Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 76 (1912)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1912)
- Date
- 1912-11-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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+■?} \ ] ' .' - - Berlin, 29. November 1912 Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse Diese Zeitung erscheint, wöchentlich. Abonnements-Preis: durch den Luch. Handel oder die Post (in Berlin und Vororten durch unsere vertriebsstellen) bezogen vierteljährlich 3 M. — Postscheckkonto 32». Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Philipps»« Unter Leitung des Geheimen Regierungs-Rats Professor vr. Ludwig Geiger Verlag: Buäolk blosse, Berlin, Jerusalemer Strasse 46/49 Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind, an;bie Adresse: Verlag der „Allgem. Zeitung des Iudentumr^, Berlin SW., Jerusalemer Straße »S/»Z, zu richten. Verlag von Rudolf rnosse, Berlin. Ä17ll^lll' ®nS grosse Hassen. Von Ludwig Geiger. — Di<Woche zßLlVUll. — Die gegenwärtig wichtigste Frage der. Angestelltenversichernng. Von Ad.' Peritz. Königsberg. — Brodyer Jugenderinnerungen. Von M arkns L an dau. — Zum 100. Geburtstage des Rabb. Joseph Weiße. Von Tr. Ad. Frankl-Grün. — Feuilleton: Eine jüdische Bürgerwehr in Warschau. Von S. Horowih. — Literarische Mitteilungen. — Büchereinlaus. — Sprechsaal. Der Gemeindebote ^Beilage zur .Allgemeinen Zeitung des Judentums"). Berlin, Königsberg, Augsburg, Worms, Frankfurt a. M., Mainz, Wien, London, Petersburg, New Nork. — Von Nah und Fern. Das große tzallm. Von Ludwig Geiger. n einer Zeitschrift, die mir bisher unbekannt war, \ „Janus, kritische Halbmonatsschrift für deutsche Kultur und Politik, 1*913, Heft 2", steht ein Aufsatz von Cheskel Zwi Klötzel „Das große Hassen, ein Beitrag zur Judenfrage in Deutschland". Die Redaktion begleitet ihn mit folgender Anmerkung: „Wir geben gern .im folgenden einem überaus ehrlichen, offenen Bekenntnis eines überzeugten Zionisten Raum, ohne uns selbst zu den hier ausgesprochenen Gedanken irgendwie zu bekennen. Achtung vor einer Ueberzeugung und Interesse/dafür, wenn sie offen und ehrlich zum Ausdruck gebracht wird,-scheint uns in allen Kulturfragen von großer Wichtigkeit zu sein. Die Judenfrage als eine der hauptsächlichsten und aktuellsten Kulturfragen soll demnächst weiter von uns behandelt werden." Da der Aufsatz auch in -jüdischen Blättern übel vermerkt worden ist, da ferner antisemitische Zeitungen bereits beginnen, daraus Kapstal zu schlagen, so gehe ich darauf ein, damit mein Schweigen nicht mißdeutet wird. Der Aufsatz hebt an mit dem Hinweis auf den neu aufgelegten Romans von A. M. Goldschmidt: „Der Jude" und bezeichnet als Grundgedanken des Buches „den Gedanken der ewigen Feindschaft zwischen Judentum und Christentum". Als sein eigenes ^Bekenntnis spricht der Verfasser folgenden Satz aus: „Dgrn, Antisemitismus, dem Judenhaß, steht aus jüdischer Seite ein großes Hassen alles Nichtjüdischen gegenüber; wie wir Juden von jedem Nichtjuden wissen, daß er irgendwo in einem Winkel seines Herzens Antisemit ist und fein muß, so ist jeder Jude im tiefsten Grunde feines Seins ein Hasser alles Nichtjüdischen." Nachdem er diesen Gedanken etwas weiter ausgeführt, versteigt er sich zu einem zweiten- Ausdruck seiner persönlichen Ueberzeugung in den Worten: „In. Wirklichkeit ist nichts in mir so lebendig als die Ueberzeugung dessen, daß, wenn es irgend etwas gibt, was alle Juden der Welt eint, es dieser große erhabene Haß ist." ,y. Er gibt sodann die. folgende Phrase, zum besten: „Man nennt uns...eine Gefahr des Deutschtums. Gewiß sind wir das, so sicher, wie das Deutschtum eine Gefahr für das Judentum ist." Und verlangt, nachdem er einen falschen Satz Goldsteins auch für sich in Anspruch genommen, zum Schluß: „Ob wir die Macht haben oder nicht, das ist die einzige Frage, die uns in- . teressiert, und darum müssen wir danach streben, eine Macht zu sein und zu bleiben."; v ' . . . Gegen diese Bemerkungen muß ich nun meinerseits^ und ich glaube auch im Namen der meisten deutschen Juden, erklären, daß all das, was der Verfasser fagt, der reinste Nonsens ist, . und daß die Gedanken und Ansichten, die er nicht nur für seine ' Person ausspricht, von keinem von uns auch nur im entferntesten gehegt'werden. Erstens: die Juden sind durchaus - nicht H asser alles Nichtjüdischen. Beweis dafür ist, daß alle ernsten, strebenden \ deutschen Juden sich bemühen, auf den verschiedensten Gebieten des deutschen Lebens zu arbeiten — denn man befördert nicht das, was man haßt —daß sie eifrig bestrebt sind, ein- . zudringen in die Entwicklung der Vergangenheit, teilzunehmen . an den Arbeiten der Gegenwart, daß sie mit ihren christlichen Genossen aus dem Gebiete der Politik, Wissenschaft und Literatur gemeinsam im brüderlichen Wetteifer tätig sind.. Kann man wirklich deutsches Wesen hassen und so intensiv, wie viele ‘ von uns es tun, in das Wesen Goethes, Schillers, der deutschen Literatur, der deutschen, selbst der mittelalterlichen Geschichte sich versetzen? Es ist eine grobe Verkennung der Wahrheit, . wenn der Verfasser von Haß spricht; wir alle lieben.vielmehr die deutsche Entwicklung, lieben die Deutschen von ehedem und von heute. ■ ' ' Zweitens: es ist nicht wahr, daß das, was alle Juden der Welt eint, der große und erhabene Haß ist. Zunächst'sind die Juden der ganzen Welt gar nicht geeint. Man kann das m dem augenblicklich wütenden Kriege sehen: die Juden der Balkanstaaten sind Serben und Bulgaren, die/Juden tn der Türkei sind Türken; es ist keinem Juden eingefallen, etwa, als . : Jude auf die Seite der Feinde überzugehen, sondern, jeder. kämpft innerhalb seiner Nation, der er durch Geburt und durch liebende Ueberzeugung angehört. Ebenso fühlen der-deutsche und französische-Judeum nur von ihnen zu sprechen, so stark ihr Glaubensbewußtsein, so innig ihre Treue, zu ihrer Religion auch ist, als.Deutsche und als Franzosen; wirken sie zusammen für die Juden anderer Länder, so ist der Grund dazu nur das . Mitleid für die wegen ihres Glaubens Bedrückten,/ die Anhänglichkeit an . ihre angestammte Religion. . Drittens: wir sind, keine Gefahr für das Deutschtum; das Deutschtum ist keine Gefahr für uns.. Fast träge ich Bedenken, . hundertmal Gesagtes immerfort, zu . wiederholen, aber ich bekenne nochmals ausdrücklich in meinem'- Nawem wttd ' im Namen vieler Tausende: wie dgs Jüdeykum dem De.üWlüm ^manches, das Deutschtum. dem Judentum unendlich' vieles ge- ' i'-st.-SÄs’,-ZSSSfe»ÄÄ.JW'jr' m