Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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76. Jahrgang Nr. 49 «»lin. 6. Veremder >V,r Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". lkorretzondrn?m und Sschrichtrn. Deutschland. S£2 Berlin, 3. Dezember. Unter den Zuwendungen, die dem Hilfsverein der deutschen Juden für die Opfer des Balkankrieges zugegangen sind, befindet sich eine Sammlung amerikanischer Juden aus New Port von 20 000 Mark und ein Beitrag der Jüdischen Gemeinde Berlin von 15 000 Mark. Gemeinsam mit der Großloge für Deutschland U. O. B. B. hat der Hilfsverein zu de» bereits verwendeten 26 000 Frank zur Linderung 'der ersten Not weitere 30 000 Frank zur Verfügung gestellt und hat insbesondere Bvrsyrge getroffen, daß auch den in Ad-rianopel Eingeschlossenen, so-? bald eine Möglichkeit der Verproviantierung besteht, die nötige Hilfe zuteil wird. Da die Not in allen Teilen der. kriegführenden Staaten außerordentlich groß ist, sind weitere reichliche Zuwendungen dringend erforderlich. y. Berlin, 1. Dezember. Vor Eintritt in die Tagesordnung erhielt in der heutigen Sitzung, der N e P r ä s e n t a n tew Herr Professor Kalischer das Wort zu einer Erklärung, die sich mit der in der letzten Nummer des Gemeindeblattes zum Abdruck gelangten Berich t i g u n g des Herrn Aron Adlerbeschäftigte. Es handelte sich dabei um den Versuch des Herrn Aron Adler zu einer Richtigstellung der, Abgaben, die in der' Repräsentantensitzung vom 30. Juni über die bekannten Petitionen an Negierung und Herrenhaus in Sachen des Gesetzentwurfes über Vermehrung der Vorstandsmitglieder .und Repräsentanten der Berliner- Gemeinde gemacht worden waren.. Herr Professor Kali scher betonte, daß das Gemeindeblatt zu der Berichtigung des Herrn Aron Adlerbe- . werft habe, daß die Redner in der Nepräsentantenversammlung vom 30. Juni ihre Angaben in.vollem Umfange aufrecht erhalten. Allein das genüge nicht, eine eingehende Antwort sei bei der Bedeutung der Sache vonnöten. Man sei es'den Gemeindemitgliedern schuldig, nachzuweifen, daß jedes Wort, das hier gesprochen worden, in vollem Umfange wahr sei. Die Berichtigung enthalte zunächst etwas Wahres, nämlich im Punkte-4, in dom behauptet wird, daß .es unrichtig sei, daß sechs solcher Petitionen abgegangen sind. Das stimme. Aber von der Petiton des Herrn Dr. Hans Seckel und derjenigen des Vereins zur Vertretung der Interessen der jüdischen Gemeindernitglieder zu Charlottenburg habe ererst - dieser Tage Kenntnis erhalten. Er wolle gleich hinzufügen, daß sich diese Petition des genannten Vereins sehr vorteilhaft von den anderen unterscheidet. Es feien keinerlei Angriffe gegen die Gemeinde darin enthalten. Herr Professor Kalischer geht dann die einzelnen Punkte der Berichtigung durch und weist insbesondere darauf hin, daß durch U r k u n d e n und Schriftstücke der B.etveis erbracht worden sei, daß alle seine Angaben den Tatsachen entsprechen, und gelangt zu dem Schlüsse, daß Herr Aron Adler besser' getan hätte, sich eine etwas größere Zurückhaltung aufzuerlegen. — Herr Louis S a ch s widmet sodann dem verblichenen einstigen Mitgliede der Repräsentanten-- versammlung Herrn Hermann Landsberger einen außerordentlich warm gehaltenen Nachruf. Zu Ehren des Verblichenen erhebt sich die Versamlung von ihren Sitzen. Herr Louis Sachs teilt hierauf weiter mit, daß er namens der Versammlung dem Stadtältesten Herrn Dr. Weigert zu seinem 70. Geburtstage .einen Glückwunsch übermittelt habe, und daß ein Dankschreiben des Jubilars eingegangen sei. Da Herr Dr. Weigert in der Versammlung anwesend ist, nehme er Veranlassung, ihm auch noch persönlich hier zu gratulieren. — Vom Gemeindevorstand sind die Mitteilungen eingegangen, daß der zweite Nachtrag zum Gemeindestatut von der Negierung genehmigt und - vorschriftsmäßig dessen Publikation erfolgt ist; daß er ferner den Abänderungen, die die Nepräsentantenversammlung zu der Vorlage betreffend Sammelvormundschaft vorgenommen hat, beistimme. -Ebenso fei der Vorstand damit einverstanden, daß die Benutzung des : anzuschaffenden Automobilleichenwagens fakultativ bleiben solle. Eingegangen ist ferner die Abschrift der Petition des Vereins zur ' Vertretung der Interessen der jüdischen Gemeindemitglieder zu Charlottenburg in Sachen des ..bekannten Gesetzentwurfes, - der das Herrenhaus beschäftigte. Auf die Verlesung wird verzichtet, da -Herr Professor Kalischer in seiner - Erklärung ausdiese Petition bereits eingegangen war. Sodann liegt ein dringlicher Antrag des Vorstandes vor, den j ü d i,s ch e n Opfer n d e s B a l k a n k r i e g e s angesichts des großen Elends der dortigen Bevölkerung zu Händen des Hilfsvereins 15 000 Mark zu bewilligen. Es liegen Briefe aus Konstantinopel und Sofia vor, wonach die Hilfsaktion in Bulgarien täglich etwa 3000, die in Konstcmtinopel aber 7000 bis 8000 Mark erfordere. Dazu komme, daß besonders groß auch die Not in Saloniki ist und ebenso in Adrianopel. Einmütig wird die Dringlichkeit von der Versammlung beschlossen und ohne Debatte die Vorlage des Vorstandes, für diesen Zweck dem Hilfsverein der deutschen Juden 15 000 Mark zu bewilligen,- einstimmig angenommen. Ebenso debattelos stimmt die Versammlung einer Reihe von Zuwendungen zu. —Die in der vorigen Repräsentantensitzung an den Ausschuß zurückverwiesene Vorlage betreffend Erweiterung des Schulgartens d e r .Kn ab e ns ch u l e rief wiederum eine lebhafte Debatte hervor. Der Berichterstatter Herr E m i l Pin c u s betont, daß der-bestehende Schulhof für die 594 Schüler der Schule allerdings zu klein sei. Der Ausschuß habe alle in Frage kommenden Gesichtspunkte eingehend erörtert, und fei zu dem folgenden Beschluß gelangt: „Unter Ablehnungder Vorlage des Gemeindevorstandes wird beschlossen: Der Gemeindevorstand wird ermächtigt, zu gestatten, daß die älteren Schüler der Knabenschule, sich während der Zwischenpause aus dem Friedhof in den vorhandenen Wegen ergehen, und zwar aus dein der Schule b e n a ch b a r t e n f r e i e n Teil e. Ein Gitter soll nicht gezogen, auch sonstige Veränderungen, abgesehen von der Verbreiterung der Tür, nicht vorgenommen werde». An der Debatte beteiligten sich die Herren Badt vom Vorstaudstisch, der die Erklärung abgab, daß der Vorstand mit diesem Beschluß .einverstanden sei und feine Vorlage zurückziehe. Ferner die Herren Dr. Cohn , M a n h e i m e r , Dr. Minden, Dr. B l u m e n t h a l und Emil Pincns. Abgesehen von Herrn Mauheimer, der die Pietätsrücksichten stark betont, und ein Gutachten des Gesamtrabbinats einzuholen wünscht, wird von allen Seiten darauf hingewiesen, daß von einer Benutzung des Friedhofes in dem freien Teile absolut nicht die Rede sein könne. Eine Verletzung der Pietät sei direkt ausgeschlossen, zumal selbst dieser freie Teil nur den älteren Schülern zum gesitteten Ergehen frei gegeben werde, sofern der Gemeindevorstand dies gestatte. Herr Justizrat C o h n erwähnt, daß zu dieser Angelegenheit auch eine Petition vom „Verein zur Erhaltung des überlieferten Judentums" .eingegangen sei, die aber. von durchaus unrichtigen Voraussetzungen ausgeht. Herr Emil Pincus weist darauf hin, daß der Beschluß des Ausschusses längst gefaßt war, als diese Petition einlief, die Ausschuß- Mitglieder sich daher durch die Petition nicht haben beeinflußen lassen können. Schließlich würde der Antrag des Ausschusses angenommen.. — Die mit Ende des Kalenderjahres ausscheidenden M i t g lieber der A r m e n k o m m i s s i o n werden wieder- und in die Durchreisekommission Herr Benno Mi rauer nengewählt. — Vor etwa 2 Jahren sind bekanntlich zwei getrennte Kultuskommissionen als Unterabteilungen der vereinigten Shnagogenvorstände gebildet worden, und zwar'eine für die Orgelsynagogen und eine für die orgelfreien Synagogen. Die Einrichtung war zunächst aus 2 Jahre getroffen, und sollte der Erneuerung bedürfen. Jetzt liegt der Antrag des Gemeindevorstandes vor, diese Einrichtung zu einer dauernden zu gestalten. Der Berichterstatter Herr Willibald Loewenthal, der die Annahme des Antrages befürwortet, erklärt, daß die Feststellung einer Geschäftsordnung so lange Zeit erfordert habe, daß sich die Kommissionen erst am 1. Juli d. I. haben konstituieren können und eine Sitzung erst im Oktober stattgesunden habe. Ob sich die Einrichtung bewährt, könne inan also noch nicht sagen. Er befürwortet die Annahme der Vorlage des Vorstandes mit dem Bemerken, man könne ja eventuell durch Gemeindebeschluß sie auch wieder ab schaffen. Herr O sc a r L ö w e n b e r g spricht -für die Ablehnung der Vorlage. Er sieht in dev Bildung dieser - Institution höchstens den Anlaß, eine künftige