Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- Seite 571 (sequence 7)
- Language
- German
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sein ganzes Vermögen eingebüßt hatte, nahm er eine Kantorstelle in Loschitz und Woskowitz an. Seinen einzigen 'Sohn, welchen er in den nötigen theologischen und weltlichen Kenntnissen unterrichtetes, schickte er später in die Talmudschule des A dem geübten Fachmanne die Erklärung der vom Tempelbau Rabbiners David Buchheim, des Großvaters des Dr. Gustav Karpeles, nach Kojetein. Von. dort ging Weiße zur weiteren Ausbildung nach Prag, wo er mit M. Steinschneider und Leop. Löw zusammentraf, welche befruchtend auf seine geistige Entwicklung einwirkten. Besondere Anregung erhielt er vom Begründer der jüdischen Wissenschaft, Leopold Zunz, welcher ihm in allen Arbeiten als Vorbild vorschwebte. Dieser Einfluß tritt merklich hervor in der Fassel gewidmeten Abhandlung über Raschis Kommentar Zur Chronik (Prag 1841), in der Biographie des Dichters Jedaja Bedarsi Penini (1280) und in der Einleitung zu Sterns Ausgabe des Bechinath Olam (Wien 1847 und „KockM Jizchak" Jahrgang 1846 und 1847). In dieser ' Zeitschrift schrieb Weiße mehrere treffliche Arbeiten, darunter die Biographie Sabbatai Kohns nebst Grabschrist (1845), eine Elegie auf Rabbiner Jakob Karpeles, welcher bei der . Lebensrettung eines Schülers ertrank (1855), ferner Erklärungen schwieriger Pijutstellen (Heft 2, Seite, 74), Etymologisches über Ausdrücke im Targum und Talmud, endlich eine Polemik gegen . den Kaplan Podrazek über die Bedienungsbuchstaben (Heft 15, Seite 38; Heft 16, Seite 17). In Büschs Jahrbuch veröffentlichte Weiße 'einen Aufsatz: Das Streben nach Ehre. Zu Bondis hebräischer Chrestomatie lieferte er einen Beitrag: Briefwechsel mit Dr. Beer in Dresden über die Kinder des Jonathan Eibenschütz. Auch in Bikure Haittim und im Hamagid sind Arbeiten literarhistorischen Inhaltes von ihm erschienen. Sein Lebenswerk aber ist der Kommentar zur Chronik. Er zeichnet sich durch Klarheit der Gedanken und Gründlichkeit, der Behandlung aus, durch Beherrschung des Stoffes und einen präzisen, hebräisch-klassischen Stil. Er bekundet richtige Auffassung und Beurteilung der geschichtlichen Fakta, zeigt großen'Scharfsinn bei der Auslegung vieler fast unerklärlich scheinenden Stellen und eine richtige Kombinationsgabe bei der Vergleichung der Varianten mit den Büchern der Könige (vergleiche Ehr. I. 8, 38; 9, 22; 5, 18; II. 7, 10, 29, 25). Die Einleitung, welche die Spracheigentümlichkeiten der Chronik eingehend behandelt, ist mit besonderem Fleiße gearbeitet. Allerdings hielt ihn sein dogmatischer Standpunkt ' von einer Textkritik ab. So - einleuchtend ihm manche Emendation erschien, brachte ihn der Grundsatz „Die Tradition ist ein Zaup um die Thora" davon ab (vergleiche Kommentar zu I. Kön. 12, 2.) Diesen Kommentar sowohl als die Uebersetzung der „Chronik" und „Könige" nahm die Landausche Bibelausgabe (Prag 1836) auf. Aber auch der Kommentar seines väterlichen Freundes Wolf Mayer („Hameamer" und „Biur") enthält viele Erklärungen Weißes, den er in der Einleitung zu 1) Weiße widmet ihm in der Einleitung zur Chronik ein Gedicht und zitiert ihn in einer Anmerkung, zu ll. Chr. 2, 6. '„Könige" mit großer Verehrung nennt: „Joseph Weiße , ist nichts verborgen, weder Großes noch Kleines; er ist belesen und hat Gewandtheit im Ausdrucke.". Er übertrug, ihm. als Rabbiner Iosexh weitze, geb. 23. November 1812, gest. 2. Dezember 1897. handelnden Kapitel 6, 7. Nach Beendigung seiner Studien trat er, ausgerüstet mit vielseitigem Wissen, die Reife nach der Heimat an, wohin ihm der Ruf seiner schriftstellerischen Tätigkeit voranzog. Besaß er wohl schon damals die Rabbi-, natsautorisation, so sollte ihn dennoch der Weg zum Rabbinai durch die Schule führen. Im Jahre 1837 wurde er. zum Nachfolger Löws als Oberlehrer nach Proßnitz berufen, wo er sich laut dem Zeugnisse Fafsels als tüchtiger Schulmann erwies. 1841 heiratete er in Prerau Charlotte geborene Donat und blieb nach damaliger Sitte im Hause des Schwiegervaters, um seine theologischen und weltlichen Studienfortzusetzen. 1845 nahm er die Rabbinerstelle in Gaya an, wo er eine segensreiche Tätigkeit entfaltete. Er gründete ein Armen-' Institut und legte eine Liste der dort verstorbenen 19 Rabbiner für die Seelenfeier an. In seinen Reden wirkte er. darauf hin, daß Kinder zum Handwerk und Ackerbau ausgebildet werden. Am 5. Juni 1847 hielt er im Tempel zu Kremsier eine Ansprache an den Kardinal Somrau anläßlich der Schul-' Visitation und überreichte diesem ein von ihm verfaßtes Gedicht. (Kochbe Jizchak, 13. Heft.) 1848 wurde er ins Komitee gewählt, welches die Statuten für die österreichische israelitische Gemeinde-, ordnung ausarbeitete. Er war .auch mit S. R. Hirsch für die Emanzipation der Juden Oesterreichs tätig und war Mitglied der Deputation, welche dem Kaiser für die Verleihung derselben dankte. Die mährisch-schlesische Statthalterei ging ihn oft um sein Gutachten an und belobte ihn wegen seiner schulmännischen Leistungen. - Der Ruf seiner Gelehrsamkeit Und Kanzelberedsamkeit ging über die Grenzen seines engeren Vaterlandes hinaus. Im Jahre 1855 wählte ihn die bedeutende Gemeinde Waag- Neustadtl zum Rabbiner. Nahm wohl dort 'das Amt seine ganze Zeit in Anspruch, widmete er sich dennoch dem Schulwesen und gründete die erste noch heute bestehende jüdische Realschule. Jedem, der eine Anfrage an ihn richtete, erteilte er bereitwillig Auskunft aus dem reichen Quell seines jüdischhistorischen Wissens, welches in einem Manuskript „Geschichte der Rabbiner Mährens" niedergelegt ist. Aus diesem Quell schöpfte auch Professor David Kaufmann, zu dessen Edition „Maarchelew" von Lion Gomperz, Weiße die Einleitung schrieb.' Auch den auswärtigen religiösen und sozialen Angelegenheiten seiner Glaubensgenossen brachte er reges Interesse entgegen. Zwei Gedanken leiteten ihn bei dieser Tätigkeit für das Gesamtwohl seines Volkes. Das Judentum sollte auf eine höhere Stufe der Bildung gebracht werden und in seiner unzertrennlichen. Einheit erhalten bleiben. Und weil die Alliance dieselben Ziele.verfolgt, war er ihr eifriger Förderers Diese' beiden Bestrebungen brachte er in seinen, beim ungarischen Kongresse (14. Dezember 1868 bis 21. Februar 1869) gehaltenen.