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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-29 · Heft 48 (29.11.1912) · p. Seite 566

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 48 (29.11.1912)
Date
1912-11-29
Page
Seite 566 (sequence 2)
Language
German
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geben hat, so glauben wir alle, daß -diese wohltätige Ergänzung die heilsamsten Früchte in aller Zukunft tragen wird, daß. das friedliche Zusammenarbeiten, jene geistige Assimilation, beiden, dem Deutschturn und dem Judentum, zum großen Heile geraten- Muß. Viertens: wir wollen keine Macht'sein, weder in nationaler 'noch' in Pekuniärer Beziehung, sondern 'wir 'wollen. eim Teil der -großen deutschen Nation ein. Wenn wir wirklich eine Macht anstrebenso kann das nur in dem Sinne geschehen, daß wir unser Geld und unsere Intelligenz in den Dienst des deutschen Vaterlandes stellen, kämpfend,, aber nur mit den 1 Massen des Geistes für unser Recht, das uns vorenthalten! wird?/kärnpsend aber auch für das Heil Deutschlands, für die j Erringung der allgemeinen Freiheit. : "Ein Ausländer wie der Verfasser des Artikels, gegen den diese Bemerkungen sich richten, der von unseren Verhältnissen, unseren Gedanken und unseren Zukunftsplänen nichts versteht, hat nicht das Recht, in unserem Namen zu sprechen. <§-!> Die Woche. Berlin den 26. November 1912. ie Nachrichten vom B a l k a n k r i e g s's ch a u Platz lauten trüber. 'Der Waffenstillstand, den die Türkei von den Kriegführenden erbat, ist nicht angenommen worden-, da die Bedingungen der bisher siegreichen Mächte der Türkei unannehmbar erschienen. Es wird weiter gekämpft, und es scheint, als wenn die Türken sich jetzt aufrasfen. Auch die allgemeine Weltlage hat sich verdüstert.' Oesterreich und Rußland rüsten, und die Gefahr eines Weltbrandes' ist in bedrohliche Lage gerückt. Unterdes geht es den Juden schlecht. Saloniki ist den Türken' entrissen. Während Zangwill und die Seinen: träumten, aus Saloniki eine jüdische Stadt /oder gar die Hauptstadt eines jüdischen Staates zu machen, hausen die Griechen, welche die Stadt eingenommen haben, dort als Sieger' und z w a r -g e g e n die Juden. Darüber meldet zunächst das „Bert, Tagebl." aus Athen: Dieoffiziöse „Eftia" behandelt die -Stellung der Israeliten in Saloniki zu dem neuen Regime. „Es -war begreiflich," schreibt -das Blatt, „daß die von den Jungtürken verhätschelten und begünstigten Judender griechischen Okkupation unfreundlich gegenüberstanden. Die Spannung wurde erhöht durch die im Volke umlaufenden und leider auch eine Zeitlang geglaubten Märchen, die Juden hätten griechische Soldaten vergiftet. Eine sofort eingeleitete Untersuchung ergab.-die völlige Grundlosigkeit dieser törichten Beschuldigung. Die Stimmung des jüdischen Elements den Griechen gegenüber wurde auch dadurch beeinflußt, daß die Juden die Schwierigkeit erkannten, -mit den Griechen -finanziell und kaufmännisch zu konkurrieren, während sie zum Beispiel den Bulgaren weitaus überlegen sind. Seit aber König Georg «den Juden Gleichberechtigung mit den Griechen versprochen hat,-ist die Spannung im Schwinden begriffen-, und die Juden - werden mit, den Griechen ihren Frieden schließen. Mittlerweile sandten die Israeliten Griechenlands an ihre Glaubensgenossen in' Saloniki Depeschen, in denen sie zur Versöhnung mit den Griechen ausfordern' und auf -Griechenlands Verdien-ste um die Emanzipation der Juden Hinweisen." , Dasselbe Blatt -berichtet aus Konstantinopel: ' Das hiesige Rabbinat erhielt aus Saloniki die Meldung, -daß die Griechen schwere Ausschreitungen gegen die israelitische Bevölkerung Salonikis begangen,-die Synagogen geplündert und teilweise zerstört, did Männer mißhandelt und.sich an vielen Frauen vergangen hätten. : :;■ Diese Nachricht wird durch die folgende ergänzt:- vw Wegen der schweren Ausschreitungen griechischer Soldaten gegen die .hiesigen .Juden hat "Die deutsche'Judengemeinde den Schutz des' . Deutschen, Reichs an gerufen. : . .. . Hoffen wir,, daß das Deutsche Reich diesen 'Appell nicht ungehört erschallen läßt. Diese. Nachricht wird von griechischer Seite bestritten. - Darüber meldet die „Voss. Ztg." vom 25. November: Die „Ag. d'Athönes" dementiert formell ein-in London veröffentlichtes Telegramm, wonach vor drei Tagen griechische Soldaten Aus- ' schreitungen gegen; die jüdische Bevölkerung ' in Saloniki begangen hätten.. (Auch andere Telegramme meldeten dasselbe). Es heißt, in /diesern Dementi: „Schon vor der ^Kapitulation von Saloniki konnte man ebenso in der-Türkei wie in Europa Bemühungen feststellen (?), Griechen und Juden der mazedonischen Hauptstadt in Gegensatz zu einander zu bringen. In dieser Wsicht wurde das Gerücht verbreitert, es wären griechische Soldaten von Israeliten vergiftet und Juden von Griechen mißhandelt worden. Der Zustand der Anarchie, der aus,die türkische Niederlage folgte, erlaubte es übelwollenden Elementen in Saloniki, gegen' Juden wie gegen Christen zahllose. Ausschreitungen zu begehen. Aber am Tage nach der. Einrichtung der griechischen Verwaltung und nach der Ankunft der griechisch-kretischen Gendarmerie herrschte die vollkommenste Ordnung. Die Tatsache, daß derartige Gerüchte in einem Augenblick in Umlauf gesetzt werden, wo alle Fremden dem König und der griechischen Regierung ihre Dankbärkeit für die Wiederherstellung, der Ordnung zum Ausdruck bringen, beweist zur Genüge ihren tendenziösen und übelwollenden. Ursprung. (Wie ist dann-die Tatsache zu erklären, daß die deutsche Judengemeinde, ^in Saloniki die Reichsregierung um Schütz ersucht hat? Red..). ' h * Währenddessen geht die von den großen. Korporationen eingeleitete Hilssaktion ihren Gang. Aber sie reicht einstweilen nicht aus. Wir erhalten zwei Ausruse, die wir hier folgen lassen: Alliance Jsraelite Universelle. - ' Aufruf! - Die Lage der jüdischen Bevölkerung aus dem Balkan wird durch den Krieg/von Tag zu Tag schlechter. Die arbeitsfähigen Männer stchen alle unter der Fahne. Die ZurückgMieben-en, der Ernährer - beraubt, leiden, wie aus den zahlreichen bei der Alliance eingegcmgen-en Berichten hervovgcht, Hunger. Die vorhandenen Mittel der- .Organisationen reichen nicht aus, um auch nur annähernd das Elend zu -lindern. . Darum bittet die Alliance Jsraslite Universelle alle Glaubensgenossen um reichliche Spenden. Geldsendungen sind zu richten entweder an das Zentralkomitee der Ä. I. U., Paris, Rue La Bruyere 45, oder an -das Deutsche Bureau der A. I. U., Berlin-Charlotten-burg, Grolman-straße 48. Der zweite Ausruf geht uns von dem Gr o ßr a b b in at der Türkei zu, au das auch die Gaben zu richten sind. Er lautet: Ausruf! An die Juden aller Länder! Nach den mannigfachen und schweren Prüfungen, Massenbründen, Cholera und Erdbeben, die im Lause der letzten Jahre das Judentum unseres Landes heimgesucht haben, ist nun eine Katastrophe von unsagbarer Furchtbarkeit über dieses hereingebrochen. Der Balk-aukrieg hat alles verwüstet, was in den Städten und Dörfern der europäischen Türkei — mit alleiniger vorläufiger Aus- . nähme von Konstantinopel, Saloniki,, und bis zu einem gewissen Grade auch Adrianopel — an jüdischem Besitz: Böden, Häuser,' Bauernwirtschaften, Handelslagern und beweglicher Habe, vorhanden war. Schwert und Brand haben alles weggefegt und dem Erdboden gleichgemacht. Zahlreiche -friedliche und unschuldige Menschenleben sind dieser blutigen Orgie zum Opfer gefallen. ■ , Zn Tode erschreckt, halbnackt, entblößt von allem Notwendigsten, hinausgeh-etzt in die. furchtbare Oede der Herbstnacht, die rauhe Stürme und Regengüsse durchtoben, haben unsere unglücklichen Brüder in wilder Flucht ihr Leben zu bergen suchen müssen- Durchfroren, halbverhungert, verwundet und verstört, wie" die Tiere verstaut in überfüllten, gefährdeten Bahnzügen, zum Teil'-sich zu.. Fuß hinschleppend, sind sie endlich in der Hauptstadt ang-elangt: hilflose Mütter und' bleiche Kinder, Greise am - Bettelstab, verzweifeltes ruinierte Männer, eine Flut von-Schrecken und Not. in unsere ohnedies, schon schwer heim-gesuchten und verängstigten jüdischen Stadtviertel ergießend. . Die Gemeinden von Mustapha-Pascha, Kirk-Kilisse, Bunar-Hissar, Biza, Lnlä-Burgas, Baba-Eski, Demotika, Silivrie, Tschorlou und inzahllosen Dörfern der Provinz existieren nicht mehr. Ihre Reste-

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