Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- Seite 573 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Bürgerrechte. Die Juden, die sich dem Militärdienst widmen, haben vom Moment des Eintritts ins Heer von allen Steuern, die nur aus dem jüdischen Volke lasten, befreit zu sein." Als Ergänzung der Symptome, deren Ausdruck die obigen Manifeste von historischer Tragweite waren, finden wir .in Nr. 417 des „Kurher. Polski" vom 10. Februar 1831 folgende Notiz: „Zur Verewigung des Andenkens an den Aufstand haben die Warschauer Juden beschlossen, die Bärte zu rasieren und die allgemeine Landestracht anzunehmen." Litrrsrilchk Mitteilungen. — Dem Britischen Museum ist es gelungen, in Aegypten Teile eines Bibelkodex zn erwerben. Nach dem Urteil der zuständigen Fachbehörden ist der neugefundene Kodex älter als der Codex Vaticanus, der Codex Sinaiticus (Tisch endorf) und der Codex Alexandrinus. Trotzdem aber dürste nach der Meinung des Freiherrn v. Schleinitz, die er in der „Zeitschrift für Bücherfreunde" ausspricht, das Manuskript nicht früher als in die erste Hälfte des IV. Jahrhunderts nach Christus zu setzen sein. Der Fund besteht aus 109 Blättern und enthält Teile des Deuteronomiums, das ganze Buch Jona sowie die vollständige Apostelgeschichte. Alz. * — Geschi ch t e d e r I u den in Schönlanke. Von Dr. '• M. L. B a m b erger, Rabbiner in Schönlanke. Berlin, Verlag von Louis Lamm, 1912. Preis 1.50 Mark. Das kleine Buch, ein Separatdruck aus „Rosenthals jüdischem Literaturblatt -1911/12", benutzt Akten des Posener Archivs, des Geheimen Staatsarchivs in Berlin und des Magistratsarchivs von Schönlanke. Ein Wohn- und Schutzrecht der Juden aus dem Jahre 1739 bildet den Anfang (150 Jahre nach der Gründung der Stadt). Die Abgaben waren in der polnischen Zeit sehr groß, wurden unter der preußischen Herrschaft (seit 1781) geringer, blieben aber immer lästig genug. 1781 gab es 69 jüdische Familien mit 286 Seelen. Interessant sind die Kapitel über die Rabbiner, besonders über den Rabbiner Blaschke, über den ein Brief des verstorbenen Seminarlehrers Markuse (1909) mitgeteilt wird. Die neue Synagoge wurde 1883 eingeweiht. Die Statistik der Geburten ist interessant: nach der Höchstzahl von 66 im Jahre 1848 ist sie 1907 auf 2 herabgegangeu^ Eine der Beilagein handelt über M. S. Alexander ait§' Schönlanke, der dem Judentum den Rücken kehrte und erster Bischof tit Jerusalem wurde. Eine andere über die Einführung der bürgerlichen Namen, eine dritte über die Beteiligung der Schönlanker Juden am Kriege von 1866 und 1870, eine vierte über die Anlegung der Sabbatschnüre aus den: Jahre 1835. Das Ganze ist ein lehrreicher Beitrag zur Lokalgeschichte, allerdings von ziemlich beschränktem Interesse. L. G. & — Kirchen ci nt Rhein, eine karolingische Königspfalz. Beitrag zur Kulturgeschichte des Oberrheins von der Stein- . zeit bis zur'Gegenwart.. Von Julius Schmidt, Pfarrer in Krrchen. Mt Illustrationen, zwei Plänen und je einer Originälzeichnung von I. P. Hebel und H. Daur. Bühl (Baden), Druck und Verlag der Konkordia. 1912. In dieser fleißigen lokalgeschichtlichen Arbeit interessiert uns hauptsächlich das 6. Kapitel des dritten Abschnittes, das den Titel führt: Kirchen, ein altbadischer Judenschutzplatz". In 23 Seiten wird hier ein lehrreicher Abschnitt über die Entwickelung einer kleinen Gemeinde gegeben, zugleich mit dem Bilde der 1831 erbauten Synagoge und des Innern derselben. Allzuviel läßt sich über diese Gemeinschaft, die keinen Rabbiner, sondern nur einen Lehrer besitzt, nicht sagen; es gibt jetzt dort 83 jüdische Einwohner, die Höchstzahl im Jahre 1838 war 160. Man erkennt also auch hier wie so häufig das Zurückgehen der kleinen Gemeinden. Die Gemeinde gehört nicht zu den ältesten des badischen Landes, ihre Begründung ist dem Jahre 1776 zuzuweisen. Die geschichtlichen Mitteilungen, die der Verfasser, ein gelehrter und vorurteilsloser Pfarrer gibt, beziehen sich übrigens nicht nur auf die Kirchener Judenschaft, sondern auf die des ganzen Teiles des badischen Gebietes. Interessant ist, daß von den Juden jenes Landteiles neben dem Handel auch das Handwerk, zum Beispiel das Seifensiederhandwerk betrieben wurde. Sehr . merkwürdig ist unter den Steuern eine solche für den Wassergenuß, obwohl es gar keine Wasserleitung, sondern nur Brunnen gab. Recht wichtig sind die Mitteilungen über Unterricht, den Besuch von christlichen Schulen durch jüdische Kinder und andere. Das Ganze ist ein verständig geschriebenes unterrichtendes Kapitel dieser Lokalgeschichte. L. G. * — Denkmäler jüdischen Geistes. Herausgegeben von Dr. B. May und I. B. Levy: Moses Mendelssohn. Eine Auswahl aus seinen Schriften und Briefen. Verlag von I. Kaussmann, Frankfurt a. M. Die Auswahl ist nicht schlecht. Nur hätte zum Beispiel die wundervolle Einleitung zur Uebersetzung von Manasse ben Israels Schutzschrist beigegeben werden müssen, eines der für Mendelssohn kennzeichnendsten Stücke. Statt des Phaedon hätten für speziell jüdische Zwecke die „Morgenstunden" gewählt werden dürfen. Gegen die Proben aus den Uebersetzungen und den kleineren Schriften ist nichts einzuwenden. Bei der Auswahl der Briefe ist das Persönliche zu sehr Zurückgetreten: hier hätten die Briefe an Lessing, an Nikolai, aber auch die an die jüdischen Freunde, Herz und andere größere Berücksichtigung finden müssen. Die Anmerkungen sind lehrreich, und die am Schlüsse stehenden Erläuterungen über die erwähnten Personen ganz nützlich. L. G. * — BrunoWille: DieWeltdichter f r e m d e r Z u n g e n und Schätze aus ihren Werken in deutscher Nachdichtung. Von den Veden bis Tolstoi. (Zwei Bände.) Märkische Verlagsanstalt, Berlin W. — Zweiter Band: Von Petrarca bis Tolstoi. Ich zeige den zweiten Band dieses lehrreichen und schönen Werkes nur deshalb an, weil es die Fortsetzung des ersten Bandes bildet, indem vielerlei über Jüdisches zu finden war. Denn dieser zweite Band enthält solches nicht. Er handelt über Italien, Spanien, Frankreich, England, Amerika, Dänemark, Norwegen, Schweden, Neu- Griechenland, Rumänien, Ungarn und Rußland. Von Juden ist dabei niemals, man müßte denn den Holländer Heyermanns ausnehmen, die.Rede. Gewiß wäre bei größerer Ausführlichkeit auch mancherlei vorr Juden zu berichten gewesen, man denke an den Dänen A. M. Goldschmidt und an die gar vielfachen Bemühungen der Juden, die neuhebräische, „jiddische" und auch die russische Literatur zu fördern. Da aber der Herausgeber des Buches in diesem zweiten Bande sechs bis sieben Jahrhunderte behandelt und fast ein Dutzend Länder durchsliegt, so kann er selbstverständlich nur bei den Höhepunkten verweilen, und es war ihm unmöglich, bei den einzelnen, im Verhältnis zu den wirklich bedeutenden Persönlichkeiten weniger hervortretenden Männern zu verweilen. Das Buch enthält, eine.sehr interessante, lehrreiche Sammlung von Proben, der auch in unseren Kreisen Verbreitung zu wünschen ist. L. G. * — Jüdischer I u g e n d k a l e n d e r 5673. Jüdischer Volksschriftenverlag G. m. b. H., Frankfurt a. M. Eine Mischung belehrender und unterhaltender. Aussätze von ungleichem Wert. Der Aufsatz des Herrn Wohlgemuth „Die Bedeutung der Speisegesetze", obgleich ich dessen ernste Absichten wohl zu schätzen weiß, scheint wir etwas ausgeklügelt, insbesondere ein Satz wie der folgende: „die uns verbotenen Speisen aber und die durch sie unserem Körper zugeführten Kräfte nehmen unserm Leib die Fähigkeit, als fruchtbarer Boden und als geeignetes Werkzeug unserer Seele zu dienen". Mit Rücksicht auf die Emanzipation des Jahres 1912 sind manche geschichtliche und novellistische Beiträge jener großen Zeit gewidmet. Der Ton für die Jugend ist im allgemeinen glücklich gewahrt. Recht hübsch sind die vielfach eingestreuten Proben aus Talmud und Midrasch. — The jew and agriculture. The american jewish year book. 5673. Edited by Herbert Friedenwald. Philadelphia. The Jewish Publication Society of America 1912. Ein ungemein lehrreiches Werk, das außer dem üblichen Kalender viele Berichte von Komitees und Vereinen enthält, z. B. der amerikanischen jüdischen Verlagsgesellschaft. Außerdem eine Anzahl Originalbeiträge und Uebersichten. Da ist z. B. ein Artikel über die Ackerbautätigkeit der Juden Amerikas, eine Studie von etwa H