Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1912)
- Date
- 1912-12-06
- Page
- Seite 578 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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haben, ganz von der Trennungs-Orthodoxie ins Schlepptau nehmen lassen. Wenn Rabbiner Horovitz gelebt hätte, wäre diese Torheit, die die Herren noch 'schwer bereuen werden, nicht begangen worden. Denn darüber mögen sich die Herren Rabbiner, die als Ketzerrichter gegen ihre Kollegen aufgestanden sind, keiner Täuschung hingeben: das deutsche Judentum wird sich diese neue Hierarchie mit Kirchenbann und insamierender Verrufserklärung nicht gefallen lassen. Wir haben uns sagen lassen, daß die „religionsgesetzlichen" Herren nicht einmal „religionsgesetzlich" berechtigt sind zu ihrem Vorgehen; von. landesgesetzlichem Standpunkt aus könnten sie vielleicht wegen dieser Verrufserklärung zur Rechenschaft gezogen und zum Widerruf verurteilt werden. Indessen, das mögen die Rabbiner untereinander ausmachen. Die deutschen Juden aber werden sich wie ein Mann gegen die geistliche Herrschsucht, gegen die Ausrichtung eines neuen Kirchenregiments erheben. Wird die Einheit des deutschen Judentums zertrümmert, dann können die bayerischen und Frankfurter Parteisanatiker jubeln, dann sind auch die großen Organisationen, der Stolz des deutschen Judentums, aber ein Dorn in den Augen der frommen Herren, zertrümmert, dann stürzen auch der Verband der deutschen Juden, der D. I. G. W., der Zentralverein deutscher Staatsbürger, die Logen in sich zusammen. Deutsche Juden, wahret eure teuersten Güter! ' Wahret eure Gemeindeeinheit, die eure Kraft ist. Wahret eure Gewissenssreiheit, die von einer neuen Priesterherrschaft mit all ihrem Fanatismus, all ihrer Unduldsamkeit bedroht ist. Ein Sturm der Entrüstung muß durch die deutsche Judenheit gehen angesichts der unerhörten Tatsache von modernen Ketzerbullen im Deutschland des zwanzigsten Jahrhunderts. * Zum Verständnis des vorstehenden Artikels, der nicht von mir herrührt, lasse ich die mir zugesandte Erklärung der Vereinigung „traditionell gesetzestreuer" Rabbiner folgen; andere Erklärungen, die mir nicht eingeschickt wurden, zu beachten, habe ich keine Veranlassung. Die von der „Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands" Unterzeichneten „Richtlinien zu einem Programm für das liberale Judentum" leugnen den göttlichen Ursprung der schriftlichen und mündlichen Lehre sowie die ewige. Verbindlichkeit der in ihnen enthaltenen Religionsgesetze. Die Richtlinien zerstören demnach die Grundlagen der Religion des Judentums. Die Richtlinien unterscheiden zwischen „unerläßlichen Forderungen" und anderem, was dem religiösen Empfinden des einzelnen überlassen wird, und nehmen so dem größten Teil der Religionsgesetze, die Autorität unbedingt geltender Gebote. Sie setzen ausdrücklich «eine große Reihe von Vorschriften der Thora außer Kraft, unter ihnen wesentliche Bestimmungen der Sabbat- und Ehegesetze, die das Judentunr zu seinen heiligsten Institutionen zählt. Die Veröffentlichung der Richtlinien zwingt uns —auch nach der neuerdings erfolgten Erklärung des Vorstandes der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands — solgendes bekanntzugeben: Religionsgesetzliche Entscheidungen und Autorisationen von solchen Rabbinen, welche sich zu den in vorstehendem als destruktiv bezeichneten Grundsätzen bekennen, sind als gültig nicht anzuerkennen. Insbesondere können Ehescheidungen, welche nach ihrer Anordnung vollzogen sind, für eine Wiederverheiratung der Geschiedenen als ausreichend nicht erachtet werden. . Ein im Sinne der „Richtlinien" erteilter Religionsunterricht bedeutet eine Gefahr für die jüdische Jugend. Gegenüber den verhängnisvollen Konsequenzen, die sich für das jüdische Familienleben aus gesetzwidrigen Eheschließungen ergeben, werden Maßnahmen getroffen werden. Der Vor st and. der „Vereinigung traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands." Bisher haben ihre Zustimmung zu obiger Erklärung erteilt: Rabbiner Dr. I. Ansbacher - Heilbronn, Rabbiner Dr. I. Auerbach- Halberstadt, Rabbiner Dr. S. A u s ch e r -Altkirch, Rabbiner Dr. O. B ä h r - Prenzlau, Provinzialrabbiner Dr. S. B a mb e r g e r - Hanau, Rabbiner M. L. B a m b e r g e r - Schön- "länke, Rabbiner S. Bamberg er -Wandsbek, Oberrabbiner Dr. I. B a ß f r e u ndt - Trier, Rabbiner H. V a ß f r.'e u n d t - Pinne, Professor Dr. A. B e r l i n e r - Berlin, Rabbiner Dr. I. B e r l i n g e r-. Braunsbach, Dr. E. Biber selb - Berlin, Rabbiner Dr. I. B l e i chrode- Berlin, Rabbiner Dr. A. B l o ch - Oberehnheim, Rabbiner Dr. C. B l och- Mülhausen i. E., Rabbiner Dr. I Bloch- Barr, Rabbiner S Blum-Posen, Rabbiner Dr. I. Bondi-Mainz, Oberlehrer Dr. B r a d e r - Weiden, Dr. D. Carlebach - Halberstadt, Rabbjner Dr. E. Carlebach - Leipzig, Rabbiner Dr. S. C a r l e - b a Lübeck, Distriktsrabbiner Dr. A. Cohn- Jchenhausen, Rabbiner Dr. I. C o h n - Kattowitz, Rabbiner Dr. I. C o h n - Rawitsch, Rabbiner Dr. I. Cohn- Eschwege, Distriktsrabbiner Dr. N. Co h n - Burgpreppach, Rabbiner Dr. M. D e b r e Saarunion, Rabbiner Dr. H. D r e y s u ß - Mörchingen, Rabbiner Dr. L. Dünner- Rvgasen, Rabbiner Dr. H. Eh rent r eu-München, Rabbiner Dr. S. Sppenstein-Berlin, Dozent am Rabbinerseminar, Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld- Posen, Rabbiner Dr. Friedmann- Wongrowitz, Rabbiner Dr. E. G o i t e i n - Burgkundstadt, Rabbiner Dr. S. G u g gen h ei m - Westhosen, Rabbiner Dr. PH. de Haas- Kattowitz, Rabbiner Dr. S. H au n o v e r - Köln, Rabbiner Dr. Heppn e r - Koschmin, Prediger Dr. M. H i l d e s h e i m e r - Berlin, Dr. D. H o s s m a n n - Berlin, Rektor des Rabbinerseminars, Landrabbiner Dr. M. H o f s m a n n - Emden, Rabbiner Dr. S. Kahn- Mergentheim, Vereinsrabbiner Dr. A. Klein-Nürnberg, Distriktsrabbiner Dr. P. Kohn-Ansbach, Rabbiner Dr. H. Kottek-Homburg v. d. H., Rabbinatsassessor L. Krause-Posen, Rabbiner Dr. H. K r a u s z - Schildberg, Realschuldirektor Dr. G. Lange- Frankfurt a.M., Oberrabbiner Dr. M. L e> r n e r - Altona, Rabbiner Dr. A. L e v y- Schöneberg, Rabbiner Dr. W. L e v y - Charlottenburg, Rabbiner Dr. M. L e w i n - Wreschen, Rabbiner Dr. A. Liebermann - Berlin, Rabbiner Dr. L. Löw enst ein-Mosbach, Rabbiner Dr. A. Löwen th al-Hamburg, Großherzoglicher Landrabbiner Dr. D. Mann h e i m e r - Oldenburg, Distriktsrabbiner Dr. S. Man n e - Schwabach, Rabbiner Dr. M. Marx-Darmstadt, Distriktsrabbiner Dr. S. Meyer-Regensburg, Rabbiner Dr. E. Munk-Berlin, Provinzialrabbiner Dr. L. Al u n k - Marburg, Rabbiner Dr. L. N,e uh a u s- Ostroivo, 'Rabbiner Dr. A. N e uw i r t h - Mainz, Rabbiner Dr. S. N e u w i r t h - Bingen, Rabbiner I. Nobel- Filehne, Rabbiner I. Nobel- Halberstadt, Kgl. Bibliothekar Dr. H. P i ck - Berlin, Rabbiner Dr. I. Plato- Hamburg, Rabbiner Dr. L. Rose nt h a l - Köln, Rabbiner Dr. L. A. R o s e n t h a l - Berlin, Rabbiner Dr. I. Roes el-Tilsit, Rabbiner Dr. A. S a l v e nd i - Karlsruhe (Baden), Rabbiner Dr. S. S ch ü l e r sen.. St. Ludwig, Rabbiner Dr. S. Schüler juu., St. Ludwig, Rabbiner Dr. B. Silberberg- Berlin, Rabbiner Dr. Bi. Schlesin g e r - Marburg, Bezirksrabbiner Dr. A. S ch w e i z e r - Weikersheim, Rabbiner Dr. Schwarz- Sulz i. W., Rabbiner Dr. M. Silberberg - Schrimm, Rabbiner Dr. Staripolski -Zabern, Rabbiner Dr. I. Stein- Memel, Distriktsrabbiner Dr. S. S t e i n - Schweinfurt, Rabbiner I. Strauß- Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. G. T a ch a u e r - Würzburg, Rabbiner §)r. Unna- Mannheim, Realschullehrer Dr. L. Warszawski-Fürth i. B., Dr. I. W e i l - Berlin, Distriktsrabbiner Dr. M. Weinberg- Neumarkt, Rabbiner Dr. A. Weill- Straßburg i. E., Rabbiner Dr. E. W e i l l - Buchsweiler, Bezirksrabbiner Dr. L. Weingarten- Ems, Rabbiner Dr. H. W e h l - Czarnikau, Rabbiner Dr. I. Wohlgemuth-Königsberg, Dr. I. W o h l g e muth-Berlin, Dozent am Rabbinerseminar, Rabbiner Dr. B. Wolf-Köln, Rabbiner Dr. Z. W o lsf-Bischheim, Rabbiner Dr. L. W r e s ch n e r - Samter, Rabbiner Dr. I. Zivi- Winzenheim, Rabbiner Dr. A. Cohn-Basel, Seminarlehrer Dr. G. Feinberg- Würzburg, Rabbiner Dr. G r a d e n w i tz - Tarnowitz, Rabbiner Dr. S. Lehmann - Bischweiler, Dr. B. May- Frankfurt a. M., Oberrabbiner Dr. S P itz e r - Hamburg. Gegen einen solchen geradezu unerhörten Uebergriss einer großen Zahl Rabbiner, die den Anspruch erheben, allein das Judentum zu vertreten, muß jeder Front machen, dem die Ehre des Judentums und der Bestand unserer Gemeinschaft am Herzen liegt. Daher freut es .uns, unseren Lesern Kenntnis