluß gab der Referent ein außerordentlich interessantes Bild der Pos en er Versammlung und schilderte die tiefen unvergeßlichen . Eindrücke, die sowohl die Delegiertenversammlung als die öffentliche Versammlung aus alle Anwesenden hervorg'erufen habe. Unter großen! Beifall schloß er mit dem feurigen Appell, treu zu den Führern der