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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1912-11-22 · Heft 47 (22.11.1912) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
76 (1912)
Issue
Heft 47 (22.11.1912)
Date
1912-11-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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§2 Graudenz, 15. November. Sein en 90. G e b u r t s t a g feierte am vorigen Sonntag einer der ältesten Bürger unserer Stadt, der Bankier Aron C. Bo hm, im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder. Die vier Söhne und eine Tochter des Jubilars hatten sich mit ihren Kindern und auswärtigen Verwandten im Hause des Vaters Zu einer Feier versammelt. Es waren auch viele Freunde aus Berlin, 'Hamburg, Stettin, Hannover und Glogau erschienen. Im Namen des Magistrats überbrachten Glückwünsche Oberbürgermeister K ü h nast und Stadtältester Mertins, Justizrat Obuch gratulierte im Namen der Stadtverordnetenversammlung, indem er aus die langjährige Tätigkeit des Jubilars im Stadtverordnetenkollegium hinwies. Für die „Liedertafel" sprach Stadtrat Khser die Glückwünsche aus unter Ueberreichung einer Ehrenurkunde, in ■ der .bekanntgegeben wird, daß die „Liedertafel" aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums Herrn Bohm für die Unterstützung, die er dem Verein gegenüber in 47 Jahren geübt hat, zum Ehrenmitgliede ernannt hat. Rerrdant Glaubke überreichte die Festschrift, die er aus Anlaß des fünfzigjährigen Jubiläums versaßt hat. Außerdem gratulierten für das Petersonstift Superintendent Erdmann, Der den Dank für die Stiftung aussprach, als Vorsteher der jüdischen Gemeinde die Herren Kiewe, Kommerzienrat Belgard und D. Jacobsohn, als Repräsentanten der jüdischen Gemeinde die Herren Ph. Reich und Rechtsanwalt Samulon, für den Beerdigungsveroin die Herren Alb. Jacobsohn, Selig und Jsraelowicz, für den Israelitischen Wohltätigkeitsverein Herr Rabbiner Dr. Lo ev y, für den Israelitischen Verein gegen Wanderbetteloi die Herren I a k u b o w s k i und Kantor B e r n st e i n, für den Israelitischen Jungfrauenverein Fräulein Altmann und Fräulein Jacobsohn, für beit Israelitischen Frauenverein Frau Dr. Loevh, für das Lachmannsche Provinzialwaisenhaus die Herren Justizrat Steinhardt, Martin Kadisch und Stadtrat Herzfeld, sie brachten zugleich den Dank für die Stiftung des Jubilars dar. A. B. Benthen/O.-S., 15. November. Der ruchlose Meuchelmord, vor Jahresfrist begangen an dem Geldwechsler Chaim Chapper, har am 13. d. M. durch Vollstreckung des Todesurteils an den beiden Mördern seine Sühne gefunden. Wie früher bereits mitgeteilt, hat bei verschiedenen Mordtaten, die sich innerhalb eines Jahres im oberschlesischen Jndustriebezirk Zugetragen, der Mörder seine Opfer unter armen Juden gesucht, die durch Kleinhandel im Grenzbezirk mühselig ihr Dasein fristen und das Erträgnis arbeitsreicher Monate bei sich zu tragen Pflegen. Recht bezeichnend für gewisse Begleitumstände ist die Tatsache, daß die in Beuthen und Gleiwitz Hingerichteten Mörder besseren bürgerlichen Berufen (Schneider- und Fleischermeister) angehörten und nicht Not, sondern niedrige Habsucht das Motiv ihrer Schandtaten bildete. ' gxa Gleiwitz, 14. November. Am Sonntag den 3. November fand in Gleiwitz die Tagung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens statt. Anwesend Maren die Herren Dr. Braunschweiger- Rybnik, Cohn- Kattowitz, Dienemann - Ratibor, G allin e r - Beuthen, Goldmann -Oppeln, Gradenwitz -Tarnowitz, K a a tz - Zabrze, K o p s st e i n - Beuthen, Löwenstamm - Pleß, M ü n z - Gleiwitz, N i s ch k o w s k h - Kattowitz und Winter- Mhslowitz. Der Vorsitzende Herr Dr. Cohn-Kattowitz erössnete die Versammlung mit Worten der Begrüßung und machte sodann einige geschäftliche Mitteilungen. Den Kassenbericht erstattete Herr Dr. M ü n z- Gleirvitz. Bei der darauffolgenden Wahl eines Delegierten zum Zentralausschuß des deutschen Rabbinerverbandes wurde nach kurzer Debatte der Beschluß gefaßt, daß die Mitglieder des oberschlesischen Rabbinerverbandes abwechselnd zu den Sitzungen des Zentralausschusfes delegiert werden sollen; für die nächste Tagung wird Herr Dr. Braunschweiger-Rybnik designiert. D>en nächsten Punkt der Tagesordnung bildete das Ersuchen des Vorstandes einer oberschlesischen Gemeinde um eine Aeußerung des Rabbinerverbandes über die Frage der Zulässigkeit von Musik bei der Bestattung von Mitgliedern der Kriegervereine und Landwehrvereine. Der Rabbiner der betreffenden Gemeinde hatte seine Mitwirkung bei einem unter Musikbegleitung stattfindenden Leichenbegängnis aus religiösen Bedenken abgelehnt; der Vorstand dagegen berief sich auf die in mehreren oberschlesischen Gemeinden geübte Praxis, in denen bei Mitgliedern der Kriegervereine und Landwehrvereine Musik zugelasfen wird. Nach längerer Debatte beschloß die Versammlung, dem Vorstände der be- treffenden Gemeinde folgende Erwiderung zugehen zu lassen: „Wir erachten es nicht für angemessen, daß der Rabbinerverband als solcher in diese zwischen Rabbiner und Gemeinde schwebende Meinungsverschiedenheit eingreist." Der Vorsitzende bringt sodann eine Angelegenheit zur Spräche, die in weiten Kreisen Aufsehen und großen Unwillen erregt hatte. Herr Dr. Goldmann-Oppeln hatte eine Trauung vollzogen zwischen einer Witwe und dem Bruder ihres verstorbenen Mannes. Die Witwe hatte-aus der ersten Ehe ein Kind. Zu dieser Angelegenheit erbittet -Herr Dr. Goldmann das Wort und erklärt: „Daß Das Schließen einer solchen Ehe seinem religiösen Standpunkt nicht entspricht und Daß er weder die Absicht gehabt habe, eine solche Trauung vorzunehmen, noch auch in Zukunft es tun würde." Er erklärt ferner, „daß in dem vorliegenden Spezialsalle ein Versehen seinerseits Vorgelegen habe, das er selbst am meisten bedaure. Durch eine Verkettung von unglückseligen Umständen habe er sich bei dieser Eheschließung bezüglich der tatsächlichen Verhältnisse in einem Irrtum befunden." Es folgte hierauf eine freie Aussprache, sodann wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Gleiwitz, 17. November. Die m dem altbewährten Solbade Königsdorfs-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete israelitische Kinderheilstätte (Verwaltung zu Gleiwitz) hat in der vergangenen Saison (1912) 159 Pfleglingen, und zwar 78 Knaben und 81 Mädchen Ausnahme gewährt. Bei allen Kindern war ein günstiger Kurerfolg zu verzeichnen. Als geheilt wurden entlassen 69, als sehr gut gebessert 27, als gut gebessert 52, als gebessert 11. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 4% Pfund. Insgesamt hat die Anstalt seit ihrem Bestände 2189 Pfleglinge beherbergt und ihnen zur Kräftigung und Gesundheit verholsen. Sicherlich eine anerkennungswerte Leistung auf dem Gebiete humanitärer und sozialer Fürsorge. Aber es liegt im Zuge der modernen Zeit, daß die Ansprüche, die an die Anstalt gestellt werden, von Jahr zu Jahr sich steigern. Es ist eine Pflicht der Nächstenliebe, diesen Anforderungen nachzukommen. Kein krankes, bedürftiges Kind soll vergebens um Ausnahme bitten. Es wird daher ein größerer Erweiterungsbau geplant. Zu diesem Zwecke ist bereits ein umfangreiches Gelände, das an das Grundstück grenzt, erworben worden. Die Erhaltung des segensreichen Werkes geschieht durch Stiftungen und milde Beiträge. Vorsitzender der Kinderheilstätte ist Rabbiner Dr. Wilhelm Münz in Gleiwitz. W. Aus der Provinz Posen, im November. Posen. Der Verein „Leschaun Limudim, der den Zweck hat, jüdisches Wissen unter der Heranwachsenden Jugend hierselbst zu verbreiten, hielt in diesen Tagen seine ordentliche halbjährliche Generalversammlung ab, die recht zahlreich besucht war. Die Berichte über die Vereinstätigkeit, in denen sich eine kräftige Weiterentwicklung des Vereinslebens zeigte, wurden mit großem Interesse ausgenommen. Eine lebhafte Diskussion rief die Festsetzung des neuen Lehrplans für das Winterseinester hervor. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl der Herren Abraham Preszewski, 1, Vorsitzender, I. Jacobstamm, H. Jacob- . fohn, Sal. Pleßner, I. Ruschin und A. Jacoby. Die vom Verein eingerichteten Lehrkurse stehen der gesamten jüdischen Jugend unentgeltlich zur Beteiligung. — Die hiesige jüdische Gemeinde hat in letzterer Zeit einige sehr achtbare Mitglieder durch den Tod verloren. Herr Meyer Kalischer erreichte das hohe Alter von 81 Jahren und hat Zeit seines Lebens durch Frömmigkeit und Wohltun sich ausgezeichnet; die Frauen Helene Aron und Hedwig Calvary, beide aus echt jüdischem Hause stammend, und Ernestine Banner, welche in Berlin Heilung von ihren Leiden suchte und dort verstarb. — Nogasen. Der Kaufmann Isaak Jastrow wurde zum Natsmann wiedergewählt. — Gnesen. Zum Mitgliede des Vorstandes der hiesigen jüdischen Volksschule wurde Herr Fabrikbesitzer Berthold Bergmann gewählt und bestätigt. — Schrimm. Herr Rentier Hermann Busch, hierorts gebürtig, ist in Berlin in hohem Alter gestorben. — In Jastrow verschied Herr Michaelis Lewin, 80 Jahre alt. Zwei Tage darauf starb feine Frau Röschen Lewin, geb. Jacoby. — Birnbaum. Dem Warenhaus-. bescher Oskar Tietz in Berlin, hier geboren, wurde in Anerkennung seiner vielen Verdienste um die hiesige Stadt ein Gedenkstein im Stadtpark mit entsprechender Widmung gesetzt. — Gnesen. Rabbiner Dr. Jacobsohn feierte in diesen Tagen mit seiner Gattin das Fest der Silberhochzeit unter der freudigsten Anteilnahme der ganzen Gemeinde wie weiterer Kreise der Bürgerschaft. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß aus Anlaß dieses Festes die Gemeindevertretung — in vorbildlicher Weise — nach einstimmig gefaßtem Beschlufse den ersten Beamten der Gemeinde unter Gewährung der Pensions- und Ieliktenversorgung definitiv angestellt hat. 2XD Elmshorn, 15. November. Am 10^ d. M. fand zu Elmshorn der 2. Gemeindetag des Schleswig - Holsteinischen S' y n a g o g e n v o r b a n d' e s statt. Dieffer jüngste * And Much kleinste der preußischen Shnagogenverbände hat in der kurzen Zeit

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