Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-Spaltung vorzubereiten. Sachlich sei die Trennung durchaus ungerechtfertigt. Es säßen in dem Ausschuß Kr orgel-freie Synagogen vielfach Männer, -die durchaus für die Orgelsynagoge seien und umgekehrt. Justizrat Dr. Cohn hält höchstens eine Verlängerung auf ein.-oder zwei Jahre für angebracht, bis man ein Urteil über die Be-' Währung finden könne. Auch er ist der Ansicht, daß die Trennung durchaus überflüssig ist, man solle die Bereinigten Synagogenvorstände nicht auseinanderreißen. Er verweist auf seinen früheren Bermittelungsoorschlag, wonach in den Bereinigten Synagogenvorständen bei Fragen, die die Orgelsynagogen betreffen, abstimmungsberechtigt nur die Vorstände der betreffenden Synagoge fein sollten, und umgekehrt. Für die Vorlage tritt vom Vorstandstisch Herr Kommerzienrat Netter ein, der darauf verweist, daß die ganze Sache ja nur auf Anregung auS der Versammlung und auf. Grund von Petitionen gemacht worden sei. Herrn Professor Kali scher ist es unverständlich, wie man eine provisorische Institution, die sich erst noch zu bewähren -habe, zu einer dauernden machen wolle. Für ihn stehe höher als alles andere die Einheit und Solidarität. Er ist gegen eine dauernde -Trennung, dagegen bereit, für eine Verlängerung ans zwei Jahre zu stimmen. Herr Kommerzienrat Eis n er betont, daß man sich über die Nützlichkeit heute nicht zu unterhalten habe, da sie schon vor zwei Jahren hier erörtert worden ist. Er meint, die Trennung habe sich bewährt, und mit dem Zustande seien beide Teile zufrieden, worauf Herr Dr. Cohn als Vorsitzender der Kultuskvmmis'sion der orgel-freien Synagogen darauf, hinweist, daß feine Kommission überhaupt noch gar keine Sitzung äbgehalten habe, man daher auch nicht wissen könne, ob beide Teile zufrieden seien. Es wird schließlich der Antrag Beit Simon mit einem Amandement Löwenthal angenommen, wonach die provisorische Beibehaltung des bestehenden Zustandes bis 31. Dezember 1914 unter Adle h n u n g des Borstandsantrages angenommen wird. Der Antrag, für die Folge bei Freitrauungen aus Kosten der Gemeinde auch die Orgel spielen zu lassen, wird debattenlos angenommen. Die Position „Generalins gemein" im Kostenanschlag für den Neubau des Krankenhauses, die in der vorigen Sitzung aus 40 000 Mark herabgesetzt war, wird aus 50 000 Mark erhöht. — Zur Bestreitung der durch die E i n w e i h u n g s s e i e r der Synagoge Fas an enstraß e entstandenen Kosten werden 4056.85 Mark bewilligt, desgleichen für die Veranstaltung einer Feier anläßlich des Amtsjubiläums des Rabbiners Dr. R o s e n z w e i g 784 Mark. Für die farbige Ausschmückung des Trausaales in der Synagoge Fasanenstraße werden der Firma I. Bodenstein, da sie mehrfach Extranrbeiten zu leisten hatte, 1000 Atark über die ihr vertragsmäßig Anstehende Summe bewilligt. — Zur Regulierung der Gartenanlagen und Spielplätze der Knaben auf dem Grundstück des Reichenheim sch en Waisenhauses werden 1100 Mark, zur Anfertigung einer fliegenden Garderobe für die Neue Synagoge 999.20 Mark, zur Ausführung von Schwellenfundamenten aus dem Friedhof in Weißensee 367.60 Mark, zur Anbringung von Latten in dem großen Hohenzollernsaale, der zur Abhaltung von Festgottesdiensten gemietet' ist, 390 Mark bewilligt. —- Zur Veranstaltung -von Festgottesdienst in Weißensee waren 750 Mark bewilligt. Die tatsächlichen Ausgaben betrugen indes 833.45 Mark, die 83.45 Mark Mehrausgabe werden bewilligt. Zur Drucklegung der Agende für den zweiten Freitagabendgottesdienst, und zwar in 10 000 Exemplaren, werden 1050 Mark bewilligt und die dem L u i s e n st ä d t i s ch e n B r ü d e r v e r e i n für das Jahr 1912/13 bewilligte Subvention auf 10 000 Mark erhöht. — Zur Gewährung von Teuerungszulagen an Gemeindebeamte verlangt eine Vorstandsvorlage die Bewilligung von 7440 Mark. Bekanntlich ist eine Teuerungszulage bereits im vorigen Jahre einmal erfolgt, und der Vorstand hat sich daher, und zwar zum letztenmal, nur in wesentlich geringerem Umfange und geringerer Höhe als das letztemal für die Bewilligung entschlossen. Es kommen hierbei insgesamt 96 verheiratete und 56 ledige Beamte'in Frage. Damit schloß die öffentliche Sitzung, und es folgte eine nichtöffentliche, in der nicht nur Personalien, sondern auch eine recht bedeutsame Angelegenheit allgemeinen Interesses verhandelt wurde. c/T> Berlin, 3. Dezember. Die',G esellschaftzur Förderung der Wissenschaft des Judentums versendet ihren 10. Jahresbericht, dem wir folgendes entnehmen: Die Gesellschaft beklagt den Heimgang zweier verdienter Mitarbeiter, des Privatdozenten Dr. Georg Caro von der Züricher Universität und des Berliner Universitätsprosessors Nikolaus Müller, von denen ersterer der verdienstvolle Verfasser der „Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Juden im Mittelalter und in der Neuzeit", letzterer der Verfasser der Studie über „Die jüdische Katakombe im Monteverde in Rom, der älteste jüdische Friedhof im Abendland" ist. Die Gesellschaft hat im Berichtsjahr wieder einen Zuwachs von nahezu 150 Mitgliedern zu verzeichnen) an welchem, wie der Bericht ausdrücklich hervorhebt, Oesterreich-Ungarn einen hervorragenden Anteil hat. Ebenso erfreulich wie die Zunahme an Mitgliedern ist die Tätigkeit der Gesellschaft. Sie hat wieder eine Reihe für die Wissenschaft des Judentums wertvoller Schriften herausgegeben, von denen wir den 3. Band der bedeutsamen Talmudischen Archäologie von Professor Dr. S. Krauß, Wien, hervorheben, die nun noch durch zwei Bände, „Synagogale und Politische Altertümer", ergänzt werden soll. Das Erscheinen einer weiteren Anzahl von Werken wurde durch Subventionen der Gesellschaft ermöglicht. Das neue Geschäftsjahr dürste für die Gesellschaft besonders bedeutungsvoll werden, denn der Bericht kündigt bas Erscheinen der ersten Bünde sowohl der seit langem in Vorbereitung befindlichen Mischnaausgabe wie der 0vrmania Judaica an. Ihre Aufmerksamkeit hat die Leitung der Gesellschaft in diesem Jahre auch dem Grundriß der Gesamtwissenschaft des Judentums Zugewandt und durch Gewinnung einer Anzahl von hervorragenden Mitarbeitern für die Fortsetzung dieses viel beachteten Unternehmens Sorge getragen, von dem nunmehr schon neun Bände vorliegen und als zehnter Band die Geschichte des Synagogenkultus von Dozent Dr. I. Elbogen in Druck ist. Alles in allem ist es erstaunlich, was die Gesellschaft mit verhältnismäßig geringen Mitteln zu leisten vermag. Und dabei sorgt sie in geradezu vorbildlicher Weise für das literarische Interesse ihrer Mitglieder; so hat sie in diesem Jahre außer der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums und dem Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur kostenlos unter ihre Mitglieder verkeilt: die Gesammelten Abhmrdlungen von Ludwig Philippson, ein Geschenk der Familie des Verfassers, den Festvortrag von I. Elbogen über Ludwig Philippson, die Riegersche Festschrift „Zur Jahrhundertfeier - des Judenedikts vom 11. März 1812", die Mitteilungen des Gesamtarchivs der deutschen Juden und die Nr. 11 des „Korrespondenzblattes des Verbandes der deutschen Juden". — Die ordentliche Mitgliederversammlung der Gesellschaft wird in Breslau um 30. Dezember d. I. im Festsaal der Lefsinglöge stattfinden; Herr Professor Dr. Ludwig Blau wird dabei einen Vortrag über Äegyptifche Papyri und Talmud in gegenseitiger Beleuchtung halten..— Der sehr lesenswerte Jahresbericht ist von der Gesellschaft, Berlin N 24, Große Hamburger Straße 29, kostenlos zu beziehen. y«. Berlin, 3. Dezember. Die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung des Vereins „M ädchenhaus P a n k o w" fand am .1. Dezember in den Räumen der Frau Gertrud Masse, Bendlerftraße 33a, statt. Wegen Behinderung der Vorsitzenden Frau Landgerichtsrat L o e w e und des stellvertretenden Vorsitzenden Herrn Kommerzienrat E i s n e r führte Herr Justizrat M a k o w e r den Vorsitz. Er begrüßte die Anwesenden und erstattete sodann folgenden Bericht. Zurzeit befinden sich 38 Mädchen im Hause, darunter neun schulpflichtige Kinder. In dem abgelaufenen Jahre betrug die Zahl der Zöglinge durchschnittlich 37. Die Leitung des Hauses ist wie bisher in den Händen des Ehepaares Stern, als Handarbeitslehrerin ist Fräulein Meyer tätig. Im Laufe des Jahres sind kleine bauliche Veränderungen vorgenommen worden, so ist die Wohnung des Direktors ausgebaut, ein neuer Notausgang für die Mädchen des zweiten Schlassaales geschaffen worden.. Für den Schlafsaal hat Frau Masse dankenswerterweise Linvleumbelag gestiftet. In der Art der'Ausbildung der Zöglinge hat man an dem Alten sestgehalten. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß die Mädchen in allen Dienstleistungen des Hauses unterrichtet werden; sie müssen ihre Kleidung selbst anfertigen und in Ordnung halten, die gesamte für das Haus .erforderliche Wäsche besorgen und — in geringem Umfange -w auch für fremde Haushaltungen waschen und plätten. Unter den hergestellten Handarbeiten sind hervorzuheben neben einer Fülle anderer 13 A u s st e u e r n für abgehende Mädchen. Der Fortbildungsunterricht wird nun nach einem im einzelnen ausgearbeiteten Plan erteilt. Darin ist alles berücksichtigt, was den Mädchen für den künftigen Beruf nützlich sein kann und sie befähigt,' auch einen eigenen bescheidenen Haushalt zu führen. Bis zum 1. Oktober 1912 sind 312 Zöglinge ausgenommen worden, in Dienst getreten sind im letzten Jahre 13, und 36 Mädchen verblieben am 1. Oktober im Hause. Der dunkle Punkt im Berichtsbilde sind die F i n a n z e n. Wahrend man früher in der Lage war, aus den Einnahmen Rücklagen bis zu 7000 Mark jährlich zu machen, kam dann eine Zeit, in der wenigstens..Ein-