Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 588 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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' -Dü' plötzlich hebt'- der Greis die' müdell Glieder/ - . - Sein brechend Auge sucht umher im.Kreise, ., .. , - An. Juda haftet es, .dem tapfern Sohne, . Der-Treue übet nach des Vaters Weise. And seine Hund legt er aufs Haupt ihm, bebend, . Und von den Lippen leis' die Worte tönen: „Mein Lebenspfad, er gehet heut' zu Neige, Doch all mein Hoffen ruht auf meinen Söhnen. Ich Hab' für Gottes Ehr' und Ruhm gestritten, - Und du, mein Juda, mußt mein Werk vollenden, An deiner Kraft des Syrers Macht zerschelle, - Durch dich wird Gott des Landes Schicksal wenden. Und wenn zum heißen Kampfe du gerüstet, Und du die Scharen führst zum wilde.» Streite, Dann sei, mein Simon, der verständ'gen Sinnes, Mit weisem Rat dem Bruder treu zur Seite." Er sinkt zurück, in sanftem Traum befangen, In ferne Zeiten seine- Sinne schweifen. „Ich sehe, meine Söhne, daß die Saaten, Die wir gestreut, dereinst gar herrlich reifen. Ob auch die Völker brandend uns umtosen Und unsrer Väter Land-zugrunde richten. Der Glaube an den Höchsten wird bestehen, Er lebt in uns, ihn kann kein Feind vernichten. ' Ihn hat ein Gott uns selbst ins Herz gesenket, - In unsrer Brust ein ewig, heilig Glühen. Drum — fällt der Tempel einst in Staub und Asche - Aus seinen Trümmern wird er weiter blühen. Der Jude wird, als Priester seines Gottes, Den Völkern künden seinen hehren Namen, Und alles wird in Demut ihm sich neigen! Dient unserm Herrn in Lieb'und Treue!— Amen." Im Westen sinkt die Sonne mild hernieder. Zur letzten Ruhe schließt der Greis die Lider. Sophie Iaco b s v h u. Sxrechsaal. An die Redaktion der „Allgemeinen Zeitung des Iudentluns". ndem ich inich mit diesen Zeilen an Sie wende, sage ich Ihnen schon im voraus meinen besten Dank, falls Sie von meinen Zeilen Notiz, nehmen würden. Als ich am letzten Donnerstag vormittag aus meinem Geschaftswege an der Neuen Synagoge Vvrbeikam, bemerkte ich> daß zu dieser sonst ungewohnten Stunde eine größere Menschenmenge, lvvrunter sich sehr viele Soldaten befanden, das Gotteshaus verließ. Ich erkundigte mich nach der Ursache und hörte, daß es die geistliche Vorbereitung zum Fahneneide gewesen wäre. Nach meiner Schätzung waren es immerhin gegen 100 Mann. Da stieg in mir folgender Gedanke aus, der für die Oeffentlichkeit immerhin erwähnenswert sein dürfte. Wieso kommt es, daß sonst im allgemeinen den jüdischen Soldaten, nicht ebenso wie den christlichen, so wenig Gottesdienst geboten wird. Warum werden die jüdischen Mannschaften nicht alle drei bis vier Wochen in die Synagoge g e f ü h r t? Wie ich' gehört habe, soll dieser Brauch tatsächlich nur. in wenigen Städten, wie in Metz, Straßburg, Tho.rn, Posen und in Ksel ausgeübt werden. Warum nicht auch in Berlin, Breslau, Köln/ München usw, Hier in Berlin sind mit den Mannschaften der alteren Jahrgänge gegen zweihundert Mann, und in den aufgesührten, Städten dem Verhältnis nach eine entsprechende Anzahl von Leuten, die wahrend ihrer Dienstzeit tatsächlich ohne jeden Gottesdienst gelassen werden. Das ist doch ein Zustand, der nicht scharf genug gerügt werden kann, und wenn diese Leute nach Beendigung ihrer Dienstzeit der Religion entfremdet sind, dann ist es.ganz allein den Sünden der Gemeindevorstände zur Last zu legen. Hier muß dringend Abhilfe geschaffen werden. Wie ich mich während meines zweiten Dienstjahres auf Kommando in BrandenbuEb'^nd, kam eines Tages der Garnisonbesehl heraus, daß die jüdischen Mannschaften anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät zur Vorfeier in der dortigen Synagoge an dem Vormittage vom Dienst zu befreien seien. ‘ ■ Hat man schon-derartiges in Berlin gehört? -ülnd „aus.welchem Grunde nicht? Außerdem.möchte ich noch aus zwei Militärvereine aufmerksam machen, die sich wohl gern an dieser würdigen Feier im Gotteshaus beteiligen würden: . . Zum Schluß noch eine Frage, die in der heutigen ernsten Zeit, wo Kriegswolken auch über unserem Väterlande hängen, wohl gestellt werden darf: Wieviel -jüdische Feldgeistliche sind tm Deutschen Reich vorhanden? Es wäre sehr interessant, etwas Näheres darüber zu erfahren. Indem ich Ihnen nochmals im voraus meinen-besten Dank sage, würde ich einer Diskussion über dieses für uns deutsche Juden so wichtige Thema sehr gern entgegensehen und zeichne ich . Hochachtungsvoll Berlin, 25. November. . Ignatz Sachs, Gesr. d. Res. ' ' ' . , Erklärung., ' ' Ohne meine Genehmigung ist mein Name unter die 'Richtlinien des Liberalen Räbbinerverbandes gekommen. Da nicht' alle Beschlüsse in der Versammlung zu Frankfurt einstimmig gefaßt wurden, übernahm, der Vorstand auf meinen Antrag die Pflicht, jedem Mitgliede vor der Veröffentlichung die endgültige Fassung der Richtlinien einzuseuden, damit es die Genehmigung zur.Namensunterschrift erteile oder verweigere. Ich habe trotzdem nichts Derartiges erhalten und sah eines Tages zu meinem größtem Erstaunen die Richtlinien veröffentlicht und auch mit meinem Namen unterzeichnet. Aus meine Bitte um Erklärung hierüber teilte mir Herr Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt mit, daß nach seiner Erinnerung die Sendung an alle Mitglieder erfolgt sei. , So scheint also ein Versehen der Post vorzuliegen und der Vorstand schuldlos zu sein. Dessenungeachtet sehe ich mich genötigt, diese Tatsachen zu veröffentlichen, da ich nach meiner Rückkehr aus Frank-, surt zum Entschluß gekommen war, die Richtlinien nicht -zu unterschreiben. Schwerin i.M., November 1912. Landesrabbiner Dr. Silber st ein. Druckkehlerbkrichtigung. Der Aufsatz von Markus Landau in Nr. 46 mußte leider gedrucktwerden, ohne daß die Korrektur des Verfassers abgewartet werden tonnte. Infolgedessen haben sich -viele bedauerliche Fehler eingeschlichen, die hier verbessert sverden sollen. Es muß heißen: S. 569 Spalte 1, Z. 23: „um den Armen", statt für den Armen. „ ' „ „ „ „ 33: „Wochenverbranch" statt Verbrauch. „ „ „ 2 „ 15: ist nach „Exemplaren" „anonym" einzufügen. „ 570 „ 1 „ 9: ist nach „meine Mickter" einzufügen „die ' selbst"; daselbst nach „Geschwister" eiuzusetzen „fastete". , „ „ „ „ „ 25: statt „Katechaten" ist zu lesen „Katecheten" „ „ 30: „Bene" vor „Herz Homburg" zu streichen. „ „ „ „ „ 37: statt „und" ist zu lesen „nur". „ „ „ „ „ 11 von unten: statt „Reb Jüdala" ist zu lesen „Jüdele". . ' .. „ „ 2 „ 2: statt „und" ist zu lesen „eine zweite". „ „ „ „ „ 9: statt „Schorn" ist zu lesen „Schorr". „ .. ,. „ „ 17: statt „retadiluvianischer" ist zu lesen „antidiluvianischer". „ ., „ 27: statt „Mvrdchela" ist zu lesen „Mordchele". „ „ „ „ 36: ebenso. „ „ „ „ „ 40: statt „mit" ist zu lesen „bei". „ „ „ „ „ 42: statt „Sonntag" ist zu lesen „Samstag". „ „ „ ./ „ 48: nach „unterrichtet" ist einzufügen „zrM. „ „ „ „ „ 49: statt „Stundenverteilung" ist zu lesen „Stundeneinteilung". Seite 576 zweite Spalte oben, Ende des ersten Abs. der Nr. 14.des Sprechsaalartikels sind die Worte: „hinwies, daß sie" zu streichen. Es ist zu lesen: „welcher auf die deutschen Posch' i m m a n ch e Gesetze (über P o s ch i in!)' m i ß b r ä u ch l i ch ön A nwendung zu bringen raten würde!"