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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-22 · Heft 47 (22.11.1912) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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seines Bestehens bewiesen, daß er existenzberechtigt und auch existenzfähig ist. In der ganzen Provinz - sind Nominell zehn jüdische Gemeinden, von denen zwei (Glückstadt und Burg a. F.) in Wirklichkeit nicht'mehr bestehen und. zwei (Altona und Friedrichstadt) dem Verbände zurzeit , noch nicht angehören. Um,4 Uhr erösfnete der Vorsitzende Herr Dr. Victor-Wandsbek die Versammlung im Sitzungssaale des jüdischen Gemeindehauses und begrüßte die vom D. I. G. B., der Gemeinde Lübeck und der Hamburger Loge entsandten Herren Delegierten, die ihrerseits den Bestrebungen des Verbandes den besten Erfolg wünschten und eventuell Beihilfe hierfür in Aussicht stellten. Nach Konstituierung des Gemeindetages und Bericht des Ausschusses wurde der Haushaltungsplan für 1913 festgesetzt. Interessieren dürfte vielleicht der Posten, der für eine Emanzipationsfeier vorgesehen ist; denn die Juden von Schleswig-Holstein sind erst 1863 emanzipiert worden. Die Vorträge: „Die Rechtsverhältnisse der Juden in Schles-, wig-Holstein" von Herrn Dr. Victor und „Die Eingemeindung der nicht gemeindezugehörigen Juden" von Herrn Dr. Jacob-Kiel wurden mit großem Interesse verfolgt und erweckten eine lebhafte Aussprache. Vorläufig fehlen dem Verbände noch die nötigen Mittel, um in größerem Maße schon sozial wirken zu können. Daher sind ihm außerordentliche Mitglieder willkommen. Mögen recht viele ihm beitreien! — Dresden, 14. November. In der letzten Stadtverordnetensitzung kam es zu einer lebhaften Debatte über die Schächtfraze. Der Nechtsausschuß hatte ein Gutachten vorgelegt, betreffend den Antrag der Stadtverordneten auf Einführung, einer Zufchlagsgebühr für Schächtungen, ferner die Eingabe der israelitischen Religionsgemeinde Dresden und die Eingabe des Tierschutzvereins Dresden. Zum Schächten sollen nur die Personen zu gelassen werden, die vom Vorstand der israelitischen. Relizionsgemeinde in Dresden hierzu bestellt sind mit» der Direktion des Schlachithofes ein Zeugnis darüber vorlegen. Dieses Gutachten wollte dem Erlaß der Bekanntmachung über das Schächten zustimmen mit Ausnahme des § 3, der fordert, daß das Fleisch von geschlichteten Tieren nur dann gewerbsmäßig verkauft werden soll, wenn die Verkaufsräume durch darauf bezügliche Plakate ausdrücklich kenntlich gemacht sind. Nach langer Debatte fand dieses Gutachten schließlich mit ganz knapper Mehrheit Annahme. — München, 15. November. Ein Vorkommnis in Bayern bildet seit einiger Zeit das Tagesgespräch in weiteren Kreisen. Aus dec Luitpold-Jubiläums-Spende, welche alljährlich vom Rezenten aus dem seinerzeit gebildeten Fonds, zu dem auch Juden beigesteuert haben — nach Vorschlag des Hofmarschallamts — verteilt wird, wurden auch jüngst 237 000 Mark Zuwendungen an Vereine gemacht. Hierbei gingen die jüdischen Vereine l e e r aus. Aus mehrseitige -Anfragen hin bemerken die „M. Neuest. Nachc", daß diese Vereine deshalb übergangen wurden, weil sie sich nicht meldeten, es sei herkömmlich, „daß die reflektierenden Vereine ein Ansuchen stellen". Nürnberg, 15. November. Der kürzlich hier verstorbene Antiquitätenhändler Max Pickert hat in seinem Testament ein Kapital von 300 000 Mark für eine dahier zu errichtende A. Pickertsche Stiftung für arme, leidende, kranke, genesende und sonstige bedürftige Personen bestimmt. Diese Stiftung soll mit Rücksicht auf feinen Vater A. Pickert und seinen Bruder Sigmund Pickert, den früheren Mitinhaber der Firma A. Pickert, den Namen „A. Pickertsche Stiftung usw." führen. Weiter hat er fein Anwesen Albrecht-Dürer-Platz Nr. 10 und Untere Krämersgasse 9 der Stadtgemeinde Nürnberg vermacht. Zugleich hat er der von seinem vorgenannten Bruder begründeten Sigmund Pickertschen Stiftung 20 000 Mark als Stiftungszuschuß zugewendet. Ferner hat er den nachstehenden Vereinen und Anstalten ufw. die beigesetzten Beträge zugewendet: 3000 Mark dem Wärmstuben- und Wohltätigkeitsverein, je 2000 Mark der Blindenanstalt dahier und dem Verein für öffentliche Gesundheitspflege dahier zum Zwecke der Ferienkolonien, dem Verein Frauenwohl, dem israelitischen Hilfsverein, dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen, dem israelitischen Frauen- und Wohltätigkeitsverein, dem Verein zur Sorge für hilfsbedürftige Waisen israelitischer Konfession, sämtlich in Nürnberg, sowie der israelitischen Wäifenanstalt in Fürth, je 1000 Mark der Medizinischen Gesellschaft und Poliklinik, dem Feuerwehrverein zum Besten der im Dienst verunglückten Feuerwehrmänner und deren Hinterbliebenen, 'dem Verein für Krankenpflege, dem Nürnberger Kinderfpital, dem Verein Jugendhort, dem Verein für Krankenpflege durch Niederbronner Schwestern,, dem Verein zur sittlichen Besserung entlassener Sträflinge, dem Verein für Diakonen, der Erziehungsanstalt Veilhof, der Freiwilligen Sanitätshauptkolonne, dem Heilstättenverein Nürnberg und dem Verein zur Wiederherstellung der Lorenzkirche, endlich je 600 Mark dem Allgemeinen Taubstummenunterstützungsverein Nürnberg und dem Lutherischen Hilfsverein für weibliche Diakonie in Bayern, genannt Krippenanstalt. 22 Bad Ems, 15. November. Wie aus dem soeben zur Ausgabe gelangten Bericht des Israelitischen Zentral-Waisen- und Mädchenh eims für die Zeit vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 zu ersehen ist, war das fünfzehnte Berichtsjahr eine Zeit ruhigen Fortschreitens aus dem eingeschlagenen Wege. Ungestört durch äußere Hemmungen und Einwirkungen konnte die Anstalt der Erfüllung ihrer Aufgaben mit ungeteilter Kraft und Sorgfalt obliegen. Die Verwaltung beschloß das Berichtsjahr mit 27 Zöglingen, die folgendermaßen beheimatet sind: aus Brandenburg 2, Pommern 2, Sachsen 1, Rheinprovinz 2, Hessen,-Nassau 8, Elsaß-Lothringen 1, Bayern 2, Baden 2, Großherzogtum Hessen 3, Sachsen-Meiningen 1, Hamburg 1, Rußland 2. Mit Befriedigung ist darauf hinzuweisen, daß bei den Versetzungen am Schluffe des Schuljahres alle Zöglinge in die nächsthöheren Klassen aufrückten, und daß ihnen durchgängig von ihren Lehrern das Zeugnis des Fleißes und des guten, gesitteten Betragens ausgestellt wurde. Auch das Verhalten der Zöglinge im Hause ist ein recht zufriedenstellendes und erfreuliches. Der Religionsunterricht wird in der Anstalt erteilt. Der Gesundheitszustand war leider nicht so günstig wie sonst. 3 Zöglinge erkrankten an Jnfluenzakatarrhen und konnten durch das Entgegenkommen des Herrn M. Mainz in Frankfurt a. M. zur Wiederherstellung und Kräftigung zu längerem Aufenthalt auf das Land gesandt werden. Im Laufe des Jahres wurden 5 Zöglinge entlassen. Die Fürsorge für die Zöglinge ist mit ihrem Austritt aus der Anstalt noch nicht erloschen. Diese steht jederzeit ihnen mit Rat und Tat zur Seite und ist aus ihr Fortkommen und Wohl nach jeder Richtung hin bedacht. Aus dem Vorstande ist Herr Justizrat Dr. Blau in- Frankfurt a. M. freiwillig ausgeschieden, ebenso die Herren Rabbiner Dr. Cohn in Jchenhausen und Georg Pinoss in Görlitz aus dem Kuratorium. In der Generalversammlung vom 22. Oktober zu Frankfurt a. M. wurden neu in das Kuratorium gewählt die Herren: Goldfisch in Ems, Kaufmann Adolf Landsberg in Oberlahnstein und Rabbiner Dr. I. Horovitz in Frankfurt a. M. Der Schluß des Berichtes lautet: Zu unserem Bedauern haben unserem Aufruf zur Chanukahspende nicht sehr viele Gemeinden Gehör gegeben, während doch unsere Anstalt von allen Gemeinden Deutschlands, ja auch des Auslands arme und verwaiste Mädchen aufnimmt. Die Erfolge, die wir erzielen, sind allgemein bekannt, und wir sollten erwarten, daß auch allgemeine Unterstützung uns zu teil wird, damit wir unsere Hilfstätigkeit immer weiter entfalten können Kassel, 14. November. Am 6. d. M. und den vorhergehenden Tagen fand am israelitischen Seminar zu Kassel die diesjährige zweite Lehrerprüfung statt. Der Prüfung unterzogen sich die Herren Heibronn-Schwerte, Katzenstein-Breitenbach, Möller-Fulda, Münz-Ahlen, Rosenblatt-Paderborn und Strauß-Antonienhütte. Sämtliche Kandidaten bestanden mit sehr gutem Erfolge. Den Vorsitz führte während des ersten Teiles der Prüfung Provinzialrat Leist und später Regierungs- und Schulrat Boltermann. Das Thema der schriftlichen -Prüfung lautete: „Wie ich für den dauernden Erfolg meines Unterrichts gesorgt habe!" 6. Fh. Frankfurt a. M., 14. November. Bei den vor den hohen Festtagen vorgenommenen und vollendeten Renovierungsarbeiten der Hauptsynagoge fanden sich unter.anderen Bruchstücken (Marmorteile eines Oraun Hakaudesch) verschiedene mit interessanten Inschriften versehene Steine aus der nach dem Brande von 1711 neuerrich'teten Synagoge, welche 1854 niedergelegt wurde. — Es sind dies: Zwei Türgewänder in Basaltstein mit hebräischer Inschrift in Hochrelief. Die erste Reihe der Inschrift nennt das Jahr der Errichtung des Baues: „1712", und die zweite lautet aus deutsch: „Das ist das Tor Gottes, die Gerechten gehen darin ein." — Zwei Ringe gotischen Charakters, in rotem Mainsandstein. Diese Ringe trugen die Deckengewölberippen im Hauptschiff und waren gleichzeitig Träger der Beleuchtungskörper. Der eine Ring trägt auf seinen Seitenflächen in Hochrelief eine AuffchrifkT'die in deutscher Uebersetzung lautet: „Viel größer ist das letzterbaute Haus als das erste" und die Jahreszahl 1650. Die Zahl 1650 soll wohl andeuten, daß die 1711 abgebrannte Synagoge im Jahre 1650 erbaut worden war. Die rechtsseitige Aufschrift in weniger klassischem Hebräisch lautet: „B'Esras Zuri ascher Schemau El

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